Review: RetroMania Wrestling

e8e5739b-7876-44ca-9otjmo.jpegWie bereits angekündigt folgt, mit etwas Verspätung, mein Test zu RetroMania Wrestling. Ein Spiel mit einer durchaus turbulenten Entwicklungsgeschichte, gab es während der Arbeit doch diverse Schwierigkeiten und Rückschläge. Davon zeugten nach außen verschiedene Verschiebungen. Nun ist es aber seit März auch für die Switch erhältlich und die Frage stellt sich: Sind die aufgerufenen 25€ gut investiertes Geld?



Erwartungsmanagement


Wenn man den Entwicklern in den letzten zwei Jahren auf den sozialen Netzwerken gefolgt ist, dann hat man ein wunderbares Beispiel für Erwartungsmanagement gesehen. Während andere Studios, auch Indiestudios, gerne Hypes generieren wollen, haben die Entwickler immer recht ehrlich Einblick in das gegeben, was man bekommen wird. Nämlich in erster Linie eine Liebeserklärung an alten Wrestlingspielen wie WWF Wrestlefest aus dem Jahr 1991. Nicht weniger, aber eben auch nicht mehr. Zwischendurch gab es einige Experimente wie einen Create A Wrestler Mode oder das der Champion-Titel im Roster hin und her wechselt. Diese wurden vorerst wieder fallen gelassen. Das Spiel bietet derzeit 16 Wrestler, Legenden wie aktuelle Indie-Wrestler. In Zukunft sollen DLC Packs mit mehr Wrestlern folgen.


Es gibt einen Story-Mode rund um Johnny Retro (aka John Morrison in der WWE), der auf der Jagd nach den NWA Championship von Nick Aldis ist. Die Geschichte wird in gezeichneten Comic-Bildern erzählt. An bestimmten Stellen kann man entscheiden wie die Geschichte weitergeht und diese entweder als Face oder Heel bestreiten. Ansonsten gibt es noch einen Versus-Mode (hier kann man dann auch den lokalen Multiplayer starten), einen Battle Royal Modus und den 10 Pounds of Gold Modus. Letzteres ist schlicht die Arcade-Mode des Spiels. Also einen Abfolge von Matches ohne Story, bis man den NWA Titel von Nick Aldis errungen hat.


Das ist es im wesentlichen, was das Spiel stand jetzt zu bieten hat. Nach 2-3 Stunden spätestens hat man alles gesehen. Anders als Wrestling Empire gibt es keinen tiefen Karriere-Modus, der Stunden um Stunden zu fesseln weiß. Auch die Match-Varianten sind sehr einfach. Es gibt Single-Matches, Tag Team und diverse Multi-Men-Varianten. Das Käfigmatch ist kein wirkliches Käfig-Match, da der Käfig nicht interaktiv im Match eingesetzt werden kann. Ein wenig mehr Abwechslung wäre hier gut gewesen.


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Die Spielmechanik


Die Mechanik des Spiels ist im wesentlichen um das Grappling System aufgebaut. Gehen zwei Wrestler aufeinander zu, nehmen diese sich automatisch in den Lock Up. Hier gilt es nun den richtigen Zeitpunkt abzuwarten, bis man den Gegner in den Headlock nehmen kann. Drückt man zu früh oder zu spät, wird man automatisch von Gegner ausgekontert. Der richtige Zeitpunkt wird visuell durch ein sehr kurzes, grünes Aufflackern der Spielfigur (abschaltbar in den Optionen) und durch ein Geräusch signalisiert. Hat man den Gegner im Headlock kann man nun leichte, mittelschwere und verheerende Aktionen ausführen. Y + Richtungstasten für vier leichte Aktionen, B + Richtungstasten für vier mittelschwere Aktionen und A + Richtungstasten für vier verheerende Aktionen. Unter dem Energiebalken gibt es einen Hype-Meter. Anfangs könnt ihr nur leichte Aktionen ausführen. Im mittleren Bereich kommen mittelschwere Aktionen hinzu und schlussendlich die verheerenden Aktionen. Bringt man diesen Meter zum blinken, kann der jeweilige Finishing Move ausgeführt werden. Ansonsten gibt es noch diverse Aktionen für am Boden liegende Gegner oder wenn man einen Gegner in die Ringecke befördert. Insgesamt beläuft sich das Arsenal auf rund 30 Moves pro Wrestler. Was durchaus ordentlich ist, da sich die Wrestler nicht nur im Finisher unterscheiden. So wird beispielsweise bei John Morrison sein Parcours-Stil recht gut eingefangen. Während ein Jeff Cobb (alten Lucha Underground Fans auch als Matanza bekannt!) vor allem auf Power-Moves setzt. Andere Spiele wie ein WWE Battlegrounds bieten da lange nicht so viele Variationen.


Insgesamt muss man sich aber ein paar Matches einspielen und besonders am Anfang ist der Schwierigkeitsgrad nicht ohne. Was eben daran liegt, dass man eine Weile braucht, bis man das Timing hinbekommt. Zum Glück gibt es in den Optionen fünf unterschiedliche Schwierigkeitsstufen. Es ist keine Schande mit der leichtesten Stufe anzufangen um ein Gefühl für das Gameplay zu bekommen! Denn wer nur auf Button Smashing setzt, wird immer wieder verlieren.


Kritik gibt es jedoch im Bereich der Kollisionsabfrage bei einfachen Schlägen und Tritten. Sowie bei Aktionen aus dem Running heraus. Viel zu häufig gehen mir beispielsweise die Dropkicks daneben. Aber okay, das war auch schon bei den alten WWF-Arcade-Spielen so. Wahrscheinlich ist das so eine unbeschriebene Genre-Konvention.


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Die Präsentation und Zukunftsaussischten


Kommen wir zur allgemeinen Präsentation. Und da muss man sagen, dass das Spiel eine grafische Wucht ist! Insbesondere die verschiedenen Arenen sind voller Liebe bis ins kleinste Detail gestaltet. Aber auch so mag ich die Sprites der Wrestler und die Animationen recht gerne. Hier wurde sich richtig viel Mühe gegeben nicht nur das Flair der alten Spiele einzufangen. Es gibt teilweise auch viele schöne Referenzen (oder deutlicher: Product Placements) auf Podcasts, Versandshops, usw. Was GUT ist, denn so bekommt RetroMania Wrestling mehr Authentizität.


Nicht so schön ist dagegen die musikalische Untermalung. So fehlen doch den Originalen nachempfundenen Entrance Themes. Sowas ist natürlich auch immer eine Sache der Rechte. Dennoch: Ohne das Metal Cover des "Last of the Mohican" Main Themes fehlt beim Entrance von Nick Aldis einfach was.


Gespannt darf man sein, ob und wie sich das Spiel noch entwickeln wird. So sind laut den Entwicklern diverse DLC Packs geplant. Im ersten DLC sind etwa ECW-Legende Curtis Hughes und Chris Bey sowie James Storm von Impact Wrestling dabei. Ich würde mir wünschen, wenn man allgemein mit Ligen wie Impact Wrestling oder Major League Wrestling zusammenarbeiten würde um regelmäßig neue Wrestler, Arenen und vielleicht auch mehr Storymodes zu integrieren. All Elite Wrestling dagegen schließe ich aus, auch weil die selbst an einem Spiel arbeiten. Und es wäre toll noch einige Leute aus dem NWA-Roster dabei zu haben wie Aron Stevens, Trevor Murdoch und Tim Storm. Hoffen wir also einfach mal, dass das Spiel erfolgreich genug wird, damit noch mehr Inhalte folgen können.



Grüne-Wiese-Wertung*: 74%


RetroMania Wrestling richtet sich im wesentlichen an zwei Zielgruppen: Fans alter Wrestlingspiele der frühen 90er und Wrestlingfans die sich über die WWE hinaus insbesondere mit der mittlerweile bunten und großen Indie-Szene des Wrestlings beschäftigen. Diese recht spitze Zielgruppe kommt mit dem Titel durchaus auf die Kosten, insbesondere wenn in Zukunft weitere Inhalte folgen sollten. Für alle anderen gilt: Gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen. Jemand, der mit Wrestling so gar nichts anfangen kann, wird es auch mit diesem Spiel nicht. Und für WWE only Fans sind wohl zu viele unbekannte Namen dabei. Das Spiel selbst macht mit seinen Gameplay sehr viel richtig, derzeit leidet der Titel aber noch unter recht wenig Umfang. Die Basis ist aber da, damit in zukünftigen Updates aus einem guten Wrestlingspiel ein sehr gutes Spiel werden kann.


* Mit der "Grünen-Wiese-Wertung" wird mein Wertungskonzept verfolgt, welches die Wertungsinflation der letzten 20 Jahre konsequent ausblendet, Spiele nicht mit anderen Spielen vergleicht werden und wo das gesamte Wertungsspektrum von 1 bis 100% ausgenutzt wird. Dementsprechend muss beispielsweise ein Spiel im 60er Bereich noch lange keine Gurke sein.

Kommentare 3

  • Auch von mir vielen Dank für den Test!


    Ich habe mir schon vor vielen Monaten gedacht, dass das Spiel sicherlich kein Megahit wird. Damals sahen die Animationen in diversen Mini-Vorschau-Videos aus, als würden sie zu schnell abgespult werden. Das fand ich optisch nicht so schön. Weiß natürlich jetzt nicht, wie das in der fertigen Version aussieht.


    Zum Thema Sound habe ich eine Frage: Colt Cabana und Ian Riccaboni kommentieren ja, was ich an sich super finde. Aber sind das die typischen One-Liner, die manchmal gar nicht zum Geschehen passen?


    Und noch eine Frage: Gibt es deutsche Texte im Spiel? Nur um zu wissen, wieviel Aufwand sie da bisher investiert haben.


    Also ich hoffe, die arbeiten da wirklich weiter dran und in einem Jahr bringen sie eine physische Komplettversion auf den Markt, die sämtliche Kritikpunkte behoben hat. Dann wäre das hier ein wirklich tolles Stück Software für Wrestlingfans.

    • Das sind nicht mal One Liner, sondern eher kurze Samples. Vergleichbar vielleicht mit den alten International Superstar Soccer Spielen. Also kein echter "Kommentar", nur Sprachfetzen die die Arcade-Atmosphäre unterstützen.


      Deutsche Texte gibt es keine. Aber das Fehlen jener hat nichts damit zu tun wie viel allgemeinen "Aufwand" sie investiert haben. Es ist immer eine Frage der Zielgruppe und vor allem Kosten/Nutzen-Verhältnis. Deutsche Übersetzung ist nicht billig. Gleichzeitig sollte die Zielgruppe (Wrestlingfans) fit genug sein um ein Grundwissen an Englisch mitzubringen. Besonders wenn man Shows wie NWA Power schaut, wo es ja auch keine deutsche Kommentatoren gibt. Ich beispielsweise habe ja damals vor allem durch Promos und Rededuelle in Wrestlingshows ganz automatisch ein Grundstock an Englisch gelernt.


      Daher: Ich glaube nicht, dass es je deutsche Texte geben wird.

  • Und auch hier:

    Vielen Dank für Dein Review!

    Hatte mich sehr darauf gefreut.

    Man merkt dem Test an, dass der Autor ein Wrestlingfan ist!

    Aufgrund des geringen Umfangs werde ich aber trotzdem erst mal noch ein wenig warten, obwohl ich die bwo und Wrestlefest damals sehr gefeiert habe.

    Vielen Dank und ich freue mich schon auf deinen nächsten Test!