Studie: Nicht Videospiele selbst, sondern äußere Faktoren sind der Hauptgrund für Videospielsucht

  • Seit letztem Jahr ist Videospielsucht eine von der Weltgesundheitsorganisation WHO offiziell anerkannte Krankheit (wir berichteten). Nun haben die WHO und die APA (American Pychiatric Association) eine Studie in Auftrag gegeben, um die Ursachen der Videospielsucht genauer zu untersuchen: Forscher der renommierten University of Oxford in England haben über 1000 Jugendliche untersucht und sind in ihrer Studie zum Schluss gekommen, dass nicht Videospiele selbst der Auslöser für die Sucht sind, sondern die Gründe meist in äußeren Problemen zu finden sind. Videospiele dienen oft lediglich als Zufluchtsort, um mit diesen Problemen umzugehen, seien jedoch nicht das Problem selbst. Die Forscher der Universität in Oxford sind der Meinung, dass Videospielsucht nicht als klinische Erkrankung eingestuft werden sollte.


    Professor Andrew Przybylski, der Director of Research am Oxford Internet Institute, berichtet:

    Zitat

    Unsere Forschungen haben keinerlei Belege geliefert, die darauf hinweisen, dass eine ungesunde Relation zwischen dem Videospielen per se und Problemen im Sozialverhalten oder emotionalen Problemen besteht. Vielmehr sind Variationen im Gaming-Verhalten damit verknüpft, ob die Heranwachsenden bereits zuvor mit derartigen Problemen zu kämpfen hatten, ob soziale und psychologische Bedürfnisse erfüllt wurden. Im Lichte unserer Erkenntnisse denken wir nicht, dass ausreichend Beweise vorhanden sind, um das Videospielen für sich genommen als Krankheit zu bezeichnen.


    Wie seht ihr dieses kontroverse Thema – denkt ihr ebenfalls, dass Videospielsucht per se nicht als Krankheit eingestuft werden sollte?


    Quelle: SAGE journals (Scientific Paper), gameindustry – Newsbild: © Bandai Namco Entertainment

  • @XenoDude Und was ist dann mit beispielsweise Sexsucht?


    Es kommt eben sehr drauf an, worum es hier nun geht - hab mich jetzt nicht mit den Quellen etc, verfasst. Wenn es allerdings um die Frage geht, ob beispielsweise Krankenkassen eine entsprechende psychologische Hilfestellung gegen Videospielsucht zahlen sollten, ja natürlich, dann sollte es definitiv als Krankheit angesehen werden. Wo genau der Auslöser für dieses psychologische Krankheitsbild liegt, ist erst einmal völlig zweitrangig - wichtig ist nur, dass man anerkennt, dass es ein schwerwiegendes Problem sein kann.

  • Und da diese Studie einigen nicht in die persönliche Agenda passen wird, wird sie bestimmt für "schlecht recherchiert" oder anderweitig "irrelevant" erklärt.


    Das schlägt in eine ähnliche Kerbe wie "Videospiele sind schuld an Amokläufen". Da wird dann gern mal ausgeblendet, was das soziale Umfeld für einen großen Teil ausmachen kann, vor allem, während man noch heranwächst. Aber darum mag sich halt kaum einer so wirklich kümmern, gefühlt zumindest. Wäre ja auch deutlich mehr Aufwand, als auf irgendwas zu zeigen, was dafür zur Verantwortung zu ziehen ist.

  • Verstehe nicht, warum man da einen Unterschied macht.
    Wie in jedem anderen Fall von Sucht geht es doch darum, dass das konsumierte Gut Endorphine im Körper freisetzt und man auf diesen Kick nicht mehr verzichten kann/will.

    Mit zunehmendem Alter steigt unweigerlich die Anzahl der Leute die mich am A.. gern haben können. ;)

  • @TheSchlonz
    Man muss einmal definieren, was konkret eine Sucht ist. Im Fall von einer Alkoholsucht hat die WHO folgende sechs Kriterien aufgestellt:


    • Starkes verlangen Alkohol zu trinken
    • Kontrollverlust (man trinkt über der sinnvollen Menge)
    • Toleranzentwicklung gegenüber Alkohol (man muss immer mehr trinken)
    • Vernachlässigung anderer Interessen (Rückzug aus dem Sozialleben)
    • Entzugserscheinungen, wenn man nicht Alkohol trinkt
    • Abstinenzverlust (man kann nicht, egal wie stark der Wille ist, vom Alkohol lassen).


    Wenn von dieser Liste mindestens 3 Punkte in den letzten 12 Monate erfüllt sind, dann redet man von einer Alkoholabhängigkeit.


    Ich denke, diese Liste kann man zu einem gewissen Grad auf Videospiele beziehen.

  • Dem würde ich aber mal ganz dezent widersprechen. Klar ist jeder individuell mehr oder weniger anfällig für eine Sucht nach was-auch-immer und die Gründe dafür sind auch vollkommen individuell. Aber die Spiele sind ja meist auch so designt, dass sie die Spieler möglichst lang motivieren und bei Stange halten, vor allem jene mit dem Free2Play-Modell und MMORPGs, denn so verdienen die Entwickler ihr Geld. Ob man in Videospielen versinkt, um die realen Probleme auszublenden oder schlicht und einfach von der Suchtspirale aus virtueller Belohnung für Erfolge im Spiel angetan ist, kommt ja letztlich auf dasselbe heraus. Ist ja bei der Drogenabhängigkeit nix anderes. Die einen haben externe Probleme, die sie vergessen wollen, die anderen stehen auf den Effekt beim Konsum und werden dadurch abhängig. Deshalb würde ich absolut nicht sagen, dass Videospiele nicht an sich verantwortlich für eine Sucht sein können, das können sie definitiv. Viel kritischer sehe ich aber Apps wie Instagram oder auch YouTube, welche einen viel mehr dazu verleiten, mehr Zeit mit ihnen zu verbringen, als man eigentlich wollte. Ich merke zumindest bei mir selbst, dass ich mehr Zeit damit als mit Videospielen verbringe, auch weil das Handy natürlich viel schneller parat ist, als PC/Konsole.

  • @XenoDude
    Danke für die Info, bestätigt mich ja in meiner Meinung.
    Bis auf den 2. Punkt kann man diese Kriterien bei fast allen Suchterkrankungen beobachten.


    IMHO muss man jede Sucht gleich behandeln und somit entweder grundsätzlich alle als Krankheit anerkennen oder keine.

    Mit zunehmendem Alter steigt unweigerlich die Anzahl der Leute die mich am A.. gern haben können. ;)

  • @eXpanda
    Aus meiner Sicht sind immer Umweltfaktoren der Hauptgrund weshalb eine Sucht entsteht. Warum haben einige Menschen ein "normales" Sexleben und andere sind sexsüchtig? Warum können einige vernünftig mit Alkohol umgehen, während es andere Menschen gibt, die abhängig sind? Es liegt aus meiner Sicht zweitrangig an der Sucht selbst, sondern dass der Mensch andere Probleme hat, die sich durch die Sucht äußert.

  • Mein Vater sprach mit mir als Kind auch immer von einer Spielsucht, weil ich sehr gerne auf Konsole spielte. Er verbot mit dies des Öfteren, allerdings hatte das keine positive Wirkung auf mich, da ich so weniger wusste ich in meiner Freizeit machen soll.
    Grund hierfür: mein kompletter Freundeskreis hat ab einem bestimmten hauptsächlich Onlinegames gespielt, bloß ich nicht. Es führte halt dazu, dass ich in der Schule kaum mitreden konnte und ein wortwörtlicher "Mitläufer" war und wenig redete


    Aus heutiger Sicht spiele ich nach der Arbeit immer mit Freunden beispielsweise League of Legends oder Minecraft. Es hatte einen positiven Effekt eher auch mich. da ich offener wurde, selbstbewusster und auch feiner über den Hintergrund der Spiele nachdenke.


    Eine Sucht gilt für mich wie ein Verlangen/Abhängigkeit nach etwas z.B. bei Rauchern. Mit Zocken kann man jeder Zeit aufhören.

  • Ich selbst habe mal eine wissenschaftliche Arbeit über das Thema geschrieben.
    Und es gibt leider wirklich Spiele, die eine Sucht hervorrufen können. Bzw. manche Spiele zielen sogar darauf ab, dass der Spieler sie immer wieder spielt und Geld dafür investiert (MMORPGs). Idle Clickers sind auch alles andere als gut. Habe ich bei mehreren Leuten erlebt, dass sie wirklich sehr viel Zeit in solche Sinnlos-Spiele investiert haben, anstatt zu lernen. Aber zum Glück bieten Idle-Clickers so wenig, dass die Spieler nach ein paar Wochen oder Monaten wieder selbst damit aufhören.


    Anders ist es mit den MMORPGs. Die können das reale Sozialleben zum Teil komplett ersetzen. Es ist fast wie ein Teufelskreis. Spieler investieren Zeit in MMORPGs und vernachlässigen ihr echtes Leben. Leistungen im echten Leben lassen nach und sind nicht mehr zufriedenstellend. Als Ersatz dafür investiert man wieder mehr in die MMORPGs. Leistungen im sozialen Leben lassen noch mehr nach. MMORPGs werden wieder als Ersatz genommen. Und so geht es immer weiter.


    Es müssen btw. nicht nur MMORPGs sein. Auch normale Offline-Spiele können zu einer Videospiel-Sucht führen. Die haben allerdings ein Ziel und irgendwann hat man das erreicht. Die Sucht sieht dann halt so aus, dass man sich nach dem Erreichen des Zieles ein neues Spiel holt. Kommt aber nicht so häufig wie eine MMORPG-Sucht vor.


    Besonders anfällig dafür sind natürlich Spieler, die soziale Probleme haben. Ein soziales Problem kann aber schon sein, dass man einen kleinen Freundeskreis hat und in MMORPGs einen größeren findet.


    Wir hatten doch sogar hier auf ntower so einen Fall, wenn ich mich recht erinnere.

  • Viel kritischer sehe ich aber Apps wie Instagram oder auch YouTube, welche einen viel mehr dazu verleiten, mehr Zeit mit ihnen zu verbringen, als man eigentlich wollte.

    Ich finde du schneidest hier ein ganz wichtiger Punkt an. Viele sind aus meiner Sicht süchtig nach dem Internet und/oder soziale Medien. Es ist in der Gesellschaft ein deutlich grösseres Problem als Videospiele. Es gibt wenige Personen Zwischen 15 und 40 die für eine Woche komplett abstinent vom Internet/Sozialen Medien leben könnten. Durch das Smartphone wurde diese Problematik noch deutlich verstärkt.

  • @XenoDude


    Jau, dem stimme ich zu - zumindest, was die Spiele und den Sex angeht. Bei Alkohol ist es wieder eine andere Geschichte, weil wir hier eben nicht unbedingt nur von einer psychologischen Abhängigkeit sprechen (bzw ich weiß jetzt auch nicht genau, ob Sexsucht auch nur rein psychologischer Natur ist).


    Wichtig ist allerdings, dass diese Arten von Sucht, die eben auf verschiedensten psychologischen Faktoren basieren, wie eben die Spielesucht, auch wirklich in der Medizin bzw. Psychologie ernstgenommen werden. Speziell eben in der Gaming-Community wird die Bezeichnung von Spielesucht eben gerne einmal müde belächelt oder einfach nur als Bashing von Spielen von Leuten, die noch nie in ihrem Leben gespielt haben, angesehen. Doch ist es wichtig, dass Spielesucht gewissermaßen als Krankheitsbild anerkannt wird, damit eben auch die Hilfe für betroffene Personen gefördert wird, und das auf eine seriöse Art und Weise. Viele leidenschaftliche Spieler, die von keiner Sucht betroffen sind, unterschätzen dieses Thema meiner Meinung nach gewaltig.

  • @LouisVernant
    Danke für das Teilen deines Wissens. Ich hatte vor 12 Jahren die Gelegenheit gehabt bei meiner Schwester und ihrem Mann WoW zu testen. Mir wurde nach zwei Stunden ausprobieren klar, dass ich dieses Spiel nie wieder zocken darf, da ich realisiert habe, dass ich davon abhängig werden würde.
    MMORPGs sind ja nicht nur Videospiele sondern wie eine eigene Welt mit einem eigenen sozialem Leben. Ich kann nachvollziehen, dass diese Fantasiewelt, die reale Welt bei gewissen Personen mehrheitlich ersetzen würde.

  • Ich kann der Studie auch nicht zustimmen, auch wenn ich das Argument nachvollziehen kann.
    Ich erwische mich ja selbst oft dabei, dass ich in schwierigen Tagen oft viel zocke um den Tag rum zu bekommen. In guten Zeiten kann ich jedoch auch gut auf das Hobby verzichten, wenn es andere Aufgaben gibt.


    ABER
    Zu einem gibt es, wie hier schon erwähnt, genug Mechanismen, die eine Sucht hervorrufen können. Sei es die Verbindung zu Glücksspiel (und das ist ja eine offizielle Suchterkrankung) oder eben auch Features, die einen in Abhängigkeit bringen. (Events im Mmos und dem damit verbundenen sozialen Druck innerhalb der Gruppe zB).


    Noch dazu gibt es für zB Alkoholiker auch oft andere Auslöser, die mit dem Konsum ertränkt werden sollen und über die Zeit entwickelt sich dann die Sucht.


    Videospielsucht sollte allein deswegen schon offiziell sein, damit für (eventuell) Betroffene überhaupt Hilfe angeboten werden kann. Und sicherlich wird es so auch mehr Geld für Aufklärung und Forschung geben.

  • Das die WHO Videospielsucht ohne ordentliche Faktenlage als richtige Sucht eingestuft hat ist halt der Witz.


    Aber welche Organisationen sind nicht ideologisch aufgeladen und biased heutzutage.

  • *gähn*


    Ich finde diese Studie super, da sie Licht ins Dunkle bringt. Aber mal ganz ehrlich, unsere liebe, tolle Gesellschaft wird das sowieso nicht anerkennen und wird trotzdem Videospiele immer mit etwas negativem in Verbindung bringen.
    Attentat? Die Täterin /Der Täter hat Videospiele gespielt.
    Mord? Die Täterin /Der Täter hat Videospiele gespielt.


    Schlussfolgerung: Videospiele werden für Immer DER Sündenbock unserer Gesellschaft sein. Sie werden immer mit etwas negativem behaftet sein. Das ist einfach nur traurig. Für die Aussenstehenden sind Videospiele nur gewaltfördend und suchtfördernd. Aber das sie als legitimes, normales Medium anerkannt werden ist natürlich nicht möglich.

    I❤Nintendo :mldance: #4ever!!!

  • Ich finde es ehrlich gesagt etwas schockierend, dass viele hier den Ernst des eigentlichen Themas nicht wirklich zu verstehen scheinen. Hier geht es nicht darum, gegen das Medium der Videospiele zu bashen oder das Medium als Buhmann hinzustellen. Und @Nintendo4ever!, der Vergleich von Sucht mit blutrünstigen Verbrechen wie dem Ermorden anderer Menschen ist wirklich äußerst grenzwertig. Um ein plumpes "er ist süchtig - Videospiele sind schuld!" gehts hier nicht einmal im Ansatz.

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