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Battlefield 2042 für PC im Test – Shooter-Spaß trifft auf technische Probleme

Es gibt Dinge im Leben, die sind so sicher wie die Tatsache, dass am 24.12. Heiligabend ist. In der Videospielszene gehören zum Beispiel die regelmäßigen Call of Duty-Ableger dazu oder die Tatsache, dass eine weitere Spielreihe nicht lange auf sich warten lassen wird, um dem Shooter von Activision den Rang abzulaufen. Die Rede ist hierbei von Battlefield, welches mit Battlefield 2042 bereits seit einigen Wochen den Versuch unternimmt, den Thron der Multiplayer-Shooter für sich zu beanspruchen. Im folgenden Test möchte ich euch verraten, wieso das prinzipiell gelingen könnte, ihr jedoch trotzdem besser erst einmal die Finger davonlassen solltet. Getestet wurde die PC-Version.


Spezialisten-Wirrwarr und intensive Schlachtengefühle


Als im Jahr 2002 mit Battlefield 1942 der erste Teil der berühmten Shooter-Reihe erschien, konnte sich wahrscheinlich noch keiner wirklich ausmalen, welche Auswüchse das Franchise noch nehmen würde. Von den Bad Company Ablegern über einen Ausflug in ein futuristisches Kriegsszenario bis hin zu den Teilen, die mehr in unserer heutigen Zeit spielen, konnte man schon häufig in die Rolle eines Soldaten schlüpfen, der für seine Fraktion auf dem Schlachtfeld um die Vorherrschaft kämpft. Das eigentliche Spielprinzip von Battlefield 2042 hat sich bis heute nicht großartig verändert: Ihr seid einer von 128 (oder 64, seit dem neuesten Patch) Soldaten auf einer ziemlich weitläufigen und großen Karte und nehmt zusammen mit euren Team-Kameraden feste Punkte ein, die es dann gegen die feindlichen Truppen zu halten gilt. Wer die Kontrolle über die meisten Punkte erlangt, zieht dem Gegner langfristig wichtige Punkte ab. Wenn ein Team auf null fällt, hat es verloren, was mitunter zu sehr knappen und spannenden Kämpfen führen kann. Die jüngsten Ableger der Reihe hatten zudem eine Einzelspieler-Kampagne in petto, die jedoch sowohl spielerisch wie auch erzählerisch nie so wirklich überzeugen konnte. Darauf hat der Entwickler Dice bei Battlefield 2042 diesmal bewusst verzichtet, die einzige erzählerischen Elemente finden sich in der grundlegenden Handlung des Spiels. Darin verkörpert ihr einen sogenannten No-Pat, kurz für Non-Patriot. Diese Menschen sind Söldner, die im Zuge von Umweltkatastrophen und der globalen Erwärmung heimatlos geworden sind und nun eine der großen Nationen (USA und Russland) in ihren Konflikten unterstützen. Ihr seht also das neueste Battlefield nimmt erneut Bezug auf aktuelle Themen. Waren es in Teil 3 noch der Afghanistan-Konflikt, haben wir nun die globalen Konflikte, die im Laufe der globalen Erderwärmung auftreten könnten.


Endlich mal wieder an die kaspische Grenze

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Die Handlung bildet einen gewissen erzählerischen Rahmen, der immer wieder aufgegriffen wird, jedoch zu keiner Zeit wirklich aufdringlich in den Fokus rückt. Stattdessen dürfte eher eine andere Neuerung in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt sein, denn anstatt einen schnöden, namenlosen Soldaten zu verkörpern, habt ihr in Battlefield 2042 die Wahl zwischen zehn verschiedenen Spezialisten. Diese kommen alle mit einem festen Aussehen, welches ihr bis zu einem gewissen Punkt individualisieren könnt, sowie verschiedenen Spezialfertigkeiten daher. So können manche einen Grappling-Hook verwenden, um sich an höhere Stellen zu bewegen, ein automatisches Geschütz errichten oder sich und andere Mitspieler mit einem Schild vor feindlichen Angriffen schützen. Die Idee von speziellen Charakteren ist nicht neu und findet unter anderem bei den neuesten Rainbow Six-Spielen ihre Verwendung. Letztendlich ermöglicht euch die Wahl eines Spezialisten noch ein gewisses Feintuning in Sachen eigener Spielstil, denn jeder der zehn Söldner kann wiederum zum Scharfschützen, Soldaten, Sanitäter oder Mechaniker umgemünzt werden. Bei einem Spiel wie Battlefield 2042, bei dem bis zu 128 Spieler auf einer Karte sein können, führte dies häufiger dazu, dass ich mein eigenes Abbild auf der gegnerischen Seite über den Haufen geschossen habe, nur um dann von einem weiteren Klon aus der Ferne einen Schuss in den Hinterkopf zu erhalten. Auch wenn es nur eine Kleinigkeit ist, bricht es doch ziemlich mit der Immersion des Spielgefühls und manche der Spezialfertigkeiten erscheinen zum aktuellen Zeitpunkt auch deutlich mächtiger als andere. Die Zeit wird zeigen, ob sich dieses System im Vergleich zu den Vorgängern durchsetzen wird.


Doch kommen wir zum Eingemachten, dem Spielgefühl, das der neueste Ableger der Reihe versprüht. Die gute Nachricht: Battlefield 2042 kann immer noch ein immenses Bombastgefühl erzeugen, wenn es um das Schlachtengefühl geht. Es gibt wenig Befriedigenderes, als wenn man sich mit seinen Squad-Mitgliedern eine Düne hinaufschleicht und dem Gegner in die Flanke fällt und dadurch einen heiß umkämpften Punkt einnehmen kann. Oder wenn man an Bord eines Panzers die Defensive verstärkt und dafür sorgt, dass der spielentscheidende Punkt nicht eingenommen werden konnte und das eigene Team in allerletzter Sekunde noch gewinnen kann. In solchen Momenten hat es Battlefield immer geschafft, mich am Ball zu halten und dazu tragen auch die dreizehn Karten bei, von denen es noch einmal verschiedene Variationen gibt. So verschlägt es euch in eine Wüstenstadt, die nach einem heftigen Sturm völlig von Sand überschüttet und daraufhin evakuiert wurde. Oder ihr liefert euch in einem Hafendepot zwischen diversen Frachtschiffen und Containern Feuergefechte. Jede der Karten wurde gut designed und ausgearbeitet und bietet verschiedene Herangehensweisen, wie ihr gegen die gegnerische Fraktion vorgehen könnt.


Shooter-Spaß trifft auf technische Hürden


Zudem bieten einige der Karten auch spezielle Events, die das gesamte Spielgeschehen verändern können. So kann es zu einem heftigen Sturm inklusive Windhose kommen, der vor allem die Nutzung von Flugzeugen schwierig gestaltet. Oder der Wüstensturm in der besagten Wüstenkarte bricht erneut los und nimmt euch jegliche Sicht, sodass ihr nur aus nächster Nähe auf Feinde feuern könnt. Diese Events traten jedoch während meiner Partien vergleichsweise selten auf, wodurch sie eher etwas Besonderes geblieben sind. Ein ganz besonderes Juwel ist dabei der Portal-Modus. In diesem könnt ihr eure eigenen Spielmodi erstellen und online anbieten. Wie das aussehen kann, hat Dice eindrucksvoll bewiesen, indem jeweils zwei Karten aus vorherigen Battlefield-Titeln, nämlich 1942, Bad Company 2 sowie Battlefield 3 nachgebaut und portiert wurden. Und das ist gerade einmal der Anfang, denn bis dato hat die Community einige Spielmodi und Maps erschaffen, die aus Battlefield 2042 ein teils völlig anderes Spiel machen – wie zum Beispiel ein Hardcore-Survival-Shooter.


Das Mittendringefühl der Schlachten gehört immer noch zu dem besten des Genres.

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Dem gegenüber stehen dann jedoch immer wieder Kleinigkeiten, die den Spielspaß mitunter ziemlich trüben können. So war bereits bei Erscheinen das Treffer-Feedback ein häufig genannter Kritikpunkt. Ganz gleich wie vermeintlich sorgfältig gezielt wurde, manche Schüsse wollten einfach nicht treffen. Dies hat sich nach diversen Patches mittlerweile gebessert, es bleibt jedoch immer wieder ein unrundes und unbefriedigendes Gefühl, wenn man auf einen Feind feuert, dieser jedoch nicht getroffen wird und einen im Gegenzug über den Haufen ballert. Zudem lebt der neueste Teil der Shooter-Reihe stark davon, ob ihr ein gutes Team im Rücken habt. Dafür können die Entwickler an sich natürlich nichts, doch ich hatte öfters das Problem, dass der gemeinsame Sieg eher zweit- oder drittrangig zu sein schien und man mit taktischen Vorgehen eher das Nachsehen hat, da man weniger Abschüsse und dadurch weniger Erfahrungspunkte erhält. Denn wie schon bei allen modernen Ablegern der Reihe ist es so, dass ihr für die verschiedensten Aktionen und für Abschüsse Erfahrungspunkte erhaltet, mit denen ihr neue Waffen, Zusätze oder Fahrzeuggadgets bekommt. Zudem hatte ich vor allem im Modus „Breakthrough“, bei dem sich die Karte Stück für Stück erweitert, je schneller die Angreifer vordringen können, das Problem, dass ich oft bereits beim Spawnen von gegnerischen Scharfschützen über den Haufen geschossen wurde – Spaß sieht da anders aus.


Was mir die Laune an dem Titel jedoch erheblich verdorben hat, ist der technische Zustand, in dem Battlefield 2042 aktuell immer noch ist. Das geht von teilweisen Rucklern, über Grafik-Glitches und Artefakte bis hin zu häufigen Spielabstürzen. Selbst nach den jüngsten Patches konnte ich damit rechnen, dass ich bestimmt jedes dritte Spiel nicht beenden kann, da es mich früher oder später mit einem Crash auf den Desktop geworfen hat. Es bleibt zu hoffen, dass Dice den sehr guten Support aufrechterhält und das Spiel weiterhin aktiv mit Patches optimiert.


Lohnt sich Battlefield 2042 für Shooter-Fans? Ja und nein. Wer die Vorgänger mochte, der wird mit diesem Ableger ebenfalls seine Freude haben, denn das altgewohnte Schlachtengefühl können die Jungs und Mädels von Dice immer noch herbeizaubern. Doch aufgrund des technischen Standes kann ich aktuell guten Gewissens keine Kaufempfehlung aussprechen. Da das Spiel jedoch stetig weiter optimiert wird, empfehle ich einfach ein Auge diesbezüglich offen zu halten. Denn wenn einmal alles rund läuft und die meisten Bugs beseitigt wurden, kann man schon fast bedenkenlos zuschlagen.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Florian McHugh

Battlefield 2042 ist an und für sich ein sehr guter Shooter, dem es gelingt, ein stark immersives Schlachtengefühl aufzubauen. Die zehn Karten sind gut designed, die darin vorkommenden Natur-Events sorgen für teils gravierende Änderungen des Gameplays und wenn ihr mit einem guten Team im Rücken spielt, ist das Spiel eine wahre Freude. Dem Gegenüber stehen jedoch noch immer häufig auftretende Bugs und vor allem Spielabstürze, die das Spielvergnügen deutlich trüben können. Wer noch etwas Geduld aufbringen kann, sollte vielleicht noch den einen oder anderen Patch abwarten, ehe ihr euch ins Schlachtengetümmel werft. Sollten die meisten technischen Probleme nämlich behoben sein, erwartet euch hier ein sehr guter Multiplayer-Shooter.
Mein persönliches Highlight: Die Natur-Events auf den einzelnen Karten

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Kommentare 8

  • Phantomilars

    Weltraummönch

    Wann erscheint denn die Switch-Version? Brauche mal Ablenkung von FIFA :ugly:

  • General McCreevous

    Turmritter

    ,,Ihr seid einer von 128 (oder 64, seit dem neuesten Patch)ˋˋ

    64 konnte man schon seit release spielen (in Portal)


    ,,Die zehn Karten sind gut designed‘‘

    wie kommt man auf 10? Es gibt 7 neue und 6 alte Karten.

  • 5cool3me

    Untap, Upkeep, Draw.

    Ich glaub BF hat es dieses Jahr nicht einfach. Technisch Unterste Schublade, was man zumindest so sieht/liest und dann noch neben CoD, mit Halo einen zweiten Konkurrenten dieses Jahr. Halo infinity (Was bei mir mal direkt Halo3 vom Thron gestoßen hat) zocke ich gerne online, auch diesmal mit vielen Dudes von meiner Liste, die BF dieses Jahr geskipt haben.

  • Cirno the strongest

    5cool3mewobei cod dieses jahr auch nicht die beste form hat

  • 5cool3me

    Untap, Upkeep, Draw.

    Cirno the strongest kann schon sein, ich interessiere mich nicht sonderlich für CoD, wenn aber beide technisch so schwach sind dieses Jahr erklärt das auch warum fast meine ganze Freundesliste nur Halo und/oder Warzone spielt.

  • Cirno the strongest

    5cool3mehab ein paar videos über das neue cod gesehen und der umfang die grafik als auch gameplaysind anscheinend unterirdisch ( man sieht wie gegner aus dem nichts auftauchen und )

  • Florian McHugh

    Tellerrandwäscher

    ,,Ihr seid einer von 128 (oder 64, seit dem neuesten Patch)ˋˋ

    64 konnte man schon seit release spielen (in Portal)


    ,,Die zehn Karten sind gut designed‘‘

    wie kommt man auf 10? Es gibt 7 neue und 6 alte Karten.

    Ja, in Portal konnte man das bereits. In den Hauptmodi kann man es allerdings erst seit dem neuesten Patch und die werden, wage ich mal zu behaupten, noch immer am häufigsten gespielt. Wie ich auf die 10 gekommen bin, weiß ich ehrlich gesagt gerade auch nicht, da muss sich der Fehlerteufel eingeschlichen haben. Danke für die Anmerkung

  • billy_blob

    Meister des Turms

    Ich habe das Spiel in der Beta getestet. Die Entwickler haben einfach massivst gelogen als es hieß „die Beta sei eine sehr alte Version von Anfang des Jahres“.


    Denn in den ersten Tests zum Spiel nach Release waren allesamt ein O-Ton ja, das Spiel hat weiterhin die selben Probleme.


    Meine Probleme im Spiel:

    Man erkennt seine Gegner nicht gut, bzw man kann sie nicht unterscheiden.


    Einfach RIESIGE Karten ohne große Abwechslung.


    Gegner können dich auf extreme Distanz mit einem Sturmgewehr killen. Scharfschützengewehr? Egal.


    Starke Fehler in der Umwelt. Gebäude können nicht mehr zerschossen werden, man hing überall fest, man stirbt und man weiß nich wieso.


    Ich würde es ja gerne weiterspielen. Aber dieses Battlefield wirkt einfach hart unfertig wie Battlefront 2 damals (was heute ja echt gut is)


    Vielleicht dauert es einfach noch 3 Jahre dann kann aus diesem Spiel was werden :dk:


    Solang heißt es weiterhin Beta Test für alle Vollpreiskäufer