Glücksspiel-Vorwurf: Neue Klagen gegen FIFA 20 eingereicht

  • In Frankreich sieht sich EA mit zwei Klagen gegen FIFA 20 konfrontiert, welche die Fußball-Simulation als Glücksspiel mit Echtgeld bezeichnen. Im Speziellen geht es um den Spielmodus FIFA Ultimate Team (FUT), der bislang ohne Glücksspielhinweis gekennzeichnet wurde und auch auf der Nintendo Switch verfügbar ist: In FUT können durch Echtgeld FIFA-Points und Packs gekauft werden, die nur in sehr seltenen Fällen wirklich gute Spieler enthalten.


    Eine der beiden Klagen wurde vom Pariser Anwalt Victor Zagury eingereicht, der das Lootbox-System in FIFA: 20 als "illusorisch" und "süchtig machend" bezeichnet sowie über seinen 32-jährigen Klienten Folgendes schreibt:

    Zitat

    In diesem Spiel will jeder ein Traumteam erlangen, das so weit wie möglich kommt. Mein Klient hat 600 € innerhalb von fünf Monaten ausgegeben, ohne einen einzigen richtig guten Spieler bekommen zu haben. Die Entwickler dieses Spielmodus haben ein illusorisches und besonders süchtig machendes System entwickelt: Je mehr du zahlst, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, bessere Spieler zu bekommen. Wir glauben, dass ein reines Glücksspiel in dieses Videospiel integriert wurde, da der Kauf von Packs nichts Weiteres als eine Wette darstellt. Es ist wie ein Casino, das die Häuser der Spieler erobert hat. Heutzutage können elf- oder zwölfjährige Teenager ohne Restriktionen FUT spielen und Geld überweisen, da es keinerlei System der elterlichen Kontrolle in diesem Modus gibt. Belgien und die Niederlande haben dieses Problem bereits erkannt.

    Der betroffener Klient beschreibt seine miserable Situation folgendermaßen:

    Zitat

    Ich habe 600 € für die Packs ausgegeben und der beste Spieler, den ich bislang bekommen habe, ist lediglich Kostas Manolas vom SSC Napoli... ich kannte diesen Spieler zuvor nicht mal! So viel Geld auszugeben, nur um dann letztlich mit Manolas dazustehen... andere Leute, die ich kenne, haben 2000 € oder 3000 € investiert, es ist verrückt! Die Summe, die ich ausgegeben habe, hat dazu geführt, dass ich mit den Zahlungen meiner Miete nicht mehr hinterher kam.


    In Belgien gelten Lootboxen in Videospielen als Glücksspiel und wurden von der belgischen Komission bereits im Jahre 2017 verboten (wir berichteten):

    Zitat von Belgische Kommission

    Die Kombination aus Geld und Suchtverhalten ist Glücksspiel.


    Glücksspiel und Gaming an sich zu kombinieren, und das bereits in einem jungen Alter, ist schädlich für die geistige Gesundheit eines Kindes.

    Damals hatte sich EA gegen den Vorwurf gewehrt, musste aber dennoch in Belgien ihre Microtransaktionen innerhalb der eigenen Spiele abändern, um sich dort dem strengen Gesetz anpassen zu können:

    Zitat von EA

    Die Fähigkeit eines Spielers, ein Spiel zu meistern, ist nicht davon abhängig, Lootboxen zu erwerben. Spieler können diese beim Spielen des Titels verdienen, ohne dafür Geld ausgeben zu müssen.


    Dies hatte zur Folge, dass EA in Belgien für FIFA-Points kein Echtgeld mehr verlangen durfte (wir berichteten). Ob die Anwälte in Frankreich ebenso Erfolg haben und andere Länder mit Gesetztes-Verschärfungen nachziehen werden, wird sich erst zeigen.


    Seht ihr die Klagen gegen FIFA 20 gerechtfertigt und hofft ihr, dass auch in anderen EU-Ländern nach belgischem Vorbild gehandelt wird? Oder sollten Spieler bzw. die Eltern der Kinder selbst verantwortlich für Ausgaben im Spiel sein?


    Quelle: Get French Football News – Newsbild: © EA

  • Ich hoffe doch das die EU Dikta.... das Thema aufgreift und endlich im gesamte EU Gebiet der Müll verboten wird.. Da diese sich aber lieber um Pizzadurchmesser, Staubsaugerwattzahlen und so kümmert glaube ich nicht daran.

  • Ich kenne selber Leute die bei Fifa schon über 1000€+ ausgegeben haben. Glaube wenn man da einmal richtig drin ist, merkt man das gar nicht mehr.
    Das schlimme daran ist, viele machen das sogar bei jedem neuen Teil.


    Alles in der Richtung gehört Weltweit verboten, egal ob das Konsolen und Smartphone spiele sind!
    Fifa ist EAs Haupteinnahmequelle, mit FUT verdienen sie sich eine goldene Nase, denen gehört endlich mal der Hahn abgedreht! geldgieriger Verein!


    Warum man jetzt erst damit anfängt dagegen was zu unternehmen ist mir schleierhaft^^ FUT gibt es nicht erst seit letztes Jahr.

  • Es gehört verboten ohne Wenn und Aber. Dieses Thema lässt eigentlich keine Diskussion zu, das setzt nämlich Argumente für beide Seiten voraus.


    Weg mit dem Quatsch, brauch kein Mensch. Fifa hat früher auch ohne funktioniert

    The flow of time is always cruel...
    :triforce:

  • Ganz ehrlich, Lootboxen sind absoluter Müll und absolut richtig das man das kritisiert (wobei man auch sagen muss, dass man sich selbst auch etwas im Griff haben muss, 600 EUR ist schon etwas heftig).


    Generell finde ich, dass man immer die Möglichkeit haben sollte, alle In Game Käufe auch selber freispielen zu können (es sei denn, es ist expliziter Content eines neuen Battle Pass oder DLC's).

  • Bis heute dürfen in Deutschland nur in ab18-Umgebungen Arcade-Automaten aufgestellt werden, weil man Angst hatte, dass Kinder süchtig werden und ihr gesamtes Geld für die Automaten ausgeben und unter Umständen sogar zur Kriminalität verleitet werden. Dabei haben diese deutlich weniger mit Glück zu tun, sondern mit Können.


    Aber jedes 8-jährige Kind darf heute sein gesamtes Taschengeld (oder sogar das Geld der Eltern bis diese ihre erste Abrechnung dazu bekommen :ugly: ) ohne Einschränkungen und ohne umfassende Kontrollmöglichkeiten für zufällig generierte digitale Sammelbildchen ausgeben. Das lässt einen doch an jedem Sachverstand der Verantwortlichen zweifeln :S


    Da hätte die EU einmal die Möglichkeit, eine auch für "Normal"bürger verständliche Gesetzesinitiative einzuläuten, und dann interessiert sie das Thema nicht :dk:


    Ich verstehe die Hersteller, dass sie ihre Gewinne maximieren wollen, und das hat vor den Lootboxen auch ziemlich erfolgreich mit gezielten digitalen Einkäufen von Skins, etc. funktioniert und so können sie es auch gerne fortführen. Aber diese glücksbasierten Lootboxen, bei denen die Unternehmen die Glücks-Algorithmen selber programmieren und verschlossen halten, gehören verboten. Und die Begründung von EA, dass es kein Glücksspiel ist, weil man kein echtes Geld gewinnt, finde ich absolut lächerlich. Weil man hier nur noch mit verderblichen digitalen Inhalten anstatt echten Gewinnen abgespeist wird, ist es sogar noch schlimmer.

  • Es ist schön zu sehen, dass immer mehr Länder diesen Dreck verbieten wollen und auch gerichtlich dagegen vorgegangen wird. Ich bin aber nicht naiv und die Industrie wird sich weiter Wege ausdenken um den Kunden abzuziehen. Bei Nintendos Handygames sieht man wohl ganz gut wohin die Reise als nächstes geht. Statt der bösen Mikrotransaktionen kommen dann Abos ins Spiel, bestimmt kein Zufall wurden bei Animal Crossing und Fire Emblem Heroes erst kürzlich solche Abos nachgereicht. Werden die Lootboxen verboten kann Nintendo diese aus den Spielen entfernen und mit den Abos weiterhin Kohle machen. Es geht dann einfach wieder zurück zur Jamba-Sparabo-Abzocke, die bereits vor vielen Jahren für verärgerte Kunden sorgte...

  • @GS9097 Naja so würde ich das nicht sagen. Klar ist jeder für sich selbst verantwortlich, dennoch verleiten die Möglichkeiten dennoch Leute dazu, Dinge zutun, sei es Geld für unsinniges auszugeben oder Verbrechen zu begehen. Es gebe weniger Spielsüchtige, gebe es Glücksspiel nicht, es gebe viel weniger Drogenabhängige ohne die Drogen, weniger Verbrechen ohne Waffen usw.
    viele Schicksale wären schon verschont wenn man einfach die Möglichkeiten einschränkt bzw. komplett ausmerzt. Aber solange es leider leute gibt, die dafür geld ausgeben, wird es nicht verschwinden.

  • weiß nicht
    Finde lootboxen auch doof und würde ihnen nicht nachweinen wenn sie verschwinden.
    Ich finde aber auch das wenn jemand sich nicht unter Kontrolle hat der/ die ein generelles Problem hat und Hilfe braucht... da braucht man nicht mit dem Anwalt um die Ecke kommen...
    Ausgenommen natürlich Kinder! Die sollten zu sowas keinen Zugang haben.

    Ssssssswitch

  • Ich finde dass Lootboxen die Pest in Videospielen sind und wäre für ein komplettes Verbot. Manchmal wurde das so nervig eingesetzt, dass man quasi dazu genötigt wurde Geld auszugeben um voran zu kommen. Manche Spiele wurden bereits in Test abgestraft unter anderem das aktuelle NBA 2K20. Das ist der einzige Weg wirksam gegen solche Methoden vorzugehen indem man die Spiele in den Tests sehr stark abwertet. Dann werden sich die Entwickler das genauer überlegen, sowas in ihre Spiele einzubauen.

    Der Sinn des Lebens besteht nicht darin ein erfolgreicher
    Mensch zu sein, sondern ein wertvoller
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    Baumeister-ID: J61-6CF-KQG

  • Habe schon ewig kein FIFA mehr gespielt aber wird im Spiel angezeigt wie hoch die Chance ist Spieler X zu erhalten?


    Bin generell auch gegen Lootboxen. Ein Bezahlmodell hingegen wo es nur um kosmetische Items geht, finde ich okay. Irgendwie müssen auch Entwickler den dauerhaften Support und Kontent in ihren Spielen finanzieren. Das geht nicht nur mit den reinen Verkäufen der Spiele an sich.

  • @Lecce
    Das stimmt, gegen kosmetische Items hätte ich gar nichts, aber diese Lootboxen verhindern den Fortschritt, weil das Spiel dann so programmiert, dass man ohne Lootboxen zu nutzen sehr viel länger braucht um gewisse Inhalte im Spiel freizuschalten. Das selbe versuchte 2K auch mal in einem WWE, ich weiß nicht ob es 2K17 oder 2K18 war, aber sie verabschiedeten sich dann schnell wieder davon, gut möglich, dass das dann auch bei NBA 2K21 der Fall sein könnte. Bevor es Internet gab ging es ja auch problemlos ohne. Man bekam für 60 Euro ein vollwertiges Spiel ohne Zusatzkäufe befürchten zu müssen.

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  • @otakon
    Normalerweise bekommen Spielsüchtige im Casino Hausverbot, damit sie nicht ihre ganze Kohle verzocken können, ist bei Apps deren Betreiber irgendwo in der Karibik sitzen schwer durchzusetzen. Denn wenn jemand die Kontrolle verliert kann er meistens nichts dafür und die Casinos und auch App-Betreiber arbeiten mit psychologischen Tricks um Belohnungszentren im Gehirn anzusprechen. Gerade Junge Männer in den 20-30ern gelten da als sehr anfällig. Was denkst du wer für die aufkommen muss, wenn sie durch übermässiges zocken alles verlieren und dann ohne Job und Geld dastehen? Die landen in der Sozialhilfe und werden vom Staat, also letzt endlich vom Steuerzahler finanziert. Darum ist es auch eine staatliche Aufgabe solche Sachen zu verbieten oder zumindest einzudämmen bevor der Schaden ausartet. Wenn die Politik nicht handelt, dann kann man vor Gericht mal entscheiden lassen, ob Lootboxen Glücksspiel sind.

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