Rückblick auf den Pokémon mini

ebda5e56-6d44-4fc0-9wjj78.jpegAuf dem Höhepunkt der Tamagotchi-Popularität in Japan dachte man sich 2001 bei Nintendo: Könnte man diese einfache Technik nicht auch für richtige Spiele nutzen? Sogar für einen echten Handheld mit wechselbaren Spielmodulen? Und dann könnte man das, auf dem damaligen Höhepunkt der Pokémania doch rund um die kleine Monster gestalten. Die Überlegungen, die hinter dem Pokémon mini, der bis heute kleinsten Konsole mit wechselbaren Modulen, gesteckt haben müssen, waren aus damaliger Sicht sicherlich logisch.


Trotzdem war das Gerät ein Flop. Dafür spricht bereits, dass es lediglich 10 Spiele gab und nie offizielle Verkaufszahlen kommuniziert wurden. Was man aber sagen kann: In Japan lief das Gerät höchstwahrscheinlich besser als im Rest der Welt. Für diese Annahme spricht, dass nach den Launch Titeln noch ein paar wenige exklusive Spiele für den japanischen Markt veröffentlicht wurden.



Die Eckdaten


Das Gerät hatte eine Abmessung von lediglich 7,4cm x 5,8cm x 2,3cm. Und mit Modul und Batterie ein Gewicht von nur 70 Gramm. Das gibt bereits einen Hinweis auf den Anwendungsbereich. Es war kein Gerät zum stundenlangen spielen, vielmehr war es für die kleine 5 minütige Pause zwischendurch gedacht. Also um kleine Wartezeiten zu überbrücken beispielsweise. Ein traditioneller Handheld jener Zeit mit komplexeren Spielen konnte dies nicht leisten. Jedenfalls: Auf dem Bildschirm wird sehr komtrastreiche Grafik mit monochromen Farben angezeigt, ähnlich wie beim Ur-Gameboy. Jedoch mit einer winzigen Auflösung von nur 96x64 Pixel. Zum Vergleich: Der Ur-Gameboy hatte bereits eine Auflösung von 160x144 Pixel. Viel mehr ist die Technik an damaligen Handys angelehnt. Das legendäre Nokia 3510 aus dem Jahr 2002 hatte ebenfalls nur eine Auflösung von 96x65 Pixel. Zudem gab es noch einen Schrittzähler von dem auch einige Spiele gebraucht machen, eine Echtzeituhr und sogar Infrarot für Datenübertragung und Multiplayer-Spiele. Eine AAA-Batterie bot Energie für 60 Stunden.


Technisch war das Gerät für damalige Verhältnisse durchaus auf der Höhe der Handy-Technik. Und durch den kleinen Formfaktor passte es wirklich in jede Hosentasche. Veröffentlicht wurde das Pokémon mini im November 2001 in Japan und Anfang 2002 in Europa. Wobei auch in Japan der Support nur ein Jahr ging.



Die Spiele


Am wichtigsten sind natürlich die Spiele. Insgesamt gab es 10 Titel für das Pokémon mini. Fünf davon erschienen in Europa und den USA zum Launch, die weiteren fünf blieben exklusiv in Japan und wurden während des Jahres 2002 veröffentlicht. Im folgenden möchte ich Euch einen kleinen Überblick über alle erschienen Spiele geben. Zudem sei noch gesagt, dass der Pokémon mini keine Regiosperre kennt. Ihr könnt also japanische Module auf einem europäischen Gerät spielen.



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Pokémon Party Mini

Dieser Titel ist der Schwächste von allen veröffentlichten Spielen. Es ist eine Sammlung von 7 extrem simplen Mini-Spielen. Einmal geht es darum bei einem Wettrennen am schnellsten zu starten oder es muss mit einem Fußball ein simpler Parcours durchquert werden. Es gibt ein simples Tanzspiel wo man den Anweisungen folgen muss und so weiter. Alles sehr unspektakulär und nicht länger als 5 Minuten unterhaltsam. Wertung: 42%



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Pokémon Puzzle Collection

Sehr viel unterhaltsamer ist da schon die Puzzle Collection! Hier gibt es 4 kleine Puzzle-Spiele mit je 30 Levels. In Motion Puzzle müssen verschiedene animierte Bilder von Pokémon Monstern zusammengesetzt werden. Shadow Puzzle ist ein klassisches Tangram-Spiel: Ihr habt eine Schattenfigur die mit verschiedenen Puzzle-Teilen passgenau gefüllt werden muss. In Rescue Mission geht es darum Blöcke so zu verschieben, dass die Monstern in das Loch können. Und Power On ist ein nettes kleines Labyrinth-Spiel. Programmiert wurde das alles übrigens von Jupiter, den Entwicklern der zahlreichen Picross-Spiele auf den Nintendo-Konsolen. Wertung: 69%



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Pokémon Zany Cards

Eine kleine Sammlung verschiedener Kartenspiele. In "Wild Match" müssen im Spiel gegen Gegner Zahlenpaare erspielt werden. Special Seven ist eine recht genaue Variante des Klassikers UNO und Four Kings ist das klassische Solitär. Alles nett gemacht, besonders die Karten sehen trotz der extrem kleinen Auflösung richtig gut aus! Wertung: 61%



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Pokémon Pinball Mini

Also ein richtiges Pinball-Spiel ist das hier freilich nicht. Aber ein sehr nettes Geschicklichkeitsspiel. Ein Pokémon ist am unteren Ende des Spielfelds platziert und schießt Pokébälle auf jenes Feld. Die Aufgabe besteht entweder darin innerhalb eines engen Zeitlimits alle Löcher zu treffen oder so viele Punkte wie möglich zu machen. Ein durchaus kreatives Spiel und wo ich es schade finde, dass so ein Konzept nie für den großen Game Boy umgesetzt wurde. Wertung: 77%



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Pokémon Tetris

Sind die bisherigen Module noch zu recht humanen Preisen im Gebrauchtmarkt zu haben, erschien dieses Modul neben Japan nur in kleiner Auflage in Europa. Umso unverschämter sind auch die aufgerufenen Preise. Jedenfalls: Das alte Sprichwort behält Recht - Es gibt KEIN Spielgerät ohne Tetris. Hier in einer sehr einfachen Variante. Erwähnenswert ist nur, dass es neben den bekannten Tetriminos auch noch schwerere Bausteine gibt. Und das man eines von 249 Pokémon fangen kann, wenn man 4 Reihen verschwinden lässt. Ansonsten ist es das unverwüstliche alte Tetris. Wertung: 70%



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Pokémon Puzzle Collection 2

Kommen wir nun zu den Modulen, die exklusiv in Japan erschienen. In der zweiten Puzzle Collection sind mit Motion Puzzle und Shadow Puzzle zwei Spiele aus dem Vorgänger enthalten - nur mit anderen Bildern. Die beiden neuen Spiele sind Pick Up Puzzle und Stetch Puzzle. In Pick Up Puzzle sind verschiedene Pokébälle auf dem Bildschirm verteilt und Pikachu muss diese einsammeln. Der Kniff: Pikachu darf den Weg nicht zurückgehen. Also muss eine Route erknobelt werden um alle Bälle einzusammeln. Zum Glück kann man jederzeit einen Zug rückgängig machen. In Stetch Puzzle hat man ein Feld aus Gittern und Blöcken mit einer Zahl. Das Ziel ist einfach: Aus jedem Block kann man einen Stab ziehen. Eine 1 bedeutet, dass der Stab ein Feld lang ist. Eine 2 bedeutet, dass man ein Stab zwei Felder ausziehen kann oder zwei Stäbe zu je einem Feld. Eine 3 bedeutet, dass man einen Stab zu drei Feldern ausziehen kann oder zwei Stäbe zu je einem und zwei Feldern oder drei Stäbe zu je einem Feld. Und so weiter. Das Ziel ist es, das ganze Feld zu füllen ohne das sich die Stäbe in die Quere kommen. Insgesamt sind die beiden neuen Puzzlespiele in der Collection deutlich pfiffiger als im Vorgänger. Daher gibt es auch eine höhere Wertung: 79%



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Pokémon Race Mini

Hierbei handelt es sich um eine richtig gute Mischung aus Jump & Run und Rennspiel. Ihr lauft mit Pikachu gegen verschiedene Pokémons auf 16 unterschiedlichen Strecken. Dabei wird das Geschehen aus der Seitenperspektive angezeigt. Jede Strecke hat dabei verschiedene Routen. Meistens ist es so, dass die oberen Routen mehr Geschick erfordern - aber man kommt schneller voran. Manchmal gibt es aber auch Stellen wo man lieber die untere Route nehmen sollte. Das herauszufinden macht das Spiel so gut. Ansonsten ist es einfach grandios, was grafisch auf dieses Gerät gezaubert wurde. Angefangen bei den Animationen bis hin zu den Streckengrafiken. Wertung: 84%



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Pichu Bros. Mini

Hierbei handelt es sich wieder um eine Minispielsammlung, ähnlich zu Pokémon Party Mini. Auch hier gibt es wieder 7 kleine Spielchen. Vom Skateboard fahren über Heißluftballon fliegen bis hin zum rhythmischen futtern von Obst. Alles nett aufgemacht und auch ein klein wenig spaßiger als die andere Sammlung. Aber ach! Ich konnte mit solchen simpelsten Minispielen nie wirklich etwas anfangen, da sie sich schlicht immer wiederholen. Zumal es auch hier wieder zu wenige sind um länger als ein paar Minuten zu unterhalten. Wertung: 51%



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Togepi's Great Adventure

Kommen wir zum Highlight in der Spielebibliothek. Das Ei-Pokémon Topeki muss drei große Türme besteigen um die jeweiligen Endgegner zu bekämpfen. Diese Türme sind in verschiedene Levels unterteilt. Der erste Turm hat 20 Levels, der zweite Turm 80 Levels und der dritte Turm 99 Levels. Insgesamt gibt es also 199 Levels zu entdecken. Das Ziel ist immer gleich: Zur Treppe gelangen, die Euch in das nächste Level bringt. Dabei besitzt jedes Level ein Zeitlimit, meist zwischen 30 und 60 Sekunden. Und was für Ideen in diesen Levels stecken ist der Knaller! Mal muss man einen Hindernisparcours entlangrollen, mal gilt es kleine Rätsel zu lösen, mal muss man den Weg durch ein kleines Labyrinth finden und manchmal muss man Feinde besiegen um weiterzukommen. Dazu müssen die Feinde vom Spielfeld gedrängt werden. Dabei aber aufpassen, dass man nicht selber in die Schlichten fällt. Was mich begeistert ist die schiere Abwechslung! Immer wieder ist man gespannt, was sich die Designer von Jupiter als nächstes einfallen haben lassen.

Solltet ihr irgendwann mal in Japan in einen der zahlreichen Retro-Spieleläden dort sein, dann haltet unbedingt danach Ausschau. Hierbei handelt es sich um ein Meisterwerk und ein schönes Beispiel dessen, was mit dem Gerät noch so möglich gewesen wäre. Wertung: 94%



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Pokémon Breeder Mini

Eingangs habe ich ja den Vergleich zu den Tamagotchis hergestellt. Diesen Vergleich sah offensichtlich auch Nintendo, also wurde dieses kleine Spiel veröffentlicht in dem es darum geht kleine Pokémons aufzuziehen. Es gilt diese täglich zu füttern und immer mal wieder mit ihnen zu spielen, sodass sie sich nicht langweilen. Leider konnte ich das Spiel wegen der Sprachbarriere selbst nicht spielen, daher gibt es auch keine Wertung. Die Screenshots sehen jedoch zu knuffig aus. Es war auch das letzte Spiel welches Ende 2002 für den Pokémon mini veröffentlicht wurde. Anschließend wurde der Support für den Handheld eingestellt.



Fazit:

Insgesamt bleibt das Pokémon mini ein sehr charmanter und kleiner Handheld mit überwiegend erstaunlich guten Spielen. Schade, dass wir wohl nie eine Wiederveröffentlichung oder gar Remakes dieser Spiele sehen werden. Auch wenn es einige wie Togepi's Great Adventure oder die Puzzle Collections mehr als verdient hätten.


Wie hat Euch dieser Rückblick gefallen? Hattet ihr damals ein Pokémon mini und wenn ja, was sind Eure Erinnerungen an diesem exotischen Handheld?

Kommentare 2

  • Ich kannte den mini damals, weil ein Freund von mir ihn hatte. Hätte er ihn nicht besessen, so hätte ich nie davon erfahren. Von daher wurde das Gerät nicht so groß vermarktet.


    Es kostete 40€ und die weiteren Spiele 20€. Gerade 20€ war schon etwas happig, weil Spiele für den GBA 30 - 40€ gekostet haben. Das war für mich auch das Hauptargument gegen diesen Handheld. Er war halt schon ganz nett, die Spiele auf Handyniveau waren jedoch einfach nicht dieses Geld wert. Von daher habe ich bei dem Freund immer mal wieder damit gespielt, hätte es aber nie selbst gekauft.


    Heutzutage gibt es übrigens eine Homebrew-Szene, welche eigene Spiele dafür entwickelt. Daher gibt es mehr Homebrew-Spiele als originale Spiele für das Gerät. Dank Flashcard kann man sie sogar auf dem Pokémon Mini selbst abspielen.

  • Ich habe mein Mini immer noch, auch wenn es leider schon lange gar nicht mehr funktioniert. Warum auch immer. Aber ich fand den Mini damals echt top und das war eines der wenigen Handhelds, die ich tatsächlich mit raus genommen habe, sogar öfter als den Game Boy. Hat einfach besser in meine kleinen Hände gepasst. Ich habe vor allem dadurch Tangram kennen und lieben gelernt. Aber auch die Party Spiele waren ganz nett. Glaube eines davon hieß Ricochet oder so da sind Bälle in teils verwirrenden und unlogischen Flugbahnen geflogen und dann auf dem Boden aufgeprallt und man musste dann sagen ob die auf oder neben der Linie gelandet sind. Erinnere mich nur noch schwach daran. Mir gefiel der Startsound. Auch heute liebe ich solch nostalgisches Gepiepse. :)

    Auf Pokémon Channel gabs ja auch ingame einen Pokemón Mini zum spielen und verschiedene Module die man freischalten konnte. Ich hätte Channel nie verkaufen sollen.

    Herz 1