
Hallo lieber Leser oder liebe Leserin,
Endlich ist es soweit.
In meinem 5. und letzten Blog der DVDVDW: DV-Reihe komme ich endlich zu dem Thema, das mich zum Schreiben dieser "kleinen" Blog-Reihe verleitet hat:
Die neue Kaufsucht und/oder der neue Kaufwahn von Videospielern
Mittlerweile hat nicht nur die Spieleindustrie festgestellt, dass seine Verbraucher sich gerne ausnehmen lassen wie eine Weihnachtsgans. Nein. Auch ist es unter eben diesen Verbrauchern - den Videospielern - selbst Mode geworden, sich gegenseitig zu schröpfen wie es nur irgendwie möglich ist.
Vor nicht allzu langer Zeit war es für die Personen, die dem Hobby Videospiele nachgehen, üblich sich aus diesem Gebiet etwas für den Eigenbedarf zu bestellen und zu kaufen um sich selbst daran zu erfreuen. Doch diese friedvolle Ära scheint vorbei zu sein. Sobald sich auch nur andeutet, dass ein Artikel knapp wird und dennoch weiterhin eine gewisse Nachfrage besteht, gehen zahlreiche Personen auf Shoppingtour. Aber nicht aus dem zuvor genannten Grund. [Sarkasmus ON] Das wäre doch völlig abwegig. [Sarkasmus OFF]
Sie kaufen schlicht ein um es wieder zu verkaufen. Aber nicht zum selben Preis oder mit einem kleinen Gewinn- und Unkostenaufschlag wie es der gewöhnliche Handel tut. Auch das wäre aus Sicht dieser Gestalten wohl völlig daneben. Man erhöht den Preis stattdessen lieber gleich um bis zu 300% des eigentlichen Marktpreises (je nach ursprünglicher Preiskategorie des Artikels). Schließlich möchte man soviel Geld wie nur im Entferntesten möglich aus der Videospieler-Pinata klopfen. Bei dieser Gewinnspanne kann sogar ein Großunternehmen wie Apple neidisch werden, das pro verkauftem iPhone "nur" bis zu 70% Gewinn erwirtschaftet.
Und diesem Trend folgt mittlerweile sogar schon der Handel selbst. Hier möchte ich einen österreichischen Versandhändler als Beispiel nennen, der sich diese neueste Entwicklung der Videospielelandschaft zum Vorbild genommen hat. So hatte dieser Versandhändler die New Nintendo 3DS XL Majora's Mask Edition nicht für die üblichen 230€ angeboten, sondern zum Preis von 264,99€ eingestellt. Später wurde der Preis sogar auf 299,99€ angehoben. Auch bei den amiibos langt dieser Versandhändler kräftiger zu wie die meisten anderen, sobald es sich abzeichnet, dass die Nachfrage einzelner amiibos größer ist wie seine Verfügbarkeit. So verlangt dieser Versandhändler für die Figuren 19,99€ statt den sonst üblichen 14,99€.
Aber ich persönlich gebe nicht den Verkäufern und Händlern die Schuld - sondern den Käufern.
Dazu möchte ich über einige Beobachtungen berichten, die mir bei meinen Recherchen für diesen Blog aufgefallen sind:
Sobald die New Nintendo 3DS XL Majora's Mask Edition vorbestellbar war, wenn auch nur für sehr kurze Zeit, wurden Online-Plattformen geradezu mit Auktions- und Sofortkauf-Angeboten dieser Edition überflutet. Die Angebotsseiten enthielten dabei so Sätze wie:
"Die Zahlung ist sofort nach dem Kauf/Auktionsende zu entrichten."
"Der Artikel wird versendet, sobald erhältlich."
"bei Zahlung per Überweisung 10€ Rabatt".
Wie man auch nur auf die Idee kommen kann auf solche Angebote einzugehen - und das zu einem völlig überzogenen Preis - entzieht sich völlig meinem Verstand.
1. Warum sollte ich für etwas bezahlen, dass mein Gegenüber nicht einmal besitzt oder man sogar davon ausgehen muss, dass er den Artikel auf Grund einer eventuellen Stornierung gar nicht erhält? Ein echter Händler bucht das Geld einer Vorbestellung schließlich erst beim Versenden der Ware oder sobald er selbst im Besitz der Ware ist.
2. Weshalb sollte ich dem Verkäufer diese Geschäftspraktik überhaupt finanzieren? Denn ich wette darauf, dass ein Großteil dieser Verkäufer nicht einmal das Geld besitzt, um sich die Ware überhaupt zu leisten. Aber da manche Personen über einen derart begrenzten Horizont verfügen und die Ware so weit im Voraus bezahlen, hat er wiederum die Möglichkeit den Artikel ohne Probleme zu bezahlen und sogar von der Person mit dem begrenzten Horizont z.B. 70% mehr Geld abzukassieren.
3. Natürlich bezahlt man solch ein Angebot auch lieber per Überweisung als mit Lastschrift oder sicheren Online-Bezahldiensten. Denn schließlich kann man sicher sein, dass wenn man einen Artikel über 4 Wochen vor Erscheinen kauft und bezahlt, die Person sich mit dem Geld uneingeschränkt vergnügen kann. Denn Möglichkeiten das Geld zurückzuholen besteht bei einer Überweisung sowieso nicht und Berwertungsysteme lassen sich bei solch einer Zeitspanne häufig auch nicht mehr nutzen.
Es tut mir wirklich Leid. Aber für die Menschen, die auf solche Angebote eingehen und diese Angebote durch ihre Finanzierung überhaupt erst ermöglichen, empfinde ich noch nicht einmal Mitleid. Da denke ich mittlerweile nur noch: Geschieht dir recht!
Ein persönliches Erlebnis:
Ich war am 14.02.2015 (also einen Tag nach dem Veröffentlichungsdatum der Edition) in einem Elektronikgeschäft und sah zufällig 3 Exemplare der New Nintendo 3DS XL Majora's Mask Edition für je 229,00€ im Regal.
An dieser Stelle muss ich aber in mich gehen und mich schämen. Ich dachte doch tatsächlich einen Moment darüber nach, ob ich mir die 3 Exemplare nicht kaufen sollte, um sie für je 70€ Aufpreis über eine Kleinanzeigen-Seite zu verkaufen. Das wäre mit vielleicht 30 Minuten Zeitaufwand ein Gewinn von 210€ gewesen. Da wird selbst eine Edelprostituierte neidisch. Aber dann sah ich wie ein ca. 10-jähriger Junge mit seinem Vater zu dem Regal lief und sich ein Exemplar freudestrahlend herausnahm. In diesem Moment siegte die Moral - ein unter Menschen leider immer weniger bekannter Begriff - und ich ging meines Weges. Doch an dieser Geschichte sieht man wie leicht man zu solchen Handlungen verführt werden kann.
Mein persönliches Fazit:
Würde es nicht so viele sammelwütige, konsumgeile und wahrscheinlich auch dumme Käufer geben, würde dieses System schlicht nicht funktionieren. Niemand steht mit vorgehaltener Waffe vor einem und befielt: Kauf dir das amiibo für 50€! Aber wenn sich Personen dazu entscheiden diese Summe dafür zu bezahlen, muss man sich in der heutigen vernetzten Welt nicht wundern, wenn sich das herumspricht.
Aber ich will nicht engstirnig sein. Wenn mir Jemand logisch und verständlich erklären kann, warum eine Person so handelt und sich ein amiibo für 50€ kauft - oder für einen defekten beinlosen Peach-amiibo 25.000$ ausgibt - darf er es gerne versuchen. Wenn diese Erläuterung aber keine guten und sinnvolle Argumente beinhalten sollte, sollte man weiterhin kein Verständnis meinerseits dafür erwarten.
Ich danke allen Leserinnen und Lesern für ihre Aufmerksamkeit und Zeit. Ich hoffe, dass ich zumindest einige von euch wachrütteln und zum Nachdenken bringen konnte - und euch mit diesen Blogs selbstverständlich auch gut unterhalten habe.
MfG FALcoN
PS: Wer meine vorherigen Teile verpasst hat oder noch einmal Lesen möchte, darf dies gerne tun:
Teil 1 - Über den (Un)Sinn der Internetaktivierung
Teil 2 - Die "besten" Ideen der Spieleindustrie aus dem letzten Jahrzehnt
Teil 3 - Die Abzockmethoden des digitalen Vertriebes
Teil 4 - Über Early Access und Crowdfunding
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