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Dragman in unserer Graphic-Novel-Rezension

Normalerweise stelle ich euch hier auf ntower keine Superheldencomics vor. Das liegt in der Regel darin begründet, dass diese in den Medien immer noch recht präsent vertreten sind und andere Rezensenten in Deutschland diese mit größerem Herzblut und Fachwissen besprechen können. Heute mache ich allerdings eine Ausnahme und möchte euch die Lektüre von Dragman ans Herz legen. Dragman ist eine Graphic Novel von Steven Appleby, welche in einem Hardcover-Buch beim Schaltzeit Verlag auf Deutsch erschienen ist.


In einem London der Gegenwart existieren jede Menge Superhelden, sie stellen für die Menschen keine Besonderheit mehr dar. Allerdings stellen sie ihre Dienste nur noch gegen Geld zur Verfügung, alles wird ökonomisch ausgenutzt und eine Organisation wacht darüber, wer genau sich auch als Superheld verdingen kann und darf.


Dragman und Dog Girl im Einsatz!

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Unser Protagonist Dragman war einer dieser Superhelden, in der Gegenwart hat er sein Kostüm bereits an den Nagel gehängt und lebt sein Leben „normal“ als August Crimp. Er kümmert sich um seinen kleinen Sohn Goliath und ist verheiratet mit der wunderschönen Schreinerin Mary, deren Eltern bei einem Superhelden-Einsatz unter die Räder gekommen sind. Verständlich, dass sie nicht so gut auf Superhelden zu sprechen ist, wobei sie nichts von der geheimen Identität von August weiß. Sein altes Kostüm hält er vor ihr versteckt und hat Mary nichts von seiner Leidenschaft für Frauenkleider oder seinem Superheldendasein erzählt.


In Rückblenden lernen wir die Entstehungsgeschichte von Dragman kennen. So wie sich August als junger Mann die Kleider seiner Mutter angezogen hat und dabei gemerkt hat, dass er dadurch auf einmal fliegen kann und zum Superheld wird. In die Geschichte eingewoben springt Zeichner und Autor Appleby immer wieder zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin und her. So wissen wir Leser von den Geheimnissen der Superhelden-Organisation und welche Probleme Dragman und andere der Superhelden mit dieser Organisation und insbesondere mit deren Chef The Fist bekommen.


Es existiert in der Welt von Dragman ein Gerät, was die Seelen der Menschen extrahieren und aufbewahren kann. Die Menschen erhalten für ihre Seele eine Menge Geld und sind auf einen Schlag alle ihre Sorgen los, weil es sie schlichtweg nicht mehr interessiert. Diese seelenlosen Menschen können theoretisch ein sorgenloses Leben führen, wenn da nicht die geheimen Interessen der Organisation wären, die natürlich nicht die vollen Konsequenzen einer Seelen-Extraktion offenbart. So werden aus durchaus ehrenwerten und moralisch integren Personen auch leicht Bösewichte, weil sie sich ihrer Handlungen dabei nicht bewusst sind und kein Einfühlungsvermögen mehr besitzen.


Steven Appleby erzählt uns seine Geschichte in unterschiedlichen Formen und springt dabei durch unterschiedliche Zeitebenen. Das ist dabei alles durchaus nachvollziehbar und passt hervorragend ins Konzept. Nebenbei webt Appleby dann auch noch gekonnt eine Murder-Mystery-Geschichte ein, die er nicht in Bildern, sondern uns als Romantext präsentiert. Denn ein Mörder schleicht durch die Straßen von London und bringt gezielt Transvestiten um. Dabei handelt es sich um einen Menschen, der sich ebenfalls unter den Superhelden befindet, was Dragman und seine Freundin Dog Girl nicht wissen, aber nach und nach herausfinden.


Ich bin richtiggehend begeistert, was Steven Appleby hier mit der Graphic Novel Dragman auf die Beine gestellt hat. Nicht nur schafft er es, seine eigene Identität als Trans-Person mit in die Geschichte einzuweben, er greift auch wunderbar und nahezu mühelos dabei einige andere Themen auf und verwebt alles zusammen in ein spannendes Buch. Geheime Leidenschaften, Diskriminierung, Identitätsbewusstsein, Unterdrückung, ökonomische Ausbeutung – die Themen sind alle an sich schon bedrückend, umso erstaunlicher, dass keines dieser Punkte in der Graphic Novel aufgesetzt wirkt. Im Gegenteil, Appleby verarbeitet hier sein eigenes Coming Out und Transleben, sowie die Erfahrungen, die er seit seiner offenen Auslebung gemacht hat.


Wenn ihr euch selbst ein Bild vom Artwork zu Dragman machen möchtet, findet ihr hier ein paar Eindrücke auf der Verlagsseite.


Dragman ist erschienen beim Schaltzeit Verlag, ISBN: 978-3-946972-49-5, 336 Seiten, Farbig, Hardcover 16,5 x 23,5 cm, 29,00 Euro


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Unser Fazit

Meinung von Dennis Gröschke

Dragman ist Superheldencomic, Krimi, Identitätssuche, witzig inszeniert, gefühlvoll und vor allem auch immer wieder spannend. Ich hatte angesichts des Titels und der Prämisse keine Ahnung was mich erwartet, aber Illustrator (unter anderem F.A.Z.) und Autor Steven Appleby fing mich als Leser nach den ersten Seiten bereits ein. Die Zeichnungen sind dabei gewöhnungsbedürftig, fangen aber das Geschehen gekonnt ein. Nach ein paar Seiten konnte ich mich mit seinem Stil anfreunden. Die Geschichte von Dragman ist toll aufgebaut, mitreißend geschrieben und reißt dabei viele Themen an, die quasi im Vorbeigehen mit bearbeitet werden. Dabei schafft es Appleby neben der spannenden Erzählung den Leser jederzeit ernst zu nehmen und nicht den erhobenen Zeigefinger zu schwingen. Eine tolle Graphic Novel mit Herz und Mut, die nicht vor schwierigen Themen zurückschreckt. Bereits jetzt in meinen Top 5 des Jahres!

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