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Meer der Träume von Cixin Liu in unserer Graphic Novel-Rezension

Kunst liegt immer im Auge des Betrachters, soweit eine abgedroschene Phrase. Doch was ist, wenn eine Kunst zur Gefahr für den Planeten, gar für die gesamte Menschheit wird? Dieser Prämisse geht der chinesische Science-Fiction-Autor Cixin Liu in seiner Kurzgeschichte „Meer der Träume“ nach. Bisher wurde diese Kurzgeschichte noch nicht in Deutschland veröffentlicht. Nun liegt beim Splitter-Verlag die Graphic Novel zur Geschichte vor.


Beim alljährlichen Eisskulpturenwettbewerb belächeln die Leute Yan Dong für seine abstrakte, unzugängliche Kunst. Doch er bedient sich bei seinen Skulpturen einer besonderen Technik und behaut die Eisblöcke nicht klassisch mit Werkzeug. Dies erregt die Aufmerksamkeit eines Wesens, das aus dem All auf die Erde kommt, um dort die Kunst der Eisskulpturen-Bildhauerei zu vollführen. Es nennt sich selbst Niedertemperaturkünstler und kommt von einem fernen Ort auf die Erde, weil sich die Erde mit ihrem enormen Wasseraufkommen bestens dazu eignet, mehr Kunst zu gestalten.


Yan Dong trifft auf seinen Künstlerkollegen aus dem All!

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Yan Dong ist der einzige Mensch, mit dem das Wesen spricht. Allen anderen zeigt es die kalte Schulter. Yan Dong hat die Chance mit dem Wesen über seine und die Kunst des Wesens zu philosophieren und zu diskutieren. Jedoch gestaltet das Wesen immer mehr und immer größere Bauwerke aus Eis. Die Wasservorräte der Erde gehen zuneige und die Menschheit steht vor dem Verdursten, geschweige denn die Auswirkungen des Wassermangels auf die Flora und Fauna des Planeten. Wird Yan Dong das Wesen überzeugen können, vom Wasservorrat der Erde abzulassen oder wird die höhere Kunst über das Leben von Milliarden von Menschen triumphieren?


Nicht nur in dieser Kurzgeschichte stellt Cixin Liu neben Science Fiction auch immer wieder philosophische Ansätze an die Seite und manches Mal auch gegenüber. Was darf Kunst bewirken? Steht ein Kunstwerk über den Bedürfnissen einer Spezies, ja sogar eines ganzen Planeten? Liu gibt darauf keine eindeutige Antwort, aber das erwarte ich als Leser hier auch nicht. Aus diesem Grund werde ich auch nicht näher auf das Ende eingehen, sondern überlasse euch selbst das Vergnügen, es herauszufinden.


Meer der Träume wurde textlich vom mexikanischen Autor Rodolfo Santullo für die Graphic Novel adaptiert. Da wir die Kurzgeschichte im Deutschen nicht zum Vergleich in Romanform vorliegen haben, kann ich hier, anders als bei Die Wandernde Erde, keinen Vergleich ziehen. Optisch umgesetzt wurde das Werk von Zeichner Jok (Heavy Metal), der in Buenos Aires geboren ist und von dem hier in Deutschland noch wenig bis gar nichts veröffentlicht wurde. Seine Figuren sind auf dem ersten Blick ein wenig gewöhnungsbedürftig und nicht immer „schön“ anzuschauen, im Kontext der Gestaltung der Eisskulpturen und dem Niedertemperaturkünstler kann er aber aus dem Vollen schöpfen und mich überzeugen. Die großformatige Veröffentlichung kommt seinem Artwork bei allem was keine menschliche Gestalt hat enorm entgegen, wirklich gelungen.


Die Graphic Novel zu Meer der Träume ist bereits das dritte Buch im Rahmen eines Langzeitprojektes, in dem 26 ausgewählte Künstlerinnen und Künstler insgesamt 15 Kurzgeschichten von Cixin Liu als Graphic Novel umsetzen. Ein bisher nie dagewesenes Kooperationsprojekt, das Lius wegweisende Visionen der Zukunft in ein neues Licht rückt. Dabei sind alle Geschichten abgeschlossen und lassen sich ohne Vorkenntnisse lesen. Im deutschsprachigen Raum kümmert sich der Splitter Verlag um die Veröffentlichungen der Reihe. Als nächste Graphic Novel aus der Reihe erwartet uns bereits im November „Der Dorflehrer“, dieses Mal von einem chinesischen Künstler.


Wenn ihr euch selbst ein Bild vom Artwork von Meer der Träume machen möchtet, findet ihr hier ein paar Eindrücke auf der Verlagsseite.


Meer der Träume ist erschienen im Splitter-Verlag, ISBN: 978-3-96792-069-7, 96 Seiten, Hardcover, vierfarbig, 19,80 Euro


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Unser Fazit

Meinung von Dennis Gröschke

Mit Meer der Träume liegt eine Kurzgeschichte in Form einer Graphic Novel vor, die mich ein wenig an "Gipfelstürmer", eine andere Kurzgeschichte von Cixin Liu, erinnert hat. Auch dort kommunizieren ein ausgewählter Mensch und eine außerirdische Lebensform miteinander und philosophieren gemeinsam. Dennoch hat Meer der Träume genug eigenes zu bieten, um nicht als Kopie zu gelten (es wäre ja auch bei sich selbst geklaut worden) und steht dazu nun auch noch als Graphic Novel auf einer anderen künstlerischen Plattform zur Verfügung. Optisch konnte mich die Umsetzung begeistern und kommt besonders im großen Album-Format prächtig zur Geltung. Wie schon bei der Wandernden Erde wurde auch hier mit einer ausklappbaren Doppelseite ein wichtiger Moment der Geschichte mit einem besonderen Augenmerk versehen. Mir bereitet die Reihe großen Spaß, zumal wir als Leser keinerlei Vorwissen brauchen und alle Bücher für sich stehen. Gerne mehr davon.

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Kommentare 1

  • Pascal Hartmann

    I'm not a cat

    Eine interessante Comic-Reihe. Bei Cixin Liu mochte ich auch das Buch mit den Kurzgeschichten lieber als seine Sonnen-Trilogie. Letztere wurde einfach immer zu einer Abfolge von Ereignissen, bei denen der Autor an einer Stelle einfach aussteigt und die Geschichte ist vorbei, aber genauso gut hätte sie das schon 300 Seiten zuvor sein können, 200 Seiten vorher oder sonst wann.

    Daher eine gute Idee, auf seine Kurzgeschichten zurückzugreifen.