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Laura Dean und wie sie immer wieder mit mir Schluss macht – Unsere Comic-Rezension

Seit ein paar Jahren scheuen deutsche Verlage nicht, ihren Büchern, insbesondere im Manga-Bereich, längere Titel zu verleihen. Hier seien exemplarisch „Ein Landei aus dem Dorf vor dem letzten Dungeon sucht das Abenteuer in der Stadt“ oder auch „Ich habe 300 Jahre lang Schleim getötet und aus Versehen das höchste Level erreicht“ genannt, die sich beim Altraverse-Verlag im Programm befinden. Heute soll es bei uns um einen anderen Titel gehen, der bei Carlsen erschien und nicht zur Kategorie Manga gezählt werden kann: Laura Dean und wie sie immer wieder mit mir Schluss macht.


Im Vordergrund der Geschichte stehen das Teenager-Mädchen Frederica, genannt Freddy, und ihre Beziehung zu Laura Dean, dem beliebtesten Mädchen der Schule. Laura Dean ist einnehmend, selbstbewusst und äußerst attraktiv, also durchaus eine Traumfrau für Freddy. Jedoch gibt es in ihrer gemeinsamen Beziehung das Problem, dass Laura es mit der Treue nicht so genau nimmt. Aus diesem Grund macht sie immer wieder mit Freddy Schluss, was nicht nur sie, sondern auch den Freundeskreis von Freddy belastet.


Immer wieder kommen sich Freddy und Laura Dean näher ...

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Wenn Laura mit Freddy Schluss macht, kehrt sie eine Woche später lächelnd zu ihr zurück, als sei nichts gewesen. Laura zieht ihr Ding durch, will sich aber anscheinend nicht fest und allein an Freddy binden. Auf der anderen Seite scheint sie Freddy doch sehr zu mögen, denn warum sollte sie sonst immer wieder zu ihr zurückkommen? Freddy ist verzweifelt und ihr Kopf fährt immer wieder „Achterbahn“, wenn Laura mal wieder mit ihr Schluss gemacht hat. Das Schlimme daran ist, dass auch Freddys Freundeskreis so langsam die Schnauze voll davon hat. Versprechungen und Verabredungen mit ihren Freunden und Freundinnen hält Freddy nicht mehr ein, wenn Laura sich mal wieder bei ihr meldet.


Gefühle und Gedanken fahren Karussell bei Frederica, wenn sie nur an Laura denken muss. Im Bemühen, ihre Freundin nicht (noch einmal) zu verlieren, verliert Freddy stattdessen einen Freund und eine Freundin nach der anderen. Es stellt sich mit der Zeit die Frage, ob es an Laura liegt oder das Problem nicht sogar Freddy selbst ist?


Vielleicht kennt ihr eine solche Situation aus eurem eigenen Leben oder habt es in eurem Freundeskreis in einer ähnlichen Form schon mal miterlebt. Wenn sich zwei Menschen näherkommen und eine Beziehung eingehen, kann es in den jeweiligen Freundeskreisen schon einmal dazu kommen, dass die beiden Turteltauben nicht mehr bei jedem Treffen der Clique dabei sind. Bis zu einem gewissen Grad völlig normal, möchten sich die beiden Menschen doch einfach näher kennenlernen und Zeit miteinander verbringen. Da stecken die anderen Freundinnen und Freunde also zwangsläufig zurück. Doch sollte man dadurch gleich alle weiteren Beziehungen aufgeben oder ruhen lassen?


Autorin Mariko Tamaki und Zeichnerin Rosemary Valero-O´Connell zeichnen in ihrem gelungenen Buch eine solche Situation nach und greifen dabei das ein oder andere Mal in die Klischeekiste. Das ist aber nicht weiter schlimm, weil sich die beteiligten Protagonisten in ihren Rollen durchaus realistisch verhalten. Als Leser konnte ich jederzeit die unterschiedlichen Sichtweisen der jungen Frauen nachvollziehen. Da ist diese eine Person, in die man unsterblich verliebt ist, die aber im Großen und Ganzen nicht gut für einen ist. Im Verlauf des Buches erleben wir die Ohnmacht bei Freddy, aber auch, wie sie wieder ganz oben und frisch verliebt scheint.


Klar kommt das nicht ohne Herzschmerz, zögerliche Küsse und peinliche Party-Situationen aus. Aber im Teenager-Alter gehört das halt auch einfach dazu. Diese Gefühle und Gedanken fangen Tamaki und Valero-O´Connell passend ein und präsentieren uns Lesern einen Abschnitt aus dem Leben von Frederica, der so auch der Realität entsprungen sein könnte. Es ist erfrischend, zu sehen, dass es in dieser Geschichte nicht um ein Coming-out geht, das ist scheinbar schon alles vorher passiert, sondern wie sich die lesbische Beziehung zwischen Freddy und Laura Dean entwickelt.


Nebenher tauchen wir Leser auch ein wenig in den Alltag der Mädchen ein, bleiben dabei aber immer bei der Sicht von Freddy. Auch die zahlreichen Nebenfiguren kamen mir als Leser durchaus lebendig vor. Tamaki und Valero-O´Connell siedeln die Geschichte in Kalifornien an und gestalten alle Nebenfiguren insgesamt divers, nicht nur was Sexualität und Geschlecht angeht. Viele unterschiedliche Haar- und Hautfarben tummeln sich an der Schule und in den anderen Locations, an denen sich Freddy und ihre Freunde treffen.


Optisch fühlte ich mich beim Stil von Valero-O´Connell an Tillie Walden erinnert, die mich dieses Jahr mit ihrer Graphic Novel „Auf einem Sonnenstrahl“ schon begeistern konnte. Die Farbgebung und zeichnerische Gestaltung von Laura Dean und wie sie immer wieder mit mir Schluss macht steht ihr in nichts nach. Das gefällt mir außerordentlich gut und liest sich flott weg. Auch die Panelstruktur wird immer wieder aufgebrochen und ist nicht so starr wie in manch anderem Comic. Es gibt auf nahezu jeder Seite etwas zu entdecken, auch wenn die Graphic Novel zu einem großen Teil in Schwarz-Weiß daherkommt und nur gelegentlich mit Elementen in Zartrosa getupft wird.


Wenn ihr euch selbst ein Bild vom Artwork machen möchtet, findet ihr hier ein paar Eindrücke auf der Verlagsseite.


Laura Dean und wie sie immer wieder... ist erschienen bei Carlsen, ISBN: 978-3-551-76590-1, 14,8 x 21 cm, Softcover, 304 Seiten, 22,00 Euro


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Unser Fazit

Meinung von Dennis Gröschke

Von Autorin Mariko Tamaki hatte ich im Vorfeld nur Gutes gehört, hat sie sich doch in der Vergangenheit auch schon um zahlreiche Superhelden-Comics gekümmert. Umso gespannter war ich auf ihre Geschichte rund um die Beziehung von Freddy und Laura. Und was soll ich sagen, das ist alles wirklich gut eingefangen, die Dialoge und Gedankengänge der jungen Frauen lesen sich flüssig und aus dem Leben gegriffen. Ich konnte mich jederzeit mit Freddy identifizieren, auch wenn ich einem anderen Geschlecht angehöre und weitaus älter bin. Es bleibt mir also nur, euch dieses Buch wärmstens ans Herz zu legen. Die Liebe ist eben eine universelle Sprache.

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Kommentare 2

  • Rye

    Salzfee

    Laura, James.. Diese Dean's sind echte Ärgermacher.


    Gibts solche Comics eigentlich inzwischen auch als EBook ?

  • Dennis Gröschke

    Nerdkulturist

    Rye ja, mit den Deans ist es nicht immer einfach :D


    soweit ich gesehen habe, gibt es Laura Dean auf Deutsch nicht als eBook, aber die Auswahl in diesem Bereich wächst auch in Deutschland in letzter Zeit enorm.