Prinzessin Peach - Ein psychologisches Gutachten

Es war einmal ein Held namens Momotaro („Pfirsichjunge“), der einen bösen, menschenfressenden Dämon vernichtete, der meines Wissens nach eine sehr hässliche Brille getragen hat. Das sagt mehr oder weniger eine japanische Volkssage. Geboren ist er aus einem Pfirsich heraus, einem göttlichen Symbol der Fruchtbarkeit und Unsterblichkeit. Und Pfirsiche sind voll süß. Und schmackhaft.
Alles Eigenschaften, die auch auf eine bekannte Prinzessin zutreffen könnten, nicht wahr? Prinzessin Peach – die immer unterschätzte göttliche Hüterin des Gutmenschentums im Mushroom Kingdom. Sicher hat Grinsebacke Miyamoto sich davon inspirieren lassen als er Miss-Video-Game-Herself erschuf. Doch was steckt wirklich hinter den unschuldigen Katzenaugen unserer Prinzessin, die hier im Westen vorerst als Princess Toadstool („Prinzessin Giftpilz“) bekannt war. Eine langweilige Affäre mit einer Riesenechse? Ein psychopathisches Unterhaltungsspiel auf Kosten zweier Klempnerbrüder?


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["Auch ich mochte sie sehr. Wir haben oft gekuschelt und sie war sehr freundlich und roch nach Liebe." - Das Kissen aus Mario & Luigi: Dream Team]


Nee. Ich möchte ehrlich mit euch sein: Peach ist die Prinzessin, die ich immer wieder retten würde. Sie ist nicht wirklich ein Stereotyp, da sie offensichtlich super alleine zurecht kommt (wie in Super Princess Peach), sportlich mit sämtlichen Mario-Charakteren mithalten kann und auch sonst sehr merkwürdige, aber super nützliche Fähigkeiten hat, wie etwa… fliegen. Und… kämpfen. Und Gott sieht sie dabei süß aus. Sie kämpft überhaupt nicht aggressiv sondern mit Herzen und Regenbögen und einer Grazie, als wäre sie in Gedanken noch beim Eiskunstlauf der olympischen Spiele. Wo sie übrigens gerne mitmacht. Weil sie es kann! Ich kenne auch nicht viele Bewohner des Pilzkönigreichs aber soweit ich das sehe übersteigt sie alle Schönheitsideale dort bei Weitem. Jeder liebt sie.


Wie kann man so Besonders sein und sich dann doch immer wieder von Bowser entführen lassen? Wie kann man überhaupt keine Wut oder Aggression gegen dieses grässliche Monster hegen, das einen 3480293483 einfach spontan mitnimmt, als wäre sie eine leckere Packung Ramen Nudeln, nur um die eigene Besessenheit zu befriedigen. Und wie kann Peach, wie in Super Paper Mario, pausenlos ihre eigene Warmherzigkeit beweisen, ohne auch nur einmal Anspruch auf das eigene Wohlergehen zu legen? Ich sag euch wieso. Sie ist KRANK!!! KRANK SAG ICH!!!!


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["Und sie ist süß und heiß und was sich Puberteenies halt noch so wünschen. Boobs und Panties included" - Shiggy während er Mario Strikers spielt]


Auch wenn ich so tue als wollte ich gegenteiliges bewirken, ist das eigentlich gar nicht witzig. Schauen wir einmal auf die Fakten:
Im Großen und Ganzen besteht der Super Mario Alltag aus gigantischen Sportevents oder dem typischen Damsel-In-Distress-Zyklus. Gerade bei Letzterem hat sich ein einfaches Muster herauskristallisiert:
Bowser will Peach für sich und entführt sie -> Mario rettet Peach. Nur zwei Schritte. Dann geht’s wieder von vorne los.
Wir wissen gerade aus der Paper Mario-Serie, dass Bowser starke Gefühle für Peach hegt, die sie nicht erwidert. Trotzdem lässt sie sich immer wieder von ihm gefangen nehmen. Als mächtigste Frau eines Reiches voller putzeliger Schreihälse, könnte sie sicher andere Sicherheitsmaßnahmen ergreifen, aber das tut sie nicht. Ab und zu kritisiert sie sich selber („I can't believe I got kidnapped... again.“ – Paper Mario 2), aber das würde nicht einmal mein Toaster ernst nehmen. Und der nimmt viel ernst. Nein, sie lässt sich immer entführen um den Zyklus aktiv weiterzuführen. Sie ist kein passiver Spielball in der Geschichte von Mario und Bowser, sie nutzt ihre Macht und Fähigkeiten aktiv, damit alles bleibt wie es ist. Weil sie Spaß daran hat? Ech. So ein Blödsinn.


Peach ist die Einzige, die in diesem Spiel leidet. Sie wird entführt von jemanden, für den sie an sich keine Sympathie empfindet (siehe beispielsweise Super Mario RPG) und kreiert dabei ein Abenteuer für ihren Freund Mario – der daraus vermutlich sein Selbstbewusstsein zieht. Jedenfalls ist er immer happy und am Grinsen, während er Gumbas zerstampfen darf. Gleichzeitig vermeidet sie es aktiv gegen Bowser vorzugehen, einfach weil sie dazu nicht in der Lage ist. Warum sollte sie auch? Sowohl Mario, als auch Bowser profitieren von diesem Zyklus, die können ihre Warprohrlänge vergleichen und sich kloppen, wie sie wollen. Win Win – theoretisch jedenfalls.


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["Ist Peach vielleicht gar nicht so glücklich? Wieso sollte sie es nicht sein? Sie ist eine Prinzessin!" - Cinderella, die gerade Super Mario Bros. 2 spielt]


Dass Peach nach Marios Zuneigung schreit ist auch ein Fakt. Sie würde ihm zu jedem Ereignis einladen, sei es noch so dämlich, denn sie will in seiner Nähe sein. Und er in ihrer. Hach. Happy End. Wäre da nicht Bowser, den Peach auch zufrieden stellen will, obwohl sie ihn nicht einmal mag. Glücklicherweise hat Mario gleichzeitig einen unglaublichen Spaß an seinen Rettungsaktionen und würde Peach deshalb immer und immer und immer und immer wieder befreien. Alle sind glücklich, so wie es läuft – auch die Prinzessin, denn ihr einziges Anliegen ist es andere zufrieden zu stellen. Sie hat keine Wünsche oder Träume. Sie will nichts für sich und glaubt vermutlich nicht einmal daran, dass sie das verdient hätte. Peach ist die Ausgeburt des Symbols der Fruchtbarkeit und Unsterblichkeit. Ein Symbol für andere, das keinen Nutzen für einen selbst in diesem unendlichen Zyklus sucht.
Soetwas nennen irgendwelche Leute bestimmt irgendwo, wenn sie besoffen über das Leben philosophieren, altruistische Abtretung, es ist eine Form des Helfersyndroms. Es ist der Zwang anderen zu helfen und daraus sein Selbstwertgefühl zu entwickeln. Jetzt mögt ihr denken: Aber Crapbag! Peach hilft doch keinem! Ihr wird geholfen! Nun, wie ich oben geschrieben habe, profitiert sie als einzige nicht wirklich aus dem Zyklus. Sie sagt immer wieder, dass sie nicht entführt werden will! Sie ist die Einzige, die in der Serie ihr Unglück ausdrückt. Und doch macht sie alles mit.
Sie hilft, indem sie ihre Rolle spielt. Auch in den groß organisierten Sportveranstaltungen würde sie sich niemals in den Vordergrund drängen. Sie würde gewinnen wollen und es auch tun, aber die wirklich entscheidenen Faktoren wären wieder alle anderen Leute.
Ich gebe ein Beispiel: Sie als Prinzessin des Pilzkönigreichs ist mit großer Sicherheit die Hauptveranstalterin sämtlicher Sportveranstaltungen (schließlich befinden sich alle Standartarenen in ihrem Königreich) und dennoch benennt sie alles nach ihrem Freund, der Ikone ihrer Welt. Im Kampf würde sie niemals jemanden ernsthaft verletzten, was sich in ihrem kompletten Kampfstil widerspiegelt. Sie ist kein schwacher, hilfloser Charakter. Sie ist das Gegenteil.


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["HELP" - Die Beatles. Das Bild kommt btw. aus Mario 3D Land. Just sayin.]


Und dennoch ist sie das Opfer in jeder Hinsicht. Ihre Fähigkeiten langen bewiesenermaßen aus um sich aus Bowsers Fängen zu befreien. Hier muss man allerdings sagen, dass ihre Taten eher Mario Zugunsten kommen als Bowser. Ursprünglich mochte sie sich vielleicht nicht gewehrt haben, weil selbst Bowsers Wohlergehen über ihrem eigenen steht - wie das bei jedem um sie herum ist. Beweise finden sich da vorallem in Super Paper Mario. Letztlich sind aber gerade die letzten Spiele mehr darauf ausgelegt Marios Abenteuerlust zu befriedigen. Das mag schön und gut sein, immerhin liebt sie diesen Mann offensichtlich irgendwie. Aber warum? Ich bin auch fett und kann mir einen ekligen Schmierakzent zulegen und hässliche Hosen trage ich sowieso immer. Aber Frauen finden mich nicht zu toll. Liegt das nur am coolen Schnauzbart? Oder verkauft sich Peach WEIT unter ihrem Wert? Vielleicht weil ihr Selbstwertgefühl im Keller ist? Klar, Mario ist athletisch und so ( :rolleyes: ), offensichtlich super freundlich und cool. Aber mit Sicherheit nicht der Hellste, sonst hätte er dieses Spiel lange durchschaut. Nun, vielleicht hat er das sogar und spielt es nur noch mit, weil es ihm so Spaß macht. In dem Fall wäre er aber ein genauso narzisstischer Bösarsch wie Bowser.


Klar, er rettet das Mädchen am Ende immer. Aber tut er das wirklich für sie? Oder lässt sie sich nicht eher für ihn retten? Und backt ihm zusätzlich noch einen Kuchen. Und knutscht ihn ab. Man wie romantisch ist diese Beziehung eigentlich?
Versteht mich nicht falsch, ich halte Mario nicht für einen egoistischen Menschen, der nur seinen Kick sucht. Auch er ist altruistisch angelegt. Doch genervt von der Allgemeinsituation ist er bei Weitem auch nicht. Letztendlich funktioniert die Dreiecksbeziehung Mario – Peach – Bowser nur genauso, wie sie zurzeit läuft und immer lief. Mario ist glücklich weil er helfen kann, Bowser ist glücklich, weil er immer wieder die Chance bekommt Peach zu bekommen und sie selbst ist glücklich, wenn die anderen glücklich sind. Es ist keine Traumbeziehung, aber eine wie man sie immer wieder finden wird, wenn man durch die reale Welt streift. Es ist ein Ideal, was sich erstaunlich stark mit der japanischen Arbeitsmoral in Einklang bringen lässt – sowohl was die Männer- als auch die Frauenrollen angeht. Selbst unabhängig davon ist es bewiesen, dass Männer Altruismus eher in einmaligen (oder kurzfristigen) Heldentaten ausleben, während Frauen sich daraus eine langfristige Lebensaufgabe basteln. Es ist vielleicht näher an der Realität, als manch einer vermuten mag.


Doch wo führt uns dieses Gelaber hin? Können wir daraus einen Nutzen für uns ziehen? Sollte ich es in Zukunft vermeiden mich von dem netten Typen in dem Truck mitnehmen zu lassen, der mir Lutscher schenkt, nur um ihn nicht zu verletzen? So weit geht Super Mario noch nicht. Doch aus psychologischer Sicht, ist es sehr wahrscheinlich, dass Peach die Unglücklichste all der Charaktere ist. Und das obwohl sie alle Ideale übertrifft und ein Multitalent ist, wie man es sonst kaum findet. Nun könnte man sich natürlich fragen wie soetwas zustande kommen kann, müsste ihre Familiengeschichte und ihr Umfeld ansehen. Alles was wir davon wissen ist, dass sich ihr Schicksal schon in ihrer frühen Kindheit abzeichnet. Peach, glaub mir, du verdienst mehr als das! Denk doch mal an dich!
Doch seien wir mal ehrlich, wäre alles nicht so wie es ist, würde Mario wahrscheinlich viel in seinem Leben fehlen, Bowser hätte keine Lebensaufgabe und vermutlich die krassesten Depressionen, es gäbe kein Abenteuer, alles wäre irgendwie blöd und auch wir wären unglücklich.


Und solange du das verhinderst... wer bin ich mich da zu beschweren?


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Kommentare 2

  • Einfach nur geil.

  • Wow. Was ein Blog! Wirklich brillante Arbeit und eine sehr interessante und waghalsige These, die da aufgestellt wird. Na, wer weiß von welchem Doktor das hier geschrieben wurde. Vielleicht von Dr. Mario? :ugly