Was ist Mainstream?

Eigentlich wollte ich nur diesen Blogeintrag kommentieren, aber leider ist mein Kommentar sehr aus dem Ruder gelaufen, darum nutze ich ihn mal als ersten Blog-Eintrag:


Ich hab mich mit dem Begriff Mainstream schon ein paar Mal auseinandergesetzt und im Grunde gibt es zwei Herangehensweisen für mich. Ich fange einfach mit der ungewöhnlicheren an:


Wer benutzt das Wort Mainstream?
An einer Kartenvorverkaufsstelle treffen sich zwei Frauen, sagen wir Anfang 20. Die beiden kennen einereinander aus ihrer Schulzeit, hatten jedoch keine freundschaftliche sondern eher eine kollegiale Beziehung, wissen also nicht das allermeiste übereinander. Die eine kauft sich eine Karte für Lady Gaga, die andere eine Karte für Van Canto. Die beiden erkennen einander und sehen auch, wofür die jeweils andere eine Karte erstanden hat. Welcher Satz wird - in genau dieser Formulierung - eher fallen:
"Ich find Lady Gaga und andere Sachen aus dem Mainstream toll, ich will auch noch die Söhne Mannheims sehen demnächst."
oder
"Ich hör Metal, mit diesem ganzen Mainstream hab ich nichts am Hut."


Ich denke, der zweite Satz ist für jeden hier der wahrscheinlichere. Machen wir nun aus der Kartenvorverkaufsstelle einen Elektronik-Discounter, aus Lady Gaga wird Sin & Punishment 2 (Test glaub ich auch bei WiiTower zu finden, wers nicht kennt) und aus Van Canto wird Modern Warfare 2 für die PS3. Wieder suchen wir uns zwei Aussagen mit dem Wort Mainstream, die die beiden von sich geben könnten, weil es ihre Meinung widerspiegelt. "Ich mag CoD, und andere Mainstream-Titel, da kann man als Käufer nichts falsch machen." vs. "CoD ist mir zu Mainstream, aber dieses Sin & Punishment hat viele frische Elemente und spielt sich so anders." Vielleicht ist die Frage, welches Zitat wahrscheinlicher ist, hier schwieriger zu beantworten, weil das Wort "Mainstream" im Spiele-Bereich noch nicht so verbreitet ist, aber ich glaube, die allermeisten werden das Zitat der S&P-Käuferin für wahrscheinlicher halten.


Diesen zwei Beispielen wird jeder, der sich für einen Moment mit der Sache beschäftigt, sicher noch andere, aus teils ganz anderen Bereichen stammenden, weitere Beispiele hinzufügen können.


Und was ist der Tenor? Meiner Meinung nach wird das Wort "Mainstream" häufig verwendet, um den eigenen Geschmack als besseren darzustellen, weil er sich vom Geschmack der meisten anderen schon allein dadurch unterscheidet, dass er anders ist. Dieses Denken, das man durch viele Altersschichten hinweg und auch bei Angehörigen aller Bildungsstufen antrifft, kann eigentlich nur als "elitär" bezeichnet werden... der Adel war was Besseres, weils nicht so viele davon gab.



Was aber ist Mainstream, wenn man nüchtern drüber nachdenkt? Ich würde Mainstream so definieren: Der "Mainstream" sind die Produkten einer Produktpalette, bei denen in der Konzeptionierung auf bewährte Methoden und Eigenschaften gesetzt wurde, um ein beliebtes Produkt gleicher Art zwar nicht zwangsläufig zu imitieren, wohl aber sich dessen positive Eigenschaften zu eigen zu machen und durch eine dadurch resultierende Ähnlichkeit zusätzliche Absätze zu erzielen.


Soviel ich auch darüber nachdenke, es gelingt mir keine kürzere Definition für ein Wort, das so häufig gebraucht wird. Demnach muss man sich fragen, ob wirklich jeder, der das Wort benutzt, auch dessen wirkliche Bedeutung einerseits kennt und andererseits auch meint.


Um den Bogen zum konkreten Thema der Spiele zu finden: Mainstream hat es immer gegeben, Mainstream wird es immer geben. Die Zahl der neuen Ideen, die in einer bestimmten Zeit umgesetzt werden, ist einfach gering. Viele dieser Ideen, die umgesetzt werden, stellen vielleicht keine Revolution dar, wohl aber eine Evolution. Und egal, ob Revolution oder Evolution, eine gute neue Idee erschafft eine Nachfrage nach ihr.
Beispiel: (Welt-)Kriegsshooter.
Vor 12 Jahren kamen in einem Jahr zwei hochbewertete Shooter heraus, deren Einfluss auch heute noch spürbar ist: Half-Life und Unreal. Was gab es sonst noch? Quake, Doom, Wolfenstein. Allesamt Spiele, die keinen großen Wert auf Realismus gelegt haben. Kurz darauf erschien Battlefield 1942 und danach eine ganze Reihe Shooter im Kriegsumfeld: Medal of Honor, Call of Duty, Operation Flashpoint... Die Qualität eines BF1942 hat einfach dem "Fluss" einen neuen Weg geebnet, und da Wasser immer den Weg des geringsten Widerstands geht, wurder dieser Weg zum Hauptweg - zum Hauptstrom - zum Mainstream.


Wenn Entwickler ein neues Spiel mit großem Budget in der Mache haben, dann haben sie, viel mehr als früher, einen monetären Erfolgsdruck im Nacken. Und da, wie oben definiert, im Mainstream die Ähnlichkeit zu anderen erfolgreichen Spielen eine Aussicht auf erhöhte Verkaufszahlen mit sich bringt, wird ein neues Projekt natürlich an (sowohl qualitativ als auch monetär) bewährtem angelehnt. Wenn man dann noch einen Namen hat (NfS, CoD, FIFA....), der bereits im Mainstream etabliert ist, dann ist der Anreiz, sich davon loszulösen, sehr gering.
Es gab immer wieder (Sub-)Genres, die eine Zeit lang die ganze Industrie stark beeinflusst, inspiriert und geprägt haben. Jump'n'Runs in den frühen 90ern, Echtzeitstrategie in den späten 90ern, Weltkriegsshooter nach der Jahrhundertwende. Vielleicht sind Bewegungsspiele der nächste Hype. Oder Rennspiele. Oder was ganz neues.



Ich sehe diesen Post eher als Kommentar zu BQ, darum fänd ichs eigentlich passender, die Diskussion dort in den Kommentaren weiterzuführen. Wer vom eigentlichen Thema abweichend was sagen will kann das natürlich gerne hier tun :)

Kommentare 3

  • Wow, "danke" für diesen Kommentar xD
    Wie du bereits erwähnt hast, ist es in der Musikbranche viel leichter zu definieren, als in der Gamesabteilung^^

  • Das sind dann eben die "Produkte", die den Mainstream in eine neue Richtung lenken. Man muss natürlich nicht das Rad neu erfinden, um den Mainstream zu beeinflussen - eigentlich darf man es sogar gar nicht ;)
    Aber die Beispiele, die du ansprichst, sind genau das, was ich auch gemeint hab :)

  • Und als der Halunke, der ich bin, kommentierte ich hier weiter, anstatt beim Quentok~


    "[Deine Definition von Mainstream ...]"


    Im Grunde richtig und wenig daran auszusetzen, aber es muss ja nicht zwangsläufig so sein, dass man auf altbewährtes setzt und weiterentwickelt. Mal ein Beispiel aus dem Bereich Anime (sorry für das nerdige Beispiel, mir fällt auf die schnelle jedoch nichts ein):
    Neon Genesis Evangelion oder Death Note dürften dafür herhalten. Beide Serien setzten auf vorher nie dagewesenes und haben dadurch zu großer Popularität gefunden. Sie waren nicht (direkt) für den Massenmarkt konzipiert, haben jedoch durch das, was sie auszeichnet zu großer Beliebheit gefunden und sind sozusagen selber zum Mainstream Produkt geworden. Natürlich haben sie sich auch Mitteln bedient, die die große Masse ansprechen könnte.


    Elitär, mhm, Anti-Fraktion eben. Viele verbinden mit Mainstream zugleich auch etwas negatives und schwupps man will ja Individuell sein und so.