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Die Geschichte der Science-Fiction in unserer Graphic-Novel-Rezension

Wenn man sich als Autor vornimmt in einem bestimmten Themenbereich eine Übersicht zu erarbeiten und gegebenenfalls auch eine Chronologie zu erstellen, dann findet das stets meinen höchsten Respekt. Gerne habe ich in sämtlichen deutschen Star Trek-Veröffentlichungen und -Sachbüchern gestöbert, die sich in der Hochzeit des Franchises auf dem hiesigen Buchmarkt getummelt haben. Aber auch im Bereich der Comics und Graphic Novels gibt es in dieser Hinsicht ein paar Vertreter, von denen ich euch hier auf ntower sogar schon einige vorgestellt habe. Als Beispiel seien hier die Graphic Novel Soon von Thomas Cadène und Benjamin Adam genannt oder auch die großartige Aufarbeitung der jahrzehntelangen Tätigkeiten von Beate und Serge Klarsfeld in dieser Graphic Novel. Nun möchte ich euch zum Ende des Jahres noch ein äußerst hehres Projekt vorstellen: Die Geschichte der Science-Fiction von Xavier Dollo und Djibril Morissette-Phan.


Mehrere Jahrhunderte der Science-Fiction-Literatur in einem Band!

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Nur um euch das mal in den Kontext zu setzen: Wir reden hier von einem 200 seitigen Buch, in dem die beiden Künstler eine Chronologie der Science-Fiction-Literatur vom frühen 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart des Jahres 2020 abgebildet haben. Ihr fragt euch sicherlich, wie man sich das vorstellen muss, weshalb ich versuche, es mal anhand eines Beispiels darzulegen.


Meist nehmen sich die Künstler eine Autorin oder einen Autor vor, die sie aus dem historischen Kontext für wichtig erachten, weil er oder sie in der entsprechenden Epoche der Science-Fiction einen wichtigen Beitrag geleistet hat. Dazu werden die wichtigen Persönlichkeiten nicht selten innerhalb ihres eigenen wichtigen Werkes als Hauptdarsteller gezeigt, wo sie dann zum Leser sprechen. Dort werden ihnen dann Worte in den Mund gelegt, die dem Leser näherbringen sollen, warum gerade dieses Werk des Autors so wichtig war.


Eine andere Möglichkeit stellen imaginäre Treffen dar, die wichtige Autoren einer Epoche abhalten und die uns die Künstler dieser Übersicht in Comic-Form präsentieren. Da unterhalten sich A.E. van Vogt, John Wood Campbell, Isaac Asimov und Robert A. Heinlein mit Theodore Sturgeon gemütlich an einem Essenstisch über ihre Werke und den Einfluss, den sie auf die Science-Fiction Literatur haben werden. Daneben wird gezeigt, wie die ersten Geschichten dieser namhaften Autoren publiziert wurden und was das für die Beteiligten und die entsprechenden Medien (in dem Fall meist Pulp-Magazine oder Zeitschriften) bedeutete.


Zwischendrin zeigen ganzseitige Schaubilder von beispielsweise Philipp K. Dick oder Frank Herbert mit viel Text ihren Wirkungsgrad und vertiefen das Wissen rund um die jeweiligen Autoren. Es gibt Zeitstrahlen über mehrere Seiten, nicht nur zu Romanen, sondern auch zu wichtigen Filmen und Comics des Genres. Viele popkulturelle Referenzen und Querverweise finden sich immer mal wieder verstreut eingebaut. Allein auf den ersten Seite des Buches finden sich so viele (für mich) neue Informationen und Verweise, dass ich das Buch nicht lange am Stück lesen konnte, weil die Informationsflut einen förmlich erschlägt. Das bleibt zum Glück nicht durchgängig so, hin und wieder lockern sie das Geschehen immer wieder auf und setzen Querverweise auf andere Medien. Nach und nach bekommt man als Gelegenheitsleser von Science-Fiction aber nochmal aufgezeigt, welche Untergenres es doch auch noch gibt, die aus heutiger Sicht nahezu lachhaft anmuten.


Um euch eine Übersicht über die Inhalte zu geben, zeige ich euch hier mal die Hauptüberschriften der einzelnen Kapitel auf:

  • Die Ursprünge der SF: Von der Odyssee bis Frankenstein
  • Jules Verne, ein Visionär der Wissenschaft: Frankreich 19. Jahrhundert
  • H.G. Wells, Katalysator und Rebell: England, Ende des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts
  • Die Einführung der Pulps: Vereinigte Staaten, spätes 19. Jahrhundert bis zur Weltwirtschaftskrise von 1929
  • Die französische SF und das Wunder der Wissenschaft: Frankreich, Ende des 19. und erste Hälfte des 20 Jahrhunderts
  • Das Goldene Zeitalter der US-amerikanischen SF: 1930er bis späte 1940er Jahre
  • England und die New Wave: 1030er bis 1970er Jahre
  • Die US-amerikanische Alternative: Vom Ende des Goldenen Zeitalters (1950er Jahre) zur Eroberung des Mondes (1969)
  • Die Science-Fiction und der Feminismus
  • Cyberpunk: Die letzte große Revolution in der Science-Fiction?
  • Die moderne französische Science-Fiction: Von der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis zur Gegenwart
  • Und der Rest der Welt? Science-Fiction in Deutschland, Polen, Italien, Spanien, Schottland, Asien, Südamerika und Afrika


Ihr seht, der Fokus liegt auf den Publikationen aus Frankreich, England und den USA. Einiges andere kommt nur am Rande vor oder wird in einer Fußnote erwähnt. Ganz ehrlich, allein diese 200 Seiten des Buches sind schon vollgepackt mit schriftlichen und optischen Informationen, es würde den Rahmen sprengen noch weitere Kernländer aufzunehmen.


Optisch stellen sich die Zeichnungen der Figuren, Persönlichkeiten und fernen Welten in pastellfarbenen, eher gedeckten und dunklen Farben dar, was zum eher chronologischen und zumeist nüchternen Ton der präsentierten Informationen passt. Die Geschichte der Science-Fiction ist kein Werk, das eine kohärente Geschichte mit Anfang, Mittelteil und Ende präsentiert, sondern fast schon eine Art Nachschlagewerk, in dem man sich immer mal wieder verlieren kann.


Wenn ihr euch selbst ein Bild vom Artwork machen möchtet, findet ihr hier ein paar Eindrücke auf der Verlagsseite.


Die Geschichte der Science-Fiction ist erschienen bei Splitter, ISBN: 978-3-96219-103-0, Hardcover, 216 Seiten, 29,80 Euro


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Unser Fazit

Meinung von Dennis Gröschke

Die Geschichte der Science-Fiction ist ein Buch, was man immer mal wieder in die Hand nimmt, um ein paar Seiten darin zu schmökern. Von Asimov bis Verne, vom Buchclub mit Ray Bradbury bis zur Anatomiestunde mit Mary Shelley, von der atomaren bis zur Zombieapokalypse – kurzum, die volle Bandbreite der Science-Fiction wird in diesem einzigartigen Band abgedeckt. Die Optik kommt dabei eher zweckmäßig und nüchtern daher, was den enormen Rechercheaufwand aber in keinster Weise schmälern soll, im Gegenteil. Hier entdeckt selbst jeder Science-Fiction-Experte noch die eine oder andere Information oder Schlüsselstelle, die vorher vielleicht nicht so klar war. Für deutsche Leser wurden bei den Titelangaben wenn möglich auch die deutschen Namen der jeweiligen Bücher angegeben, damit der geneigte Leser das entsprechende Buch auch gut wiederfindet. Das ist löblich und eine extra Erwähnung wert. Doch wo fängt man mit einem solch umfangreichen Thema an zu lesen? Das können uns vielleicht nur die Sterne verraten...

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Kommentare 2

  • Ktaadn

    Turmritter

    Splitter macht mich arm! So viele tolle Neuerscheinungen in letzter Zeit!

  • ICHTHYS

    Turmheld

    Nice, i like.


    Ich finde, gerade Science Fiction Games sind auf der Switch noch deutlich ausbaufähig.


    Wann kommen endlich Metroid Prime, Mass Effect und Halo?