Kirby: Wütender Kirby geht auf kulturelle Unterschiede zwischen Japan und dem Westen zurück

  • Besonders als Videospiele der Heimkonsolen noch in den Kinderschuhen steckten, gab es große Unterschiede der Boxarts und Darstellungen verschiedener Charaktere. Während beispielsweise die westliche Verpackung von Mega Man einen eher mutigeren und tafferen Charakter darstellte, wurde dieser im japanischen Raum etwas verniedlicht. Das Maskottchen Kirby von Nintendo hat damals eine ähnliche Kur ereilt, wie mittlerweile flächendeckend bekannt ist. Polygon hatte jetzt die Chance, die Gründe für diese Unterschiede zu erfahren und sprach mit einigen ehemaligen Nintendo of America-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern.

    Ähnlich wie bei Capcoms Mega Man sind diese Änderungen auf die kulturellen Unterschiede zwischen dem Westen und Japan zurückzuführen. Während der Jugend im Westen eher taffere und coolere Charaktere zusagten, hatten die japanischen Spielerinnen und Spieler eine Begeisterung für eher niedliche Videospielfiguren übrig. Diese Verniedlichungen sehen wir auch heute noch, wenn wir japanische Videospiele mit westlichen Games vergleichen. Leslie Swan sagte im Interview mit Polygon Folgendes dazu:

    Zitat von Leslie Swan, ehemalige Lokalisierungsmanagerin von NoA

    Niedliche, süße Figuren sind in Japan bei Menschen aller Altersgruppen beliebt. In den USA hingegen fühlen sich Jungen im Teenageralter eher zu härteren Charakteren hingezogen. Wir waren alle der Meinung, dass die Spielmechanik von Kirby eine Menge Spaß macht, und wir wollten, dass Kirby ein möglichst breites Publikum erreicht. Bei Nintendo haben wir uns die Idee zu eigen gemacht, dass der kleine Kerl gegen die größten und bösesten Feinde antritt und irgendwie, mit dem Spieler an der Spitze, triumphiert. Man denke an Link gegen Ganon. Kirby hatte im Spiel viele coole Verwandlungen und konnte sehr zäh sein. Wir dachten, er sollte als wilder, hartnäckiger kleiner rosa Puffball dargestellt werden. Ich glaube nicht, dass wir jemals daran gedacht haben, dass das Artwork so wütend ist, sondern eher entschlossen, allen Widrigkeiten zum Trotz.

    Eine Mitarbeiterin aus dem Marketingbereich, welche im Zeitraum von 2007 bis 2022 bei Nintendo of America beschäftigt war, bestätigt Swans Aussage:

    Zitat von Krysta Yang, ehemalige Marketing-Mitarbeiterin von NoA

    Es gab sicherlich eine Zeit, in der Nintendo und sogar Spiele im Allgemeinen einen eher erwachsenen/coolen Faktor hatten. Ein Spiel zu haben, das als 'Kinderspiel' bezeichnet wurde, war wirklich ein Fluch. Nintendo musste sich immer noch auf sein Kinderpublikum konzentrieren, aber es gab eine Verschiebung hin zu dem Versuch, seine Figuren für ein breiteres Publikum attraktiv zu machen. Ein Beispiel dafür ist das Marketing für das Nintendo DS-Spiel Kirby Super Star Ultra (2008): Das Marketing konzentrierte sich darauf, Kirby zu einem ansprechenderen Charakter zu machen, vor allem für Jungen, und so lautete der Marketing-Slogan 'Super Tuff Pink Puff'.

    Es gab bewusste Bemühungen von Seiten des Marketings, Kirby härter erscheinen zu lassen und sich mehr auf den Kampf im Spiel zu konzentrieren, damit Kirby nicht nur als etwas für kleine Kinder angesehen wurde. Es war sicherlich eine Abkehr vom fröhlichen, niedlichen Kirby, aber es schien auch nicht völlig fehl am Platz zu sein, da die Kirby-Spiele sehr actionlastig sind!

    Welcher Kirby gefällt euch lieber?

  • Zitat
    Niedliche, süße Figuren sind in Japan bei Menschen aller Altersgruppen beliebt. In den USA hingegen fühlen sich Jungen im Teenageralter eher zu härteren Charakteren hingezogen.

    Das merkt man besonders an den Figuren, die in den 90ern hier im Westen entstanden sind: Crash Bandicoot, Spyro, Conker, Rayman und Earthworm Jim – sie alle hatten eine gewisse Schärfe. In den 2000ern wurde das noch weiter gesteigert, und die Charaktere wurden sogar noch trendiger und provokanter.

    Ich persönlich mag sowohl niedliche als auch bissigere Figuren, solange sie charmant bleiben. Doch wenn sie zu “edgy” werden, wie man im Englischen sagt, wirkt es oft eher erzwungen.

  • Ich mag Kirby, egal ob niedlich oder "wütend". Und durch seine Verwandlungsfähigkeit ist er doch auch sehr vielseitig. Vielleicht mag ich ihn deswegen auch so gern. Von den Nintendo-Franchises, wo ich im Grunde nie ein Hauptspiel gespielt habe, ist er mein Favorit. Hab ihn nur in Pinball auf dem Gameboy und Kirby Air Ride gespielt. Dafür war er in SSB auf dem N64 mein Main, selbst vor Pikachu und Link, die bei mir durch ihre Spiele damals bekannter und etablierter waren. Knutschkugel go. :kirby_happy:

    What goes around, comes around.

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