Duke Nukem 3D oder ... wie bewertet man einen Genre-Klassiker?

Tja, kurz bevor ich mich an diese Zeilen gesetzt habe, habe ich noch an meinem Spieletest zu Duke Nukem 3D gesessen, der nun aber fertig ins Lektorat übergeben wurde und wenn dieser Blogeintrag veröffentlicht wurde, könnt ihr euch das Endergebnis hier ansehen. Und wo die ganzen Gedanken noch relativ frisch sind, möchte ich hier einen Aspekt der Arbeit eines Spieleredakteurs beleuchten, der einem mal mehr, mal weniger schwer fällt: Der Wertung. Nun kann man viel über Sinn und Unsinn von Wertungen diskutieren, dieses Fass will ich an dieser Stelle gar nicht aufmachen, denn das wäre ein gänzlich anderes Thema. Nein, worum es mir geht, ist eher die Frage, was man gerade einem Titel wie Duke Nukem 3D, der gemeinhin als Klassiker schlechthin und Vorbild der Interaktivität in Videospielen der damaligen Zeit gilt, als Wertung verpassen kann. Betrachtet man das Spiel als Kind seiner Zeit? Das wäre dann aber ungerecht den Titeln gegenüber, die aktuell erscheinen und ebenfalls bewertet wollen. Doch tut man das, muss man auch das altbackene Gameplay (ich verfluche euch, Schlüsselkarten!!!!), die eingeschränkte Funktionalität (ich kann zwar hoch und runter schauen aber wirklich flüssig bewegen ist nicht) oder die verstaubte Grafik (die entgegen des Namens nur 2.5 D darstellt) bemängeln, womit einer höheren Wertung ganz objektiv ja schon sämtliche Türen verschlossen bleiben.


Doch was ist mit der Tatsache, dass dieser Titel so einiges innerhalb des Genres in Gang gesetzt hat? Dass die dämlichen Sprüche des Dukes bis heute noch ein glorreiches Beispiel von Einzeilern sind, die gleichzeitig hohl klingen und doch voller Anspielungen und Wortwitzen stecken? Sollten solche Dinge tatsächlich zugunsten nüchterner Objektivität komplett außer Acht gelassen werden? Oder darf der geneigte Redakteur hier einmal die ganz subjektive Wertungskeule schwingen und sagen „Das ist Geschichte, Kinners! Das muss gewürdigt werden!“? Eine schwierige Sache und letzten Endes muss ich sagen, dass, so gerne ich Duke Nukem 3D früher auch gespielt habe und so viel Erinnerungen während meiner Testphase aufgekommen sind – nichts davon rechtfertigt in meinen Augen eine zu nostalgisch verklärte Wertung. Und man muss ja auch mal ganz nüchtern sagen; das Spiel ist nun nicht gänzlich schlecht weggekommen. Doch gerade aus heutiger Sicht können sich Oldies wie der Duke nun einmal nicht mehr so gut schlagen, wie sie es damals noch getan haben. Mal ganz davon abgesehen, dass manche der Darstellungen und Sprüche, gerade in Bezug auf das weibliche Geschlecht, heute noch viel mehr als damals zum Fremdschämen einladen – wie im Test bereits angemerkt, der Duke ist eben ganz ein Kind der 90er mit all seinen trashigen, guten und eher negativen Seiten.


Zum Schluss folgt an dieser Stelle dann noch meine rein subjektive und absolut gar nicht objektive, retro-verklärte, persönliche Wertung zu Duke Nukem 3D: 20th Anniversary World Tour und das wäre eine:


9 / 10


Wieso? Ganz einfach, weil ich mit Spielen wie Doom und Duke Nukem aufgewachsen bin, und all das, ohne zum Amokläufer zu verkommen. Aber mal ernsthaft: Der Duke hat damals einen ziemlichen Teil meiner Vorlieben für Ego-Shooter geprägt, vor allem deswegen, weil das Spiel in der Schweiz (wo ich damals aufgewachsen bin) nicht indiziert und völlig frei verfügbar war. Entsprechend haben wir stundenlang bei meinem besten Kumpel gesessen, der das Spiel von seinen Eltern gekauft bekommen hatte, und Duke Nukem 3D damals "Koop" gezockt. Sprich: Einer hat den Charakter an der Tastatur gesteuert, der andere hat stupide auf die Feuer-Taste gedrückt. Und dementsprechend werde ich Duke Nukem wohl immer durch eine rosarote Brille sehen. Umso mehr war ich bemüht, das Spiel trotzdem fair und objektiv zu bewerten, ohne zu großzügig aber eben deswegen auch nicht übertrieben kritisch zu sein. Ob mir das gelungen ist, das könnt nur ihr Leser beurteilen.


Habe ich die Frage, wie man mit Titeln wie Duke Nukem 3D oder DOOM oder ganz anderen Klassikern umgehen sollte, eurer Meinung nach zufriedenstellend geklärt? Hat euch dieser kleine Einblick in die Gedankenwelt von mir als Redakteur gefallen? Hättet ihr Interesse mehr hiervon zu lesen? Schreibt mir doch in die Kommentare – ich freu mich über jede einzelne Wortmeldung und Kritik (sofern sie konstruktiv ist)

Kommentare 2

  • Vielen Dank für deinen Blogartikel. Ich habe mich teilweise darin wiedergefunden und kann dein Dilemma absolut nachvollziehen.


    Auch ich bin mit Doom 1/2 und Duke Nukem 3D aufgewachsen und habe viele Stunden mit den Spielen verbracht. Ich habe ebenfalls mit meinem Bruder bzw. meiner kleinen Schwester das Spiel zu zweit gleichzeitig gezockt, wie du es getan hast.


    Ich wünsche mir mehr solche Spiele, jedoch ohne Multiplayer oder der detaillierten Gewalt, wie es heute leider zum Standard gehört. Interessanterweise hat mir die Gewalt damals überhaupt nicht gestört, sondern ich habe nur darüber gelacht (Beispiel: I gonna rip your head off and sh** down your neck). Heute verliere ich einfach die Lust ein zu gewalttätiges Spiel zu zocken. Deshalb freue ich mich bereits auf Metroid Prime 4, welches zwar ein Egoshooter sein wird, jedoch ohne zu grafisch bezüglich der Gewalt zu sein.

    Yeah! 1
  • Erneut ein wirklich hervorragender Artikel, der auch ein wichtiges Thema beleuchtet. Ich freue mich auf jeden weiteren Artikel dieser Art, der von dir erscheint.


    Obwohl Spielewertungen natürlich nicht rein subjektiv sind, sind sie auch alles andere als objektiv und somit automatisch nicht endgültig. Dabei ist sie nicht nur vom Tester sondern auch vom Blickwinkel abhängig. Daher kann man meines Erachtens nicht abschließend festmachen inwiefern man veraltete Spielmechaniken für heutige Standards negativ oder den Innovationsgrad in der damaligen Zeit extra positiv bewerten sollte.


    Ein interessanter Gedanke ist da finde ich auch die Bewertung von 2D Marios. Schaut man nach Toplisten wird da fast immer Super Mario Bros. 3 und Super Mario World ganz vorne stehen. Ein New Super Mario Bros.-Teil eher nicht. Die Begründung ist klar, erstere sind große Klassiker, die viel Innovation gebracht und ihre Konsole und Videospielära definiert haben. Das kann bei Leibe nicht von New Super Mario Bros. U sagen. Kritikpunkte wie Innovationslosigkeit etc. kommen häufig und das mit Berechtigung.

    Geht man das Gedankenexperiment ein, dass man 2D Jump and Runs mag, von Mario aber noch nie gehört hat und spielt man dann New Super Mario Bros. U, Super Mario Bros 3 und Super Mario World, so würde denke ich New Super Mario Bros. U am meisten beeindrucken. Das nicht nur aufgrund des moderneren Looks. Insgesamt hat man weitaus mehr Content und mehr Varianz. Von daher ist mir vollkommen klar, warum New Super Mario Bros. U kritisiert wird, während man die anderen Titel feiert (das sind auch meine Lieblings 2D Marios). Dass die neuen 2D Mario für sich alleinstehend dennoch Top-Titel sind, wird finde ich sehr oft vergessen.

    Yeah! 2