Etwas Ganz anderes - Kurzgeschichte "Meine Freundin, unser Verlobungstag & Ich"

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  • Hallo Freunde der Sonne, ich weiß es ist lange her und ihr habt euch sicher gefragt, wann kommt endlich wieder eine Kurzgeschichte von mir und ja Schande über mein Haupt ich habe euch viel zu lange warten lassen. Doch verzweifelt nicht. Ihr die durch diesen Text lest, lasset alle Hoffnung (und Vernunft) fahren. Die Nächte in denen ihr euch unruhig in den Schlaf gewiegt habt, mit Kajal verschmierten Augen, sehnsüchtig den Bildschirm anstarrend und insgeheim auf einen neuen Blog heischend, sind nun gebannt. Es ist vollbracht eine neue epische Reise. Eine Reise an den Rand der menschlichen Vernunft. Eine Reise die euch einen wohligen Schauer über den Rücken jagt und euch danken lässt, nicht der Autor der folgenden Worte zu sein. In diesem Sinne viel Spaß. Und bitte nicht die heilige Dreifaltigkeit vergessen: Liken, kommentieren und die Glocke drücken, um keinen Blog mehr zu verpassen. ;)





    Meine Freundin, unser #Verlobungstag & Ich


    Heute ist #Verlobungstag.
    MEIN Verlobungstag, fällt es mir siedend heiß ein, als ich noch dösender Weise im Halbschlaf liege, während die frühmorgendliche Sonne schon bereits versucht, mein Gesicht mit ihren Strahlen zu rösten, die durch die Schlitze im Rollo dringen.
    Kurz überlegen welcher Tag heute ist.

    Sonntag.

    Verdammter Mist und alle Läden dicht.
    Ich linse rüber zur Oppositionsseite, die noch scheinbar friedlich und unbekümmert schläft. Wie ein schlummernder Vulkan, der noch nicht weiß, dass er bald explodieren wird, wenn er erfährt, was ich verbockt hab.

    „Schlaf ruhig weiter, mein kleiner Vesuv“, säusel ich zur Seite gewandt zu, während ich blind tastend meine Hose unter dem Bett suche.

    Ich versuche mich im Halbdunkeln so gut es geht anzuziehen, ohne dabei allzu sehr in Panik zu geraten.
    Verdammt, was mach ich jetzt bloß, schießt es mir durch den Kopf.
    Ich schnappe mir meine Turnschuhe und mein Hemd und flitze leise wie Speedy Gonzales aus dem Zimmer.
    Puh, die erste Hürde geschafft, dabei fühle ich mich jetzt bereits schon, als hätte ich einen halben Marathon im Stechschritt hinter mir.
    Mir kommt nur ein klarer Gedanke in den Kopf.
    Eine letzte Rettung sozusagen. Mein persönliches Zion in Katastrophenzeiten.
    Das letztes Bollwerk, das mir verbleibt, um die Vergeltung, der schlummernden Harpyie abzuwenden.
    Ich schlüpfe aus der Wohnung und rase mit meinem 27 Jahre alten VW, mit einem starken Husten aus dem Auspuff und Sicherheitsbedenklichen 55 km/h los. Weder Rote Ampeln, noch das kostenlose Hupkonzert, können mich auf den Weg in Richtung Innenstadt aufhalten.

    Die Tulpen, präsentieren sich zu Hause in ihrer vollsten Pracht. Nämlich vollkommener Geknicktheit und perfekter Verwelkung. Scheinbar mögen Tankstellenblumen keine kaputten Klimaanlagen.
    Die zwei Redbull, in meinen Hosentaschen, beulen sie so aus, dass es scheint, als leide ich an der Beulenpest und mein gehetzter, angespannter Gesichtsausdruck verhindert etwas, dass mir die sonstige Ungezwungenheit nicht anzumerken ist.

    „Du hast unseren Verlobungstag, vergessen, stimmt‘s?“

    Game over.
    Frauen scheinen für sowas ein instinktive Intuition zu haben oder aber es liegt daran, dass ich mit frisch ungekämmten Haar, offenen Schnürsenkeln und verkehrt herum angezogenen Hemd den Eindruck erscheinen lasse, ich wäre Hals über Kopf zur nächsten Aral Tankstelle gefahren, um wenigsten ein bisschen von dem zu Retten was ich noch Beziehung nenne.

    Ich beschließe die Frage gekonnt mit einem Zaubertrick zu kontern.
    Leider scheinen die Pfanddosen eine Symbiose mit meiner Jeanshose eingegangen zu sein, da sie sich partout nicht aus ihr herauslösen lassen wollen.
    Anstatt, wie ein Zirkusmagier die Dosen gekonnt in meinen offenen Handflächen erscheinen zu lassen, hample ich vor ihr hin und her wie ein besoffener Zirkusclown, für den sich selbst kleine Kinder schämen würden.
    Unnötig zu erwähnen, dass die Tulpen es mir, zu ihrer verwelktem Form, nun auch noch mit perfekter Zerfleddertheit danken.
    Ich beschließe zu retten was zu retten ist und reiße kurzerhand die Jeanstaschen, mitsamt Dosen, von meiner Hose und stelle sie behutsam mit einem knallenden Laut auf den Tisch, während ich ihr herausfordernd in die Augen blicke.
    Sie gibt einen tiefen Seufzer von sich, den Frauen gerne von sich geben, wenn sie es mit nervigen, kleinen Kindern zu tun haben oder mit kompletten Vollidioten. Auf mich scheint wohl gerade Beides zu zutreffen.
    Ihre Augen lodern heiß und feurig, wie Essen im Schmiedefeuer, sodass ich unwillkürlich noch mehr in Schweiß ausbreche.
    Sie schweigt, doch ihr verkniffenes Gesicht, zeigt mir auf eindeutige Weise, dass sie not amused ist.

    „Willst du dich vielleicht vorher etwas abkühlen?“

    Meine Frage ist vorsichtig formuliert und ein bisschen um Humor bemüht.
    Sie schießt mir einen Blick zu, der einen ausgewachsenen Mammutbaum mühelos in zwei Teile gespalten hätte.

    „Was ist DAS da?“

    Sie deutet vage mit spitzem Zeigefinger auf die, von der Hosentasche bezogenen Redbulls und dem traurigen Überbleibsel der 2,50 € Tankstellenblumen auf dem Tisch.
    Ihr Ton schwankt zwischen Hysterie und (beinahe) überschlagender Wut.

    „Was meinst du jetzt genau, die Blumen oder den Sekt?“

    „Welcher Sekt? Das ist REDBULL! Bullenpisse, abgepackt in Dosen und das passende Rindviehfutter hast du ja auch gleich mitgebracht!“

    Ihre geifernden Worte schwallen mir mit Spucketröpfchen besetzt, ins betroffene, vorsorglich vor Reue verzogene Gesicht.

    „Ach, komm schon, beim letzten Mal, hast du dich doch auch nicht beschwert.“

    „Das, ist unser ERSTER Verlobungstag!“

    Ach Mist, verdammter.

    Ich sehe ihr an, dass sie mit dem, was vom Tulpenstrauß übrig geblieben ist, mich am liebsten mit floristischer Hingabe stranguliert hätte, um mich dann anschließend mitsamt Blumengarotte, hinter dem Haus, im Biokomposthaufen, zu entsorgen.
    Ich nehme all meinen Charme zusammen und kontere natürlich eloquent wie immer.

    „Jetzt mach mal nicht so n‘ Drama draus, immerhin hab ich zumindest dran gedacht, dass musst du mir zu Gute halten.“

    Dabei setze ich meinen treudoofen Dackelblick ein, den ich mir heimlich vom Nachbarshund abgeschaut hab, den er auch immer einsetzt, wenn er weiß, dass es gleich Ärger gibt.
    Ich, entschließe mich dazu, meinen Mann zu stehen und zu tun, was ein Mann eben manchmal tun muss.
    Also werfe mich mit einem herzerweichenden Winseln auf den frisch verdreckten Boden und wedle dabei, mit allen vier Körperenden hilflos in der Luft herum und entblöße ihr dabei meinen ungeschützten Bierbauch.
    Die Masche hilft garantiert immer, denn Frauen können eben keinem Tier etwas zu Leide tun, selbst wenn es sich dabei um einen Schweinehund handelt.
    Beherzt springt sie zu mir auf den Boden, um mir den Bauch zu kraulen und in freudiger Kleinmädchen Stimme zu kreischen.

    „Du bist aber ein ganz Süßer. Wo kommst du denn her? Du bist ja so niedlich, warte ich hol schnell was Feines.“

    Sie rast davon, während ich mich ,verwirrt über den plötzlichen Stimmungswandel, weiter auf dem Boden herumwälze.
    Mit hinter dem Rücken verschränkten Armen kommt sie wieder zurück, während sie weiterhin, mit zuckersüßer Stimme, mir gut zuspricht.

    „Na Süßer, willst du vielleicht bei mir bleiben?“

    Ich versuche mit meinem imaginären verlängerten Rückgratrute zu wedeln, was unter Umständen ziemlich dämlich ausgesehen hat, wenn man bedenkt, dass ich ja auf dem Rücken liegend mit dem Hintern gewackelt habe.
    Sie krault mir mit einer Hand den Nacken und versperrt mir, mit ihren langen Haaren, die mir ins Gesicht hängen, die Sicht.
    Plötzlich, fühle ich etwas Kaltes, um meinen Hals, das mir gänzlich unbekannt ist.
    Sie verzieht sich aus meinem Gesichtsblick.
    Ein spöttisches Grinsen, auf ihrem Gesicht, ein Grinsen, das nichts Gutes verheißt.
    Nachdem, ich die haarige Blendung hinter mir habe und endlich wieder unter den Sehenden weile, fällt mein Blick unwillkürlich nach unten.
    Um meinen Hals, baumelt eine glänzende Kette mit filigranen Gliedern, die pro Glied in zwei stumpfe Enden münden. Eine gottverdammtes Halsband in Rosegold!
    Langsam dämmert mir, dass ich soeben zum zweiten Mal domestiziert wurde, nachdem ich bereits zuvor schon, beim Zusammenziehen mit ihr, meine Männlichkeit in einen Schuhkarton stecken und sie in der Kommode in das hinterste Eck verfrachten musste.

    „Na gefällt meinem Schnuckelchen, sein neues Würgehalsband?“,
    Ihre Stimme klingt von hier unten ziemlich süffisant. Frauen können, manchmal echt garstig sein, wenn sie es wollen. Sie scheint kurz darüber nachzudenken, welche Erniedrigung sie sich als Nächstes für mein eh schon geschundenes Ego einfallen lassen kann.
    Die Erleuchtung, scheint nicht lange auf sich warten zu lassen, denn dieses diabolische Grinsen, dass selbst Satan wie einen kleinen Schuljungen aussehen lässt, zieht sich schon wieder über ihr Gesicht.

    „Aber, bevor du dableiben kannst, müssen wir noch kurz zum Onkel Doktor, um einen kurzen Eingriff machen zu lassen, damit du etwas ruhiger wirst, mein Großer.“

    Die Worte Onkel Dr. und Eingriff fühlen sich wie ein Schraubstock in meinen Gedärmen an.

    „Was denn für ein Eingriff?“

    Meine Stimme hat, wie meine Gesichtsfarbe etwas von ihrer Farbe verloren und hört sich in etwa wie ein krächzender Papagei mit Kehlkopfentzündung an.

    „Sei still, du böser Hund oder hast du vergessen, dass Tiere nicht sprechen können?“

    Als Antwort, gebe ich mein bestes Welpenwinseln zum Besten, dass ich mir diesmal bei einer Tierdoku abgeschaut habe, um für eben solche Situationen gewappnet zu sein.
    Nicht, dass ich wirklich je daran geglaubt hätte, wirklich überhaupt einmal, in so einer Situation zu landen.

    „Aber, aber hab doch keine Angst, das tut doch nicht weh.“

    Ihr Versuch, mich mit ihrer Kleinmädchenstimme zu beruhigen, die so sedierend wirkt, wie der süße Klang von Nägeln, die an einer blanken Tafel kratzen, trägt nicht unbedingt den gewünschten Erfolg herbei.
    Ich weiß, was sie vor hat.
    Ihre Lippen, bilden ein Wort, das sie genüsslich buchstabiert, während ihre Augen den Moment, mit all seinen Emotionen und Regungen, in meinem Gesicht auffangen, sie kategorisieren und abzpeichern, um sie ein Leben lang, bei Bedarf für ihrer persönliche, innere Belustigung beliebig oft wieder abzuspielen.
    Ich bin zwar nicht der beste Buchstabierer in dieser Wohnung, aber selbst ich bekomme es noch hin die Buchstaben K, A, S, T, R, A, T, I, O & N zu einem ganzen Wort zu verbinden.
    Die anfängliche Angst, weitet sich mit rasanter Geschwindigkeit zu einer ausgewachsenenen Panik aus, als mir bewusst wird, dass ich mir gar nicht sicher bin, ob das noch zum Rollenspiel dazugehört oder da etwas im Anmarsch ist, das ich unter Umständen nicht mehr kontrollieren kann.

    „Äh, verstehst du das gleiche unter Kastration wie ich oder soll das irgend so ‘ne kranke Metapher sein?“

    Dabei frage ich so selbstbewusst und würdevoll nach oben, wie man ebenso fragen kann, während man immer noch in ergebener Haltung auf dem Rücken liegt und dabei versucht die nackten Zehen, seines Frauchen, sauber zu lecken.
    Als Antwort, bekomme ich mit der Lederleine eine saftige Ohrfeige, die wohl die Zuneigung meines neuen Frauchens demonstrieren soll.

    „Halt die Klappe und sei ein braves, stilles Hundchen“, zischt sie mich an.

    „Ich hab keinen Bock mehr auf dieses blöde Spiel, ich bin immerhin immer noch der Mann im Haus und lasse mich doch nicht von dir erniedrigen“, entgegne ich ihr während ich mich, mit wackelnden Hintern und auf allen Vieren fortbewegend, aus ihrer Reichweite entferne.

    „Komm sofort, du böser Hund“, keift es hinter mir her, wie aus einer zischenden Schlangengrube.

    „Fang mich doch Medusa, wenn du kannst“, entgegne ich ihr feixend, während ich nach einem Tablett greife, um die Vase abzuwehren, die in treffsicherer Flugbahn auf meinen Kopf zugeflogen kommt.

    Also mit einem Vorurteil, über Frauen, möchte ich an dieser Stelle aufräumen. Man sagt zwar, dass Frauen nicht werfen können, aber dieses Buch scheint meine Freundin nie gelesen zu haben, denn so treffsicher wie sie wirft kein Mann. Zumindest keiner den ich kenne und mit meinem Schwippschwapp Koop Zockfreund Phil, ist es genau einer.
    Es könnte, aber auch an der jahrelangen Erfahrung liegen, die sie während unserer drei jährigen Beziehung mit mir gesammelt hat. Einmal, habe ich zu ihr aus Spaß gesagt, sie könne jeden Mann beim Olympischen Weitwerfen in die Tasche stecken, worauf sie nur trocken entgegnete, dass ich aber dafür, dann am Ende der Wurflinie stehen müsste.

    So gehen im weiteren Verlauf, unter anderem, eine antiquittierte Porzellansammlung, eine unschätzbar wertvolle Sammlung, meiner kostbaren Schallplatten, mit unvergesslichen Klassikern wie Hey Baby von DJ Ötzi und einigen losen Fußbodenfliesen, der Küche, den Weg alles Zerbrechlichen.
    So stehen wir uns Schlussendlich, mit je einem Besteck Messer und dazugehöriger Gabel, in den Händen, bewaffnet gegenüber.
    Schweiß rinnt aus jeder Pore, meines Körpers.
    Mein T-Shirt, weißt mehr Löcher auf, als die deutsche Staatskasse und das Adrenalin rauscht nur so durch meinen Körper.
    Blut rinnt mir über das Gesicht, aus der Stelle an der mich ihre Gabel getroffen hat.
    Dabei wollte sie eigentlich nur mein linkes Auge aufspießen.
    Aber auch ihr Körper weißt einige Kratzer und oberflächliche Schnittwunden meines Messers mit den stumpfen Zähnen (!) auf, das ich in der Schnelle an der Spitze etwas verborgen habe, um es wenigstens ein bisschen zu einer echten Waffe zu machen.
    Hätte ich gewusst, dass ich eines Tages, das Essensbesteck mal zum Kämpfen gebrauchen müsste, hätte ich mir nicht gerade das billigste Set in Ikea rausgesucht, das schon beim ersten Benutzen so stumpf war, dass selbst der verkochte Fisch zur Ledersohle verkam.


    Wir duellieren uns unerbittert, die Verluste überwiegen auf beiden Seiten gleich.
    Mehr als einmal, kreuzen wir die rostigen Messer, die nicht länger als meine Hand sind, während wir uns gegenseitig demoralisierende Komplimente an den Kopf werfen.

    „Oh, dieser Kratzer sieht aber richtig schön schartig aus, vielleicht hast du Glück und fängst dir eine schwedische Möbelhaus gesponserte Tetanusvergiftung ein“, werfe ich ihr feixend zu.
    Die Messer schlagen Funken, wie auch ihre Augen.

    „Pass nur auf, dass ich nicht deine beiden Oliven da unten aufspieße und dir zum Dessert serviere“, kontert sie mit ruhiger Stimme.
    Mit einem gekonnten Rückwärtssalto krache ich, natürlich mit ausgetüftelter Absicht, in die an der Wand stehende Bordüre, wobei noch mehr Geschirr ins Scherbenreich aufsteigt.
    Ich entschließe mich dazu eine neue Taktik anzuwenden, um diesen Kampf endlich für mich zu gewinnen.
    In meiner ganzen Größe, rage ich hinter dem Tresen der Küche hervor, sodass mein Unterleib und Anhängsel, vor der Rache, der Gabel werfenden Furie, verschont bleibt.
    Ich versuche mich als Uri Geller und schmettere ihr ein kraftvolles Echat, Stein, Schalosch entgegen, während sich mein Gesicht vor Konzentration verzieht.
    Doch meine mentale Willensstärke scheint nicht gerade zu den Stärksten gehören, denn weder ihre Gabel, noch ihr Messer wollen sich verbiegen.
    Das Einzige, was passiert ist, dass ich vor lauter Konzentration anfange zu schielen und davon schreckliche Kopfschmerzen bekomme.
    Da höre ich plötzlich etwas.
    Ein Lachen, dass so lieblich in meinen Ohren klingt, wie das morgendliche Geschrei meiner Katzen, das sich anhört, als hätten sie gerade so die Nacht überlebt, um nun beinahe den Hungertod zu sterben, um sich dann schwankend mit dicken Bäuchen, mit letzter Kraft zu ihren Futternäpfen zu schleppen.
    Sie verbiegt sich so vor Lachen, dass sie dabei völlig ihrer Deckung aufgibt.
    Misstrauisch erkundige ich mich, was denn so komisch sei, dass sie eine akute Hyperventilation mit ihrem japsenden Gelächter riskiert.

    „Du solltest dich mal sehn“, kommt es mir kichernd entgegen, „dein Blick, so konzentriert wie ein schielendes Murmeltier.“

    Da kann ich nicht mehr an mich halten.
    Mein Körper verkrampft sich und fängt sich ebenfalls vor Lachen an zu schütteln.
    Ich weiß nicht mehr, wie lange wir da so lachend dastanden, aus diversen Stellen am Körper blutend, mit dem rostigen Besteck in den Händen, wie zwei postmoderne Wohnzimmer Gladiatoren, die eben die Sinnlosigkeit ihrer Tuns begriffen haben und nun herzlich darüber lachen, dass sie sich deswegen beinahe massakriert hätten.
    Gott sei Dank waren unter uns, denn hätten unsere alten Nachbarn die Szene beobachtet, hätten sie sich wahrscheinlich uns kurz zugewandt, den Kopf geschüttelt und etwas von Sittenverfall von Hobbyjugendlichen gemurmelt, doch zum Glück fristeten die Beiden schon seit zwei Wochen ihr restliches Dasein, drei Meter unter den Boden, als Wurmfutter. Karma is a bitch.
    So stehen wir uns also lachend gegenüber, wie zwei Irre, die begriffen haben, wie irrsinnig es doch sein kann, zu versuchen sich gegenseitig mit rostigem Besteck abzustechen.
    Wer am Ende auf zuerst auf die Idee kam sich zu umarmen, lässt sich selbst heute nicht mehr vollständig rekonstruieren.
    Wir standen einfach so da, uns Beide umarmend, während wir uns wie Kinder gegenseitig neckisch mit Bewunderung aufzogen.

    „Diese Schnittwunde im Gesicht passt richtig gut zu dir. Damit wirkst plötzlich richtig männlich“, schnurrt sie mir ins Ohr.
    „Und du solltest mir für dein kostenloses Brustwarzen Piercing danken, das ich dir freundlicherweise verpasst habe.“

    „Oh und du solltest mir auch dankbar sein.“

    „Ach ja, für was denn?“

    „Schau doch mal nach unten.“

    Mein Blick wandert nach unten auf ein Messer, das eindeutig NICHT von Ikea stammen kann, denn es ist so scharf, wie lang, während es genau auf mein Vermächtnis zielt.
    So wurde ich das dritte Mal domestiziert und erkannte, dass Frauen nicht nur verschlagen sind, sondern auch ziemlich miese Tricks anwenden können, um einen Kampf für sich zu gewinnen.

    „Ich würde sagen Game over, meinst du nicht auch?“

    „Ähm, wie ernst hast du das mit der Kastration vorhin eigentlich gemeint?“

    „Todernst“, entgegnet es mir, während es verräterisch in ihren Augen blitzt.

    „Ok ich geb zu, dass ich Mist gebaut habe und der Größte aller vergesslichen Vollärsche bin, die sich selbst für mich schämen.“

    „Ja, das bist du. Aber du bist MEIN vergesslicher Vollarsch“, kommt es nach einer kurzen Pause zurück, während sie mir lächelnd einen Kuss auf den Mund drückt.

    „Ok Babe, gut, dass wir das geklärt haben“, erwidere ich erleichtert, „aber ganz ehrlich, fandest du dieses Spiel nicht etwas zu exzentrisch und übertrieben?“

    Sie mustert mich stirnrunzelnd.

    „Was denn für ein Spiel?“

    Versteh einer die Frauen. :dk:
    Most Wanted Switch Crossovers:

    Grand Theft Mario Collection
    Assassines Shiek
    Call of Metroid
    Beyond Good & Donkey Kong
    Gears of Advanced Wars
    The Last of Toads
    Captain Toad: Dungeon Keeper
    The Legend of Dark Souls: Praise the Sun

    2.693 mal gelesen

Kommentare 10

  • Maluigi | Leon -

    Schön, dass es am Ende doch über 2.600 Menschen gelesen haben.

  • Maluigi | Leon -

    Schade, dass Deine Kurzgeschichte nicht so viele gelesen haben.

    • Solaris -

      Gelesen vielleicht schon, nur nicht geliket oder kommentiert. Aber das ist eben die heutige Youtube Mentalität. Content verlangen, aber dafür keine Gegenleistung erbringen wollen. :dk:

    • Maluigi | Leon -

      Ich meinte eigentlich von der Zahl der Aufrufe her.
      700 sind eher mittelmäßig.

      YouTube-Mentalität finde ich eigentlich eher gut... :)

  • HabyX -

    Richtig Geile Geschichte!!! Muss sagen das ich durch euch (also dich und Maluigi | Leon ;
    aber besonders durch dich) auf den Geschmack gekommen bin auch mal so eine Kurzgeschichte zu veröffentlichen! / Denn ich habe ein ähnlich verstörendes Erlebnis
    mal gehabt! Deshalb denke ich echt drüber nach, darüber mal eine Geschichte zu machen! /
    Denn gerade solche Geschichten gefallen mir wirklich sehr!

    • Solaris -

      Danke für das Lob. Das freut mich, dass wir dich dazu inspieren konnten selbst eine Geschichte zu verfassen. Da bin ich echt mal gespannt drauf.

    • Maluigi | Leon -

      Wir inspirieren uns alle gegenseitig. :D

    • HabyX -

      Das ist manchmal auch das gute, das man von anderen Ideen abguckt!
      Und so auf eigene Dinge stosst! Kann hier nur sagen das diese Geschichte
      sehr intressant ist und mich an eben eine Geschichte aus meinen Leben errinnert
      hat. Daher denke ich darüber nach sie in Schriftform zu verfassen!

  • Maluigi | Leon -

    Werde ich mir morgen mal durchlesen.

    Der erste Teil des Titels ist doch nicht an meinen Titel angelehnt? ;)

    • Solaris -

      Nein, natürlich nicht. Absolut reiner Zufall. :D