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Leider kommen immer weniger gute und klassische Zeichentrickfilme in die Kinos, doch da erhebt sich ein kleines Filmstudio aus Frankreich und zaubert uns nicht nur einen klassischen Zeichentrickfilm, nein man verzaubert uns im Herzen. Dieser Zeichentrickfilm ist nichts für Kinder! Nicht weil er brutal ist oder es Szenen gibt die sie nicht verstehen, er wäre für die heutigen Kids viel zu langweilig. Denn es wird wenig gesprochen, im Grunde fast gar nicht. Man spricht hier nicht mit Wörtern, sondern mit dem Herzen.
Tatischeff ist ein Zauberkünstler der seine besten Jahre schon längst hinter sich hat. Immer wieder muss er seine alten Zaubertricks einem undankbaren Publikum zeigen, wenn überhaupt welches da ist. Früher oder später treibt es ihn in zwielichtige Bars und Clubs um wenigstens da ein wenig Geld zu verdienen, zudem ist das Publikum um einiges begeisterungsfähiger. Der größte Gewinn für ihn ist aber ein Mädchen was noch an die Kraft der Magie zu glauben scheint. Schnell entwickelt Tatischeff Vatergefühle und möchte die Verantwortung für das einsame Mädchen übernehmen. Also zieht er nach Edinburgh und wagt einen Neuanfang mit dem Mädchen. Für ihn ist es natürlich auch ein Segen, immerhin ist er nicht mehr einsam. Doch auch sie ist kurz vor dem Erwachsenwerden...
Tatischeff ist nicht mehr und nicht weniger ein Aussenseiter. Selbst gefangen in seiner Kunst, die heute keinen mehr begeistern kann. Selbst auch in ein gewisses Alter angekommen, ist er mit der neumodischen Gesellschaft völlig überfordert, die Menschen bringen ihn völlig durcheinander sein Bild von einer alten Welt wackelt. Er wird es wohl nie verstehen, dass die Kunst die er ausübt am aussterben ist und landet dadurch immer mehr ins Abseits. Besonders deutlich ist dies als er nach einer Rockband auftreten muss und er voller Überzeugung auf der Bühne ist weil er sich nicht fehl am Platze fühlt. Doch genau das ist er, denn im Publikum sitzt keiner mehr. So steht er einsam und allein auf der Bühne. Ohne Applaus, ohne Geschrei und keiner staunt. Wer will schon einen Zauberer sehen mit seinen veralteten tricks?
Der Film hat viel Herz, Tragik und Melancholie. Mit der Tragik geht man sogar teilweise zu weit als man Tatischeff in ein Artistenhaus einziehen lässt wo fast nur Versager und Verlierer ihr Heim nennen. Doch kurz vor der endgültigen Übertreibung, aus der man kaum glaubhaft den Ende des Films erklären könnte, bekommt man noch die Kurve. Das selbe gilt für die komischen Momente, doch immer an der richtigen Stelle schafft man den Spagat und wendet die übertriebene Darstellung ab.
So altmodisch und einsam wirkend die Zauberkunst von Tatischeff auch ist, so ist es auch der Stil des Films selber. Ein sehr altmodischer Zeichenstil und als ob es nicht genug wäre, lässt man fast nur Bilder sprechen und verzichtet fast komplett auf Dialog. Im Grunde eine gelungene Idee und das klappt zum großen Teil auch. Allerdings gab es auch zwei Stellen wo man ruhig einen Satz hätte sagen lassen können, denn völlig ohne Erklärung lässt sich manche Szenen nicht so einfach erklären. Dennoch ist es lobenswert anzuerkennen, dass der Film nicht langweilig oder ähnliches wirkt. Er lässt sich zwar viel Zeit für die Szenen, doch nie hat man den Anschein der Film würde gleich einschlafen.
Fazit:
Dieser Film ist nicht auf das breite und moderne Publikum zugeschnitten. Dieser Film ist für einen Romantiker des Zeichentricks, Menschen die sich noch verzaubern lassen können von der alten Tricktechnik. Es ist schon ironisch, dass der Hauptakteur mit dem selben Problem zu kämpfen hat wie der Film selbst. Es interessiert keinen mehr, es ist für viele nicht mehr Zeitgemäß, doch wer bestimmt das eigentlich? So reiht sich "Der Illusionist" ein in die Animationswelt zwischen den Hits von Pixar und Dreamworks, doch keiner wird es sehen wollen. Ein tragischer Film im Zeichentrickstil weit weg von Mainstream und den neuen Techniken. Doch wie Tatischeff wird er deswegen zugrunde gehen...
8/10
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