Cobra Kai - Nur Lizenzschrott im Fahrwasser einer grandiosen Serie?

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Vor keiner anderen Spieleveröffentlichung hatte ich in der letzten Zeit so viel Angst wie vor Cobra Kai - The Karate Kid Saga Continues. Nicht nur, weil der Trailer zum Spiel grausam war, sondern vor allem weil für mich Cobra Kai zu den besten US Serien der letzten zehn Jahre gehört. Ich bin mit der alten Karate Kid Quadrologie aufgewachsen und ja: Ich finde bis heute selbst Karate Kid III und Karate Kid IV (Hillary Swank! <3) hervorragend! Und: Wer kennt nicht mehr die famose Cartoon-Serie von 1989? Tatsächlich hatte Karate Kid in meiner Kindheit den Effekt, dass ich damals jahrelang Kampfsport praktizierte. Also wie ihr Euch vielleicht vorstellen könnt, ist mir die Reihe sehr wichtig und untrennbar mit meinem Leben verbunden. Die erste Angst musste ich im Jahr 2018 durchleben, als die erste Staffel von Cobra Kai damals noch auf YouTube Red startete. In den letzten Jahren gab es einfach viel zu viel Schrott aus Hollywood, sei es im Film- oder Serienbereich. Nur selten konnte mich eine Serie noch emotional berühren, eine der wenigen Ausnahmen war The Orville (nachdem Star Trek seit 2009 regelrecht zerstört wurde!). Und ja, Cobra Kai schaffte es ebenso mich von Folge 1 an mitzunehmen und zu begeistern! Die ganze Prämisse der Show um die Rivalität zwischen dem Cobra Kai Dojo und Miyagi-Do ist nicht nur großartig, auch das sämtliche Charaktere zwischen gut und böse angelegt sind macht diese Serie überraschend tiefgründig. Außer John Kreese natürlich, er darf wieder der herrliche Bösewicht wie in den 80ern sein.


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Nun also das Spiel zur Serie. Wie eingangs schon erwähnt, fand ich den Trailer zum Spiel grausam. Schlechte Animationen und allgemein wirkte das Spiel ziemlich billig. Die schlechten Animationen bleiben, aber der Eindruck bessert sich im Spiel enorm. Von Gameplay her ist es erstmal ein Brawler, wie sie in den letzten Jahren zum Glück wieder populärer wurden. Also wir laufen von links nach rechts und prügeln uns durch Horden von Gegnern. Das passt natürlich auch gut zur Vorlage. Doch das Spiel hat unter der Haube mehr zu bieten. Denn auch hier steht die Prämisse der Serie im Mittelpunkt: Cobra Kai vs. Miyagi-Do. So entscheiden wir uns Anfangs auch zwischen den beiden Dojos und mit welchen Figuren wir in den nächsten Stunden spielen. Auch gibt es kein klassisches Leben-System. Ähnlich wie in einigen früheren Turtles-Spielen fungieren hier die Dojo-Mitglieder als „Leben“. Bis zu vier unterschiedliche Charaktere können in den Levels jederzeit eingewechselt werden. Dabei hat jeder Charakter seine eigenen Moves, Schwächen und Stärken.


Zentrale Rolle spielen hierbei die Special Moves, die gegen Tokens im Dojo freigeschaltet werden. Es gibt Moves und Upgrades für einzelne Charaktere und welche die für das ganze Dojo gelten. Etwa mehr Hitpoints, mehr Ausdauer, weniger Cooldowns der Spezialattacken, usw. Im Kampf werden die Dojo-Attacken mit ZL+A/B/X/Y ausgeführt. Zudem hat jede Figur noch individuelle Attacken, die mit ZR und den Face Buttons aktiviert werden. Habt ihr genug Energie gesammelt, könnt ihr mit ZL + ZR den jeweiligen Finishing Move eines Charakters ausführen, die besonders in den Bosskämpfen eine große Rolle spielen.


Ansonsten gilt: Y für Schlag, X für Tritt, B für Sprung und A für Blocken bzw. Hechten wenn man in Bewegung ist. Die Block-Funktion ist ebenfalls von zentraler Bedeutung! Denn drückt ihr den A Knopf kurz bevor eurer Gegner eine Aktion ausführt, wird eure Figur diese Aktion kontern. Das können sogar recht mächtige Flächenangriffe sein, die andere Gegner ebenfalls in Mitleidenschaft ziehen. Und gleichzeitig bekommt ihr für diese Aktionen Hitpoints gutgeschrieben. Um im Spiel zu bestehen müsst ihr diese Funktion daher unbedingt meistern!


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Das sind aber noch nicht alle Finessen des Kampfsystem. Mit R könnt ihr die Gegenstände in den Levels einbeziehen. Kämpft ihr mit Eurem Gegner beispielsweise vor einem Auto, wird eure Figur den Gegner gegen das Auto werfen und so extra viel Schaden anrichten. Die benutzbare Objekte in den Levels sind dabei farblich hervorgehoben. Mit L könnt ihr zum einen Waffen wie Baseballschläger aufsammeln und nutzen. Gleichzeitig werden mit der Taste Nahrung aufgenommen die für Heilung sorgen. Und es gibt Stirnbänder und Anzüge die unterschiedliche Bonis mitbringen. Diese werden in der Regel von den Gegnern fallen gelassen. Mit der L Taste könnt ihr zudem auch noch am Boden liegende Gegner auf unterschiedliche Weise attackieren.


Es wird einige Zeit brauchen, bis ihr in all den unterschiedlichen Systemen hineinfinden werdet. Das Kampfsystem ist sehr viel komplexer als in vergleichbaren Titeln wie Streets of Rage 4 oder The Takeover. Das gilt auch für die Gegner. Sind die Gegner in den Levels bei Genre-Kollegen bestenfalls Fallobst, ist das hier nicht so. Denn es gibt viele verschiedene Gegnertypen mit unterschiedlichen Angriffsmuster, Stärken und Schwächen. So gibt es Gegner, deren Attacken ihr nicht blocken könnt. Es gibt Gegner, die andere Gegner heilen können und es gibt sogar Gegner die weitere Gegner herbeirufen können. Wer in den verschiedenen Kampfszenen wie wild drauf prügelt, wird schnell verlieren. Viel mehr müsst ihr Euch die Gegnerkonstellationen anschauen und Euch ins Gedächtnis rufen welcher Gegner welche Fähigkeiten hat und entsprechen agieren. So ist es beispielsweise immer eine gute Idee erst Gegner auszuschalten, die heilen können oder weitere Gegner herbeirufen, ehe ihr mit den anderen Gegner weitermacht. Somit erfordert Cobra Kai in seinem sehr schnellen Gameplay auch einiges an Taktik.


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Und sonst? Wie schon gesagt spielen die Tokens eine sehr wichtige Rolle. Diese bekommt ihr von Gegner aber vor allem wenn ihr bestimmte Aufgaben in den Levels erfüllt. Etwa in dem ihr Gegner mit besonders wuchtigen Angriffen besiegt oder alle Figuren am Ende eines Levels noch aktiv sind. Diese Tokens werden in zwei Skill-Bäumen investiert. Der eine Baum repräsentiert den Dojo. Die Upgrades und Attacken können von allen Figuren des Dojos gleichermaßen genutzt werden. Und es gibt individuelle Upgrades und Attacken für jede Figur. Wenn ihr genug Spielerskill besitzt, könnt ihr die Levels mit den Standardattacken und Standardstats spielen. Es gibt aber auch die Möglichkeit Levels mehrmals zu spielen und so die Tokens zu grinden, damit eure Figuren stärker für spätere Levels werden.


Der Umfang des Spiels ist für das Genre enorm. Für eine Kampagne habe ich circa 12 Stunden gebraucht. Das liegt aber auch daran, dass ich etwas grinden musste. Die Präsentation ist sehr viel besser als es im Trailer den Anschein macht. Mir gefällt der Grafikstil durchaus, auch wenn 2D Grafiken stilistisch sicherlich besser gewesen wären. Der große Schwachpunkt des Spiels sind sicher die abgehackten Animationen. Dafür läuft das Spiel flüssig, auch wenn der Bildschirm voll mit Gegner ist. Die Hintergründe spiegeln die Locations der Serie sehr schön wieder und der rockige Soundtrack ist durchaus treibend. Die Story hält sich vornehm zurück, was gut ist. Denn viel inhaltlich neues gibt es nicht. Im Mittelpunkt stehen die Kämpfe und die machen durch das tiefgründige Kampfsystem auch nach Stunden noch Spaß!


Fazit: Cobra Kai ist als Spiel sehr viel besser als ich befürchtet hatte. Die Serie wurde gut transportiert und die Kämpfe machen großen Spaß. Gleichwohl ist der Schwierigkeitsgrad nicht ohne! Sollte Euch also nur die Lizenz interessieren und ansonsten keinerlei Erfahrungen mit Brawlern haben, dann wird Euch das Spiel durch seine hohe Spielgeschwindigkeit und dem Kampfsystem sehr schnell überfordern. Genre-Veteranen bekommen hier aber eine knackige Herausforderung. Wenn ihr dazu noch Fans der Serie seid, dann unbedingt kaufen. Alle anderen warten lieber auf Staffel 3, die im Januar endlich veröffentlicht wird.

Kommentare 2

  • Puh ich dachte schon das Spiel wird totaler Trash sein, aber scheinbar ist dem wohl nicht so. Ich habe auch die Grafik und alles gesehen und es hat mich sehr abgeschreckt, aber jetzt, werde ich wohl, wenn es mal im Sale ist, als erstes zuschlagen. :D


    Ich selber fand Arcade Brawler immer etwas schwer zu lernen, denn dort wurde schon hart zugeschlagen, denn sie zeigten keine Gnade, aber ich gebe dem noch mal eine Chance. xDD

  • Danke für diesen Blogeintrag! War sehr interessant zu lesen. Ich bin im Allgemeinen kein Fan von Brawlern, selbst Smash Bros. kann mich nicht lange begeistern. Insofern hab' ich auch Streets of Rage nicht geholt, obwohl das ja mit großartigen Kritiken aufwarten kann.

    Was Cobra Kai betrifft: obwohl ich jetzt kein Fan der alten Karate Kid-Filme war, hab' ich sie im Laufe der Zeit sicher alle mal gesehen. Als mir ein Kumpel von der Serie erzählte, fragte ich mich: "Warum?". Hat irgendjemand nach einer Serie zu den uralten Karate Kid-Filmen gefragt?! Wo ist der Bus mit den Leuten, die sich heute noch für Karate interessieren?!

    Ich lies mich aber zum Anschauen überreden und teile deine Ansicht, dass Cobra Kai zu den besten US-Serien der letzten zehn Jahre gehört. Aus dem Nichts so eine Serie abzuliefern, das ist schon ein Knüller. Ich habe beide Staffeln gesehen und freue mich schon sehr auf die dritte.

    Was das Spiel anbelangt, warte ich noch ein wenig ab und entscheide spontan, ob ich's mir zulegen werde oder nicht.