Nintendo Switch-Spieletest: Close to the Sun

  • Wir schreiben das Jahr 1897: Nikola Tesla präsentiert stolz sein neuestes Bauwerk Helios – das größte Schiff der Welt. Forscher aus aller Welt, sofern sie nicht der verfeindeten Gefolgschaft von Thomas Alva Edinson angehören, wurden auf das Schiff eingeladen, um ihre Forschungen unter exzellenten Bedingungen weiter voranzutreiben. Doch so schön dies alles klingen mag, als sich die Protagonistin Rose auf das Schiff begibt, ist keine Menschenseele zu sehen und der Gestank von verrottetem Fleisch liegt in der Luft. Ein Kampf (ganz ohne Waffen) um Leben und Tod beginnt und ihr seid mittendrin. Ob das von BioShock inspirierte Gruselabenteuer in unserem Spieletest einen frischeren Eindruck als die Besucher des Horrorschiffs machen konnte, erfahrt ihr hier:


    Hier geht es zum Spieletest!


    Wir wünschen euch viel Spaß beim Lesen!


    Newsbild: © Wired Productions

  • Puh, ernüchterndes Resultat. Ich habe sogar kurzzeitig erwogen, die Limited Collector's Edition zu erstehen. Fast blind quasi. Schätze, ich sehne mich so sehr nach einem neuen BioShock, dass ich mir gewünscht habe, dass dieses Spiel ein absoluter Kracher sein wird. Spielen werde ich es demnächst trotzdem. Der technischen Macken wegen werde ich aber zur Xbox-Version greifen. Mal schauen, ob sie besser läuft (und wenn ja, wie sehr). Danke aber für den Test. Ich fühle mich zumindest einmal vorgewarnt. Am Ende kann ich aber nicht anders, als selbst reinzuschauen. Und wenn es nur für ein kleines bisschen art déco ist.

  • @Felix Eder
    Vorweg: nachdem ich das Spiel vor einer Weile schon mal am PC angeschaut habe, habe ich mein Gedächtnis jetzt noch einmal auffrischen wollen. In Kapitel 2 hatte ich den Schreck meines Lebens, als mir plötzlich ein paar Vögel ins Gesicht geflogen sind.


    Jump scares sind offenbar meine Bossgegner.


    Ich will mich noch einmal für dein Interesse bedanken. Ich schrieb ja damals, nachdem du deinen Test veröffentlicht hast, dass ich mich nach einem neuen BioShock sehne. Ich schrieb auch, dass ich dem Spiel hier trotzdem eine Chance geben wolle und die Xbox-Version ausprobieren würde. Letzteres habe ich tatsächlich erst jetzt ausprobiert.


    Wo fange ich an? Ich glaube, mit BioShock. Nicht wirklich mit BioShock, sondern mit den Dingen, die mich an das Kunstwerk von 2007 erinnert haben und die ich in Close to the Sun total genießen konnte. Wir haben ganz viel Wasser. Wir haben noch mehr art déco. Wir haben Schriftzüge und Logos und Plakate, die wir uns genauso in Rapture vorstellen können. Wir haben außerdem Bereiche, deren Namen griechischen Ursprungs sind (zuoberst das Schiff Helios, auf dem wir uns zu Beginn einfinden). Die Soundeffekte passen. Die Musik passt. Beides generell große Stärken des Titels, finde ich. Die Geräuschkulisse ist toll und ich erinnere mich noch daran, wie ich im Museum nah an Fenstern stand und richtige Gänsehaut von dem Regen bekommen habe, der geräuschvoll gegen die Fenster prasselte. Atmosphärisch hat mir das Spiel alleine in der ersten Stunde schon super viel gegeben.


    Viel mehr kam dann aber auch wieder nicht. Ich habe die ganze Zeit schon gedacht, dass ich hier, wenn ich endlich auf deine Frage antworte, viel über Potential sprechen würde. Das Potential ist nämlich erst einmal riesig. Dass das Spiel so kurz ist, stört mich nicht. Dass es hauptsächlich aus Erkundung besteht, stört mich genauso wenig. Gone Home ist kürzer und besteht ausschließlich daraus, ein Haus zu erkunden und ist eines der besten Spiele der letzten Jahre. Ich weiß noch, wie angespannt ich die ganze Zeit war, ohne dass die ganze Zeit ein Gegner auf mich lauerte. Ich muss sagen, Close to the Sun hätte von mir aus genau das bleiben können. Auf die Verfolgungsjagden hätte ich nämlich verzichten können. Einfach nur das Schiff und seine Geschichte, das Schicksal der Passagiere zu ergründen, Sammelgegenstände aufzuheben und Zeitungsartikel zu lesen hätte mir gereicht. Stattdessen sind leider genau die Elemente, die mir gereicht hätten, teilweise zu kurz gekommen. Dass die Sammelgegenstände nur im jeweiligen Kapitel einsehbar sind, hast du ja schon geschrieben. Das ist ein Riesendämpfer, finde ich! Da ist unendlich viel Potential verschenkt worden. Man hätte Sammelgegenstände, Zeitungsartikel und dergleichen zu spannenden, im Hintergrund verlaufenden Nebenstories zusammenfügen können. Ich will eigentlich auch mal zehn Sekunden nicht über BioShock reden, aber die Tonbandaufnahmen dort haben Geschichten erzählt und nach und nach immer mehr Fascetten aufgedeckt. Das passiert in Close to the Sun auch, aber eben nicht so sehr und umfänglich, wie es hätte sein dürfen (wäre es nach mir gegangen). Das klingt jetzt super kritisch, aber ich habe es trotzdem total genossen, in diese Welt einzutauchen. Es ist klar, welches Spiel die große Inspiration war, aber Close to the Sun ist letztlich doch ein vollkommen anderes Spiel. Erkundungsspiele sind schon irgendwie cool. Mich hat auch The Park vor ein paar Jahren ziemlich gefesselt. Das sind kurze Reisen, die mal mehr und mal weniger hängen bleiben. Trotz der Mängel und einer Story, die ebenfalls Potential verschenkt hat, bleibt bei mir etwas hängen, weil die Atmosphäre einfach unglaublich viel rausreißt.


    Übrigens: bis ich gemerkt habe, dass man auf LT (oder ZL auf der Switch) rennen kann, hab ich sicher schon zwei Stunden gespielt. Ich weiß immer noch nicht, ob ich mich dumm fühlen soll oder die Wahl der Taste. Gestört hat mich auch, dass ein Sprung den Bewegungsfluss total stört. Nach jedem Sprung bleibt Rose kurz stehen. Das verstehe ich nicht. (Wenn ich durch die Gegend erkunde und springe, dann nehme ich den Schwung mit und laufe schnell zum nächsten Zeitungsartikel weiter, statt stehen zu bleiben.)


    Ja, also... ein wenig Fazit stand ja im vorletzten Absatz schon drin. Ich mag das Spiel irgendwie immer noch gerne, auch wenn ich jeden Kritikpunkt in deinem Test inzwischen sehr gut greifen kann. Die 6 als Bewertung finde ich sogar auch in Ordnung, auch wenn ich das Gefühl habe, dass die 6 für die meisten Leser*innen sagt: "das Spiel ist Mist". Die "Wort-Bewertung" sagt eher aus, was ich über Close to the Sun denke: überzeugend! Wenn eben auch leider nicht auf jeder Ebene. Trotzdem schön. Nicht mal, weil es grafisch auf Topniveau wäre, aber das war BioShock auch nie. Hups, nun habe ich es doch wieder erwähnt. Egal.

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