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Der PowerA Spectra Enhanced Wired Controller im Hardware-Test – Eine kostengünstige Controller-Alternative? Hardware-Test

„Ich kauf mir kein Third-Party-Krempel, ist mir zu billig und geht schnell kaputt.“ So oder ähnlich denken viele. Obwohl die Risiken durchaus bekannt sind, konnte ich dieser Behauptung bislang allerdings nicht zustimmen. Als ich jünger war, hatten wir vor allem für die PlayStation 2 viel Zubehör von Drittherstellern, und das meiste davon funktioniert heute immer noch.


Ein Größenvergleich: links der Nintendo Switch Pro Controller, rechts der Power A Spectra Enhanced Wired Controller

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Seit einigen Wochen nun habe ich den „PowerA Spectra Enhanced Wired Controller“ (aber hallo) von PowerA ausgiebig testen dürfen. Für mich die erste Third-Party-Hardware seit drei Konsolengenerationen. Wie der Name schon vermuten lässt, ist der Controller kabelgebunden und lässt sich nur im Docked-Modus der Nintendo Switch verwenden. Dazu dient ein drei Meter langes USB-Kabel mit Mini-USB- (Controller) und abnehmbarem USB-Typ-A-Endstück (Konsole). Auch wenn das USB-Kabel vom Controller entfernt werden kann, sitzt der Clip ziemlich fest im Port, was das Ganze ziemlich schwer macht. Andererseits ist die Verbindung so sicherer während des Gebrauchs.


Als Teil der Enhanced-Serie verfügt der Spectra Controller weiterhin über eine vierpolige 3,5-mm-Klinkenbuchse für Stereo-Headsets. Ein darüber angeschlossenes Gerät wird als USB-Audiogerät erkannt und kann über den Software-Lautstärkeregler der Konsole angesteuert werden. Hinzu kommen zwei programmierbare Tasten auf der Rückseite der Griffe: AGL und AGR. Diese „Advanced Gaming“-Tasten können mit einer beliebigen Tastenfunktion, ausgenommen Stick-Richtungen, belegt werden. Der Controller geht mit ihnen identisch um wie mit anderen Tasten, sie bieten daher auch keine Turbo-Funktion. Da der Controller diese Tasten eigenhändig programmiert, können sie unabhängig vom Host-System jederzeit konfiguriert werden. Ein paar funktionelle Abstriche muss man, wohl aus Kostengründen, hinnehmen. Der Controller unterstützt etwa kein HD-Rumble, besser gesagt überhaupt keine Vibration. Auch Bewegungssensoren und eine NFC-Funktion sind nicht vorhanden. Das schränkt natürlich die Spiele, die darauf angewiesen sind, entsprechend ein.


Die Rückseite mit programmierbaren Tasten

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Wer bereits einen Enhanced Wired Controller kennt, ist mit dem Formfaktor und den Funktionen vertraut. Das „Spectra“ im Namen deutet auf eine optische Besonderheit, da der Controller in acht Farben sowie einem flüssigen Farbwechsel LED-beleuchtet ist. Die Tastenbeschriftung fällt eher indirekt darunter, da nur die Rahmen leuchten und die Buchstaben passiv beleuchtet werden. Aber mit den Positionen von A, B, X und Y dürften die meisten sich wohl auch im Dunkeln auskennen.


Der Lieferumfang fällt eher bescheiden aus: Kurzanleitung, Controller, Kabel. That's it. Die Konsole erkennt den Controller unverzüglich und meldet ihn an. Allerdings kann die Nintendo Switch nicht über den Controller aus dem Standby-Modus geweckt werden. Dafür muss zunächst die Powertaste der Konsole betätigt werden, erst dann kann sich der Controller anmelden und schließlich das Home-Menü bedienen. Der Controller hat zudem keinen Indikator für die Spielernummer, diese muss man im Controller-Setup nachsehen.


Der Controller lässt sich nicht nur für die Nintendo Switch verwenden, sondern auch als GamePad für Windows-PCs einrichten. Der lokale Client der Vertriebsplattform Steam erkennt ihn als Äquivalent zum Nintendo Switch Pro Controller, der bekanntlich ebenso von Steam unterstützt wird. Allerdings funktioniert er scheinbar nicht in jeder Anwendung. Abseits von Steam wurde der Controller von BlueStacks, einer Emulationssoftware für das Android-Betriebssystem, nicht erkannt. Andere Konsolen scheinen sich nicht damit zu verbinden, doch gibt es von diesem Controller auch eine funktional angepasste Version für Xbox One und Xbox Series.


Keine Sorge, so stark leuchtet der Controller nur auf den Bildern.

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Hinsichtlich des Komforts war ich zunächst skeptisch, aber der Enhanced-Controller braucht sich nicht zu verstecken. Die Form kommt einem Xbox One- oder Xbox Series-Controller nahe, sogar die Sticks sind deren in ihrer Form ähnlich, inklusive Einkerbung und Riffelung. Allerdings ist der Enhanced-Controller merklich leichter als der Pro Controller, möglicherweise wegen der fehlenden Vibrationsmotoren. Die Druckpunkte aller Tasten der Vorderseite sind einheitlich. Die Tasten A, B, X, Y sind etwas fester als beim Pro Controller, dafür sind +, -, Home- und der Aufnahmeknopf leichter zu drücken. Alle Tasten ragen auch weiter hervor als beim Pro Controller. Gerade ZL und ZR fühlen sich, trotz normalem Tasteninput, mehr wie neuere Trigger an. Die Bequemlichkeit wird hier Geschmackssache sein, aber umgewöhnen müsst ihr euch wahrscheinlich schon.


Ich habe schon ein paar Rezensionen über eine mangelnde Langlebigkeit der Analogsticks dieser Controller-Serie zu Gesicht bekommen, auch hier bei ntower. Daher habe ich mir für den Test mehr Zeit gelassen und den Controller in der letzten Zeit als einzigen für die Nintendo Switch benutzt. Auch für ein paar Spielabende bei Freunden wurde er eingesetzt. Mario Sport-Spiele, Mario Party Superstars, Pokémon UNITE, Animal Crossing, Ultimate Chicken Horse, Fall Guys (PC) oder N64 via NSO sind nur einige Beispiele bisheriger Anwendungen, und noch immer funktioniert er reibungslos. Ich halte mir aber die Option offen, diesen Text via Update-Absatz zu aktualisieren, sofern Komplikationen auftreten.

Unser Fazit

Meinung von Maik Dallherm

Für 40 Euro tauscht ihr etabilierte, aber sekundäre Funktionen des Nintendo Switch Pro Controllers gegen andere ein, die der PowerA Spectra Enhanced Wired Controller zu bieten hat: programmierbare Tasten und Headset-Funktionalität – auf Kosten von Vibration, Bewegungssensoren und NFC. Der Controller macht eine schicke Figur und liegt als oder trotz Leichtgewicht gut in der Hand. Zur Langlebigkeit kann ich noch keine abschließenden Angaben machen, kann bisher aber keine Mängel feststellen. Gegebenenfalls werde ich bei nachträglich auftretenden Schwächen in einem Update darauf zurück kommen.

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Kommentare 6

  • afriixy

    Turmbaron

    Ich bin immer so die Fraktion:


    Original > all.


    Auch wenn jedwede 3rd Party Anbieter teils schönere Designs haben.

    Da ist einfach Funktionalität / Langlebigkeit > Design.


    Update: Und never ever gebrauchte Controller. Alter Valter!

    Das Dingen wird von mir gekauft, vor jedem zocken werden die Flossen gewaschen und der wird auch in meinen (durch meine) Hände/n sterben :D!

  • nec3008

    Turmbaron

    Beim Game Cube hab ich damals auch ein paar Controller von Drittherstellern, da man damals nicht so viel Geld hatte und die meisten auch ihren Zweck erfüllt haben, ohne auf Funktionen zu verzichten.

    Der Verzicht auf Funktionen stört mich bei den Controllern für die Switch immer wieder, egal ob PowerA oder Hori (beide offiziell von Nintendo lizensiert).

    Bewegungssteuerung und HD Rumble sollten eigentlich Standard sein. Ersteres kann man vielleicht noch vernachlässigen, aber beides sind Features, die besonders an den Joy Cons und dem Pro Controller waren/sind (HD Rumble nicht mehr seit dem Dual Sense) und beides möchte ich nicht mehr missen, da man sich gut dran gewöhnt hat. Es gibt genug die komplett auf Rumble verzichten und die freuen sich bestimmt günstigere, lizensierte Controller zu bekommen, aber wenn man Rumble zu schätzen weiß und merkt, was HD Rumble nochmals besser macht, möchte man es einfach nicht mehr missen.

    Ich wiederhole mich, aber würde Hori den Split Pad Pro Controller mit HD Rumble auflegen, würden die nochmal Geld von mir bekommen.

    Keine Ahnung ob das spezielle Rumble so teuer oder kompliziert ist oder Nintendo vielleicht sogar dafür sorgt, das Dritthersteller es nicht dürfen, aber ohne kommt mir kein Switch Controller mehr ins Haus.

  • Ruboka

    Turmknappe

    MIch würde mal interessieren ob es aktuell ein paar joycons gibt die ungefähr gleich groß sind wie die originalen. Hori hat ja einen linken mit dpad der nur im handheld funktioniert, aber einen rechten kenne ich nicht. ja infarot braucht man auch nicht, wenn man sowieso nur im handheld spielt, von daher weiß ich nicht was hori zb davon abhält ein komplettes paar zu machen.
    aber ich bin bisher auch immer nur dem konsolen hersteller treu geblieben. oder hab meine xbox 360 controller für pc.

  • Ngamer

    Son of a Patriot

    7.8/10 too much RGB

  • Pika-San

    Turmheldin

    Hab mir Anfang letzten Jahres für 20€ den kabellosen "Diswoe" Controller für die Switch geholt und bin mehr als zufrieden damit. Der schlimmste Part war, das Teil mit der Switch verbunden zu kriegen, da die Anleitung da auch nicht hilfreich war. Hat halt kein Nfc und kann die Switch nicht ausm Stand-By aufwecken, aber da kann man für den Preis wohl drauf verzichten :D

  • N-Switcher

    Turmbaron

    Hab mir mein 2. Satz Binbok RGB Joycon vor längerem bestellt.


    https://binbok.com/product/bb-ys37-9/


    Diesmal die neuen in Transparent. Bin mir den richtig zufrieden. Die Joysticks sind nur ein kleinen Tick "schlechter" wie beim Hori Split Pad. Dafür gibts rumble und Motion Control. Und man kann sie auch getrennt von der Konsole verwenden.


    Nutze die Switch nur noch im Handheld. Zur Zeit nutze ich sie mit dem Skull und co Neogrip oder den Binbok Joycon.


    Von Power A hab ich den Fusion Pro. Damals noch für 90€ bekommen, jetzt kostet er 105€. Aber den Controller nutze ich wenn dann unter Steam am PC.


    Ich würde mich mal über noch weitere Alternative Joycon freuen. Gerne könnte Hori mal das Split Pad überarbeiten mit Rumble und Gyro. Aber vermutlich wird Nintendo dann seine Joycon nicht mehr los wenn sie da was hochwertiges mit Hori anbieten. Oder Nintendo soll selbst mal Joycon für Erwachsene anbieten.


    Bisher ist Binbok die einzige fast vollwertige Joycon Alternative. Und mit Morion Control zu zielen ist schon besser wie mit dem Hori.