Star Wars: Episode II - Angriff der Klonkrieger - Teil 1/2


Der Film ist chronologisch gesehen der zweite Teil der Star Wars-Hauptsaga und insgesamt der fünfte Teil, der 2002 in die Kinos kam. Folgend auf Episode I, der von vielen ja eher gespalten aufgenommen wurde,sollte dieser nun endlich alles gerade rücken und endlich das liefern, was die Prequel-Trilogie versprach: Die Klonkriege und die langsame Verwandlung von Anakin Skywalker in Darth Vader. Es ist nun mehr als zwei Jahre her, dass ichden Film zum letzten Mal gesehen habe. Nun habe ich ihn erneut, mit allenFilmen im Hinterkopf, erneut gesehen. Meine Meinung zu diesem Film hat nochmal eine ordentliche Wandlung durchgemacht. Nun betrachte ich ihn als den bis dato schlechtesten Film der Haupt-Reihe, dessen Qualität im Vergleich zu Episode I nochmal mächtig absinkt.


Story:


Einer der Hauptkritikpunkte an Episode I war, dass die Handlung sich ziemlich viel Zeit genommen hat, um das Publikum in den Konflikt dieser Trilogie einzuführen, während sich der ganze Konflikt um die Handelsförderation und Naboo eher wie eine Nebenhandlung angefühlt hat. Hier will man nun die Klonkriege beginnen, Anakins Fall zur dunklen Seite aufbauen und die Romanze zwischen Padmé und Anakin einführen, die am Ende zur Geburt von Luke und Leia führen wird. Auf dem Papier klingt die Handlung für mich schon Mal deutlich interessanter als die vom vorherigen Teil. Somit sollte der Film an sich also besser als Episode I sein, oder?



Die guten Aspekte dieses Films sind unter anderem die Klonarmee. Die Übermacht, die letztendlich für den Fall der Jedi und der Republikverantwortlich ist, wird hier spannend und unterhaltsam eingeführt. Dies macht Obi-Wans Handlungsstrang auch zum Besten des Films. Anakins Rückkehr nach Tatooine, wo dann nach verzweifelter Suche seine Mutter in seinen Armen stirbt, ist einer der Lichtblicke. Ihr Tod, Anakins Schuldgefühle, aus Hass die Tusken-Räuber getötet zu haben und dass die Jedi Anakins Ausbildung nicht wie gewöhnlich vorangehen lassen wollen, ist fundamental für die Weiterentwicklung zu Darth Vader in Episode III. Das Nachtleben und allgemein mehr vom Planeten Coruscant zu sehen, ist toll. Letztendlich ist die Schlacht auf Geonosis, die erste in den Klonkriegen, nett und unterhaltsam umgesetzt. Vor allem die Szenen mit Jango Fett stechen ebenfalls heraus und holen eigentlich das nach, was manin der Original Trilogie verpasst hat und was sich viele Fans gewünscht haben. Obi-Wans Treffen mit Jango, wo sie beide sich gegenseitig abschätzen und abwägen, was der eine vom anderen will, ist einfach super.



Insgesamt sehe ich hier aber nicht viel, dass den Film von der Handlung her retten kann. Im Gegensatz zu Episode I sind hier nicht vereinzelte Szenen und Entscheidungen das Problem, sondern quasi der ganze Filman sich, der Aufbau der Handlung ist hier einfach das Kernproblem. Die erste Stunde ist für mich vermutlich der Tiefpunkt der gesamten Saga. Eine schlechtumgesetzte Szene, entweder voller schlechtem CGI, Dialogen, Logikfehlern oder Handlungssträngen, die nicht sinnvoll weitergeführt werden, jagt die nächste. Es beginnt alles auf Coruscant, wo die Jedi auf dem Weg sind, sich das ersteMal mit den Senatoren zu treffen. Anstatt wirklich zu zeigen, weshalb Anakinund Obi-Wan zwischen Schüler und Meister so eine enge Bindung haben, handelt man das ganze einfach in einem „Dialog“, in dem sich die beiden im Aufzug von ihren tollen Erlebnissen erzählen und quasi dem Zuschauer einfach beschreiben, was vor dem Film passiert ist. Die Ausbildung von Anakin selbst, wie er im Jedi-Tempel trainiert und das Wissen der Jedi erlernt, wird nicht einmal gezeigt. Sollte dies nicht einer der wichtigsten und interessantesten Punkte der Trilogie sein?



Da Jar Jar, die nervige Clown-Figur, die Episode I hinuntergezogen hat, zwar wenig vorkommt, aber für eine wichtige Handlung später im Film verantwortlich ist, spreche ich ihn jetzt an, bevor ich mit der Handlung weitermache. Er ist nun plötzlich ein Senator… Es tut einfach weh, sich nur vorzustellen, wie man auf die Idee kommen kann, die Figur so weiterzuführen oder sie nach all der intensiven Kritik überhaupt weiterzuführen. Nicht nur, dass der Gungan, der im letzten Film noch von einem Schlamassel ins nächste gelaufen ist, nun zum Senator, zu einem wichtigen, prägenden Amt, ernannt wurde, ist hier an sich das Problem. Er ist dafür verantwortlich, dass Palpatine mit seinen Sonderrechten überhaupt so viel Macht erlangen konnte! Dass Palpatine die ganze Zeit über allem stand und quasi als alleinige Person den Klonkrieg inszeniert hat, ist eine geniale Idee, aber das Jar Jar so eine große Rolle darin eingenommen hat, zieht dies wieder herunter. Zum Glück spielte es im darauffolgenden Teil keine Rolle mehr, wer Palpatine dies ermöglichte.



Die folgende Sequenz, in der Anakin und Obi-Wan die Kopfgeldjägerin jagen, nachdem sie mit giftigen Würmern einen weiteren Anschlagverübt hat, ist eigentlich eine coole Idee, aber nicht gut umgesetzt, was zum Großteil vor allem am CGI liegt. Allerdings: Nachdem der Droide entdeckt wurde, warum ist dann Obi-Wan derjenige, der dem Droiden durch das Fenster hindurchnachspringt? Seine Figur wurde so aufgebaut, dass er immer der überlegtere, schlauere der Charaktere war, der selbst im Kampf stets defensiv und taktisch kämpft. Anakin hier hinterherspringen zu lassen, würde einfach mit seinem Charakter viel mehr Sinn machen. Abseits dessen habe ich an der ganzen Sequenzeigentlich nicht viel zu bemängeln, die Musik ist toll und vor allem die Szene in der Bar ist spannend umgesetzt, es gibt viele echte Kostüme der Bewohner und Aliens und dass Obi-Wan der Kopfgeldjägerin den Arm abschlägt ist eine subtile Anspielung an Episode IV. Dass Jango kurz bevor Zam den Namen des Auftraggebers sagen kann, einen Pfeil in ihren Hals schießt, zeigt auch, was für ein guter Kopfgeldjäger und wie gerissen er ist.



Nun komme ich zum klaffenden, größten Kritikpunkt des Films, der die gesamte Qualität der ersten Hälfte dramatisch herunterzieht, der so schlecht umgesetzt ist, dass der Film wie eine Komödie wirkt: Die Liebesgeschichte. Das mag jetzt erst so wirken, als würde ich Liebesgeschichtenallgemein scheuen, aber dem ist so nicht: Filme wie Titanic, die sich ebenfalls sehr viel Zeit für die Romanze nehmen, zählen meiner Meinung nach zu einemwichtigen Teil des Kinos, wenn sie eben gut umgesetzt sind. Deshalb haben in den anderen Star Wars-Filmen auch die Beziehung zwischen Han und Leia oder auch Ben und Rey gut funktioniert. Doch hier wollte George leider nun einen ganz anderen Ansatz wählen. Schade, dass niemand sich hingestellt hat und ihm wirklich sagen wollte, wie schlecht und fremdschämend der ganze Handlungsstrangherüberkommt. Es fängt alleine schon damit an, wie Anakin dargestellt wird. Vor allem, wenn er und Padmé in einer Szene sind. Beim ersten Treffen wiederspricht Anakin seinem Meister, führt sich wie ein widerspenstiges Kind auf und stellt die Befehle von Obi-Wan in Frage. Bei ihrem zweiten Treffen nach der Verfolgungsjagd fängt Anakin an, die ganze Zeit sich über Obi-Wan und die Entscheidung zu beschweren, ihn zu den Prüfungen nicht zuzulassen. Sie haben sich seit Jahren nicht getroffen und alles, was er zu tun hat, ist über sein Leben herum zu heulen? Später, als sie auf Naboo angekommen sind und eine Audienz bei der Königin haben, fühlt er sich übergangen, fällt den hochangestellten mehrmals ins Wort, als würden sie ihn nicht anerkennen, da er als Jedi doch mehr das Sagen haben sollte.



Vielleicht war es die Absicht von George, ihn so darzustellen, dass Anakin nicht mit seiner Rolle als Auserwählter zurechtkommt und ständig Aufmerksamkeit braucht. Doch dass sich Padmé gerade mal einen Tag, nachdem sie sich wieder getroffen haben und nach all den Fehltritten von Anakin, die ihn eigentlich als unerwachsenen, jungen Typen offenbart haben, direkt in Anakin verliebt, wirkt einfach unrealistisch. Zudem sollte sie mit ihren 24Jahren (Anakin ist zu dem Zeitpunkt 19) mehr Lebenserfahrung haben und dieser kennen. Doch es kommt noch viel mehr, warum diese Handlung einfach nicht funktioniert. Dazu kommen Anakins ständige Versuche, an Padmé heranzukommen. Ergibt ihr ständig Blicke, auf die sie ihm sogar sagt, dass sie es unangenehm findet. Eigentlich würde Anakins Aussage, dass er Sand wegen seines Heimatplanten hasst und Planten mit viel Natur und Vegetation bevorzugt, viel Sinn ergeben, aber dass er darauf anfängt, mit der Hand Padmés Rücken zu betasten, macht es so lächerlich und zerstört die Szene komplett. Dann kommt noch die Szene im Kaminzimmer, wo sie sich Gegenseitig eingestehen, dass sie sich lieben, aber sie wegen ihren Positionen als Jedi und Senatorin keine Beziehung führen sollten. George wollte hier offenbar Shakespeare artige Dialoge schreiben, als Anakin und Padmé miteinander sprechen. Die Schauspieler tun alles, um es irgendwie gut herüberzubringen, aber es funktioniert einfach nicht. Dass beide, obwohl Anakin sie nur beschützen sollte, in einem Kaminzimmer bei Nacht sitzen und Padmé zudem, obwohl sie ihre Pflichten kennt, in einem hautengen Leder-Outfit dasitzt, macht es noch lächerlicher.



Es tut so weh, diese Handlung scheitern zu sehen, denn eigentlich war alles da, was man für eine gute Romanze hätte gebrauchen können. Die Landschaft in Spanien, in der sie gedreht haben, ist wunderschön und fühlt sich nach all den CGI-Landschaften wie eine Erlösung an, da man endlich wieder etwas wirklich glaubhaftes und handfestes vor sich hat. Das Theme, dass John Williams dafür geschrieben hat, ist eine der besten Romanzen-Themes aller Zeiten, weshalb es selbst nach all den Jahren regelmäßig in Filmkonzerten gespielt und anderen ikonischen Star Wars-Stücken vorgezogen wird. Nur das Drehbuch ist es, was alles zum Scheitern gebracht hat. Eigentlich gibt es ein paar Szenen, diegut funktionieren: Als Anakin und Padmé auf Naboo ankommen, erzählt sie ihm von ihrem Leben als Senatorin, Anakin erzählt ihr wieder rum von seinen Verpflichtungen als Jedi. Die Szene, in der sie das System der Demokratie und neue Lösungsansätze diskutieren, ist eigentlich auch gut.



In der zweiten Hälfte des Films funktioniert das alles dann viel besser, nur der Weg dahin extrem holprig. Die Szene nachdem Anakin von den Tusken-Räubern zurückkehrt, ist meiner Meinung nach ebenfalls gut. Alle Gefühle brechen aus ihm heraus, dass man ihm versprochen hatte, dass er der Auserwählte sei, man ihn aber in der Ausbildung nicht weiterkommen lässt. Seine Mutter stirbt, weil er zu lange gebraucht hat, um auf den Planten zurückzukehren. Sein Hass auf den ganzen Planten wird durch seinen Mord an den Tusken-Räubern nochmals herübergebracht. Dennoch fühlt er sich extrem schuldig, weil er über solche Emotionen als Jedi die Kontrolle haben sollte. Padmé versucht, auch wenn sie etwas erschaudert, als Anakin ihr von seinen Tatenberichtet, Trost zu verschaffen. Und letztendlich mag ich auch die Szene, bevor der Wagen mit den beiden in die Geonosis-Arena fährt. Es ist ein schöner Moment, zusammen mit der Kamera, die aus dem Vorraum herausfährt, die die riesige Arena offenbart und John Williams Musik, bekomme ich von der Szene oft Gänsehaut. Nur der Weg dorthin zieht den Film extrem herunter. Vor allem sollte Anakin Padmé beschützen, doch es kommt nie zu einem weiteren Angriff, stattdessen ist es nur eine Ausrede, um die Liebesgeschichte weiterzuführen. Hätte man nicht einen weiteren Attentäter hineinbringen können, um den Handlungsstrang interessanter zu machen? Dass Anakin und Padmé gemeinsam auf einem riesigen Feld saßen, wo ein Scharfschütze von weitem mit Leichtigkeit Padmé hätte töten können, macht es umso offensichtlicher, dass die Gefahr um ihr Leben keine Rolle mehr gespielt hat.



Teil 1/2

Kommentare 2

  • Mehr als gut geschrieben, Adamantium. Eine Frage, den Ort mit den Wasserfällen, wie oben im Bild von dir mit Anakin und Padmé, gibt es tatsächlich so in der Wirklichkeit?