The Longing oder: "Was zur Hölle spielst du da?"

In diesem Artikel möchte ich einmal ein wenig meine Gedanken zu meinem letzten Spieletest von The Longing niederschreiben, denn die Herangehensweise an dieses Spiel waren etwas anders als gewohnt.


Als ich damals zum ersten Mal von The Longing gehört bzw. gelesen habe (es müsste in einer Gamestar gewesen sein), entlockte mir das Spiel nicht mehr als ein Schulterzucken. Ein Spiel, dass über ein Jahr dauern soll und in einem Höhlensystem spielen soll? Wer soll das denn spielen? Also ich sicher nicht – so jedenfalls meine damalige Meinung und von da an hat mich der Titel auch kein bisschen mehr interessiert und ich habe den damaligen Release komplett verpasst. Und dann, ja dann kam Corona. Während der Phase der Heimarbeit hatte eine Freundin von mir und meiner Frau uns einen Steam-Key für ein Spiel geschenkt, den sie noch über hatte. Ich selbst hatte zu der Zeit eh genug zu testen und zu spielen, ergo nahm sich meine Frau des herrenlosen Keys an und installierte die neue Software. Soweit, so gut.


Als sie dann am nächsten Tag an ihrem PC gesessen ist und eine Runde gezockt hat, hielt ich inne und schaute ihr über die Schulter. „Was ist das denn? Hat Walter Moers ein PC-Spiel entwickelt?“ war meine erste Reaktion und als mir dann der Titel genannt wurde, machte es „Klick“ – Ah, da war ja was. Das plötzliche Interesse war dann doch da und vor allem die Frage, ob so ein Spiel tatsächlich Spaß machen und unterhalten kann, oder ob meine Frau das Spiel bereits nach kurzer Zeit weglegen würde.


Anhand meines Tests werdet ihr es bereits erahnt haben: Sie hat es durchgezogen, auch wenn es nicht immer eine reine Freude war. Und doch: Missen wollte sie die Erfahrung auf keinen Fall. Ein Aspekt, auf den ich im Test eher beiläufig eingegangen bin, ist dabei die Tatsache, wie man The Longing spielt. Denn der PC lief bei uns seitdem immer nebenbei und meine Frau hatte stets einen flüchtigen Blick auf den schlurfenden Schatten, dessen langsames Tempo nicht nur mich beim Zusehen fast um den Verstand gebracht hat. Doch egal was er gerade tat, wandern, erkunden, mit einer Spitzhacke das Erdreich auflockern; das Spiel lief die meiste Zeit aktiv nebenbei mit und das ist der springende Punkt: The Longing ist einfach kein Spiel, dass man aktiv als Hauptspiel angeht, sondern dass einen nebenbei begleitet. Da ist die Nintendo Switch mit ihrer Mobilität gar nicht so ungeeignet für. Und ob es Spaß gemacht hat? Meiner Frau hat es definitiv Spaß gemacht und auch mir als passiver Zuschauer haben die neuen Orte, deren liebevolle Gestaltung sowie den damit häufig verbundenen neuen Möglichkeiten stets neues Interesse und Motivation entlocken können. Aber, und das war auch das Fazit meiner Frau, The Longing ist ein Spiel, dass man im Normalfall nur einmal durchgeht, verschiedene Enden hin oder her. Denn die Tatsache, dass man nur einen Spielstand hat, macht einen Neuanfang doch recht mühselig.


Dann blieb letztendlich nur noch die Frage, wie man ein solches Spiel bewertet und da kam ich als Testschreiber dann ins Grübeln. Kann man einen solchen Titel, der mehr eine Erfahrung als ein tatsächliches „Spiel“ darstellt, fair bewerten? Ein Blick auf Metacritic half da auch nicht viel, denn dort gingen die Wertungen von einer 40 bis zur 100 – je nach Betrachtungsweise. Und so habe ich letztendlich den weisen Worten meiner besseren Hälfte gelauscht die da sagte: „Das Spiel ist frustrierend, aber gleichzeitig auch unglaublich motivierend, alleine wegen des Schlurflords [der Kosename des Schattens] und seiner Darstellung und all den kleinen Details die man entdeckt. Außerdem ist das Ganze eine Erfahrung in Sachen Zeit und wie wir damit umgehen. Man sollte es eigentlich gespielt haben, auch wenn man es dann vielleicht hasst.“ Das war jetzt nicht 1:1 wiedergegeben aber so ähnlich war es dann doch. Und so habe ich meine eigenen Beobachtungen mit einfließen lassen und kam zu dem Urteil, dass das Spiel sehr wohl Spaß macht, aber von einem wirklichen Hit viel zu weit entfernt ist. Über die 7 als Wertung wird man sehr gut streiten können aber hey, ich steh dazu.


Ich hoffe, dieser kleine Einblick in die Entstehung des Tests zu The Longing hat euch gefallen und war aufschlussreich. Bis zum nächsten mal dann ;)

Kommentare 3

  • Vielen Dank nochmal für die zusätzlichen Gedanken! Definitiv eine besondere Art von Spiel, wo es durchaus nochmal Sinn ergeben hat noch ein paar Worte nachzulegen.


    Ich find das Konzept durchaus faszinierend und hätte ich nicht genug zum Zocken, bestimmt angeschaut.

  • Vielen Dank für deine Gedanken zum Spiel.


    Ich habe von diesem Spiel bereits beim PC Release gehört und es erinnert mich an die kostenlosen Handyspiele, bei denen man warten muss, wenn man nicht zahlen will, um voranzuschreiten. Deshalb kommt für mich das Spiel nicht in Frage, auch wenn ich das Spielprinzip klug finde, da es bestimmt einige nur aus diesem Grund gekauft haben bzw. werden.

    • Der Vergleich ist in meinen Augen nicht ganz so passend. Denn klar musst du immer wieder warten aber theoretisch hat man immer bis zu einem gewissen Grad genug zu tun als dass man nur auf eine ganz spezielle Sache warten muss - das ist eher selten der Fall. Ich glaube eine Zielgruppe an sich gibt es bei diesem Spiel nicht und ich bin mir sicher, dass der Entwickler nicht mit so einem kleinen Erfolg gerechnet hat, denn das Spiel verkauft sich insgesamt ziemnlich gut wie es scheint.

      Yeah! 1