Comic-Besprechung: Ascender

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  • Hallo zur ersten Folge von meinem neuen Comic-Blog. Ich möchte hier gelegentlich Comics in loser Folge vorstellen, die mir sehr gefallen haben. Heute: Ascender. Viel Spaß :)

    Ascender Band 1 - Die verwunschene Galaxie

    Die Welt hat sich verändert. Eben noch versuchte Mila ihre Jagdbeute auf dem Markt im Tal zu verkaufen, jetzt befindet sie sich mit ihrem Vater Andy auf der Flucht vor den Angehörigen Mutters. Nicht ihrer Mutter. Sondern der Hexe, die die ganze Galaxie mit ihrer schwarzen Magie im Würgegriff hält, zehn Jahren nachdem die Harvester ein zweites Mal angriffen und Milliarden von Lebewesen unterschiedlichster Rassen auf allen bewohnten Planeten vernichteten. Willkommen im Szenario von Ascender.

    Ascender Band 1, Die verwunschene Galaxie; Abbildung: Splitter Verlag



    Harvester? Hexe? Und wer ist überhaupt Andy? Um sich in der Welt von Ascender zurechtzufinden, hilft es, einen Blick auf den Vorgänger Descender zu werfen. In 32 Einzelheften, die im Splitter-Verlag in sechs Bänden in deutscher Übersetzung erschienen, schufen der kanadische Autor Jeff Lemire zusammen mit Zeichner Dustin Nguyen eine wunderbare Science-Fiction-Geschichte. Das Setting: ein Universum, das zum Zeitpunkt seines technologischen Zenits von gigantischen Robotern – den Harvestern – angegriffen wurde und seitdem im Krieg mit eben jener Technologie steht. Roboter, die bis zu diesem Zeitpunkt eine kaum vorstellbare Leistungsfähigkeit besaßen und Menschen und anderen Rassen als Unterstützer in sämtlichen Lebenslagen dienten, galten plötzlich als Feinde. Im Ganzen Universum wurden sie gejagt und praktisch ausgerottet. Und in all diesem Chaos tauchte ein kleiner Roboter auf, einst als Spielkameraden für einen Jungen namens Andy gedacht, der in sich den Schlüssel zur Katastrophe des Harvester-Angriffs trug. Lesenswert.

    In Ascender ist nach den Geschehnissen in Descender eine Dekade vergangen. Und es hat sich allerhand verändert. Sämtliche Technologie scheint verschwunden, Roboter, Raumschiffe, die wissenschaftlichen Errungenschaften ganzer Zivilisationen verbrannt wie das Wissen der Bibliothek von Alexandria. In eine primitive Welt verbannt, klammern sich die Überlebenden des Genozids an eine Herrscherin, die ihnen eine neue Ordnung in all dem Chaos gibt. Lange kann es nicht gedauert haben, bis sich die Hexe Mutter wie der sprichwörtliche Phoenix aus der Asche erhob und das Universum mit Hilfe ihrer dunklen Künste in ihre Gewalt nahm.


    Ascender Band 1, Die verwunschene Galaxie; Abbildung: Splitter Verlag




    Es scheint ein großer Sprung zu sein, den Jeff Lemire hier wagt. Weg von der Science-Fiction hin zu einer Fantasywelt? Doch ganz so krass ist der Wechsel gar nicht. Magie und Fabelwesen wie zum Beispiel Vampire gab es tatsächlich auch schon in Descender. Nur standen sie hier nicht im Vordergrund, sondern wurden nur vereinzelt angedeutet. Hier ist es umgekehrt: Magie und Fabelwesen, wie zum Beispiel gigantische Schildkröten, die hoch in den Lüften über das Land gleiten oder magische Symbole, Flüche und Zauberei sind das beherrschende Thema. Doch Technologie ist nicht ganz verschwunden und bahnt sich ihren Weg zurück in die Hände derer, die sie einzusetzen wissen um – soviel kann man vermuten – sich gegen die Hexe zu stellen.


    Hauptprotagonist, wie bereits im Epilog von Descender angedeutet, ist das junge Mädchen Mila, die Tochter zweier Helden der Vorgeschichte. Sie lebt auf dem Planeten Sampson, der einst als das Heimatjuwel der Menschheit galt. Zusammen mit ihrem Vater lebt sie ein spärliches Leben, gerät aber scheinbar regelmäßig mit den Handlagern der Hexe aneinander. Der Blick hoch zu den Sternen offenbart die Sehnsucht nach fremden Welten, die einst noch in so greifbarer Nähe waren und die sie wenn überhaupt nur aus Geschichten kennt. Doch dann kehrt unverhofft ein ganz besonderes bekanntes Stück Technologie in ihr Leben und das ihres Vaters zurück und die Dinge ändern sich schnell. Plötzlich befinden sie sich auf der Flucht, kämpfen um ihre Leben und suchen Zuflucht bei Freunden. Kurz: im ersten Band, der die ersten fünf Hefte umfasst, wird dem Leser bereits viel geboten. Sehnsucht, Hoffnung, Action, alte Vertraute und neue Feinde. Ein grandioser Auftakt.


    Ascender Band 1, Die verwunschene Galaxie; Abbildung: Splitter Verlag




    Und grafisch? Auch hier knüpft Ascender hervorragend an seinen Vorgänger an, denn die wunderschönen Aquarell-Zeichnungen von Dustin Nguyen stellen mal wieder so manches klassische Comicdesign in den Schatten. Gewiss, der Stil mag auf den ersten Blick den ein oder anderen irritieren, doch wer hier auch nur ein bisschen offen für Neues ist, wird mit Bildern in einem fantastischen und einzigartigem Stil belohnt.


    Fazit: Ich konnte Ascender kaum aus der Hand legen. Zu sehr hat mich das neue Setting bereits nach den ersten Seiten in seinen Bann gezogen. Die Welt hat klar etwas von einer Dystopie oder Postapokalypse. Schafft aber gleichzeitig soviel Platz für Neues. Für neuen Aufbruch, neue Hoffnung, neue Abenteuer. Die Zeichnungen sind wiedermal ein absolutes Highlight, die Geschichte nimmt schnell Fahrt auf und auch die Charaktere wissen erneut zu begeistern. Ich freue mich jedenfalls, mit einigen der liebgewonnenen Protagonisten aus Descender wieder auf Reisen zu gehen und kann es kaum erwarten, den zweiten Band in die Finger zu bekommen. Vor allem nach diesem Cliffhanger! Der erste Band erschien vor kurzem im Splitter-Verlag und umfasst die ersten fünf Hefte der Serie plus Bonusmaterial.

    Ascender Band 1, Die verwunschene Galaxie, ISBN 978-3-96219-374-4, HC, 136 Seiten, 19,80 Euro
    so many games, so little time

    506 mal gelesen

Kommentare 2

  • Dennis Gröschke -

    Sehr schöne Rezension!!! Gefällt mir.

    • AnimalM -

      Vielen Dank :) Vielleicht schreibe ich demnächst noch was zu dem Vorgänger.