Der vermutlich dümmste Verbraucher der Welt: Der Videospieler - Teil 3

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  • Hallo lieber Leser oder liebe Leserin,

    Auf Grund einer neuen Mode (zu der ich in einem späteren Teil noch kommen werde), habe ich mich etwas in den Online-Auktionshäusern herumgetrieben und war fassungslos. Diese Fassungslosigkeit hat mich dazu bewegt einmal über das Kaufverhalten eines Videospielers (zu denen ich natürlich auch zähle) nachzudenken und meine eigene Meinung und meine Erfahrungen dazu hier im Blog frei kundzutun.

    Im 3. Teil meines DVDVDW: DV - Blogs möchte ich auf die Abzockmethoden der digitalen Vertriebswege eingehen, denen sich der Videospieler meist freizügig hingibt wie eine Prostituierte ihrem Freier:

    Downloadshops wie Steam, GOG.com oder der eShop sind etwas Wunderbares. Sie stellen in der heutigen Zeit eine gute Alternative zum Einzelhandel und den Online-Versandhändlern dar. Von daher habe ich persönlich nichts gegen diese Plattformen und nutze diese mittlerweile auch gelegentlich selber. Vor allem für die kleineren Entwickler ist der digitale Vertriebsweg eine Chance ihre Spiele in größerem Umfang an den Mann bzw. an die Frau zu bringen und uns damit zu erfreuen. Kleine Spieleperlen wie Mark of the Ninja, Brothers - A Tale of two Sons und Outlast hätten vielleicht nie das Licht der Welt erblickt, wenn es diesen Vertriebszweig nicht geben würde bei dem sich keiner der großen Spielehersteller einmischen kann und muss.
    Über zusätzliche Einschränkungen einiger Shops wie z.B. die Accountbindung möchte ich diesmal nicht weiter eingehen. Dazu habe ich meine Ansicht bereits in den ersten beiden Blogs ausreichend geschildert.
    Wer diese verpasst hat und gerade nichts zu tun hat, darf diese gerne hier nachlesen:

    Teil 1

    Teil 2


    Nun aber zum Thema dieses Blogs:

    Die Preispolitik der Spielehersteller in Downloadshops:

    1. Preisgestaltung für (neue) digitale Nutzungslizenzen:

    Ich kann mich noch gut an den Beginn des digitalen Vertriebsweges erinnern. Und auch an die Versprechungen und Anpreisungen für diese neue Art des Spielekaufs mit denen die Spielehersteller diesen bewarben:

    Der Preis von neuen Spielen soll günstiger ausfallen wie beim herkömmlichen Handel. Denn der Spieleentwickler spart sich schließlich Kosten für den Vertrieb, die Produktion (Datenträger, Verpackung und Beilagen) und für den Transport und die Lagerung. Lediglich die Händlerbeteiligung (in diesem Fall der Downloadshop-Betreiber) bleibt erhalten. Denn dieser hat schließlich wie ein Einzelhändler bzw. Versandhändler ebenfalls Unkosten zu decken wie Angestellte, Energie, und Gebäude - nur eben in einem anderen Verhältnis.

    Nehmen wir nun ein aktuelles Beispiel bei dem sich mir als Verbraucher die Frage aufdrängt: Was soll das denn?

    Dieses perfekte Beispiel heißt The Witcher 3: Wild Hunt und kann bei verschiedenen Retail-Händlern (also diejenigen die einem das Spiel mit Verpackung, Datenträger, sonstigen Beilagen und ohne DRM über ein Logistigunternehmen zusenden) für etwa 49,99€-59,99€ erstanden werden.
    Nun denkt sich doch ein logisch denkender Mensch: Super. Dann kostet es in einem Downloadshop sicher weniger. Doch siehe da: Bei Steam und Co. fällt der Preis genauso hoch aus.
    Nun lautet die Frage doch: Warum muss ich bei diesen den gleichen Preis bezahlen und die Antwort ist ganz einfach: Damit diese mehr Gewinn erwirtschaften. Die Versprechungen von damals haben sowohl die Verkäufer wie auch die Käufer vergessen. Und dabei erwerben die Käufer bei den meisten Downloadshops noch nicht einmal ein Spiel. Man kauft lediglich eine Nutzungslizenz. Das bedeutet, wenn z.B. der Shopbetreiber von Steam namens Valve nicht mehr ist, sind auch alle diese Spiele in der digitalen Bibliothek nicht mehr. Es sei denn man hat Steam immer im Offline-Modus beendet.

    Und genau das ist der Grund warum ich selber niemals ein Spiel NEU in einem Downloadshop kaufe. Ich persönlich habe für ein Spiel bei Steam noch nie mehr als 10€ ausgegeben und werde es auch nie tun. Denn eine Nutzungslizenz hat für mich den selben Stellenwert wie ein Kinobesuch - es ist flüchtig und mir bleibt im Grunde nichts als die Erinnerung daran.

    2. Preisgestaltung für Downloadable Content (kurzform: DLC):

    Bei diesem Thema möchte ich vor allem für die Jüngeren unter euch eine Zeitreise in die Vergangenheit machen:
    Vor langer, langer Zeit (nach der christlichen Zeitrechnung die Jahre 1998-2001) erschienen zahlreiche großartige Spiele wie Half-Life, Unreal Tournament, Quake III Arena, Return to Castle Wolfenstein oder StarCraft. Natürlich gab es noch zahlreiche andere hochkarätigen Spiele. Doch gerade diese von mir genannten Titel hatten eines gemeinsam: DLC's vom Hersteller bzw. Entwickler. Allerdings nannte man diese zu jener Zeit eher Spiele-Erweiterungen oder -Modifikationen (kurz: Mods). Einige Spielehersteller jener Zeit sahen es nämlich für wichtig an ihre Kundschaft auf verbraucherfreundliche Art an sich zu binden und ein Spiel langfristig als Verkaufsschlager attraktiv zu halten. Aus diesem Grund veröffentlichten diese für ihre Spiele immer wieder sogenannte Mappacks, Skinpacks oder Mods und zwar - nun haltet euch fest - kostenlos. Und das nicht als Entschuldigung für irgendwelche unspielbaren Spieleveröffentlichungen auf Grund von Bugs oder überlasteten Servern.

    Und wenn ein Hersteller/Entwickler einmal doch ein etwas umfangreicheres Paket an Ideen und Inhalte für ein bereits veröffentlichtes Spiel hatte, dann machte er ein AddOn und verkaufte es für einen Bruchteil des Kaufpreises des Hauptspieles. Und man konnte meist sicher sein, dass dieses auch wirklich viel neues zu bieten hatte.

    Und so zogen die Jahre für uns Videospieler friedlich dahin - bis zum Frühjahr 2006.
    Dann erschien das Rollenspiel The Elder Scrolls IV: Oblivion von Bethesda. Auch für dieses Spiel hatte Bethesda einige kleinere Erweiterungen geschaffen - darunter eine Pferderüstung. Allerdings verlangte Bethesda für dieses kleine virtuelle Objekt 2,00$ bzw. 2,50€. Ich nahm dieses Gimmick zu dieser Zeit eher als Aprilscherz auf (es wurde Anfang April veröffentlicht) und zog weiterhin ganz gut ohne Pferderüstung durch die Welt von Tamriel um den Mord am Kaiser Uriel Septim VII aufzuklären und einen würdigen Nachfolger zu finden.
    Und ehrlich gesagt konnte ich mir auch nicht vorstellen, dass wirklich jemand so dumm ist und dafür Geld ausgibt. Wie naiv und unschuldig ich doch war :unsure: .
    Zahlreiche Medien und Spieler hingegen nahmen dieses Angebot der Pferderüstung aber wohl ernst und begannen über dieses Geschäftsmodell lautstark zu lästern und dagegen zu protestieren. Und wieder einmal - die Meisten werden es wohl schon ahnen - verkaufte sich diese Rüstung trotz dieser Proteste und Boykottaufrufen überaus gut. Ich persönlich habe mir für das Geld lieber ein Bier gegönnt. An dieser Stelle ein lautes *Prost* an die Pferderüstungbesitzer :ugly .

    Und wieder landete die Spieleindustrie einen Treffer.

    Ergebnis: Team Spieleindustrie 3 - Team Spieler 0

    Für fast jede virtuelle Nichtigkeit wird dem Käufer echtes Geld aus der Tasche gezogen. Doch der Videospieler nimmt es nicht nur bereitwillig hin, er unterstützt es sogar mit vollem Eifer.
    Manchmal glaube ich, wenn ein Spielehersteller auf die Spieler und Spielerrinnen zugehen und sagen würde: Du darfst unseren neuen Titel nur spielen wenn du die Hose runter lässt und dich vorbeugst oder du die Augen zu machst und aus einem Schlauch saugst, würde die Mehrzahl der Spielergemeinde genau das tun - eine wirklich traurige Einsicht ;( - findet ihr nicht?


    PS: Noch ein kleiner Kommentar dazu von Ex-EA-Chef John Riccitiello, der alles aussagt was der Großteil der Spieleindustrie über seinen Kunden denkt:

    "Wenn ein Spieler sechs Stunden mit Battlefield verbringt und dem Spieler die Munition ausgeht und wir Ihn um einen Dollar bitten, um nachzuladen, empfindet der Spieler zu diesem Zeitpunkt keine wirkliche Hemmschwelle gegenüber diesem Betrag.

    Im Grunde ist der Verbraucher in diesem Moment so mit dem Spiel beschäftigt, dass dieses "spiele erst" und "bezahle später" Modell wunderbar funktionieren würde. Die Spieler können 10, 20, 30 oder gar 50 Stunden in einem Spiel verbringen. Und dann, wenn Sie in das Spiel vertieft sind, werden Sie darin investieren.

    Zu diesem Zeitpunkt kann das Engagement ziemlich hoch sein. Es ist ein großartiges Modell und es verspricht eine wesentlich bessere Zukunft für die Spieleindustrie."


    Und ich persönlich befürchte, dass diese Einschätzung von JR für den Großteil der Videospieler zutrifft. Sonst hätte sich die Spieleindustrie innerhalb der letzten 10 Jahre nicht derart in diese Richtung bewegen können. Und wenn die Spieler nicht bald aus ihrer Trance erwachen, wird es vielleicht schon in den nächsten 10 Jahren exakt so sein.

    1.013 mal gelesen

Kommentare 10

  • Otter123 -

    gamestar.de/spiele/evolve/arti…r_boni,50469,3082672.html

    Passt irgendwie zu der Blogreihe ^^

  • Chris2010 -

    Der Vergleich zwischen Steam und der Kinokarte macht aber eigentlich wenig Sinn. Im Kino kann man den Film genau 1 mal anschauen während man bei Steam das Spiel doch praktisch unbegrenzt spielen kann.

    Laut dem Steam Support wurden zudem Maßnahmen getroffen, die sicherstellen sollen, dass die Käufer selbst dann noch ihre Spiele spielen können, wenn Steam aus irgendwelchen Gründen eingestellt werden würde.

    Leider ist es bei den Konsolen ja meistens so, dass digital gekaufte Spiele sogar teurer sind als die Disc-Versionen. Ich würde am liebsten alle Spiele nur noch als Download kaufen aber bei den Konsolen halten mich die hohen Preise im Moment noch davon ab. Dazu kommt noch, dass es bei Nintendo nicht einmal ein zeitgemäßes Account-System gibt.

  • Taneriiim -

    Das schlimmste sind die Multi-Platt Entwickler der heutigen Zeit. EA, Ubi, Activision...sie profitieren am meisten durch die Zersplitterung des Marktes zwischen MS, Sony und Nintendo. Milliardengewinne zeigen nur auf, wie sich die Industrie ad absurdum führt und rein auf Quantität ausgerichtet ist. Gen-Sprünge werden bei Sony und MS auf den Faktor Grafik reduziert und Nintendo macht nach der tollen Motion Control Steuerung nun einen übelsten Fehler und springt in eine Streamingkonsole, die zumindest in Sachen Hardwarezusammenspiel PS4/Vita bei Weitem bereits übertroffen wurde. Im Grunde genommen sind die Klügsten die, welche diese Generation komplett ausgelassen haben.

  • Roman Dichter -

    150 Euro für ein Snickers? Deal! Davon spende ich dann auch 2 Euro an ein Tierheim, versprochen! :D

  • FALcoN -

    @ Roman: Deswegen steht auch in meiner Anleitung immer persönliche Erfahrung und Meinung zu dem Thema :). Aber mir kann einfach keiner glaubhaft darlegen, warum man 2,50€ für eine virtuelle Rüstung ausgibt oder 2,00€ für ein 3DS-Design - außer mit der Begründung, dass man zuviel Geld herumliegen hat ;). Ich würde das Geld aber, bevor ich es für solches Zeug ausgebe, lieber an ein Tierheim spenden. Denn es bietet noch nicht einmal einen spielerischen Nutzen für mein Hobby. Ich kann es gerade noch verstehen, wenn einer in einem Browsergame für Heiltränke oder schnellere Bauzeit bezahlt, auch wenn ich es selber nie tun würde.

    PS: Du hast ein Snickers für 100€? Ich gebe dir 150€ dafür :P.

  • Roman Dichter -

    Von der anderen Seite betrachtet: Letztlich gibt es viele Dinge, die uns persönlich Freude bereiten, aber neutral betrachtet unnötig sind. Trotzdem geben wir dafür Geld aus, und wenn wir Spaß dran haben, was soll's? Aber trotzdem: Geld für 3DS-Menü-Hintergründe zahlen? Oder für neue Kleidung einer Videospielfigur? Da kann ich nur lachen...

  • Roman Dichter -

    Echt gute und unterhaltsame Blog-Reihe! :) Du schreibst auch viele Dinge, die schlicht wahr sind. Bei manchem kann man es sicher unterschiedlich sehen, aber gerade die Sache mir Kleinst-DLCs (Rüstungen, Waffen, Köstüme) ist wirklich Wahnsinn!

    Jeder (!) Betrag wäre dafür zu viel Geld, wenn man es mit gesundem Menschenverstand betrachtet - aber dass direkt mehrere Euronen verlangt werden, ist wirklich unfassbar. Und gerade bei diesem Beispiel trifft dein Grundgedanke (dumme Spieler) den Nagel auf den Kopf: Man kann es den Firmen fast nicht vorwerfen, wenn sich tatsächlich Spieler daraf einlassen. Wenn mir jemand ein Snickers für 100 Euro abkaufen will, dann zeige ich mit dem Finger auf ihn und lache, aber das Geschäft verwehre ich ihm natürlich nicht.

  • Magna-fi -

    Beispiel 3
    Die Publisher wissen das ihre Zielgruppe dämlich ist Elektronic Arts hat es letztens sogar zugegeben. Warum? weil sie wissen sie können alles tun sie könnten sogar geld verlangen das man für jede Stunde Fifa 15€ zahlen muss trotzdem würde es gekauft werden

    Der Core Gamer der wirklich in der Materie drin ist und von den Sachen weiß der Regt sich darüber auf und kauft es nicht weil er den Publisher nicht unterstützen will. Aber der Casual Spieler der nur 1-2 mal die Woche die Konsole anwerft um Fifa Nba Assassins creed GTA haste nicht gesehen zu spielen den ist das egal solange er die gleichen Spiele nächstes Jahr wieder kaufen kann.
    Ich bin selbst Spieler aus Leidenschaft und ich will später selbst Entwickler werden und bei einer Spieleschmiede arbeiten aber diese Entwicklung wo sich die Industrie hinbewegt wo die Spieler sich hinbewegen das macht mich traurig sehr traurig.


    Das ist zumindest meine Meinung so wie ich die Sache sehe

  • Magna-fi -

    Beispiel 2 und Teil 2 ( Ich hasse die Zeichenbegrenzung)

    Es wird sich über Mikrotransaktions aufgeregt (Mobile spiele lassen grüßen) und trotzdem verdienen sich die Publisher dumm und dämlich daran warum ist das so hab letztens einen Kommentar dazu in einen Forum gelesen das man explizit auf Spielsüchtige (keine Videospiele) mit dieser Taktik ansprechen will und das Klingt gar nicht so dumm wenn man es sich durch den Kopf gehen

  • Magna-fi -

    Sehr guter Blog =)

    Das ist mir auch schon aufgefallen das die Industrie mit den Spieler im Grunde eigentlich machen kann was immer sie wollen die leute kaufen es eh.

    Beispiele

    Ich höre von leuten in Foren das sie Remastered versionen von spielen wollen obwohl viele die Konsole bsp für die Borderlands Collection noch haben. Borderlands 1+2 und The Pre Sequel kriegt man mit allen Dlcs für ca 50-60€ du kommst damit günstiger weg als mit der Collection die eh 70€ kostet und nur Borderlands 2 und The Pre Sequel dabei sind. Wie dumm sind diese Menschen und 1080p und 60fps sind kein Grund weswegen ich 70 Tacken nochmal hinblättern tue obwohl ich die Spiele für die Old gen schon habe. Wenn man es so macht wie bei den HD Remixes von Kingdom Hearts die nicht vollpreis kosteten und du spiele bekommst die hier in Europa gar nicht erschienen sind (Rede von den Final mix versionen) das ist Ok das unterstütze ich aber ansonsten kann man mir damit wegbleiben.