Macht Scheitern Spaß?

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  • Halllo,

    ich möchte in diesem Blog ein Thema behandeln, mit dem jeder Gamer schon konfrontiert wurde: Das Scheitern. Bei Donkey Kong springt man misslicherweise in den Abgrund, bei Mario Kart erwischt einen kurz vor Ziel der Stachipanzer, in Zelda gibt Ganon einem kurz vor knapp doch den Gnadenstoss und bei Metroid verliert Samus nach langem Kampf am Ende alle Energie. Aber geben wir deswegen gleich auf? Nein! Die Gamer kämpfen und kämpfen, sie fallen und siegen, spielen eine Stunde, zwei Stunden, drei Stunden, nur um endlich die siegreichen Lobesworte hören zu können "Congratiulations. You´re the winner." Aber macht uns das Scheitern Spaß? Freuen wir uns trotz aller Frust, dass der Schwierigkeitsgrad so hoch liegt, dass man beim ersten Versuch nicht das Level auf Anhieb schafft? Oder sind wir lieber die, die es etwas einfacher haben möchten, die bei mehrmaligen Niederlagen den Controller durch das Zimmer schmeißen, der Wut freien Lauf lassen und daraufhin das Spiel nicht mehr anfassen?
    Mit diesem Thema hat sich schon der dänische Spieleforscher Jesper Juul auseinander gesetzt. Dies hat mich auch inspiriert, diesen Eintrag hier zu schreiben. Damit ihr als Leser auch wisst, worauf ich in etwa hinaus will, schieb ich euch den entsprechenden Teil des Artikels, den ich gelesen habe, ein. Wen der ganze Artikel interessiert ---> hier
    Jesper Juul, Spieleforscher an der Königlichen Dänischen Kunstakademie in Kopenhagen, ist der Frage nach dem Scheitern in Videospielen in seinem Buch The Art of Failure
    auf den Grund gegangen. "Wir hassen es, zu scheitern", schreibt Juul,
    "aber Scheitern ist ein integraler Bestandteil der Spielerfahrung." Die
    Psychologie der Gamer ist nicht eindimensional, nur vermeintlich geht es
    bloß ums Gewinnen.

    In einem Experiment hat Juul die Bedeutung des Scheiterns für Spieler untersucht. Für seinen Versuchsaufbau hat er eine Kreuzung von Pac-Man und Snake
    entwickelt. In zwei Spielmodi mussten die Testpersonen eine Schlange
    durch vier Levels steuern, in beiden Fällen hatten sie vier Leben. Im
    ersten Modus wurde das Scheitern sozusagen gestreckt: Bei Kollisionen
    mit Feinden verlor die Schlange zunächst an Länge. Ein Leben war erst
    aufgebraucht, wenn nur der Kopf übrig blieb. Im zweiten Modus wurde auch
    der kleinste Fehler bestraft, durch sofortigen Abzug eines
    Lebenspunkts.

    Die Reaktionen der Testpersonen haben Juul überrascht. Nur wenige
    Spieler zogen die "Energiestrafe" der "Lebensstrafe" vor, das sofortige
    Scheitern hat ihnen also besser gefallen. Ein weiterer Befund war noch
    interessanter. Die positivsten Reaktionen kamen nicht etwa von Spielern,
    die das Experiment fehlerfrei abgeschlossen haben, sondern von solchen,
    die Fehler machten und das Spiel trotzdem meisterten. Juuls
    Schlussfolgerung: Gewinnen ist nicht alles. Beim Spielen wollen wir auch
    scheitern.



    Ist das der Grund, warum einige Spiele so beliebt sind? Macht der harte Schwierigkeitsgrad ein Spiel aus? Oftmals liest man von einigen, dass Spiel XY zu leicht gewesen sei und deshalb so langweilig. Und wieder von anderen hört man, dass Spiel ZGV so unsagbar schwer war, dass man es einfach abbrechen musste. Ja, was denn nun? Schwer oder leicht?

    "Beim Spielen wollen wir auch scheitern". Aber warum? Vergleiche könnten hier die Lösung bringen:
    Schon als Kleinkind/Baby kommt man in Situationen, die für das Alter ziemlich fordernd sind. Als Beispiel: das Gehen. Kleinkinder rackern sich mühsam ab, bis sie erstmal gehen können. Sie fallen und stehen wieder auf und fallen und stehen wieder auf. Aber wenn sie es dann geschafft haben, den ersten Schritt zu gehen, dann sind sie richtig glücklich und grinsen wie ein Honigkuchenpferd.
    Oder in der Schule: Lange hat man den Stoff nicht verstanden, der im Unterricht gelehrt wurde. Doch als man sich hinsaß und richtig geackert hatte, hat man alles verstanden und die Note bestätigte den Verdienst.
    Liegt hier also der Kern verborgen? Das ständige Versuchen, den Level zu meistern, den Endboss zu schlagen, nur um sich am Ende auf die Schulter klopfen zu können und zu sagen: "Ja, du hast es geschafft". Sich einfach abzumühen, aus eigener Kraft heraus etwas zu tun, was nicht beim ersten Mal gelingt, aber beim zwanzigsten - ist die Anzeige dann der Preis und die Anerkennung für unsere Mühen?
    Oder ist es doch die Lust auf Risiko? Manche Menschen suchen die Herausforderung und wagen etwas. Sie wollen etwas erreichen, was nicht jeder so einfach erreichen kann und sie wollen etwas machen, dass schwierig im Anlauf ist, nur um hinterher sagen zu können: "Ich habs geschafft und du nicht." Lohnt es sich da nicht auch das Scheitern auf sich zu nehmen?

    Aber wann verdirbt einem Scheitern die Freude?
    Meist bleibt man bei einer Stelle im Spiel hängen. So oft man es auch versucht, es will nicht so, wie man so wll. Der Frust ist hoch, man schäumt vor Wut und gibt lieber auf, anstatt sich weiter damit zu quälen. Und weil man weiß, dass man es eh nie schaffen wird, gibt man komplett auf, rührt das Spiel nie wieder an und lässt es für ewig im Regal verstauben, in der Hoffnung, dass sich das Problem von selbst löst.
    Kommt es da auf das Spiel an? Wahrscheinlich ja.
    Bei Kirby mal einem Leben zu verlieren ist noch ganz amüsant und wenn man mal bei Mario Kart den achten Platz erreicht, dann ist das noch ganz lustig. Kommt man bei Donkey Kong im Spiegelmodus nicht weiter oder wird man bei F-Zero zum gefühlt 2000 Mal von der Bahn geschmissen, dann ist der Frust groß. Dann kann man nicht mehr, dann will man nicht mehr, vorbei, vorbei, und aus das Ding. Oder probiert man es später dann eventuell doch?

    Nun, ob Scheitern Spaß macht, lässt sich pauschal erstmal nicht sagen. Geht man aber in die verschiedenen Spiele hinein, wägt den Schwierigkeitsgrad ab sowie das Genre, dann kann man eventuell für sich entscheiden wann und wo, und ob überhaupt einem das Scheitern Spaß macht.
    Brot und Spiele für das Volk - aber vorallem Spiele!

    495 mal gelesen

Kommentare 5

  • Nin-Ten-Do -

    Das freut mich, dass mein Blog-eintrag doch so häufig gelesen wurde.
    Und danke auch für die Kommentare :)
    Das motiviert!

  • otakon -

    Macht scheitern spaß?
    Sicherlich Ansichtssache, kommt auf das Spiel an und auf die persönlichen Vorlieben. Einfach durch-rushen ohne Probleme find ich meistens auch langweilig (Kirby und das magische Garn) aber mehr als ein paar mal an einem Gegner oder einer Stelle zu sterben kotzt mich dann in der Regel auch schon an ^^;; Aufgegeben hab ich bisher aber nur seeeehr selten, aber es haftet dem Spiel dann schon sehr negativ an wenn es so gewesen ist. Spiele wie VVVVV würd ich deshalb auch niemals spielen, ich will Spaß haben beim spielen und mich nicht nur die ganze Zeit ärgern ^_-

  • azd -

    Je schwerer der weg um so süßer ist der Erfolg
    D.h. so lange man es versucht und man weiß dass das spiel einen nicht verarscht
    macht man immer weiter.... und wenn man es geschafft hat.... dann ist es jedem selber überlassen :D

  • Mastermind -

    Nun,als 8 jähriger musste ich den finalen Boss von Partners in Time auf Mario und Luigi = Level 24 besiegen,weil ich immer den Gegnern aus irgendeinem Grund ausgewichen bin xD

    Alleine der Kampf hat auf Level 24 4 Stunden gedauert, und trotzdem habe ich es immer und immer wieder probiert, bis ich es geschafft habe :D

    Doch die Stachipanzer bei Mario Kart sind nicht lustig...
    Für mich ist das auch kein scheitern,für mich ist das eher unfair...
    Da kann man noch so viel Skill haben,wenn ein stachipanzer kommt,hast du verkackt -.-

  • Roman Dichter -

    Das ist auf jeden Fall ein sehr interessantes Thema. Aber bevor ich anfange, im einzelnen zu antworten, verweise ich mal darauf, dazu schon einmal viel geschrieben zu haben. Hier mein Blog zum Scheitern:

    ntower.de/index.php?page=UserB…tryID=1859#profileContent