Kurzweilige Kalauergeschichten aus dem täglichen Leben

Lesen erfolgt auf eigene Gefahr, orthografische Fehler im Preis mit inbegriffen!




Nur Untote leben länger oder Blutarmut macht noch keinen Vampir



Nach einem langen geruhsamen Tag, erwachen Sie langsam aus ihrem totenähnlichen Schlaf. Dabei stoßen sie sich gewohnt den Kopf am Deckel ihres Sargs, den sie sich beim netten Schwedischen Möbelhaus, mit den vier Buchstaben besorgt haben. Das Modell „Gruftia“, das sie sich bei der letzten Mittsommer Aktion besorgt haben, bringt dabei ihren blassen, weißlich, kranken Teint besonders zur Geltung. Sie blinzeln den Mondstrahlen entgegen und begrüßen die wunderschöne Nacht. Sie hören das sanfte, unheilschwangere Heulen eines Werwolfs in der Ferne oder vielleicht aber auch das einer Werkatze, die sich in letzter Zeit explosionsartig zu vermehren scheinen. Ihr längst nicht mehr vorhandener Blutdruck stagniert artig gegen null, als sie sich schattenartig aus ihrer Samt gepolsterten Sargbett bequemen. Leere Kaffeetassen zeugen von einem durchzechten Tag, bei dem sie einen Extra Schuss Blut, vom netten, unwissenden Nachbarn nebenan gegönnt haben, dieses sich aber längst in kleine klumpige Klumpen verwandelt hat. Der Blick, ihrer starren Augen, schweift durch den Raum und ganz unwillkürlich denken Sie daran, dass die Farbe Schwarz eigentlich schon seit Jahren außer Mode gekommen ist. Die antiquierten Möbel, des vorangegangenen Jahrhunderts, zeugen bereits von Ermüdungserscheinungen.
Sie verspüren ein bekanntes ziehen im Zahnfleisch, als der süße Schmerz einsetzt, wenn ihre Eckzähne, wie die Zähne einer Schlange, ausgefahren werden. Sie erinnern sich daran, dass ihre letzte Mahlzeit vom Chinesen stammte. Sie überlegen nochmal beim Asia Shop anzurufen, um eine neue Bestellung aufzugeben. Leider liefert der Asia Shop nur noch selten und äußert widerwillig an ihre Adresse, da es selbst in der heutigen Zeit schwierig ist neues Personal anzuheuern, wenn dieses von der letzten Auslieferung nicht zurückkehrt.



Sie gehen vor die Tür und erblicken einen Bettler in einer Nebengasse, friedlich schlummernd schlafen. Na gut, dann muss es eben heute Fast Food geben. Zwar kann Fastfood ihrer Gesundheit nichts anhaben, doch ist der Geschmack meist fad, gemixt mit dem Geschmack von Staub, Dreck, Alkohol, Drogen oder menschlicher Exkrementen. Sie schlendern nach dem eher unerquicklichen Mahl die Straße hinunter. Manchmal werden sie von Menschen angesprochen, die sie für einen Vertreter ihrer Gattung halten, da die meisten Emos, Satanisten, Grufties, Katakombenbewohner, Gothicanhänger und Sektenmitglieder, trotz unterschiedlicher Weltansichten und Neigungen, doch die gleiche Kleidung und Farbton tragen.
Durch ihre Unsterblichkeit bedingt, haben sie einen stetig wechselnden Freundeskreis, der sich mal durch natürliche Sterblichkeit und mal als Ersatz einer Blutbank, im Laufe der Zeit auf natürliche Weise selektiert. Sie fürchten weder Kreuze, Knoblauch, noch Teufel oder Tod. Nein, die Gefahr für sie lauert, wie auch für alle Sterblichen, einem anderen Ort.



Sie haben gesehen was es mit den Menschen macht, die sich ihrer Agonie gar nicht bewusst sind, wenn sie ihr schon längst verfallen sind. Wie sie Zombie gleich da sitzen und sich ihre Gehirne bestrahlen lassen, die infolge des Gesehenen rebellieren, indem sie sich selbst und dem Körper den Krieg erklären, um der andauernden Belastung zu entkommen. So ist es nicht verwunderlich, das Alzheimer und Demenzen auf dem Vormarsch sind. Sind es doch nur natürliche Abwehrreaktionen des Gehirns. Auch sie können sich seiner Macht nicht entziehen. Doch da sie gegen sämtliche natürlichen Erkrankungen immun sind, ist die einsetzende Agonie, umso unerträglicher für sie. Denn sie selbst haben sich schon dabei ertappt, wie sie apathisch und beinahe sabbernd vor dem glänzenden, kolorierten Spiegel saßen, der in eine andere Welt führt. Eine Welt, voller Trug und Schein. Künstlichen Dramen und Drehbuchartigen Ereignissen, die tagtäglich dort draußen geschehen. Man nennt sie Medien. Andere ein Werk des Teufels. Doch Tatsache ist, dass selbst der Teufel, die Medien wie das Weihwasser meidet. Denn sie und er haben längst die Tragweite der subtilen Beeinflussung bemerkt, denen die Menschen täglich schutzlos ausgeliefert sind. Sie sehen all die schönen Versprechen, die die Werbung allen suggeriert.



Ein Werbespot ist ihnen vor allem in Erinnerung geblieben. Ein farbiges Kind, irgendwo in Afrika, vielleicht Somalia oder Kongo, mit einem Gewehr bewaffnet, hat sich hinter einem Vorsprung verschanzt. Überall fliegen Kugeln wie Moskitos durch die Luft, während andere Kinder nach Treffern, eine letzte Pirouette im Sterbevorgang vollführen, um dann den sterbenden Schwan gleich, sich auf den Boden gleiten zu lassen. Explosionen zerreißen die Stille und ein riesiger Feuerball steigt kurz vor dem Vorsprung auf. Überall sieht man die toten Körper der Kindersoldaten und auch der Junge hinter dem Vorsprung, weißt zahlreiche kleinere und größere Verletzungen auf. Unterlegt wird Szenario von Mozarts Vlll. Sinfonie. Der Bürgerkrieg zwischen den Rebellen und den Kindersoldaten, des hiesigen Diktators, steigert sich zum nun zum Crescendo. Der Junge weiß, dass er sterben wird. Er zieht sein nagelneues Apple iPhone 7, aus der Manteltasche und blickt reumütig auf das aufgenommene Bild seiner Eltern und ihm wie sie flankiert von Mickey Mouse im Disney Land stehen, als die Welt noch in Ordnung war. Dann sieht er sich plötzlich von Rebellen umzingelt und sieht nur noch einen Ausweg. Er kramt, während einer Großaufnahme, in seinen Taschen und zieht einen länglichen Gegenstand aus einer seiner Jackentaschen, während, er mit festem, entschlossenem Blick in die Kamera blickt und den Ring des Gegenstands zieht.
Schnitt. Für fünf Sekunden ein schwarzer Bildschirm. Der Zuschauer ist gespannt, was nun kommt.
Dann sieht man, dass was der Zuschauer für den vermeintlichen Ring einer Handgranate hielt, in Wahrheit der Verschluss einer Cola Dose war. Wieder eine Großaufnahme des Jungen. Er trinkt genüsslich und in langen Zügen aus der Dose. Die Welt, um ihn herum mag zwar in Explosionen, Tod, Gewalt und Chaos untergehen, aber in diesem Moment gibt es nur den unvergesslichen Geschmack einer kühlen Coke.
Die Kamera zoomt weiter weg. Gibt das Geschehen aus der Vogelperspektive wieder.
Die Rebellen haben den Jungen erreicht. Zu fünft zielen sie auf den trinkenden Jungen. Großaufnahme auf das Gesicht von einem der fünf Rebellen. Er hält inne, scheinbar mit ungläubigem Gesicht. Er kann nicht fassen was er sieht. Er stößt seinen Nebenmann an, der es ebenfalls sieht. Plötzlich lassen alle fünf ihre Waffen sinken. Der junge Farbige hält mit trinken inne und lächelt ihnen in die blutverschmierten, traurigen Gesichter. Die Cola Dose, sichtbar präsent in der Mitte des Bildes. Da lächeln auch die Rebellen und der Junge zieht aus einem, neben ihm liegend Rucksack mit gut sichtbarem MC Donalds Zeichen, fünf Cola Dosen hervor. Eine für jeden Rebellen.
In einer Großaufnahme sieht man die Hand des Jungen mit der Coke, wie er sie persönlich jedem einzelnen Rebellen überreicht. Der Kampf scheint vergessen. Cola überwindet scheinbar selbst blutige Revolten und lässt sie versöhnlich enden. Langsam zoomt die Kamera aus dem Geschehen. Der grüne Dschungel, in der unteren Hälfte des Bildes, ein strahlend blauer Himmel mit einer vollen Sonne darüber. Die Cola Dose erstrahlt in Überlebensgröße. Dann der folgt der aktuelle Slogan. Coca Cola -macht dir Freu(n)de.



Ihnen wird schlecht und sie müssen sich kurzfristig vom Pizzalieferanten, der sie kurz zuvor besucht hat, auf der Toilette trennen. Manchmal beneiden Sie die Menschen für ihre Gabe. Denn Ahnungslosigkeit und Naivität sind scheinbar nicht immer das Schlechteste was einem widerfahren kann. Sie verbannen das Werk, das nur der Mensch erschaffen konnte in den Wandschrank, sich selbst das Versprechen abnehmend nie wieder fern zu sehen. Doch mit der Zeit wird die Langweile ein treuer Begleiter, der sie unbarmherzig in seiner Umklammerung hält. Getrieben von Sehnsucht und mangelnder Abwechslung, da die Sonne noch draußen scheint und sie nicht als Brathähnchen enden möchten, schalten sie gezwungenermaßen wieder ein. Nur haben sie die Rechnung ohne die Fernsehproduzenten gemacht, denen nichts schamlos, geschmackslos, pietätlos oder makaber genug sein kann. So landen sie rein zufällig auf einer Talkshow in der gerade das Thema – Liebestsunami, deine Besitzanspruch reißt mich noch in den Tod – diskutiert wird. Eine sichtlich genervte und gestresste Moderatorin, die wie eine Angelika Merkel auf Speed gekleidet ist, versucht dem Irrsein eine seriöse Note zu verleihen. Ihre Stimme, die sogar die Stimme von Heidi Klum, wie den Gesang einer Nachtigall wirken lässt, passen ganz gut zum Rest des Klientel, das sich scheinbar von Gott höchstpersönlich berufen fühlt dort aufzutreten. Gerade hat eine Talkteilnehmerin Platz genommen. Eine Auskunft gibt an, dass sie zwar bereits über 67 ist, ihr Liebesleben aber deswegen nicht minder turbulenter ist, was sie auch im Verlauf der Sendung vehement und resolut unterstreicht. Nur einer der Zuschauer im Raum getraut sich die Frage an die Moderatorin zu stellen, was denn eigentlich ein Tsunami, der eine furchtbare Naturkatastrophe darstellt, den mit Liebe zu tun habe.
Nicht mal eine Minute später wird er diskret und dezent, mit etwas Gegenwehr seinerseits, die nach einem Elektroschocker Kontakt rapide nachlässt, aus dem Studioraum begleitet. Während die Sicherheitsbeamten ihn zärtlich an den Füßen packen, schlägt sein Kopf sanft auf die Treppenstufen, die zum Ausgang am unteren Ende führen, immer wieder mit einem schmatzenden Geräusch auf.



Nachdem auch dieses Spektakel vorüber ist, gleitet die Kamera nur widerwillig zu der Teilnehmerin zurück, die sich gerade darüber auslässt, dass ihr Liebesleben nochmal ihr Tod sei, da sie so von jungen Männer begehrt wäre und sich vor Kontakten gar nicht mehr retten könne.
Sie schalten, um den Schwachsinn nicht länger ertragend, doch oh weh sie geraten vom Regen in die Traufe. Als hätte der führende Programmleiter nur darauf gewartet, dass sie umschalten, fängt gerade „Geisteskranker sucht Nervenanstalt“ an. Vorgestellt wird Hendrik, 12 Jahre alt, von einer reizenden Moderatorin in blutbespritzter Metzgerschürze. Der Junge trägt eine Hannibal Lektor Maske und ist mit mehreren Gurten an ein Stahlbett fixiert. Die Moderatorin, eine Mischung aus Super Nanny und Charlotte Roche, führt zur Erleichterung des Zuschauers an, dass das Blut nicht von ihr, sondern von Hendrik, dem Jungen auf der Barre stamme. Man erfährt, dass Hendrik, eigentümlicher Weise eine besondere Abneigung gegen Spritzen habe, obwohl er es eigentlich gewohnt sein müsse. Schließlich wird er doch seit seinem 4. Lebensjahr täglich mit Spritzen sediert, um sich oder seine Umwelt nicht unnötig zu gefährden. Man habe gerade Blut abgenommen, um endlich das Gen des Bösen aus dem Blut, per Zentrifuge zu lösen.
Es folgt eine Bildserie aus Hendriks Kindheit, die einen scheinbar unbeschwertes Kind zeigen. Hendrick, wie er an einer Leine gehalten, aus einer Wasserschüssel am Boden trinkt. Danach erscheinen Bilder seines ersten Haustieres und seinem ersten Kontakt mit dem Tod, da er fünf Minuten nach dem Erhalt seines Hamsters, selbigen dem Kopf abgebissen hat und mit blutverschmiertem Grinsen und einem irren Funkeln in den Augen, in die Kamera grinst. Ist er nicht herzallerliebst, möchte die Moderatorin von einem imaginären Publikum wissen, dass sie hinter der Linse der Kamera nur erahnen kann und schlecht auf ihre Frage reagieren kann. Nachdem ihr einfällt, dass sie wohl keine Antwort erhalten wird, führt sie ihre Moderation fort, während man das Gefühl nicht loswird, als kenne sie das Kind nur zu gut, sodass man fast zu der Überzeugung gelangen könnte, es sei ihr eigener Sohn, den sie aus Gründen der kommerziellen Medienausschlachtung, dem öffentlichen Pranger preisgibt. Niemand hätte zu diesem Zeitpunkt erahnen können, fährt die unbekümmerte Moderatorin fort, welche Monstrosität sich hinter dieser scheinbar kindlichen Unschuldsmiene damals verbarg. Es folgen weitere Bilder von Hendrik, als er etwa 7 Jahre alt ist und zum ersten Mal einem Mitschüler, in Mike Tyson Manier ein Ohr abbeißt, um es bei sich zuhause anzupflanzen, um einen Ohrenbaum wachsen zu lassen.



Der Vater des Jungen wird gezeigt. Es ist ein Mitschnitt eines aufgezeichneten Interviews. Er ist sichtlich angespannt und vergewissert sich immer wieder, ob die Kamera denn schon laufe, was wohl dem ganzen einen komischen Unterton verleihen soll. Auf die Frage, ob er das Verhalten seines Sohnes nicht als etwas unorthodox angesehen habe, antwortet dieser nur, dass er selbst dafür nicht für die Erziehung seines Sohns verantwortlich gewesen sei, da er nie zuhause gewesen war, um die Kinder zu erziehen. Alle Schuld treffe deshalb seine Frau, die es zugelassen habe eine „menschliche Bestie“, wie er es nennt, aufwachsen zu lassen. Deshalb sei das Verhalten seines Sohns, nicht dessen oder seine Schuld, sondern allein dem der Mutter zuzuschreiben. Er selbst fühle sich nun als Opfer seiner Frau, da er nun nie das Erlebnis erfahren würde, wie es wäre einen normalen Sohn groß zuziehen.
Das Bild der Moderatorin gerät wieder in den Fokus der Kamera, sie muss sich sichtlich dazu zwingen ruhig weiter zu moderieren. Scheinbar wurde die Aufnahmen, ohne ihre Kenntnisse aufgenommen, um dann einen Überraschungsangriff auf sie starten, in dem sie live mit den Aussagen ihres vermeintlichen Mannes konfrontiert wird.



Es folgen weitere Sequenzen eines langsamen heranwachsen des Jungen, eines wahr gewordenen Frankenstein Monsters. Der eingeblendete Vergleich soll wohl immer wieder den Zuschauern in Erinnerung gerufen wird, um diese daran zu erinnern was sie zu denken haben. Eigene Meinung wird allgemein im Fernsehen nicht toleriert, da der Freigeist, der Tod der Rigidität und Massenkontrolle ist, wie es so schön in Regie-, und Produzentenkreisen heißt.
Es folgen Bilder wie Hendrik sein erstes, lebendes Huhn verschlingt. Er einem Lehrer einen Finger abbeißt, weil er ihn ermannt, den Mund von seinen Mitschülern zu lassen und Hendrik wie er im Streichelzoo stolz ein dutzend platter Meerschweinchen in die Kamera hält, die er mit einem Stein, in die für ihn richtige Gestalt geformt hat. Seltsamerweise findet sich immer wieder eine Kamera in der Nähe, um das Geschehene im Akt des Geschehens selbst, auf Zelluloid zu bannen.



Ein Blick auf heute. Hendrik liegt in seinem Bettgestell, nach wie vor fixiert. Er stößt Tierlaute aus, und wirft sich in die Gurte, wie Emily Rose im Exorzisten. Dann tritt die Moderatorin ins Blickfeld, mit deutlichem Abstand zum Bett bleibt sie angewurzelt stehen, den Blick zu der Tür gerichtet, aus der sie gerade kam. Ein Arzt betritt die Szenerie. Er hält einen langen Ausdruck in den Händen. Scheinbar das Ergebnis der Blutuntersuchung. Er sieht etwas irritiert aus und auch ein klein wenig nervös, was seine hin und her zuckenden Augen und das ständige Lippenlecken nur unterstreichen. Die Moderatorin möchte nun wissen was er herausgefunden hat. Der Arzt zögert. Scheinbar fällt es ihm nicht leicht über das Ergebnis zu sprechen, soll es doch den weiteren Werdegang des Jungen festlegen. Nun fängt er mit leicht zittriger Stimme an, er habe alles mehrmals kontrolliert und es wäre ihm kein Fehler unterlaufen, was er mehrmals betont. Die Moderatorin zeigt sich nun eindeutig ungeduldig, da sie endlich das Ergebnis kommentieren möchte. Der Arzt teilt nun mit, dass man keinerlei bösartiges Gen in Hendrik identifizieren könne, demnach sei der Junge aus somatischer Sicht völlig gesund. Er leide wohl viel eher an einer dysfunktional Verhaltensstörung, mit kannibalistischer Neigung, die sich vor allem im Verzehr von fremden Körperteilen ausdrücke und auf die mangelnde Liebe zurückzuführen sei, die es als Säugling erhalten habe. Da der Junge nie Sicherheit erfahren habe, wolle er nun alles nach seinen Vorstellungen formen, was die deformierten Meerschweinchen erklären würde. Sowie den Drang alles bei sich behalten, was im abbeißen diverser Körperteile resultieren würde, um die Sicherheit zu erlangen, diese auch nicht mehr zu verlieren.
Die Moderatorin scheint plötzlich gänzlich fassungs-, sprach-, und verständnislos zu sein, nachdem was sie gerade eben live vernommen hat. Plötzlich nimmt sie ihr Mikrofon und fängt damit an, auf alles einzuschlagen, das sich in ihrer Nähe befindet. Wie eine wild geworden Walküre wütet sie durch den Raum und zerschlägt Equipment, teure Laborartikel und andere Utensilien, bevor sie den Arzt attackieren kann, der sich in seiner Weisheit, längst aus dem Staub gemacht hat. Dann sieht sie direkt in die Kamera. Ihr Gesicht ist zu einer Fratze des Abscheulichen verzogen, als habe sich ein Dämon ihrer Selbst ermächtigt. Mit einem lauten Schrei springt sie in Richtung der Kamera und der des dahinter befindlichen Kameramanns, der in seiner Panik die Kamera fallen lässt, worauf der Zuschauer, das weitere Geschehen im rechtsseitigen 90 ° Winkel, in unbewegter Form weiter miterleben kann.
Es werden Schreie laut und plötzlich ist Hendrik frei. Er sitzt in gebückter Haltung, in Sichtweite der Kamera. Den abgetrennten Kopf des Kameramanns hält er in den Händen und schreit laut „mein Schatz“, bevor er mit einem Knall gegen die Kamera stößt und die Szenerie von einem Standbild abgelöst wird. Das Standbild soll wohl einigermaßen beruhigend auf die Zuschauer wirken, in dem man den Schriftzug technische Schwierigkeiten, wir bitten um ihr Verständnis, eingeblendet hat. Darunter steht noch, bitte versuchen sie ruhig zu bleiben und widerstehen sie dem Drang umschalten, denn wir sind gleich wieder für sie da. Doch scheinbar hat man in der Regie vergessen den Ton abzustellen, sodass weiterhin Schreie der Agonie und der unsäglichen Schmerzen live zu hören sind, die immer wieder durch Fauch- und Schmatzgeräusche unterbrochen werden.



Mit einem Seufzer reißen sie den gesamten Stecker aus der Wand, die so dünn ist, das ein Blatt Papier mehr Schallschutz aufweist und treten die Flimmerkiste der Pandora zurück in den Wandschrank. Nachdem die Türe wieder einmal fest verschlossen ist, nehmen sich wieder einmal zum x-ten Mal das Versprechen ab, dass es diesmal aber wirklich und für alle Zeiten das letzte Mal war, dass sie diesen Fluch spendenden Kasten aus seinem Exil befreien.
Genervt von der Welt und ihren Eskapaden sehen sie nur einen einzigen Ausweg aus ihrer Misere zu entkommen, die eine Unsterblichkeit nun einmal mit sich bringt. Es braucht nicht viel. Nur etwas Mut und eine kräftige Portion Selbstüberwindung, als sie ihren Blick auf die Uhr werfen und feststellen, dass die Sonne nun genau im Zenit am Himmel steht. Sie öffnen das Fenster, das vor den dichten, lichtgeschützten Rollladen steht, welches sie nie ein einziges Mal geöffnet haben. Sie saugen die frische Luft in ihre Untote Lunge, die nach Jahren der nicht nötigen Verwendung sich protestierend aufbläht. Sofort steigt ihnen der saftig-würzige Duft, der heimischen Abgase, der Autos und Schornsteinen, angrenzender Fabriken in die Nase. Sie denken an all die schönen Chemikalien, dieser Firma, die in die anliegenden Bäche und Flüsse geleitet werden und gelegentlich durch neue Skandale in den Medien wieder in Erinnerung gerufen werden, wenn das Sommerloch wieder einmal zugeschlagen hat.



Sie denken daran, dass Ungeheuer und Monster immer, als abartige Kreaturen der Nacht abgebildet oder beschrieben werden. Seien es Zombies, Vampire, Werwölfe, Dämonen oder dergleichen mehr. Immer sind es unmenschliche Wesen, die das Blut aus den Menschen saugen, ihre Seele oder ihren Körper besitzen wollen. Dabei sitzen die wahren Monster hinter dicken Schreibtischen, umgeben von Akten und Bilanzen, Zahlen und Statistiken, während sie ihr kostbares Haar, gescheitelt und penibel am Kopf tragen. Sie tragen Anzüge und Krawatte. Haben ein gewinnendes Lächeln, das dem eines Hai in nichts nachsteht und einen Kopf voller Ideen, die zu solchen TV Klassikern wie etwa die Alm – Promis, Kühe und andere Rindviecher, Germanys next Topmodel for a few weeks, Big Family - is watching you, Adoptivkinder gesucht, Wetten, dass (sie umschalten), die Supergranny, Dealing or no Dealing, Bootcamp – Hilfe ich habe ADHS, holt mich hier raus, Deutschland sucht den Suppenkasper, Poppstars oder CSI: Gelsenkirchen, geführt haben.
Ihre Hand wandert automatisch zum Bedienfeld der Jalosien, als ihnen noch unzählig weitere Shows einfallen, auf die die Menschheit verzichten könnte und deren Beendigung eine Ära der Vernunft und Frieden erschaffen würde. Sie stoßen einen Schwall der Erleichterung aus, als die ersten Sonnenstrahlen in ihr untotes Gehirn dringen und diese Gedanken und Erinnerungen an alle diese Sendungen, ein für alle Mal aus dem Schädel brennen.





Euch hat die Geschichte nicht gefallen. Tja, Pech gehabt, hättet ihr besser mal die AGB durchgelesen. Kein Recht auf Inanspruchenahme von Lebenszeit bei Nichtgefallen. Sollte sie euch allerdings, warum auch immer, widererwartens gefallen haben, dann lasst doch bitte einen Kommi und/oder Like da. Von irgendetwas muss die Leidgeplagte Autorenseele nun auch mal leben. :thumbup: