
Hallo und herzlich willkommen zu meinem neuen Blog über den Launch von Pokémon Champions und meine Eindrücke zur ersten Regulation M-A. Wie viele andere habe ich mir das Spiel angesehen und bereits ausführlich getestet.
Dass Twitter in den ersten Tagen wieder gebrannt hat, war ehrlich gesagt zu erwarten – und genau darauf hätten ILCA und die Pokémon Company vorbereitet sein müssen.
Dass die erste Regulation limitiert sein würde, war jedem klar. Aber wie es am Ende umgesetzt wurde, bleibt für mich wirklich schwer nachvollziehbar.
Ein bisschen gelungen ist es aber trotzdem …
Trotz aller Kritik gibt es auch einige positive Ansätze. Besonders hervorzuheben ist, dass man sich keinen Pay-to-Win-Vorteil erkaufen kann. Ich habe bisher keinen Cent investiert und konnte mir dennoch ein solides Team mit Mega-Dragoran, Elfun, Fuegro, Snieboss, Farigiraf und Gladimperio zusammenstellen.
Da man mit 10.000 Punkten startet, hat man zunächst genügend Ressourcen, um seine Pokémon nach den eigenen Vorstellungen anzupassen. Dass man dabei Items und teilweise auch Attacken verliert, die im Spiel nicht mehr verfügbar sind, wirkt auf den ersten Blick gravierender, als es sich letztlich anfühlt.
Auch die Attackenanimationen sind teilweise wirklich gelungen und wirken hochwertig. Probleme beim Übertragen von Pokémon über Pokémon Home oder Spielabbrüche hatte ich persönlich nicht, weshalb ich dazu nichts Negatives sagen kann.
Weswegen ihr warten könnt – ILCA hat es verkackt …
Was ILCA hier meiner Meinung nach komplett verkackt hat: Der Fokus liegt nahezu ausschließlich auf Online-Battles im VGC-2v2-Format.
Einzelkämpfe im 3v3-Format waren schon immer irrelevant und wirken auch hier wieder wie ein unnötiger Modus. Stattdessen hätte man mit einem 6v6-Einzelkampf, wie man ihn von Pokémon Showdown kennt, eine große Community abholen und gleichzeitig einen wirklich spaßigen sowie relevanten Modus bieten können.
Hinzu kommt das Fehlen eines Offline-Modus wie einer Arenaleiterburg – etwas, das selbst Spiele wie Pokémon Stadium oder Pokémon Colosseum bereits geboten haben. Besonders bitter: Pokémon Battle Revolution auf der Wii hatte mehr Kampfmodi (darunter 6v6) und über 300 verfügbare Pokémon mehr zum Start.
Ein weiteres großes Problem ist das Rekrutierungssystem. Die Idee dahinter scheint klar zu sein: Casual-Spieler sollen nicht direkt von erfahrenen Competitive-Spielern überrannt werden und ohne große Vorkenntnisse auf spielbare Pokémon zugreifen können. Auf dem Papier klingt das sinnvoll – in der Praxis passiert jedoch genau das Gegenteil.
Competitive-Spieler werden sich trotz aller Einschränkungen schnell funktionierende Teams bauen, Synergien erkennen und das Meta verstehen. Zudem erkennen sie sofort, ob ein vorgegebenes Pokémon sinnvoll gebaut ist oder nicht.
Casual-Spieler hingegen bräuchten genau an dieser Stelle Unterstützung – doch genau diese fehlt. Die angebotenen Tutorials helfen kaum weiter und vermitteln nicht ansatzweise das nötige Verständnis für Competitive Battles. Gerade hier hätte enormes Potenzial gelegen, insbesondere in Kombination mit sinnvollen Offline-Modi.
Die Konsequenz: Die Einschränkungen treffen vor allem die Spieler, die sich bereits intensiv mit Competitive auseinandergesetzt haben. Sie müssen kreativ werden, um ihre Ideen und bereits aufgebauten Pokémon überhaupt sinnvoll einsetzen zu können.
Casual-Spieler hingegen stehen weiterhin vor demselben Problem: Sie merken zwar, wenn ein Gegner überlegen ist, verstehen aber oft nicht, warum. Ein Ranglistensystem ist zudem nur an der Spitze wirklich fair. Gerade zu Beginn trifft man zwangsläufig auf erfahrene Spieler – abhängig davon, wann diese einsteigen. Das kann schnell frustrierend werden und sorgt für eine eher negative Spielerfahrung.
Die vorgenommenen Anpassungen sind durchaus durchdacht – lösen jedoch das grundlegende Problem der Regulation M-A nicht.
IVs sind auf 31 festgesetzt und auch die AP wurden auf das Maximum angehoben. Neu ist, dass Werte nun in 4er-Schritten statt wie früher in 8er-Schritten angepasst werden können (also 8, 12, 16 usw.). Auch die EV-Verteilung wurde vereinfacht, sodass jeder investierte Punkt einen Unterschied macht.
Auf einzelne Attackenänderungen möchte ich gar nicht näher eingehen, da sie aktuell kaum ins Gewicht fallen. Der Grund dafür ist simpel: Es sind lediglich 189 Pokémon in dieser ersten Regulation verfügbar.
Besonders enttäuschend ist dabei, dass Pokémon wie Heerashai (Dondozo), die im Trailer noch gezeigt wurden, oder auch Ursaluna, die in Vorschauen zu sehen waren, im fertigen Spiel nicht verfügbar sind.
Der eigentliche Tiefpunkt der limitierten Auswahl ist jedoch das Fehlen zentraler Mechaniken wie Terrain-Setter. Pokémon wie Gortrom (Rillaboom), Servol (Indeedee) oder Britzigel (Pincurchin) sind nicht verfügbar – gleichzeitig existiert aber ein Tutorial zu genau diesem Thema. Für mich ein klarer Widerspruch und zeigt wie undurchdacht dieses Tutorial eigentlich ist.
Am gravierendsten ist jedoch die extreme Einschränkung bei den Items. Anstatt neue Items einzuführen und frischen Wind ins Competitive zu bringen, wurde die bestehende Auswahl auf ein Minimum reduziert. Viele Items, die das Competitive über Jahre geprägt haben, fehlen komplett – für mich die unverständlichste Entscheidung im gesamten Spiel.
Vor allem Briduradon (Archaludon) trifft es besonders hart. Durch das Fehlen von Items wie dem Energiekraut oder der Offensivweste verliert es nahezu seine gesamte Spielidentität, da zentrale Strategien nicht mehr umsetzbar sind.
Aber auch Farigiraf wurde stark eingeschränkt. Ein offensives Set ist aktuell kaum sinnvoll spielbar, da das Halsspray fehlt. Die Kombination aus Schallwelle und einem direkten Boost des Spezialangriffs entfällt komplett, wodurch Farigiraf im Grunde auf eine unterstützende Rolle, beispielsweise als Trick-Room-Setter, reduziert wird.
Allgemein lässt sich sagen, dass viele Pokémon durch die fehlenden Items deutlich vorhersehbarer geworden sind. Ohne Wahlbrille, Wahlband oder Leben-Orb fehlt es schlicht an Damage-Output und Variabilität.
Ein weiteres gutes Beispiel ist Fuegro (Incineroar). Hier wird man aktuell meist sehr ähnliche Sets sehen, da wichtige Alternativen wie Schutzbrille oder Offensivweste nicht vorhanden sind. Dadurch bleibt oft nur eine begrenzte Auswahl wirklich sinnvoller Optionen.
Natürlich wird es immer wieder kreative oder ungewöhnliche Sets geben. Insgesamt wurde die Vielfalt im Teambuilding durch die Entscheidungen von ILCA jedoch massiv eingeschränkt.
Ich gehe deshalb stark davon aus, dass sich vor allem einfache und effektive Strategien durchsetzen werden – allen voran Wetterteams. Besonders Kombinationen wie Charizard (Mega Y) mit Chlorophyll-Partnern wie Venusaur sind aktuell sehr beliebt, was bei der stark limitierten Auswahl auch kaum überrascht.
Meine Theorie – Die Megas sollen dominieren …
Warum ILCA diese Entscheidungen getroffen hat, lässt sich für mich nicht eindeutig erklären. Eine Vermutung liegt für mich jedoch nahe: Megas sollen um jeden Preis im Mittelpunkt stehen und das zentrale Element von Pokémon Champions darstellen.
Hätte man direkt mehr Pokémon zum Start verfügbar gemacht, hätten insbesondere Casual-Spieler schnell gemerkt, dass viele Megas – abgesehen von den wirklich starken – im Vergleich kaum mithalten können. Der Aufwand, Megasteine zu farmen, würde sich in vielen Fällen schlicht nicht lohnen.
Auffällig ist zudem, dass einige der dominantesten Megas wie Metagross, Flunkifer (Mawile) und Brutalanda (Salamence) zum Start nicht verfügbar sind. Für mich ist das ein klares Signal: Diese Pokémon wären zu stark und würden viele andere Megas vollständig in den Schatten stellen.
Gerade durch diese Abwesenheit wirken aktuell andere Megas stärker, als sie es in einem vollständigen Meta tatsächlich wären. Ein Beispiel dafür ist Mega Floette, das vermutlich weniger gespielt werden würde, wenn die genannten Top-Megas verfügbar wären. Das soll seine Stärke aber nicht schmälern – aktuell gehört für mich zu dem stärksten der neuen spielbaren Megas.
Ähnlich verhält es sich mit Strategien rund um Heerashai (Dondozo) und Nigiragi (Tatsugiri). Diese Kombination hätte das Meta ebenfalls stark beeinflusst und insbesondere physische Megas massiv unter Druck gesetzt.
Insgesamt entsteht für mich der Eindruck, dass ILCA das Power-Level bewusst niedrig halten wollte, um es in zukünftigen Regulations schrittweise anzuheben.
Nachvollziehbar ist das für mich allerdings nicht. Es gibt bereits eine große Anzahl an Spielern, die über Jahre hinweg Pokémon Karmesin und Purpur sowie verschiedene Regulations (z.B. Regulation H) gespielt haben und genau wissen, wie sich ein niedrigeres Power-Level ohne legendäre Pokémon auf das Meta auswirkt. Dazu muss man eine Regulation nicht gleich löschen und man könnte die alte Regulation weoter zum spielen Online lassen. Nur weil die Generation Pokémon Games immer nur eine Regulation Online zugelassen, muss das ja nicht für Pokémon Champions gelten. Es sieht aber stark danach aus, dass es genau darauf hinausläuft.
Fazit: Wartet auf eine bessere Regulation
Mein Fazit ist klar: Aktuell lohnt es sich nicht, mit Pokémon Champions einzusteigen.
Für Neulinge mag der Einstieg zunächst einfacher wirken. Ohne sinnvolle Offline-Unterstützung bleibt jedoch fraglich, wie lange Casual-Spieler wirklich motiviert bleiben. Letztlich richtet sich das Spiel aktuell vor allem an Spieler, die bereits Spaß an der Ranglisten-Ladder der Hauptspiele hatten und motiviert sind, verschiedene Teams, Pokémon und Synergien auszuprobieren.
Alles in allem hätte ich mir einen deutlich besseren Ansatz gewünscht: mehr Pokémon aus allen Generationen, alle Megas im Spiel, eine vollständige Item-Auswahl und vor allem einen 6v6-Modus sowie sinnvolle Offline-Inhalte wie eine Arenaleiterburg.
So hätte man sowohl Casual- als auch Competitive-Spieler gleichermaßen abholen können. Stattdessen wirkt es, als hätte ILCA lediglich den Rangkampf-Modus der Hauptreihe ausgelagert.
Schade – denn so war der Shitstorm eigentlich vorprogrammiert.
Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass ILCA in zukünftigen Regulations nachbessert und dem Spiel mehr Tiefe sowie Abwechslung verleiht, damit zumindest die Spieler, die sich gerne auf der Ladder battlen, langfristig gehalten werden können.
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