20 Jahre Game Boy Advance - Teil 2: Aber bitte mit Lizenz!

Wow! 604d6422-50e1-4533-bu8jpw.jpegMein letzter Beitrag zum 20 jährigen Jubiläum des GBA hat ja für einiges an Lob gesorgt. In den Kommentaren wie auch per PN. Dafür an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön pauschal an alle, die mir geschrieben haben. Das motiviert nämlich weiter zu machen! :)


Und Euer Feedback hat mich auf die Idee gebracht eine kleine Serie zur Spielebibliothek zu schreiben. Denn wie schon in der Einführung erwähnt: Die Spielebibliothek des GBA ist picke packe voll mit ganz wundervollen Spielen. Und für den zweiten Teil dieser Reihe habe ich mir ein ganz spezielles Thema rausgesucht: Lizenzspiele!


Schock! Starre! Not! Um Himmels Willen, will der Kerl denn jetzt tatsächlich die Feierlichkeiten mit Lizenzwurst vermiesen? Kommt jetzt schon der unweigerliche Lippi in der Geburtstagsplaylist für Tante Erna? Nein, nicht doch. Wir haben ja schon im letzten Teil geklärt, dass die Biene Maja Spiele wie auch das 2007er Turtles Spiel tolle Beispiele für gute Lizenzspiele sind. Und damit stehen die Kröten wie auch die Biene nicht allein da. Meiner Ansicht nach ist der GBA die Plattform mit den interessantesten Lizenzspielen - in der Breite wie auch in der Tiefe. Daher möchte ich Euch nachfolgend einige Exemplare vorstellen.


79a6e764-f634-4a74-9azbj7o.pngPeter Jackson‘s King Kong (2005)

Der dazugehörige Film war damals ein großer finanzieller Erfolg und auch inhaltlich einer der besseren Monster-Filme der 2000er. Wie bei vielen Lizenzspielen zu jener Zeit war es ausgerechnet die GBA Version, die alle anderen Versionen weit voraus war. Im Endeffekt spielt sich die GBA Fassung wie eine Mischung aus Legend of Zelda und Lost Vikings. Zwischen Jack, Carl und Ann kann man hin und her wechseln: Jack ist der Mann fürs Grobe, Carl kann Statuen verschieben und Ann kann die Gruppe heilen. Durch aufgesammelte Ressourcen lassen sich diverse Items wie Granaten oder Tränke herstellen. Das Trio erforscht düstere Dungeons auf Skull Island und ab und an gibt es ganz nette Passagen in der man in der Rolle von King Kong schlüpft. Tolle Grafiken und ein atmosphärischer Soundtrack befördern das Action Adventure ins obere Mittelmaß.


5e64cc5c-7a0d-4faa-95alj7w.pngEragon (2006)

Fantasy-Filme waren in den 2000ern nach den Erfolgen von Harry Potter und Herr der Ringe schwer in Mode. Jedes Buch was nicht bei drei auf den Bäumen war, wurde irgendwann auch verfilmt. Mal mit besseren und mal mit schlechteren Ergebnissen. Eragon war ein inhaltlicher und finanzieller Flop und konnte der Vorlage rund um einen Bauernjungen und seine Beziehung zu einem Drachen nicht um geringsten einfangen. Ganz anders das Spiel für das GBA: Zwar hatten die Entwickler das Figurendesign aus den Filmen genommen, die Story selbst jedoch ist sehr nahe an den ersten Roman angelegt. Und das tut dem Spiel gut. Über 20 Stunden lang begleitet ihr den Bauernjungen Eragon auf eine Abenteuerreise quer durchs Königreich. Die Story ist flott und spannend inszeniert. Und vom Genre handelt es sich um ein ausgewachsenes Rollenspiel inklusive rundenbasierten Kämpfen.


7a54bcaf-b78f-42d8-b9y8jpd.pngPinky & The Brain (2002)

Der Pinky und der Brain, in einem Tierversuchslabor, da ist es gescheh‘n: der Eine ist brilliant, der Andere geisteskrank... Kinder der 90er werden sich noch bestens an die Animaniacs und den darin enthaltenen Cartoons über die beiden Mäuse erinnern, die jede Nacht versuchen die Weltherrschaft an sich zu reißen. Und obwohl die Cartoons in den 2000ern nicht mehr produziert wurden, gab es zu jener Zeit einige Lizenzspiele. Unter anderem dieses klassische Jump & Run mit den beiden Mäusen in der Hauptrolle. Das Spiel ist dabei sehr klassisch: Ihr lauft von links nach rechts durch bunte 16-Bit-Welten. Es gibt keine Experimente, nur gute Genre-Kost. Dazu wurde die Vorlage sehr gut eingefangen. Übrigens gibt es seit 2020 eine Fortsetzung der Animaniacs. Die so gut ankam, dass bereits weitere Staffeln bestellt wurden. Mal schauen wann und ob die Serie nach Deutschland kommt.


4c638e4a-69a8-41d5-8s3k1c.jpegDroopy‘s Tennis Open (2002)

Wo man damals die Lizenz den alten Tex Avery Cartoons aus den 1940er und 50er Jahren ausgegraben hat? Wahrscheinlich war sie billig zu haben. Jedenfalls gehörte das Spiel bis zum späten Erscheinen von Mario‘s Power Tennis Ende 2005 tatsächlich zu den besten Arcade-Tennis-Spielen auf dem GBA: Knallbunte Comic-Grafiken, schöne Animationen und ein wirklich gutes Gameplay zeichnete dieses Spiel aus. Leider gab es kaum Umfang: 6 Figuren, 6 Spielfelder und neben Einzelspieler und Multiplayer ein kleiner Turnier-Mode. Zudem kann man entscheiden ob man klassisches Tennis oder Matches mit zahlreichen Power-Ups und Waffen spielen will. Schade, dass es halt so wenig Umfang gibt, denn alles andere ist wirklich gut! Entwickelt wurde das Spiel übrigens vom spanischen Studio Bit Managers. Diese haben in den 90ern sehr erfolgreich die Lizenzspiele zu Asterix und den Schlümpfen für Infogrames umgesetzt.


be962607-3981-4eea-84m0kbq.pngJurassic Park III - Park Builder (2001)

Echte Wirtschaftssimulationen waren auf dem GBA Mangelware. Eines der wenigen Ausnahmen der Regel war der Park Builder mit Jurassic Park Lizenz aus dem Jahr 2001. Es handelte sich am Ende um ein Theme Park Klon, nur mit Dinos. Ihr befehligt ein Forschungsteam, welche DNA-Sequenzen auf der Insel sammeln. Diese werden dann im Labor zu Dinos gezüchtet. Dann gilt es einen Park zu bauen mit Wegen, Schmuck, Geschäften, Mitarbeitern und alles was dazu gehört. Spielerisch konnte das Micro-Management durchaus komplex werden. Technisch war das Spiel sicherlich nicht das hübscheste auf der Plattform, zumal es ja in der Anfangszeit des GBAs erschien. Trotzdem: Für den gelungenen Versuch solch ein Genre auf dem GBA umzusetzen muss man sich auch heute noch verneigen!


7e0e1028-fda1-4813-b6lpj5u.pngSuperman Returns - Fortress of Solitude (2006)

Passend zum damaligen Kinofilm mit Brandon Routh erschienen auch wieder einige Spiele mit den Stählernen. Und nahezu alle waren sie mist. Aber es ist ja auch fies: Wie macht man ein Videospiel mit einer Figur, die per Vorlage nahezu unsterblich ist? Fortress of Solitude ist eine clevere Antwort darauf: Man hat sich garnicht erst um den Inhalt des Films geschert. Stattdessen möchte Kal-El in seiner Festung der Einsamkeit das Archiv mit seinen Erlebnissen auf Vordermann bringen. Dooferweise haben sich auch seine Feinde wie Mr. Mxyzptlk, Brainiac und Metallo ins System gehackt und versuchen ihn daran zu hindern. Also wollen nun Rätsel gelöst werden. Im Endeffekt handelt es sich um Sudoku-Varianten - statt Zahlen setzt man jedoch Kristalle ein. Nahezu 100 Rätsel gibt es, die ab und an von kleinen Flugsequenzen unterbrochen werden in denen man neue Kristalle sammeln muss. Eine durchaus kreative Herangehensweise zur Lizenz und tatsächlich funktioniert das Konzept auch richtig gut und macht Spaß.


0b29d414-dae7-412b-b8y3j4v.pngThe Scorpion King (2002)

Wisst ihr noch? Als Dwayne Johnson mit The Scorpion King seine erste große Hauptrolle im Kino bekam und vom WWE-Superstar zum Hollywood-Superstar mutierte? Auch schon wieder 20 Jahre her... Ich werde alt. Aber auch dieses Spiel legt einen Grundstein: Nämlich den von WayForward. Zwar gibt es die Firma seit 1990 und kurz vorher hatten sie mit den ersten Shantae-Teil einen damals noch Geheimtipp für den Game Boy Color abgeliefert. Es war aber dieses Spiel, welches die Firma auf den Radar der Spielepresse brachte. The Scorpion King ist ein ganz famoser linearer Action-Platformer mit einer sensationellen Pixel-Optik und einem nicht minder fantastischen Gameplay. Dazu gestaltet sich das Setting aus Wüsten, Pyramiden und Ruinen bis heute als recht unverbraucht. Bis heute ist WayForward ein Garant für tolle Platformer. Und mit diesem Spiel hat sich das Studio für größere Aufgaben empfohlen.


7821f14f-e927-435e-9b8rjxi.pngMuppet Pinball Mayhem (2002)

Pinball Spiele gibt es so einige auf dem GBA. Aber hinter diesem Lizenzspiel verbirgt sich der beste Genrevertreter auf der Plattform. Für damalige Zeit tolle Kugelphysik und fünf ganz herausragend designte Tische die je einem anderen Muppet gewidmet sind. Während Kermit‘s Tisch beispielsweise ein klassisches Kino-Thema hat, hat der Tisch mit dem Animal ein Musik-Thema. Ansonsten hält sich das Design streng an die Spieldesigns alter realer Pinball-Tische aus den 80ern und 90ern. Es gibt also keine Minispiele, viel mehr wurde versucht das Feeling realer Tische einzufangen. Was den Entwicklern von Digital Eclipse auch gut gelungen ist. Die Rendergrafik ist sicherlich nicht ganz so gut gealtert, geht aber auf einem GBA Bildschirm noch in Ordnung. Für Genre-Fans definitiv eine Empfehlung!


3276b01d-7e2c-4d15-bfrbkib.pngCars (2006)

Was könnte sich hinter einem Lizenzspiel zum Pixar-Film Cars verbergen? Ein Rennspiel. Naheliegend. Aber: Ich hätte nie für möglich gehalten, dass es sich hierbei um ein Rennspiel handelt, wie man sie vor allem aus der Spielhalle her kannte. Will heißen: Mit einer relativ hohen Geschwindigkeit fahrt ihr eine Rennstrecke entlang und müsst in den haarigen Kurven per Dritfmanöver dafür sorgen, dass ihr nicht aus der Bahn fliegt. Leider besteht das Setting zum großen Teil aus Wüstenlandschaften, was wohl der Vorlage geschuldet ist. Trotzdem handelt es sich spielerisch um einen richtig guten Vertreter der Arcade-Racer. Fragt sich nur für wem das Spiel damals gemacht wurde. Kinder konnten wohl schon damals mit dieser Art Rennspiel wenig anfangen. Und alte Spielhallen-Veteranen vermuten solch einen Racer wohl nicht hinter der Cars-Lizenz.


01877a4d-4cd2-4143-b6fsjiu.pngStar Wars - Episode III

Ehrlich gesagt: Ich habe von Star Wars keine Ahnung. Mochte ich schon als Kind nicht. Aber der gute Paul Kautz mochte dieses Spiel zu seiner aktiven 4Players Zeit wohl sehr gerne und daher habe ich vor Jahren auch mal reingespielt. Ein wirklich nettes Beat em Up mit guten Grafiken ist das hier. Im wesentlichen läuft man von links nach rechts und vermöbelt die Gegner mit dem Lichtschwert. Häufig muss man aber auch die Geschosse der Gegner mit dem Lichtschwert parieren. So entsteht ein durchaus netter Gameplay-Loop. Dadurch, dass es sonst auf dem GBA so wenige Genre-Vertreter gibt, gibt es eine Empfehlung von mir. Doch inwiefern das Spiel die Vorlage trifft... Keine Ahnung. Das Star-Wars-Universum könnte mir halt egaler nicht sein.


6df51cca-ca15-455a-a39zk39.pngNightmare Before Christmas (2005)

Zum großen Highlight des Artikels: Ein Metroidvania mit Lizenz eines Tim Burton Films? Und dann auch noch entwickelt von Tose - den Machern von Legendary Starfy, Super Princess Peach, Dragon Quest Monsters oder World of Final Fantasy? Wieso ist dieses Spiel so unbekannt? Man spielt Jack Skellington, den Pumpkin King von Halloween Town. Kurz vor der großen Halloween Feier wird das Dorf jedoch von Käfern angegriffen. Was steckt dahinter? Fortan erkundet man die Welt und diese wurde ganz fantastisch gestaltet und das Artwork aus den Film von 1993 extrem gut eingefangen. Typisch für das Genre sammelt Jack Upgrades für seine Gesundheit und neue Aktionen um neue Abschnitte freizuschalten. Kommt heute gefühlt jeden Tag ein neues Metroidvania heraus, war das damals durchaus noch anders. Schön ist es hier mal mit einem Genre-Vertreter zu tun zu haben ohne Castlevania oder Metroid im Namen. Aber besonders Fans des Films sollten sich dieses Spiel unbedingt anschauen!



Fazit

Habe ich schonmal erwähnt, dass ich die Spielebibliothek des GBA wirklich liebe? Vielleicht ein- oder zweimal. Aber es ist doch auch so: Selbst viele Lizenzspiele sind auf dieser Plattform einen Blick wert. Deren Charme sich erst heute, wo man dank der Indies wieder mehr an Retro-Grafiken gewöhnt ist, erst so richtig entfaltet. Welche Lizenzspiele des GBA habt ihr noch in guter Erinnerung? Und welches Thema wollt ihr für den dritten Teil der Reihe haben?

Kommentare 3

  • Ein klasse Blog. Hat mir wirklich sehr gefallen.

    Kannst du eventuell einen nächsten Teil mit Geheimtipps machen?


    Mit freundlichen Grüßen

    Talisman

  • Ein Lizenzspiel für den GBA welches ich empfehlen kann ist Monster House:



    Es gehört zu einem Animationsfilm, den wohl keiner mehr kennt. Den muss man auch nicht gesehen haben. Das Spiel funktioniert auch so. Es spielt sich wie ein 2D Zelda und gerade zu einer Zeit vor dem Indie-Boom, war das eine Formel die man abseits von Zelda selbst sehr selten gesehen hat.


    Als Thema für den dritten Teil könnte man die guten Spiele behandeln, die es niemals nach Europa geschafft haben. Also sowohl Spiele, die es nur in Japan aber auch welche, die es in den USA aber nicht in Europa gab. Beispiele dafür sind Dialhex und Mother 3.

    • Das Spiel habe ich sogar in der Sammlung! Aber tatsächlich vergessen gehabt, dass es existiert! 🧐


      Ja, die Zelda-Formel wurde damals tatsächlich nicht so oft verwendet. Umso schöner solche kleinen Spiele damals waren. Da war das noch was besonderes und man hat sich richtig gefreut!