© Piranha Bytes / THQ Nordic

ELEX II für PC im Test – Wieder einmal volles Pfund aufs Maul

Mit ELEX II möchte euch das Essener Entwicklungsstudio Piranha Bytes abermals in die vielseitige Fantasywelt Magalan entführen. Erneut schlüpft ihr in die Rolle von Jax, dessen Schicksal ihr bereits im Vorgänger, welcher im Oktober 2017 für Konsolen und PC erschien, formen durftet. Der kahlköpfige Held wurde schon einmal seiner Kräfte beraubt und muss auch dieses Mal wieder ganz von vorne anfangen. Ob das gewohnte Konzept auch im Sequel überzeugen kann, verrät euch der nachfolgende Test.


Die ehemalige Bestie von Xacor


Ehe wir in die Handlung des Nachfolgers einsteigen, lasst uns zunächst kurz die Geschehnisse von ELEX zusammenfassen: Der fiktive Planet Magalan leidet unter dem Terror der Albs. Sie fördern das mysteriöse Elex, welches durch einen Meteoriteneinschlag auf dem Himmelskörper verteilt wurde, um den Drahtzieher hinter den Kriegstreibern, den Hybriden, zu speisen. Der Genuss des unbekannten Minerals sorgt für unglaubliche Stärke, tilgt jedoch zugleich jegliche Emotionen des Konsumenten. Einzig Lebewesen mit starkem Willen profitieren von der Wirkung der blauen Splitter, der Rest mutiert und verliert zunehmend den Verstand. Um die gefährliche Droge zu gewinnen, errichten die Albs sogenannte Konverter, mit denen sie der umliegenden Flora und Fauna das Elex entziehen, was in einem unbewohnbarem Brachland resultiert und demnach auf wenig Gegenliebe vonseiten der restlichen Fraktionen stößt.


ELEX II besticht durch eine tolle Lichtstimmung und gelungenes Schattenspiel.

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Euer Protagonist Jax war selbst einst ein mächtiger Alb-Commander und unter dem Titel „Die Bestie von Xacor“ gefürchtet. Doch sein eigener Wille stellte schon bald eine Gefahr für seine Gefolgsleute dar und sie ließen ihn hinterrücks exekutieren – zumindest dachten sie, ihn aus dem Weg geschafft zu haben. Denn Jax überlebt den Angriff wie durch ein Wunder, sieht sich jedoch aufgrund des Elexentzugs jeglicher Kräfte beraubt und von Emotionen überwältigt. Gemeinsam mit den anderen Völkern gelingt es euch, eine Armee aufzustellen und den Eispalast der Albs zu stürmen. Nach einer mannstarken Schlacht steht Jax dem Hybriden gegenüber. Das Oberhaupt der Albs entpuppt sich als der Wissenschaftler Dr. Adam Charles Dawkins. Dieser verkündet die Ankunft der Wissenden und sendet nach seinem Tod ein Signal in die Weiten des Weltalls hinaus, woraufhin ein seltsames Gebilde den Horizont von Magalan ziert. Der Kampf hat gerade erst begonnen, doch die Vereinigung der Völker war nur von kurzer Dauer, denn vom Himmelsspiel schien keine Gefahr auszugehen.


Jax, der mittlerweile sogar Vater eines Sohnes ist, zog sich alsbald ins Exil zurück, wo er sechs Jahre lang verweilte. Eines Tages schlägt ein seltsamer Flugkörper in die Hütte des Abtrünnigen ein und zerstört dessen Habseligkeiten. Auf der Flucht bekommt es euer Held mit einer Horde Skyaniden zu tun, die er zwar erfolgreich abschütteln kann, jedoch eine Bisswunde davonträgt und das Bewusstsein verliert. Dass es sich hierbei längst nicht um eine normale Verletzung handelt, wird schnell klar, denn Jax wacht bar seiner Kräfte in der Obhut des tot geglaubten Dr. Adam Charles Dawkins auf. Natürlich hegt Jax Zweifel aufgrund des Sinneswandels des einstigen Hybriden, doch bleibt ihm keine andere Wahl, als seinen Rat zu befolgen. Erneut muss eine Widerstandsgruppe errichtet werden, um die Bedrohung durch die Skyaniden einzudämmen. Und so macht ihr euch auf, um ein weiteres Mal die Fraktionen im Kampf gegen den gemeinsamen Feind zu einen.


Leider können die Puppengesichter der Spielfiguren nur selten überzeugen.

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Die Handlung von ELEX II umfasst vier Akte, die ihr durch das Abhaken verschiedener Hauptmissionen absolviert. Als Zuflucht dient euch diesmal nicht das Reich in der Mitte, sondern die hoch gelegene Bastion. In einer intakten Ruine erforscht euer primärer Auftraggeber Dr. Adam Charles Dawkins die Eigenschaften eines neuen außerirdischen Stoffes, dem dunklen Elex. Anders als sein blaues Pendant besitzt das dunkle Elex eine höchst ansteckende Wirkung, die jeden Organismus verdirbt, der mit ihm in Berührung kommt – und nun auch droht, Jax' Verstand zu vergiften. Euer Held muss also seine Skepsis gegenüber des urplötzlich hilfsbereiten Akademikers beiseiteschieben, wenn er nicht als willenloser Skyanid enden möchte. Die Geschichte von ELEX II schickt euch durch die gesamte Spielwelt und ermuntert dadurch zum ausgiebigen Erkunden der abwechslungsreichen Landstriche. Wann ihr welche Mission in Angriff nehmen möchtet, entscheidet ihr stets selbst und daher lässt sich die Kampagnenstruktur am ehesten mit Spielen der „The Elder Scrolls“-Reihe vergleichen. Ihr könnt zu jeder Zeit die Geschichte fortsetzen, müsst es aber nicht. Die vollständige Spielwelt steht euch von Anfang an offen und ihr bestimmt die Geschwindigkeit, mit der ihr die Handlung vorantreibt. Selten wird der Spielablauf durch aufwendig inszenierte Zwischensequenzen unterbrochen, die das allgemeine Geschehen etwas auflockern, sich jedoch aufgrund der teils abrupten Schnitte ein bisschen wie ein Fremdkörper anfühlen.


Natürlich gibt es neben den Hauptaufträgen auch zahlreiche Nebenquests, die der Spielwelt zusätzliches Leben einhauchen. Die sekundären Aufgaben reichen von simplen Kopfgeldjagden bis hin zu komischen Versuchen, einem Androiden das menschliche Bewusstsein näherzubringen. ELEX II steckt voller hilfesuchenden Personen, die nicht selten mit einer eigenen, mitunter skurrilen Geschichte daherkommen und aus persönlicher Motivation heraus handeln. Demnach verbringt ihr auch viel Zeit im Dialog mit den ansässigen Völkern. Zwar lassen die puppenhaften Gesichter nur selten richtige Mimik zu und die Vertonung ist dem Studio gemäß rustikal, man kann den Gesprächen jedoch zu keiner Zeit ihren Unterhaltungswert absprechen.


Magalan bietet mehr als nur Wald. Auch zertrümmerte Siedlungen und Eislandschaften stehen auf dem Plan.

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Selbstverständlich ist auch die Fraktionswahl wieder mit an Bord. Dieses Mal dürft ihr sogar als Abtrünniger die Geschichte abschließen, doch bleiben euch dann kostbare Fähigkeiten verwehrt. Der Planet Magalan wird von fünf Gruppierungen bevölkert: Die Berserker, die Outlaws, die Kleriker, die Albs und die Morkons. Bis auf die Morkons waren alle Fraktionen bereits im Vorgänger enthalten und haben sich seitdem weiterentwickelt. Die Berserker haben in der Zwischenzeit die einstige Hochburg der Outlaws eingenommen und sich etliche Mitglieder zueigen gemacht. Das spiegelt sich auch in der Gesinnung wider. Die zuvor regelkonformen Berserker treten nun deutlich ruppiger auf, zum Missfallen einiger Urgesteine. Die Kleriker sind wie die Albs ein sehr technikversiertes Volk, welches in ELEX noch eine gewisse Vorherrschaft über Magalan innehatte, nun aber kaum noch eine bedeutende Rolle spielt und mit seiner Ausrüstung haushalten muss. Die verbliebenen Outlaws wanderten von der ehemaligen Wüstenstadt Tavar in die sumpfige Kraterstadt aus, wo sie fortan ihr gesetzloses Dasein fristen. Mit den Morkons steht euch ein gänzlich neuer Weg offen. Irgendwo zwischen S&M und Black Metal lauerten die Morkons in den Katakomben der alten Welt und huldigten ihrem finsteren Gott Ravaac. In ELEX II wagen sich die düsteren Gestalten erstmals wieder an die Oberfläche und stiften reichlich Chaos.


Mit der Wahl eurer Fraktion stellt ihr euch verbindlich in den Dienst des jeweiligen Volkes. Das bedeutet, dass ihr euch von zukünftigen Missionen anderer Splittergruppen ausschließt, jedoch mit exklusiven Aufträgen vertraut werdet, die ihr sonst nicht hättet annehmen können. Es liegt an euch, ob und wann ihr euch einer Fraktion anschließt. Ihr könnt bereits über zwanzig Stunden damit verbringen, die verschiedenen Völker kennenzulernen und dabei Erfahrungspunkte zu sammeln, die in Stufenaufstiege münden. Jene Level-ups sind unerlässlich für euer Überleben, denn sie bescheren euch Attributs- und Lernpunkte, mit denen ihr eure Spielfigur vom empfindlichen Schwächling zum waschechten Kraftprotz entwickelt.


Natürlich dürft ihr die Welt wieder mit eurem Jetpack erkunden. Dieses Mal sogar mit Vorwärtsschub!

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Auch hier zeigt sich eine Eigenart der „Piranha Bytes“-Spiele. Ihr könnt spezielle Fähigkeiten wie das Schlösserknacken oder den Taschendiebstahl nicht einfach so lernen, sondern benötigt dafür einen geeigneten Lehrer und die passenden Voraussetzungen wie ein hoher Gerissenheits- oder Geschicklichkeitswert. Und glaubt bloß nicht, die Meister geben umsonst ihr Wissen weiter! In der Welt von ELEX II ist sich jeder selbst der Nächste und so wird auch fleißig in die eigene Tasche gewirtschaftet. Dafür macht sich allerdings jeder Stufenanstieg bemerkbar und fühlt sich befriedigend an. Ihr werdet spürbar stärker und die Geheimnisse der Spielwelt werden zunehmend zugänglicher. Wo eine Gegend zuvor als unpassierbar galt, weil die dortigen Monster kurzen Prozess mit euch machen würden, könnt ihr diese nun mit kräftigen Hieben oder gezielten Schüssen von der Weide fegen. Diese Form der Progression ist wahnsinnig motivierend und lässt euch die zähe Anfangsphase gerne durchstehen.


Das Kampfsystem von ELEX II ähnelt dem des Vorgängers, nur verzichtet man dieses Mal darauf, euch zu empfindlichen Schlagkombinationen zu zwingen, um den bestmöglichen Schaden anzurichten. Wo zuvor Trägheit vorherrschte, geht's nun etwas hakeliger zur Sache, denn sowohl eure Spielfigur als auch eure Gegner bewegen sich teils unvorhersehbar und etwas unnatürlich. Die Kämpfe waren zwar noch nie die Stärke von „Piranha Bytes“-Spielen, Neueinsteiger könnte die fummelige Bedienung jedoch abschrecken. Das Inventar erfuhr ebenfalls eine Verschlimmbesserung. Zwar ist nun schnell ersichtlich, welche Ausrüstung ihr angelegt habt, mit zunehmendem Füllstand eures Beutels kann das Scrollen durch die einzelnen Gegenstandskategorien allerdings zur richtigen Qual werden.


Obwohl die optische Darstellung der einzelnen Charaktere und ihre hölzerne Mimik nicht wirklich überzeugen können, sorgt die Spielwelt gerne einmal für verträumte Blicke. Die Landstriche von Magalan haben ein stimmiges Design und bestechen häufig durch satte Vegetation. Hinzu gesellt sich eine überragende Lichtstimmung mit dynamischem Schattenspiel, wodurch die jeweiligen Orte zu jeder Tageszeit ein bisschen anders wirken. Dass es sich hierbei nur um eine modifizierte Version der „Gothic 3“-Engine Genome handelt, möchte man kaum glauben. Leider entsteht durch die Qualitätsunterschiede zwischen Figuren und Spielwelt eine kleine Inkongruenz, die so in den vorherigen Werken des Studios nicht auftrat.


Mittelmäßige Performance trübt den Spielspaß


Wie man vielerorts liest, hat ELEX II ein Problem mit Radeon-Grafikkarten der Marke AMD. Leider fällt auch mein verhältnismäßig potentes Testsystem unter diese Kategorie. Der Titel war zwar spielbar, jedoch gab es merkliche Schwankungen in der Bildrate – teils ohne triftigen Grund. Um der heftigen Fluktuation entgegenzuwirken, entschied ich mich schlussendlich dazu, die Wiedergabe auf vierzig Bilder pro Sekunde zu limitieren und fuhr damit zumeist gut, obwohl ein geschmeidigeres Erlebnis natürlich wünschenswert gewesen wäre. Hier herrscht dringender Nachbesserungsbedarf, zumal das Spiel auf der aktuellen Konsolengeneration nicht unter derartigen Problemen leidet. Musikalisch setzt man wieder auf einen atmosphärischen Soundtrack, der vielmehr Stimmung erzeugen möchte, als euch eingängige Melodien ins Ohr zu pfeifen und dadurch eher unterbewusst wahrgenommen wird.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Felix Kraus

ELEX II setzt die Geschichte des ersten Teils gekonnt fort und bereichert den typischen Spielablauf, der seit Gothic besteht, um einige sinnvolle Neuerungen. Auch grafisch muss sich das Sequel hinsichtlich seiner malerischen Landschaften und der tollen Lichtstimmung nicht vor der Konkurrenz verstecken. Leider sorgen die puppenhaften Charaktermodelle und deren Mangel an Mimik für ein paar Unstimmigkeiten im Gesamtbild. Auch die Performance auf bestimmten Rechnern darf gerne noch einmal überarbeitet und optimiert werden. Ansonsten erwartet euch die übliche rustikale Kost, für die wir Piranha Bytes lieben gelernt haben und der sie hoffentlich niemals abschwören.
Mein persönliches Highlight: I calm myself with whiskey and pills

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Kommentare 8

  • Solaris

    Elden Tower

    Man muss den Mumm der Entwickler echt bewundern, das Spiel zeitgleich mit Elden Ring und Horizon Forbidden West zu veröffentlichen, zeigt echt von Eiern. ;)

  • Wowan14

    Gamer aus Leidenschaft

    Oder unfähigkeit den release gut zu planen

    Wobei ich generell nicht der meinung bin dass jedes spiel immer gleich day one gekauft oder gezockt werden soll und somit es für einige sicherlich egal sein kann, was gleichzeitig erscheint (und die 3 Spiele sich auch nicht wirklich sooo sehr ähneln, als dass sie alle einem gefallen)

  • HAL 9000

    Mobbingbeauftragter

    Ich werde mir das Spiel sicherlich auch irgendwann gönnen, ist aber eher so ein Kandidat für 3 für 2 Aktionen, im Idealfall wenn das Spiel nur noch 40€ kostet.


    Außer ich entschließe mich doch noch die CE zu kaufen. Die ist noch verfügbar und kostet nur 149€, was in Anbetracht der Inhalte in direktem Vergleich mit CEs anderer Spiele extrem günstig ist.

  • Lillyth

    <3

    Ich hab das Spiel gestern Abend bei Gronkh gesehen und es sah schon spaßig aus. Er selbst war so drin, dass er sogar das Essen vergessen hat. :D

    Ich muss aber sagen, dass mir das extreme wackeln der Bäume und Gräser motion sickness beschert haben.

  • Perry

    Turmritter

    Spiele Elex 2 seit drei Tagen auf der Playstation und bin begeistert.

    Die Atmosphäre erinnert mich stark an eines meiner Lieblingsspiele, Fallout New Vegas.

    Die Spielwelt ist schön, die deutsche Sprachausgabe gut, und das Kampfsystem deutlich flotter als im Vorgänger oder der Risen Trilogie.

    Für mich persönlich bislang das beste Spiel seit langem. Hoffentlich wird's ein Erfolg, damit es weiter geht.

  • Vala

    Turmknappe

    Ich bin riesen PB Fan und auch Elex 2 begeistert mich total. Von mir ne 8.5 für das Spielerlebnis. Denn es ist klar besser als Teil 1.


    ABER die Technik ist leider in 2 Punkten sehr mau.


    1. Die Gesichter waren in Teil 1 viel besser gelungen sowas wie in Teil 2 darf nicht mehr sein.


    2. Selbst auf High End PC stürzt die Performance teils arg nach unten. Besonders bei AMD Radeon Karten. Auf meinem Ryzen 5900X mit 6800 XT Karte in WQHD Auflösung gehen die FPS von 60 auf teils unter 30 wenn ich in eine Ortschaft komme. Das ist mehr als schlecht für die gebotene Optik.

  • berlin_mario

    Turmritter

    Hab es für die Playstation spiele ich wenn die Zeit da ist . Tolle Spielreihe 😊

  • Darkseico

    Turmfürst

    Solaris

    Nope für mich ist Elden Ring sowie Horizon nichts und somit ist meine Entscheidung echt leicht dann. :D