[Achtung: SPOILER] Doki Doki Literature Club Plus oder: Der Eierschalenlauf

Für diesen Blog muss ich eine ganz große Spoilerwarnung ausrufen, denn es geht um meinen Test zu Doki Doki Literature Club Plus und dessen Entstehung und die Probleme mit der Bewertung sowie meiner komplett ungefilterten Meinung zu dem Spiel. Dabei werde ich nicht einmal versuchen, Spoiler zu vermeiden. Entsprechend sollte jeder, der das Spiel noch nicht gespielt hat und noch jungfräulich an dieses Erlebnis herangehen möchte, jetzt unbedingt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und schreiend davon rennen.


Alles geklärt? Gut!



Ich muss nämlich gestehen, den Test zu Doki Doki zu schreiben war wie ein Lauf auf Eierschalen. Erzählt man zu viel abseits der vermeintlichen Dating-Prämisse, läuft man schnell Gefahr, sich zu verplappern. Das fing schon mit dem Spielstart an: Sollte ich die Triggerwarnung genauer erwähnen? Dann hätte ich aber erläutern müssen, dass darin vor Selbstmord, Depression und Borderline-ähnlichen Verhalten gewarnt wird – etwas, was den grundsätzlich unschuldigen Ton des Spiels zu Beginn ja deutlich widerspricht. Und mit der Tatsache, dass ab dem zweiten Akt das Spiel allmählich anfängt auseinanderzubrechen, weil Monika darin herumpfuscht und den anderen Mädels Worte in den Mund legt und ihr Verhalten ändert, wollen wir gar nicht erst anfangen – denn das wäre ja der Spoiler schlechthin gewesen.


Die Mädchen gewinnen noch mehr an Tiefe und wir lernen ihre psychischen Abgründe besser verstehen.

© Serenity Forge

Doch alles über den naiv-unschuldigen ersten Akt hinaus ist eigentlich das, was Doki Doki LIterature Club zu einem kleinen Meisterwerk macht. Die Tatsache, dass man erst gar nicht wirklich kapiert, was eigentlich vor sich geht, nur um dann im letzten Akt mit einer Monika konfrontiert zu werden, welche die vierte Wand komplett durchbricht, ist ein eine durchgehende Abfolge von „Oh Gott, was passiert hier nur?!“-Momenten. Ich muss auch gestehen, dass ich leicht besorgt war, dass die Entwickler den Kniff mit der Datei-Manipulation nicht vernünftig in der Konsolenversion umsetzen. Doch mit dem virtuellen Desktop hat man eine Lösung gefunden, die zwar nicht perfekt ist, aber dem PC-Original sehr nahekommt.


Umso ernüchterter war ich als es dann an die Nebenhandlungen ging. Versteht mich nicht falsch, die sind alle ziemlich gut geschrieben und verleihen den vier Mädels eine unglaubliche Tiefe. Allen voran Yuri und Sayori gewinnen durch diese zusätzlichen Geschichten an weiteren Facetten und der Moment, an dem Sayori weinend an Monikas Schulter lehnt und ihr völlig offenlegt, was die Depression mit ihr anstellt und was sie sich von Monika erwartet, haben mir teils eine Gänsehaut verpasst. Ich hatte mir aber insgeheim noch einen neuen Schocker erwartet, der mich vielleicht noch einmal so erschüttert wie damals. Nun, dem war nicht so, nichtsdestotrotz war ich von den sechs Nebenhandlungen doch ziemlich berührt.


Wenn es dann letztendlich um die Wertung geht, kam das nächste Problem. Was gibt man einem Spiel wie Doki Doki Literature Club? Diese Diskussion hatten wir auch intern in der Redaktion und da kam die Aussage, dass das Spiel und die Idee dahinter an sich ein Meisterwerk und damit eine 10 wäre. Doch von einer rein spielerischen Sicht passt das meiner Meinung nach nur bedingt – denn auch wenn man Doki Doki mehrmals spielen kann (und sollte), nutzt sich der Effekt, den das Spiel hervorruft, bereits nach dem ersten Mal ab. Jeder weitere Durchgang wird eher analytischer und man versucht die kleinen Details zu erkennen. Das, und die Tatsache, dass die Konsolenversion den Kniff mit der Löschung Monikas nur bedingt gut umsetzen kann, haben mich dann letztendlich dazu gebracht, dem Spiel dann doch „nur“ eine 8 zu geben – wenn auch eine sehr gute.


Das solls dann an dieser Stelle auch wieder gewesen sein. Ich hoffe euch hat auch dieser Einblick in meine Arbeitsdenke gefallen und abschließend bleibt mir dann nur noch zu sagen: #justmonika