Konsolenhersteller verlangen künftig Offenlegung von Wahrscheinlichkeiten bei Lootboxen

  • Die drei großen Hersteller für Spielekonsolen – Nintendo, Sony und Microsoft – werden bald schon neue Richtlinien für den Umgang mit Lootboxen einführen. Dies teilte die Entertainment Software Association (kurz: ESA) am heutigen Morgen mit. Michael Warnecke, eine der führenden Persönlichkeiten bei der amerikanischen Organisation, machte die Nachricht im "Inside the Game"-Workshop der Federal Trade Commission publik. Warnhinweise auf Handelsversionen sowie plattformbezogene Einschränkungen beim Ausgeben von Echtgeld seien erste Maßnahmen der Industrie gewesen, um die durch Lootboxen aufkommenden Probleme zu behandeln, erklärte Warnecke.


    Für weitere Transparenz sollen künftig auch neue Richtlinien der Konsolenhersteller sorgen, kündigte Warnecke freudig an. Nintendo, Sony und Microsoft scheinen gegenüber der ESA angedeutet zu haben, ein neues Regelwerk für den Umgang mit Lootboxen auf den eigenen Plattformen auszuarbeiten. Konkret soll dafür gesorgt werden, dass die relativen Wahrscheinlichkeiten für zufällige virtuelle Items von den Betreibern offengelegt werden müssen. Dies gelte insbesondere für neue Spiele als auch für Updates von bereits erschienenen Titeln, welche von Lootbox-Mechaniken Gebrauch machen.


    Warnecke weist außerdem darauf hin, dass sich viele führende Publisher, welche Teil der ESA sind, für einen ähnlichen Umgang mit Lootboxen ausgesprochen haben. Diese möchten ihren Konsumenten bereitwillig möglichst viele Informationen zugänglich machen, um ihre Kaufentscheidung zu erleichtern. Im Mobile-Sektor werden derartige Daten bereits seit 2017 von Apple und seit Anfang dieses Jahres von Google angefordert.


    Was meint ihr? Geht die Industrie beim Thema Lootboxen richtig vor?


    Quelle: gamesindustry.biz

  • Noch zu erwähnen das die sich damit bis Ende 2020 Zeit lassen.
    Das ganze ist zwar ein netter Schritt, aber man sollte nicht vergessen, die ESA ist der Lobbyverband der US Spielindustrie und das ganze dient weniger dazu das Problem (was von den schlimmsten ESA Mitgliedern wie EA weiter öffentlich nicht als Problem angesehen wird...) in den Griff zu bekommen, sondern mehr dazu die in den USA anlaufende Gesetzesinitiativen gegen Lootboxen so gut es geht zu entschärfen.


    Kurz: Die ESA versucht die für die Abzocke das Geschäft am wenigsten schädliche Methode um hoffentlich um neue Gesetze rum zu kommen.

  • Ich würde da nicht groß jubeln. In China ist das beispielsweise schon vorgeschrieben, an dem eigentlichen Problem mit der Sucht ändert das nichts. Kinder sowie anfällige Erwachsene werden das aufgrund angegebener Wahrscheinlichkeiten nicht automatisch durchdenken. Schritt in die richtige Richtung, ja, aber ein Tropfen auf dem heißen Stein. :mm:

    Pokemon ist an dem Punkt nur mehr ein Waifu-Promotion-Tool für Ken Sugimori. RIP


    Still waiting for: Half Life 3, Megaman ZX3, Metroid 5, Far Cry Blood Dragon 2

  • @Triaura
    Die esa ist ein Branchenverband, bei dem so ziemlich jeder grössere Hersteller dabei ist, auch die beiden grössten Abzocker im Lootboxbereich EA und Activision. Jetzt wo sich weltweit Politiker gegen Lootboxen aussprechen, wollen die noch etwas gegensteuern. Da geht es nur noch darum, den Schaden zu begrenzen und ein bisschen positiv dazustehen. An der Mechanik selber will man ja nichts ändern, lediglich irgendwo im Kleingedruckten, das sowieso kein Schwein liest, aufzeigen wie selten gewisse Gegenstände sind (machen sie zum Teil übrigens schon).


    Das Problem mit Mikrotransaktionen, die In-Game-Währung extrem knapp zu halten und den Spieler so stundenlang die gleichen Aufgaben erledigen zu lassen, bleibt. Dann diese Währung gegen Echtgeld verkaufen und ordentlich Kasse machen. Streng genommen keine Lootboxen, trotzdem echt üble Abzocke. Mikrotransaktionen gehören in Free-to-Play Spiele, von mir aus kann man sie aber auch ganz verbieten, dann müssen die Handyspieler einfach wieder lernen, dass Software nun mal einen Preis hat.

  • In China ist das beispielsweise schon vorgeschrieben, an dem eigentlichen Problem mit der Sucht ändert das nichts.

    Genau genommen seit Mai 2017. Das Problem mit China ist jedoch eine ganz andere und schlecht mit unserer Situation zu vergleichen. Dort ist das Grundlegende Problem "Netease". Hier habe ich das genauer aufgeführt.


    Das Problem hierzulande ist lediglich, dass die Verantwortlichen sich weder mit der Materie auskennen - noch überhaupt sich beschäftigen wollen. Belgien erklärt Lootboxen zum Glückspiel. Löblich, wird aber weiterhin nichts bringen. Die einzige Lösungen hierfür ist, gesetzlich alle Formen von Lootboxen auf Europa-Ebene zu verbieten. Kein Lootbox auf irgendeine Weise. Auch keine "fairer Lootbox" wie in Overwatch in der es nur um Kosmetische Dinge geht in der die Befürwörter der ".. aber die Industrie muss auch Geld verdienen"-Franktion häufig gerne erwähnt. Auch müssen Spiele aus diversen Länder - siehe "Netease-Spiele" - für die EU kategorisch ausgeschlossen werden, wenn chinesische Entwicklerfirmen und -Publisher sich nicht an die gegebenen Ländergesetzen halten - was seitens Google ein ziemlich einfaches Vorgehen ist.


    Dann, erst dann sind solche Probleme halbwegs eingedämmt. Natürlich wird es immer so sein, dass auch Kinder an dem nächsten Spielautomaten in der Dönerbude zocken können. Dass sie die Kreditkarte der Mutter klauen. Und dass die Industrie sich etwas neues überlegt. Mir fallen da hunderte Alternativen ein, die genauso schädlich wie Lootboxen sind. Aber das Gesetz muss sich weiterentwickeln und regelmäßig angepasst werden. Da wir in Deutschland allerdings nicht einmal ein funktionierendes Ampelsystem in allen Gegenden haben, und hier explizit von ESA die Rede ist (siehe Beitrag #2 von @Burner) wage ich zu bezweifeln dass da in den nächsten 15 Jahren überhaupt noch was kommt, was nennenswert wäre.

  • So gern ich in die Debatte um die bösen Abzockfirmen mit einstimmen würde (EA und Activision sind für mich das allerletzte mittlerweile)... aber mal ganz im Ernst, was ist schlimmer:


    1. Die Firmen, die billige Methoden entwerfen, um Geld zu scheffeln


    oder


    2. Die dummen Konsumenten aka. Spieler, die diese Masche willentlich mitmachen?



    Würden wir Spieler den Müll in den Regalen stehen lassen, hätte sich das Problem innerhalb eines Jahres von selbst gelöst... aber wir machen doch munter mit!

  • @Arraklon Also bei nicht wenigen Spielern kann ich dir recht geben. Wer Lootboxen kauft ist Teil des Problems. Aber, dass was Lootboxen so hinterhältig macht (neben allem anderen wie z.B. dass die betroffenen Spiele immer so designed sind das sie weniger Spaß machen wenn man keine kauft) ist, dass sie gezielt auf Kinder und Erwachsene mit Glückspielproblemen angesetzt werden.
    Neben Berichten von betroffenen, die früher Videospiele genutzt haben um ihre Glückspielsucht zu mindern bevor Lootboxen das bei vielen Spielen unmöglich gemacht haben und Leuten die (noch) gar nicht wissen das sie anfällig für Glückspiel sind haben Eltern ein Problem.


    Man kann zwar immer schnell sagen das die Eltern sich nicht ordentlich informiert haben wenn man hört das ein Kind mal wieder hunderte Euro an "Micro"transactions ausgibt. Aber ganz ehrlich, damit macht man es sich zu einfach.
    Nicht jeder hat Verständnis für Videospiele und findet es leicht Informationen zu finden, die nicht Lobbyinfos der Publisher sind. Diese verlassen sich dann darauf, dass der Aufkleber "frei ab 0 Jahren" auf der FIFA Packung bedeutet, dass dieses Spiel sicher für ein sagen wir mal 8 jähriges Kind ist.
    Ich kann mir gut vorstellen und durchaus Sympathie fühlen bei überraschten Eltern, die einem Kind so ein Spiel geben und dieses dann an allen Ecken von EA quasi zum kauf von Lottoscheinen gedrängt werden.


    Klar, man kann (hoffentlich) ingame Käufe in den Alterseinstellungen blocken, aber das ein Spiel wo sowas aufgedrängt wird überhaupt USK 0 bekommen kann darf eigentlich nicht sein.

  • Das ist doch nur wieder so eine publicity Augenwischerei, damit der Unmut über Lootboxen nicht auf Plattformbetreiber wie Nintendo, Microsoft und Sony zurückfällt...


    Wo ist eigentlich der Aufruf dazu, dass Anbieter in ihren digitalen stores auch ein Datum angeben, wie lange das zu erwerbende Spiel überhaupt erworben werden kann?


    ach da fordere ich ja wieder was, in der "wir sind zu geizig Lizenzen zu verlängern, damit ein Produkt weiter angeboten werden kann" Situation.

  • Die heutigen Konsolenhersteller sind doch eh schon lange nicht mehr Herr im Hause. Die Thirds machen doch was Sie wollen und tanzen Denen, den sie am meisten zu verdanken haben, komplett auf der Nase herum:


    Eigenen Battle Pass


    Eigenen Store und Plattform


    Eigenen Abo Service


    Eigene User Datenbanken usw.

  • „Warnhinweise auf Handelsversionen“


    Das finde ich sehr gut und sehr sinnvoll! So kann ich dieses Games erkennen und darauf verzichten.

    Bei der PEGI gibt es die bereits, da ist hinten auf der Packung ein Symbol mit einer Kreditkarte und dem Hinweis "Käufe im Spiel". Unterscheidet leider noch nicht zwischen DLC und Mikrotransaktionen. Eine gute Richtlinie ist es aber. Zumindest wenn sich der Hersteller nicht nach der Veröffentlichung plötzlich entscheidet dieses "Feature" einzubauen....

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