Retro-Ecke #5: Erinnerungen an Weihnachten 1992

Wir befinden uns im Dezember 1992. Ich bin 8 Jahre jung und aus meiner immer noch nagelneuen Stereoanlage, die ich zum Geburtstag desselben Jahres geschenkt bekommen habe, dröhnen Songs wie Keep The Faith, Drive oder natürlich Queen of Rain! Was man eben als achtjähriges MTV-Kind damals so gehört hatte. Zum Glück für mein Elternhaus sollte in den folgenden Jahren die übernervige und sehr deutsche Welle an Eurodance, schlechter Rap-Musik und Techno an mir unbemerkt vorbeigehen. Eine Welle, die in diesem Jahr seinen schrecklichen Anfang nahm. Ne, ich war keines dieser Kinder. Bei mir musste es schon damals Musik mit echten Instrumenten sein! Sehr zum Leidwesen meines Elternhaus, denn: Je älter ich wurde, desto härter, lauter und wahlweise dunkler wurde die Musik, die ich hörte! Aber das ist eine andere Geschichte für einen anderen Text.


Kommen wir wieder zum Dezember 1992. Was war noch erwähnenswert? Natürlich! Die ganze Wohnung, eine Mietwohnung in einem Altbau auf der Chemnitzer Ludwigstraße (unweit vom Küchwald gelegen), war natürlich weihnachtlich geschmückt. Schwippbogen im Fenster, rot leuchtender Adventsstern an der Decke und dazu eine ganze Menge Räuchermänner sowie eine festliche Weihnachtspyramide. Also klassisch sächsisch eben - nichts war grell oder hat geblinkt, sondern die ganze Wohnung strahlte eine angenehme Gemütlichkeit aus! Dazu wurde über den ganzen Monat gebacken: Kuchen, Kekse, Stollen, das ganze Programm. Über den ganzen Monat roch es nach Weihnachten. Und es klang nach Weihnachten. Denn in meinem Elternhaus wurden viele Jahre lang die Weihnachtsschallplatten aus der DDR gehört. Bis heute für mich die schönsten Aufnahmen zum Weihnachtsfest, weil diese alten Weihnachtsplatten eine urige, erzgebirgische Gemütlichkeit ausstrahlen. Das konnte ich selbst als Kind wirklich wertschätzen und genießen. Zwei Beispiele:





Und es wurden über den Monat die Geschenke unterm Weihnachtsbaum gelegt. Bescherung war natürlich erst zum Heiligabend. Aber es gehörte bei uns zur Tradition, dass man die Geschenke nicht versteckt hatte. Sondern man hat sie eingepackt unterm Baum gelegt. Der Geschenkehaufen wurde über die Tage und Wochen immer größer. Was übrigens ein echt cooles Gefühl der Vorfreude hervorruft, solltet ihr mit Euren Kindern unbedingt auch machen! Dafür gab es bei uns keinen Adventskalender. Und auch keine Schokolade im Schuh zum Nikolausi.


Woran kann ich mich noch erinnern? Natürlich die Weihnachtsmärkte. Wir sind insbesondere gern zu den Weihnachtsmärkten nach Annaberg und Schneeberg gefahren. Und an die riesigen Karlsbader Obladen, die ich dort jedes Jahr bekam. Nicht diese kleinen, die man heute im Laden kaufen kann. Weihnachtsmärkte und Bergparaden gehören unbedingt zu Sachsen dazu. Nicht umsonst nennt man Sachsen bis heute Weihnachtsland. Weil die Weihnachtsbräuche, die hier bis heute gepflegt werden, Jahrhunderte bis in die Zeit des Bergbaus zurückgehen.



Unf irgendwann gab es sie: die beiden Geschenke, wo ich ganz genau wusste was dein sein würde! Das eine war recht klein und viereckig. Da konnte sich doch nur ein Gameboy-Spiel drin verstecken. Und das andere war ebenso dick, dafür größer und länglicher. Klar, ein NES-Spiel! ^^ Ich wusste natürlich nicht, welche Spiele es sein würden. Also habe ich die Club Nintendo Magazine durchgeblättert und mir überlegt, was in letzter Zeit so rausgekommen ist und was es denn sein könnte. Ihr müsst wissen: Wir haben keine Wunschzettel geschrieben. Das fanden wir in der Familie blöd. Zu Weihnachten sollte sich jeder Gedanken machen, was dem Anderen denn eine Freude bereiten sollte. Das war immer ein Quell der Laune, denn natürlich kam es auf den Gedanken dahinter an. Geschenke wurden dann auch nicht umgetauscht oder so.


Jedenfalls, folgende zwei Spiele bekam ich zu Weihnachten im Jahre 1992:


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Bei Mario & Yoshi habe ich mich erst richtig gefreut! Denn ich dachte hier tatsächlich, auf den ersten Blick, dass es sich um ein neues Jump & Run handeln würde. Vielleicht wie Super Mario World, nur fürs NES? Es stellte sich als eher ödes Puzzle-Spiel heraus. Ich liebte damals Puzzle-Spiele, aber Mario & Yoshi bot einfach nichts neues und spannendes und sah dazu auch noch extrem hässlich aus. Ja, auch bei Nintendo konnte man damals nicht vor Cash Grabs sicher sein. Ahnungslose Omis sehen dieses schöne Cover und denken sich "Ach, dass ist doch dieser Mario von dem der Junge so ein Fan ist!" - und schon greift man ahnungslos zu so einer Gurke. Aber ich konnte ihr da net böse sein. Denn der Gedanke dahinter hat gestimmt! :)


Besser, subjektiv und objektiv, war da schon Amazing Tater für den Gameboy; der Nachfolgetitel zum Spiel Kwirk. Hier wurde meine Mom beim ortlichen Spielehändler offensichtlich sehr gut beraten, denn es triggerte doch ein paar meiner Spielevorlieben. Für sie war im Endeffekt nur wichtig, dass es gewaltfrei sein musste. Zumindest zu Weihnachten. Was ich sonst so das Jahr über gespielt habe, beispielsweise aus der Videothek, war ihr dann eher egal.



Was für Spiele habt ihr zu den Weihnachtsfesten in den 90ern bekommen?

Kommentare 1

  • Ich kann mich noch an drei Weihnachten der 90er erinnern, an denen ich Videospiele bzw. Systeme erhalten habe:

    • Weihnachten 1991: Gameboy
    • Weihnachten 1994: SNES
    • Weihnachten 1998: N64 mit SM64, OoT und Wayne Gretzky's 3D Hockey