Kolumne: Warum floppt die PlayStation 5 in Japan? Und was könnte dies für UNS bedeuten?

1e08885c-35b8-473b-8ssjzf.jpegDas hätte man aus westlicher Sicht vor noch wenigen Monaten nicht erwartet: Die PlayStation 5 ist gerade dabei in Japan zu einem kolossalen Flop zu werden! Anbei die Verkaufszahlen seit der Veröffentlichung im November 2020:



Wie ihr sehen könnt, sind die Verkaufszahlen seit der Veröffentlichung im stetigen Sinkflug. In der letzten Woche ist die PS5 sogar in die Vierstelligkeit gerutscht! Und auch das Weihnachtsgeschäft konnte Sony nicht mitnehmen. Doch was kann der Grund für dieses Desaster sein? Wenig Geld bei den Verbrauchern wegen der Corona-Krise? Die boomenden Verkaufszahlen der Nintendo Switch sprechen eine andere Sprache. Produktionsschwierigkeiten? Sicher: Auch in Japan ist die PS5 derzeit schwer zu bekommen - aber SO ein Sinkflug? Auch das kann es nicht sein.


Der japanische Analyst Hideki Yasuda hat im Dezember zwei interessante Artikel in der japanischen Ausgabe der gamesindustry.biz geschrieben. Nach seiner Ansicht ist Sony den japanischen Spielern zu westlich geworden. Allen voran hat Jim Ryan als Sony CEO den Hauptsitz der Firma von Japan in den USA verlagert. Die Präsentation der PS5 im letzten Jahr kam weder mit japanischer Sprachausgabe, noch mit japanischen Untertiteln. Das Button-Layout wurde von der japanischen Norm (Kreis für bestätigen, X für abbrechen) an die westliche Norm (vice versa) angepasst. Und nicht zuletzt sprechen die Spiele von Sony vor allem den westlichen als den japanischen Markt an. Kleines Beispiel: Welches Spiel hält sich seit Wochen auf Platz 1 der japanischen Software-Charts? Momotaro Dentetsu: Showa, Heisei, Reiwa mo Teiban! für die Switch, ein für westliche Augen obskures Gesellschaftsspiel von Konami (vielleicht ein Stück weit vergleichbar mit Blue Bytes Die total verrückte Rallye aus dem Jahr 1995). Auch sonst sind Japans Software-Top-20 felsenfest in der Hand der Switch. Selbst ein Titel wie 51 Worldwide Classics, welches letztes Jahr ein Nischendasein im Westen fristete, verkauft sich in Japan ziemlich gut. Ein Ring Fit Adventure hat sehr viel höhere Verkaufszahlen als ein Breath of the Wild.


Und das zeigt das Dilemma recht eindrucksvoll: Es sind nicht die großen, epischen Action-Games die in Japan den Nerv treffen. Japans Spiele-Geschmack hat sich seit den 2000ern stark vom westlichen Geschmack wegentwickelt. Handhelds und mobile Spielerfahrungen sind in Japan weitaus beliebter als das stationäre Gaming im Wohnzimmer. Dazu kommt eine Liebe für Medien, die ein Stück weit den eigenen Kulturraum repräsentieren. Diese Konservativität in der japanischen Gesellschaft zeigt sich nicht nur im Spielemarkt. Auch ausländische Serien, Filme oder Musik haben es auf dem japanischen Markt ungleich schwerer, sofern sie nicht auf irgendeine Weise den Nerv der Gesellschaft treffen. Cyberpunk 2077? Findet in der japanischen Jugend nicht statt.


Das alles sorgt nun dafür, dass japanische Spieler die Firma Sony nicht mehr als japanische Firma wahrnehmen - sondern als amerikanische. Und Sony hat dieses Bild in den letzten Jahren auch selbst gezeichnet. Die PS Vita war in Japan durchaus ein großer Erfolg. Als sich aber abzeichnete, dass die Vita im Westen gegen den 3DS von Nintendo keinen Stich sehen würde, wurde die Vita wie eine heiße Kartoffel fallen gelassen statt Geduld zu üben. Auf den japanischen Spieler muss das aber so gewirkt haben, dass der eigene Markt für Sony nicht mehr wichtig ist. Dazu kommen rein westliche Spiele seitens Sonys. Würde Sony heute etwa noch ein höheres Budget in Titel a la Patapon oder Everybodys Golf investieren? Das darf bezweifelt werden, weil man mit beiden Reihen nicht im westlichen Mainstream punkten würde.


Man kann also davon ausgehen, dass Sony unter CEO Jim Ryan den japanischen Markt nahezu aufgegeben hat und sich voll und ganz auf den amerikanischen und europäischen Markt konzentriert. Aber was heißt das für uns Nintendo-Fans?


In erster Linie sind das gute Nachrichten. Denn sollte die PS5 in Japan ein Flop bleiben und keine nennenswerte Hardware-Basis aufbauen können, dann kommen japanische Entwickler nicht mehr an der Switch vorbei. Was der Switch neues Leben einhauchen würde. Das werden wir dieses Jahr schon sehen. Mit YS IX, Monster Hunter Rise, Monster Hunter Stories 2, Digimon Survive, Trails of Cold Steel 4, No More Heroes 3, Rune Factory 5, Disgaea 6, Bravely Default 2, Balan Wonderworld, Dynasty Warriors 9, Shin Megami Tensei 5 oder Romance of the Three Kingdoms XIV sind schon jetzt sehr viele japanische Switch-Spiele für den Westen angekündigt. Und dabei hat das Jahr gerade erst begonnen. Wer weiß was das Jahr noch bringen wird?


In jeden Fall beginnt die neue Konsolen-Generation spannend. Sollte Sony langfristig den japanischen Markt aufgeben, wäre dies eine Zäsur. Dann hätte Nintendo den Markt quasi allein. Auf der einen Seite würde das heißen, dass viele japanische Entwickler wieder für Nintendo Plattformen entwickeln. Auf der anderen Seite wissen wir aber auch, wie fanunfreundlich und arrogant Nintendo werden kann, wenn sie im eigenen Land keine starke Konkurrenz haben.


Was denkt ihr zum schwachen PS5-Start in Japan? Wird Sony nochmal auf den japanischen Markt Fuß fassen können?

Kommentare 20

  • Sehr gut geschrieben. Das fing ja bei der PS 4 schon an, die einige Monate brauchte (ich glaube sogar fast ein halbes Jahr?) um die WiiU in Japan zu überholen. Ich denke, dass Mobile Gaming dort einen viel höheren Stellenwert hat, als bei uns. Es gibt da ja auch schon innereuropäische Unterschiede, aber das ist nichts im Vergleich zu der Situation in Japan.


    Und auch war die Playstation in Europa eigentlich schon immer vorn, während in Japan immer harte Konkurrenz da war, ausgenommen bei der PS 2. Bei der PS 1 war Sega´s Saturn relativ lange gleichauf und sogar teilweise erfolgreicher, bis Sony dann mit den richtigen Spielen davon zog.


    Für uns bedeutet das, dass sicher auf der Switch auch mal das eine oder andere etwas obskurere Game zu uns kommt.

  • Wohne in Japan und ist eigentlich ganz einfach zu beantworten.


    Japan ist Mobile-Land. Jeder zockt am Smartphone, jeder schaut Filme und Serien am Smartphone, viele haben nicht mal einen PC und machen alles am Smartphone/Tablet, Switch wird praktisch ausschliesslich Handheld gezockt. Speziell die jüngere Generation hat gar keinen TV mehr.


    Sony weiss das und ignoriert Japan deshalb mehr und mehr. Im Westen liegt da das Geld. Dazu kommt dass es nach wie vor fast unmöglich ist eine PS5 zu bekommen. Nach wie vor überall Lotterieverkauf da geringe Lieferkontingente für den japanischen Markt.

  • Nicht vergessen sollte man japanische Wohnverhältnisse. Wohnraum ist teuer und viele leben in relativ kleinen Wohnungen. Riesig sind die Wohnzimmer da nicht und dementsprechend stellt man sich als Normalverdiener auch nicht eine riesige Glotze samt fetter Konsole da rein. Handhelds waren in Japan schon immer beliebter, weil da auch sehr viel gependelt und dann in der U-Bahn gezockt wird. Nintendo hat in den letzten Jahren immer sehr japanische Konsolen gebaut. Der Gamecube war schon handlich und auch Wii und Wii U waren verglichen mit der Konkurrenz winzig und auch für kleine Platzverhältnisse ideal. Ich überlege mir ja auch eine PS5 zu holen, aber auch ich komme da mit dem Platz ins grübeln, das Ding passt nur knapp in mein Sideboard und etwas Luft sollte ja eigentlich noch sein. Mich wegen einer Konsole neu einzumöblieren sehe ich dann irgendwie auch nicht ein.

  • Selbst bei Square Enix gab es ja ein kleines umdenken. Sie haben beschlossen mehr kleine Titel zu produzieren wie BD2 oder Octopath. Bin auf jeden Fall gespannt wie es weiter geht.

    Auffallend ist aber auch das Nintendo wieder versucht breiter zu werden. Bayonetta, Xenoblade, Metroid Prime. Und solche Marken pushed.

  • Interessante Analyse der Marktentwicklung. Wobei ich den schwachen Start zunächst einmal mit der Verfügbarkeit verbunden sehe. Der Trend ist davon unbenommen und deine Überlegungen dazu plausibel. Sehr schön auch, dass Du Quellen einbeziehst. Der asiatische Markt wird ja von unseren Medien stiefmütterlich behandelt, da sind solche Einblicke immer ein Gewinn. Auch dass selbst Triple-A in Japan nicht stattfindet, wenn das Spiel westlich ausgerichtet ist, sehr interessant. Hier wären noch ein paar Beispiele mit Marktzahlen spannend gewesen. Gerne mehr solcher Beiträge, sowas hier zu lesen hätte ich nicht erwartet.

  • Sehr gut geschriebener Blog,


    was auf der Switch jedoch nach wie vor trotz der Japan Dominanz fehlt sind in meinen Augen aber gerade die großen Titel von dort, von den oben genannten interessiert mich zBsp. wenig bis gar nix.

    Da fehlen halt wirkliche Kracher wie neue Resident Evil, Final Fantasy, DMC, Dead or Alive, Soul Calibur,... und eventuelle Titel (noch Gerüchte) wie Dragons Dogma 2, .... .

    Gibt ja auch Titel wie Code Vein die technisch sicher kein Problem dargestellt hätten, welche aber dennoch nicht erschienen sind.

  • Du sprichst da ein sehr wichtiges Thema an, was wir im Laufe der nächsten Monate und Jahre definitiv beobachten müssen! Für mich fast schon ein Sakrileg, wie Sony den japanischen Markt, die eigene Heimat fallen lässt. Mein Spielegeschmack ist ebenso ziemlich japanisch angehaucht, dementsprechend kann ich wenig mit Sonys westlicher Ausrichtung anfangen. Mal sehen, inwiefern Nintendo die Chance erkennt und auch ergreift. Sie sind immerhin dafür bekannt, schon einmal etwas blind und taub zu sein.

    • Naja, im Endeffekt designt Nintendo seine Geräte schon stark nach den japanischen Geschmack. Inklusive Entscheidungen, die uns fremdartig wirken. Ein Beispiel wäre die Entscheidung keine Social Funktionen einzubauen. Wenn Du Dich zurückerinnerst, hat Nintendo sehr stark mit Kommunikation gearbeitet. Sei es Swapnote, Wii Message Board, Wii Speak Channel oder Wii U Chat. Tatsächlich konnte man damals sehr viel mit Freunden auf diesen Geräten kommunizieren. Und nicht zu vergessen das ikonische Miiverse.


      Doch tatsächlich hat sich die japanische Gesellschaft in den letzten 10 Jahren verändert und deren Kommunikationsverhalten. Will heißen: Man macht ALLES über das Smartphone. Rund 80 Millionen Menschen in Japan haben den LINE Messenger auf ihren Handys (vgl.: Japan hat 126 Millionen Einwohner), also rund 3/4 der Bevölkerung. In Sekundenschnelle hat man einen Videochat mit seinen Freunden und das überall: Sowas wie Datentarife kennen die da nicht.


      Wenn die Leute also ein Spiel online spielen, nutzen die als Kommunikationstool schlicht ihr Handy. Nintendo muss also keinerlei Kommunikationsmöglichkeiten bereitstellen und dahingehend investieren.


      Während man bei uns irgendwie erwartet, dass man über die Konsole mit den Mitspielern kommuniziert. Das ist nur eines von einigen Beispielen, wo Nintendo den westlichen Markt vor den Kopf stößt, weil sie ihre Konsole stur auf den japanischen Markt ausrichten. Das zeigt aber auch, dass Nintendo nach wie vor eine durch und durch japanische Firma ist. Mit allen kulturellen Eigenheiten.


      Und natürlich bemerkt Nintendo natürlich auch, wenn Sony sein Hauptquartier von Japan in die USA umsiedelt und dass sich die PlayStation schon lange nicht mehr so gut verkauft. Das ist IMO auch eines der Hauptgründe warum man bei der Switch so sehr drauf geachtet hat, dass man dafür leicht programmieren kann. Um auch für die kleineren japanischen Studios attraktiv zu sein. Die dort Spiele veröffentlichen, von denen wir nichts hören.

      https://www.dekudeals.com/japa…elease_date&page_size=all


      Wobei man zum Glück sagen kann, dass das meiste an japanischen Switch Spielen auch in den Westen kommt. Das war früher anders, wenn ich bedenke wie viele Japan exklusive PS2, DS, GBA oder Wii Spiele es gab.

      Yeah! 3
    • Ich weiß nicht genau, wie sich das auf meinen Kommentar bezieht, aber klar, das ist eine weitere entscheidene Erkenntnis. :D

    • Naja, bezogen darauf ob Nintendo „blind und taub“ wäre. Sind die nicht. Die haben die Chance schon ergriffen, das zeigen die Verkaufszahlen.

  • Sehr gut geschrieben, toller Blog.


    Sony geht ja schon seit längerem in Richtung Westen, wahrscheinlich weil sie da eh schon stärker sind.

    Die Zahlen die sie mal in Japan hatten werden sie nicht mehr erreichen (nur bei vereinzelten Titeln mal), aber ein guter 2. Platz ist für Sony da ja auch nicht schlecht.

    Nintendo erreicht dafür im Westen nur Platz 2, am meisten kämpfen muss oder müsste Microsoft (im Moment).

  • Vielen Dank für diesen sehr guten Blogartikel!


    Du hast mit all deinen Punkten recht! Wieso sich Sony den westlichen Markt verschrieben hat bleibt fraglich! Da sie ja eigentlich eine Japanische Firma sind!


    Das Handheld Gaming war aber im östlichen Raum, auch gut zu sehen an den Chinesischen Trend, immer bedeutender als im Westlichen Markt.

    Daher hat es eine stationäre Konsole auch dort von Grund auf schwieriger!

    Yeah! 1
    • naja im Westen gibts mehr zahlungsfähige Kunden, somit mehr Geld zu holen. Simples unternehmerisches Denken. Zudem sind denke ich auch die Ansprüche der Spieler oft oberflächlicher im Westen als im Osten. Da kann man immer das gleiche mit wenig Variation verkaufen mit Erfolg wie man es auch deutlich sieht.

  • Der Kopf von Nippon Ichi Software (Disgaea, Neptunia usw.) hat mal in einem Interview gemeint, dass deren Spiele sich im Westen besser verkaufen, als in Japan selbst. Weiterhin hatte er ausgeführt, dass obwohl die Spiele scheinen, dass sie für den japanischen Markt entwickelt wurden, werden diese jedoch so gestaltet, dass eine Japan-affine Zielgruppe außerhalb Japans angesprochen werden soll. Als Resultat würde dies bedeuten, dass die primäre Konsole für zumindest Disgaea die PS5 ist und nicht die Switch.

    • Kommt Disgaea 6 überhaupt für die PS5? Bisher weiß ich nur, dass das Spiel im Sommer für die Switch geplant ist.

    • Die PS4 Version von Disgea 6 ist momentan nur in Japan geplant, während die Switch Variante weltweit erscheinen wird.

  • Vielen Dank für diesen sehr guten Blogartikel.


    Ich fand deine Gedanken, weshalb Sony scheinbar den japanischen Markt aufgegeben hat und welche Konsequenzen daraus erfolgen können, nachvollzierbar und spannend zu lesen.


    Diese Geschäftsentscheidung, den japanischen Markt nicht mehr in den Fokus zu nehmen, finde ich etwas seltsam. Schliesslich kann Nintendo auf diesem Markt trotzdem gutes Geld verdienen und hat zu einigen japanischen Studios den besser Zugang als Nintendo.


    Ich könnte mir vorstellen, dass die Entscheidung sich auf den westlichen Markt zu fokussieren, daher rührt, dass Sony ihre Dominanz im westlichen Markt gegenüber Microsoft, welche sie in der letzten Generation erreicht haben, halten möchten.


    Es wird spannend, wie sich die Verkäufe der einzelnen Konsolen in den einzelnen Regionen entwickeln werden. Bei den wöchentlichen japanischen Verkaufszahlen werden die Konsolen von Microsoft wegen den miserablen Zahlen belächelt. Vielleicht wird Sony in einige Jahren ähnliche Zahlen wie Microsoft erreichen.

    Yeah! 3
    • Ab ca. 2005 herum dürfte diese Entwicklung bereits eingesetzt haben. Damals hatte man den jap. Markt fest in der Hand, Nintendo war nicht mehr so erfolgreich und dabei die Wii vorzubereiten, die einen komplett anderen (für Sony nicht sonderlich gefährlichen) Weg eingeschlagen hat. MS wurde daher zum Hauptkonkurrent, gerade auch dadurch, weil sie damals mit der Xbox360 einen sehr guten Start hingelegt hatten, während Sony das Ganze am Anfang mit der PS3 ziemlich vermasselt hat (gerade gemessen am Erfolg den die PS2 damals hatte). Erst in der zweiten Hälfte der Xbox360/PS3-Gen, konnte Sony das Ruder rumreißen, aber auch nur, weil man sich vieles von MS abgeschaut und versucht hat, Konkurrenzprodukte zu liefern (Achievements wurden nachträglich als Trophäen eingeführt, Rumble war dann plötzlich doch wieder wichtig, etc.). So musste Naughty Dog damals ein in der Entwicklung befindliches Adventure mit Tier-Charakteren (wie eben auch bei Crash und Jack & Dexter) auf Drängen von Sony einstellen und stattdessen etwas machen, was dem ersten Gears of War Paroli bieten sollte... daraus entstand dann Uncharted (gerade der erste Teil ist sehr Deckungsshooter-lastig, auch wenn es diese Spielmechanik später immer noch gab).

      Auch wenn Sony letztlich immer erfolgreicher war als MS, habe ich irgendwie seither den Eindruck, dass MS Sony immer etwas vor sich hertreibt. Wohl auch, weil man bei Sony etwas Angst hat, MS könnte den wichtigen Westmarkt dominieren. Daher wurde Sony selbst auch immer westlicher bzw. auf den Westen fokussiert.

      Hinzu kommt noch, dass sie eigentlich wie selbstverständlich über Jahre hinweg, bis heute hinein, Support von den jap. 3rd-Parties bekommen. Diese haben selbst die Vita, Jahre nachdem Sony selbst den Software-Support eingestellt hatte, noch am Markt gehalten und mit neuen Spielen versorgt. Es gibt ja immer noch Entwickler wie etwa Falcom, die sich weigern, "nativ" für die Switch zu entwickeln (wird alles nur von anderen Studios geportet).

      Wie schon im Artikel beschrieben, ist aber die Frage, wie lange das noch gut geht. Nintendo ist momentan die klare Nr. 1 in Japan und es läuft auch im Westen ganz ordentlich. Dazu kommt noch, dass die jap. Entwickler für die Entwicklung von Switch-Titeln weniger Ressourcen benötigen. Abseits der großen jap. Entwickler wie SquareEnix oder Capcom, die sich zum Teils schon selbst bei manchen Franchises den Westen im Blick haben, protzen jap. Titel oft weniger durch pure Grafikleistung, sondern eher durch Art-Style.


      Ich denke die nächsten Jahre werden noch durchaus spannend sein, wie sich das Ganze noch entwickelt. Sony muss wirklich aufpassen, wie viele Konsolen-Generationen das noch gut geht. Sollte Nintendo den jap. Markt irgendwann ein für allemal für sich entschieden haben und MS plötzlich im Westen dominieren, könnten sie ein Problem bekommen. Aktuell hat Sony halt auch noch den Vorteil, dass es im Westen noch genug "Fanboys" (und Girls) gibt, die allein aus Tradition lieber eine PlayStation als eine Xbox kaufen, wobei ich das jetzt nicht abwertend meine.


      Rein von der Software her, sind für meinen Geschmack aber weder PS5 noch XBSX berauschend gestartet. Gut, auf Sonys Kiste gibt es mit Demon's Souls was Exklusives, aber das ist halt auch "nur" ein Remake (bei dem lt. Entwicklern die Zeit fehlte um grafisch mehr aus der Hardware herauszuholen), an dem nicht mal der Originalentwickler beteiligt ist und das - soweit ich mitbekommen habe - jetzt auch keine supertollen Extras bietet, wie neue Gebiete oder so. Ansonsten kann man halt auf den neuen Konsolen PS4/XB1-Titel mit höherer Auflösung und mit höherer Framerate spielen, was bisschen an den PC erinnert, wenn man eine neue Grafikkarte kauft. ;) Wie das mit Auflösung und Framerate bei richtigen "Next-Gen"-Spielen aussieht (gerade mit Raytracing, das auch wieder Leistung frisst, gerade wenn zum Ausgleich kein Feature wie NVIDIAs DLSS zur Verfügung steht), bleibt allerdings fraglich. Von daher könnten in Japan die schlechten Verkaufszahlen auch einfach daher rühren, dass viele noch keinen Bedarf haben, da man die ganzen Spiele ja immer noch auf der alten PS4/PS4Pro spielen kann und die optische Aufwertung dort den meisten Spielern nicht den Kauf einer teuren neuen Konsole Wert ist (gerade wenn damit zu rechnen ist, dass noch verbesserte Revisionen oder gar in wenigen Jahren ein Slim- oder Pro-Modell kommen).


      Na ja, das sind jetzt zumindest meine Überlegungen zu dem Thema. ;)

      Yeah! 1
    • Top Artikel!


      Dass die Playstation in Japan genauso bedeutungslos wird, wird die Xbox halte ich jetzt nicht für wahrscheinlich, da sind immer noch Welten dazwischen. Dennoch sieht man sehr deutlich, dass die Playstation an Bedeutung verliert.


      Die Switch hat in Japan bald mehr Verkäufe als die PS3 und PS4 zusammen. Wahrscheinlich wird sie bis Ende des Jahres mehr als PS3, PS4 und PS5 zusammen haben.


      Ich denke das hängt mit folgenden Dingen zusammen:


      • Wie schon gesagt wurde, ist mobiles Gaming in Japan sehr groß. Schaut man sich die Liste der meistverkauften Hardware in Japan an, sieht man dass alte Heimkonsolen und Handheld-Geräte weit vorne sind. Der Knick ist meines Erachtens dem Release der PSP geschuldet. Viele japanische Nischenspiele brauchen keine Top-Hardware und ab da konnte man das was viele Japaner mögen auch mobil abdecken und von daher sind Konsolen immer mehr obsolet geworden.
      • Der PC ist eine immer stärker werdende Kraft. Genauso wie Streaming. Sehr viele japanische Spielereihen wie Dynasty Warriors, Final Fantasy, Yakuza, Dragon Quest... bekommen inzwischen auch PC-Releases, weil der PC-Markt wächst. Auch alte Spiele wie Persona 4 und VIELE mehr werden auf PC Re-released. Hinzu kommt auch noch, dass Streaming ebenso mehr genutzt wird als hier. Von daher reicht vielen Japanern eben die Performance eines Handhelds (womit ich die Switch inkludiere) und wem das nicht reicht, der greift inzwischen halt immer mehr direkt zum PC
      • Die westliche Ausrichtung der Playstation. Und da muss ich sagen klar wurde die Vita fallen gelassen und jetzt mit der PS5 gab es die Signale. Sehr viel des japanischen Einschlags der Playstation-Konsolen kam aber eh schon von den Third Partys. Wenn ich an Japanospiele denke, dann denke ich an Nischen-JRPGs, an Yakuza, an Visual Novels... und da kommt eh wenig von Sony selbst. Die sehen halt die Verkaufszahlen und wechseln auf PC und die Switch. Das heißt von den Spielen her hat Sony ihnen nicht den Japanern den Rücken gekehrt, die Japano-Third Partys haben Sony den Rücken gekehrt, genauso wie viele westliche Third Partys Nintendo eigentlich schon seit dem N64 den Rücken gekehrt haben.

      Die Playstation wird daher meines Erachtens immer noch erfolgreiche als die Xbox werden und ihren Platz haben. Die 10 Millionen-Marke konnten als letztes die PS3 und die Wii knacken, das wird die PS5 auch nicht können. Sie wird irgendwo 3 und 8 Millionen landen, bei N64, Gamecube, Wii U und Sega Saturn.

      Yeah! 2
    • Wobei ich trotzdem sagen muss, das genau jetzt für Microsoft die Chance wäre, bei Japan Fuß zu fassen, wenn sie es richtig anstellen. Versuchen das die richtigen Thirds auf der XSS/XSX rauskommt und alles in Gamepass reinbringen!