Warum XC2: Torna - The Golden Country in mir Melancholie auslöst?

Hoi Zäme


Vor einigen Monaten habe ich einen Blog über mein zweites Durchspielen von Xenoblade Chronicles 2 verfasst und wie meine Meinung sich gegenüber dem ersten Mal geändert hat. In diesem Blog werde ich über meinen zweiten Durchgang mit der DLC, Torna - The Golden Country, beschreiben.


Ich habe dieses Mal die DLC, welche eine Vorgeschichte des Hauptabenteuers ist, zwischen dem 7. und 8. Kapitel meines zweiten Durchgangs des Hauptspiels gezockt und mich dabei praktisch nur auf die Geschichte fokussiert. Diese Reihenfolge ist sehr lohnenswert, wenn man die Geschichte besser verstehen möchte. Jedem Xenoblade Fan würde ich diese Reihenfolge wärmstens empfehlen. Jedoch stürzte mich diese Reihenfolge in eine tiefe Melancholie. Über diese werde ich in diesem Blog schreiben.


Bevor ich darauf eingehe, muss ich den Lesern etwas über mich als Mensch offenbaren: Ich bin eine Person, die Emotionen ihrer Mitmenschen sehr ausgeprägt wahrnimmt, so dass ich, wenn jemand leidet, das durch meine stark ausgeprägte Empathie erkenne und manchmal auch mitleiden werde. Da ich zusätzlich noch nahe am Wasser gebaut bin, werde ich, wenn es die Situation erlaubt, zu Tränen gerührt. Das zweite Mal als ich Torna - The Golden Country durchgezockt habe, war dies für mich sehr emotional, da ich wusste, wie die Geschichte um die Protagonisten enden wird. Zudem wurde mir klarer bewusst, welche Auswirkung diese Vorgeschichte auf das Handeln von Jin im Hauptspiel hat.


Hinweis: Ab hier werde ich die Leser spoilern. Falls ihr dies nicht möchtet bzw. noch vorhabt, XC2 oder Torna - The Golden Country ohne Vorwissen zu zocken, dann empfehle ich euch, nicht mehr weiterzulesen.


Ich möchte euch die Geschichte von der Meisterin Lora und ihrer Klinge Jin erzählen.


Im Alter von zehn Jahren resoniert Lora aus Versehen Jin als ihre Klinge. Als erste Tat rettet Jin ihr Leben, indem er den Arm von einem Mann namens Gort abschneidet, da dieser Lora das Leben nehmen wollte. Wer sich diese Szene anschauen möchte, kann dies auf diesem Video tun (von 10:27 bis 12:00):



Jin sagt zu Lora, nachdem er ihr das Leben gerettet hat: "Von jetzt an werde ich dich beschützen. Ich bin bei dir. Für immer!" Diese Aussage verursacht bei mir Gänsehaut. Nach meiner Auffassung realisiert Jin, dass Lora sich in einer anfälligen Lebenslage befindet und solche ermutigenden Worte braucht. Aus diesen Worten lässt sich ableiten, dass Jin sehr loyal ist. Für mich verhält sich Jin, wie ein sehr enger Freund, der zu einem sagt: "Ich stehe bedingungslos zu dir und werde immer für dich da sein, wenn du dies möchtest und brauchst." Ich bin davon überzeugt, dass jeder Mensch einen solchen Freund in seinem Leben braucht, um das Leben und deren Herausforderungen besser zu bewältigen.


Diese Szene ist zwar ziemlich kurz, gibt jedoch ziemlich klar wieder, wie Jin seine Rolle gegenüber Lora definiert:


Er ist wie der grosse Bruder, der sich um seine schwächere kleine Schwester kümmert. Zudem ist er davon überzeugt, dass er dies für immer tun wird. Während den 17 Jahren, die Jin und Lora gemeinsam verbringen, hat Lora jeden Tag an diese Aussage denken müssen. In dieser Zeit wird ihr Band zwischen Meister und Klinge gefestigt. Aussenstehende meinen dazu, dass sie eine deutlich engere Bindung haben, als dies für Meister und Klinge normal sei. Während Torna - The Golden Country können wir diese aussergewöhnliche Beziehung der beiden hautnah miterleben. Dazu möchte ich zwei Szenen hervorheben:


1. Als Lora das erste Mal das Grab ihrer Mutter besucht und feststellt, dass ihre Mutter eine von ihr selbstgemachte Kette noch bis zum Tod besass, wird sie von Emotionen übermannt. Jin geht zu ihr und nimmt sie in die Arme. Neben der nahen Beziehung kann man erkennen, dass Jin eine empathische Seite besitzt. Wer sich diese Szene anschauen möchte, kann dies auf folgendem Video tun (zwischen 25:12 bis 27:14).



2. In einem Gespräch mit Azurda macht Jin folgende Aussage: "Ich will nicht ewig leben. Alles was ich mir wünsche, ist ein Leben mit Lora." (Ich habe mir erlaubt, den zweiten Satz stärker an die englische Aussage zu stützen, da nach meiner Auffassung sein Herzenswunsch stärker zum Tragen kommt. Die originale deutsche Übersetzung des zweiten Satzes lautet: "Ein Leben an ihrer Seite ist mir genug."). Jin offenbart sich in dieser Szene, dass er nur ein genügsames Verlangen hat, nämlich sein Leben mit Lora zu verbringen. Diese Szene könnt ihr auf folgendem Video anschauen (zwischen 25:10 bis 26:54).



Als Lora tödlich verletzt wird (dies wird im Kapitel 8 vom Hauptspiel gezeigt), teilt sie Jin ihre grösste Angst mit, nämlich dass er sie als wiedererwachte Klinge vergessen würde. Sie beschreibt es, als würde ein Herz in zwei Teile reissen. Da Jin sich weigert Lora zu vergessen und er ihrem letzten Herzenswunsch entsprechen möchte, tötet er, nach ihrer nonverbalen Zustimmung, die sterbende Lora. Dies führt dazu, dass Jin zu einem Menschenfresser wird, wodurch er nicht zurück in einen Kernkristall kehren wird, jedoch dadurch sicherstellt, dass er sich für sein restliches Leben an sie erinnern wird. Nichtsdestotrotz kann Jin sein erstes Versprechen an Lora, als sie ihn resoniert hat, sie zu beschützen, nicht einhalten. Dies macht diese Szene für mich so tragisch. Wer sich diese sehr emotionale Szene antun möchte, kann folgendes Video anschauen (von 9:40 bis 13:50):



An dem Tag als Lora stirbt, stirbt ein grosser Teil von Jin mit, da er fortan seinen Lebenswillen verliert. Betrachtet man sein späteres Leben, hat man den Eindruck, dass durch ihr Ableben sein Herz sowie das Mitgefühl für andere erkaltet ist.


Mich interessiert, was sind eure Gedanken zu der Beziehung von Lora und Jin?


Anhand dieses Beispiels könnte man zu der Überzeugung gelangen, dass sich Jin nicht an die vorgegebenen Regeln des Architekten gehalten hat und deswegen sein trauriges restliches Leben selber zu verschulden hat. Wäre er wie vorgesehen als Klinge beim Tod seiner Meisterin in einen Kernkristall zurückgekehrt, hätte er sämtliche Ereignisse vergessen. Dadurch wäre ihm und anderen viel Leid erspart worden. Jedoch hätte er viele schöne Erinnerung an seine Lora vergessen.


Deshalb möchte ich eure Meinung dazu wissen, wenn ihr der Architekt wäret, würdet ihr die Mechanik, dass Klingen zurück zu Kernkristallen kehren, ändern? Falls ja, wie würde dies aussehen.


Da ich wusste, dass Lora sterben würde, war mein zweites Durchspielen von Torna - The Golden Country von Melancholie überschattet. Ich war nicht im Stande mich von diesem Gefühl während des Spielens dieser DLCs zu lösen. Ich wurde erst davon befreit als die Todesszene von Lora im Kapitel 8 gezeigt wurde. Sowas kenne ich eher von Büchern oder Filmen, wenn ich sie ein zweites Mal anschaue, aber nicht von einem Videospiel.


In diesem Zusammenhang möchte ich euch Fragen, welche Videospiele haben euch melancholisch gemacht und weshalb?


Ich bin Monolith Soft dankbar, dass sie diese DLC über die Vorgeschichte entwickelt haben. In meinem Herzen hat es einen bleibenden Eindruck hinterlassen.



Vielen Dank fürs Lesen und Sali zäme



Fragen:

1. Was sind eure Gedanken zu der Beziehung von Lora und Jin?

2. Wäret ihr der Architekt, würdet ihr die Mechanik, dass Klingen zurück zu Kernkristalle kehren, ändern? Falls ja, wie würde dies aussehen.

3. Welche Videospiele haben euch melancholisch gemacht und weshalb?

Kommentare 6

  • Ich bin gerade sehr in Versuchung, deinen Blog-Artikel aufzusaugen, weil ich die Art und Weise, wie du über Xenoblade schreibst, einfach toll finde. Allerdings fürchte ich, dass ich massive Spoiler abbekommen würde, wenn ich das täte, richtig?

    Ich werde damit also warten, bin ich mich auch endlich mal in Ruhe an den DLC setzen kann. Aber ich freu mich jetzt schon drauf, danach hier her zurückzukehren! :)

    Yeah! 1
    • Ich habe dir eine PN bzw. drei PNs gesendet. Darin nehme ich auf diese Nachricht Stellung :-)


      Du bist dir bewusst, dass es sich hierbei um die DLC von XC2 handelt und nicht um die DLC von XC1?

  • Ich kenne das Gefühl zu gut, wenn Gefühle von anderen auch bei mir wirken. Bin in gewissen Momenten auch echt nah am Wasser gebaut.


    Leider habe ich nie ein XC-Spiel gespielt, auch wenn ich schon länger ein Auge auf die Serie geworfen habe (seit der Switch besitze ich auch einen Pile of Shame, den ich eigentlich erst mal abarbeiten möchte). Ich habe mir aber deinen Artikel gelesen und auch die Szenen angeschaut. Es sind ganz sicher auch recht emotionale Szenen. Wenn ich da mehr drin wäre, könnte ich auch mehr dazu sagen. Das Zurückkehren in einen Kernkristall klingt für mich wie eine Neugeburt ohne Erinnerung an ein früheres Leben. Es ist schwer zu sagen, ob man weiter leben und sich an alles erinnern soll, damit verbunden aber auch ewig diese Wunde im Herzen haben wird, dass die geliebte Person nie wieder zurückkehren wird oder ob man alles vergisst und somit zwar ohne die guten Erinnerungen aber auch ohne diese riesige Wunde und somit emotional frisch in ein neues Leben startet. Wirklich schwer, ich könnte mich an so einer Stelle nicht entscheiden. Ich denke aber, ich würde wohl neu beginnen, wenn es keine andere Möglichkeit aufgrund des "Gesetzes des Lebens", wie es für Jin gilt, gibt. Wenn ich ein Architekt wäre (vermute dieser ist für das "Gesetz des Lebens" in dem Fall zuständig), würde ich das sicherlich anders gestalten, dass man die Erinnerungen nicht vergisst. Es sollte wie im echten Leben sein. Auch wenn es wirklich schlimme Momente gibt, sollte man immer die Möglichkeit haben, weiter zu machen, auch wenn es Zeit braucht. Keine Ahnung, ob meine Gedanken so Sinn für das XC-Universum ergeben. :)

    Jedenfalls war der Artikel sehr interessant auch für mich, da mir dies einen weiteren Anreiz gibt, bald mal in die Reihe einzusteigen. Ich liebe Spiele mit einer guten und auch emotionalen Story.


    Melancholische Momente in Videospielen, da habe ich auf jedem Fall welche.

    Tales of Symphonia

    Die ganze Geschichte um Mithos.

    Zelda - Twilight Princess

    Am Ende als Midna während des Abschieds den Schattenspiegel zerstört und somit nie wieder mit Link und Zelda vereint sein kann, da dieser Spiegel die einzige Möglichkeit ist zwischen den beiden Welten zu reisen. Es gibt zwar einen guten Grund dafür, aber trotzdem. :(

    Mass Effect 3

    Mordins Opfer, um die Genophage zu heilen. Das treibt mir ein paar Tränchen in die Augen.

    Man kann sich im finalen Akt des Spiels für 3 Enden (die Ablehnung aller 3 Möglichkeiten zähle ich nicht wirklich dazu, da dies die Vernichtung allen Lebens in der Galaxie bedeutet) entscheiden:

    Rot - Zerstörung: Alle Synthetischen Lebensformen werden vernichtet. Dies sind aber nicht nur die Feinde, sondern auch Verbündete. Man überlebt bei sehr gutem Spielverlauf.

    Blau - Kontrolle: Man verliert seine Menschlichkeit und erlangt durch Integration in die KI Kontrolle über die Feinde.

    Grün - Synthese: Man opfert sich als organische Lebensform, um eine Verschmelzung sämtlichen organischen und synthetischen Lebens zu bewirken. Alle sind gleich und der Krieg endet.

    Ich habe nur einmal Zerstörung gewählt, aber es fühlte sich falsch an EDI und die verbündeten Geth (ich will die nie als Feind haben) zu vernichten. Kontrolle war nie mein Fall, fühlt sich im Vergleich total falsch an. Für mich fühlt sich nur Synthese richtig an. Die Szene in der Shepard in das Licht springt, wühlt mich jedes mal emotional so auf und ich weiß nicht mal warum. Aber das kommt einem Happy End für mich noch am nächsten. Denn so endet das Töten und die Gedanken bleiben frei.

    Viele Fans hassen dieses Finale mit den Enden. Ich denke auch, dass es etwas anders möglich gewesen wäre. Aber ich finde es trotzdem in Ordnung. Die ganze Trilogie lebt von Entscheidungen, teils auch mit großer Tragweite. Das Ende ist das Sahnehäubchen.

    Herz 1
    • Ich hoffe, dass du irgendeinmal die Möglichkeit erhältst, die Xenoblade Reihe zu spielen. Für mich ist es einer meiner Lieblingsreihen. Beide Spiele, die auf der Switch erhältlich sind, haben eine sehr gute und emotionale Geschichte.


      Mir geht es ähnlich wie dir, dass ich zuerst versuche die Spiele abzubauen, die noch nicht gezockt habe (auch wenn meine Pile of Shame nur noch einige wenige Spiele noch zählt). Jedoch werde ich in den nächsten Tagen mein nachträgliches Geburtstagsgeschenk von meiner Mutter erhalten (Luigi's Mansion 3) und Skyward Sword werde ich mir Day One kaufen. Somit könnte diese wieder etwas zu wachs bekommen ;-)


      Deine Ausführungen ob Klingen sich an das frühere Leben erinnern sollten oder nicht, machen absolut Sinn. Vielen Dank für deine Meinung dazu. Ich finde es auch besser, wenn man sich erinnern kann, da man durch das Verarbeiten, sich weiterentwickeln kann.


      Ich habe vor etwa einem halben Jahr das erste Mal Tales of Symphonia durchgespielt und ja, die Geschichte von Mithos ist traurig.


      Es ist eine Weile her als ich TP gezockt habe, jedoch kann ich mich noch erinnern, dass ich ein wenig leergeschluckt habe, als Midna den Spiegel zerstört hat.

      Herz 1
  • Der Torna DLC empfinde ich persönlich, als das beste Gesamterlebnis. Gerade die Mischung aus Lockerheit und Schwere, Fröhlichkeit und Melancholie ziehen sich meiner Meinung nach durch sämtliche Elemente des DLCs. Als ob man dem Spieler bereits von Beginn an auf den Abschied vorbereiten möchte. Auch der Soundtrack ist in meinen Ohren so eine perfekte Mischung als Vibes, die Fröhlichkeit und Lockerheit ausstrahlen, aber auch immer wieder eine gewisse Tristesse und eine Belastung erzeugen.


    Wenn man bedenkt, dass Jin dies alles auf sich nimmt, nur das er Lora nicht vergisst, dafür aber von der Verzweiflung zerfressen und wird und schlussendlich alles vergisst, für was Lora gestanden hat...das tut mir heute noch irgendwie weh. Lora war jedenfalls eine tolle Protagonistin und ich habe das Abenteuer mit ihr absolut geliebt.


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    Welche Videospiele mich melancholisch gemacht haben?


    Ich denke das schaffen gar nicht so viele, auch wenn ich wohl wie du ziemlich emotional bin und mich mit deiner empathischen Grundhaltung gut identifizieren kann. Wenn ich zurückblicke dann fallen mir spontan folgende Spiele ein:


    Xenoblade Chronicles X (ich verzichte hier mal auf Spoiler, aber es gab hier so viele Momente, die mich emotional ergriffen haben, einfach von ihrer Bedeutung für die Menschheit in diesem Spiel)

    Xenoblade Torna the Golden Country (danach war ich erstmal leer, ausgesaugt...Auch wenn das Ende natürlich bekannt war, so wollte man es als Spieler nicht wahrhaben. Definitiv einer der besten Erfahrungen meiner langen Videospielkarriere.

    The Walking Dead Season 1 (Wahnsinn wie emotional dieses Spiel war, teilweise auch krasse Entscheidungen die man treffen musste)

    Life is Strange (Sehr krasses Spiel, welches mich aber vom Ende her enttäuscht hat, die letzten Stunden waren mmn zu extrem)

    Herz 1
    • Da gebe ich dir recht, dass Torna einem mit diversen Emotionen konfrontiert. Ich habe das Kampfsystem besser gefunden als bei XC2.


      Dies ist wirklich eine Tragik, dass Jin, die Dinge die Lora wichtig war, nicht weiterlebt. Trotzdem geht jeder anders mit einem Trauma um. Auch ich habe Lora sehr gerne als Protagonistin gehabt. Sie wirkte auf mich sehr authentisch.


      Danke, dass du XCX an dieser Stelle nicht erwähnst. Ich werde das Spiel irgendeinmal in den nächsten Monaten das erste Mal durchzuspielen. Freue mich schon sehr darauf.