Ausführliche Famitsu-Kolumne veröffentlicht: Masahiro Sakurai äußert Kritik an Japans zögerlichen Coronavirus-Maßnahmen

  • In den letzten Wochen hat sich Masahiro Sakurai, Schöpfer der Super Smash Bros.-Reihe, vermehrt über den Einfluss der Coronaviruskrise auf die Videospielbranche geäußert. So berichteten wir unter anderem davon, dass die Entwicklung der DLC-Kämpfer sich möglicherweise verzögern könnte – seit letzter Woche wurde zudem Sakurais Arbeit an Super Smash Bros. Ultimate aufgrund des landesweit ausgerufenen Notstands komplett ins Homeoffice verlegt.


    Nun ist die neuste Ausgabe der Famitsu-Kolumne vollständig veröffentlicht worden, in welcher der Director von Super Smash Bros. Ultimate sehr ausführlich seine Meinung über die Coronavirus-Lage schilderte und zudem verriet, mit welchen Spielen er diese schwierige Zeit in seiner Freizeit überbrückt. Masahiro Sakurai übte zudem überraschend scharfe Kritik an Japans Vorgehen im Kampf gegen die Krise – wichtig anzumerken ist hierbei allerdings, dass sämtliche seiner Aussagen noch vor der Ausrufung des Notstands in Japan und somit vor den strengeren Maßnahmen der japanischen Regierung erfolgt waren. Lest euch in den folgenden Absätzen die übersetzte Zusammenfassung der wichtigsten Teile der aktuellen Famitsu-Kolumne durch:


    Sakurai erläuterte zunächst, dass er in seinen Kolumnen normalerweise im Vorhinein über aktuelle Themen berichtet und wir dies aufgrund der sich rasch ändernden Coronavirus-Situation bedenken sollen. Zu jenem Zeitpunkt, an dem er seine Gedanken niederschrieb, hatte Japan den Bewohner geraten, ihr Haus nicht zu verlassen, doch laut Sakurai sei diese temporäre Warnung zu lasch gewesen und habe den Ernst der Lage nicht angemessen genug vermittelt, denn in anderen Ländern waren medizinische Institutionen bereits unter dem großen Druck zusammengebrochen. Erst als der japanische Komiker Ken Shimura, die erste sehr bekannte japanische Persönlichkeit, am COVID-19 gestorben war, sei vielen Leuten die Schwere der Krise bewusst geworden.


    Über 720.000 Menschen waren weltweit bereits am Coronavirus erkrankt, 34.000 Leute gestorben, ohne Aussicht auf Besserung, was die Kurve der Neuinfektionen angeht (Anm.: Mittlerweile ist die Zahl der Infizierten bereits bei 2,3 Millionen und die Zahl der Toten bei 159.000 – die Zahlen von Sakurai stimmen mit jenen des 29. März 2020 überein, was darauf schließt, dass Sakurai bereits vor knapp 20 Tagen die aktuelle, erst kürzlich veröffentlichte Kolumne geschrieben hatte). Ein Drittel der Welt waren laut Masahiro Sakurai bereits abgeriegelt und in einigen Ländern würden Menschen im Falle einer Missachtung der Ausgangsbeschränkungen sogar geschlagen oder von der Polizei verhaftet werden. Als Spanien Maßnahmen setzte und jede nicht notwendigen Arbeit für zwei Wochen verbat, habe Sakurai bereits geahnt, dass ähnliche Ankündigungen auch weltweit folgen würden. Sakurai verstand durchaus die Intentionen hinter diesen Maßnahmen – Jobs, die mit öffentlichen Angelegenheiten, Medizinversorgung und Gesundheit, täglichen Bedürfnissen sowie Infrastruktur und Transportation zu tun hatten, sollten weiterhin ausgeführt werden, nicht notwendige Events, Restaurants und ähnliche Services wurden hingegen verboten.


    Was notwendige und nicht notwendige Arbeiten betrifft, habe es auf Twitter einige Diskussionen gegeben. Sakurai habe einige halb-ironische Kommentare gelesen, in denen stand, dass die Welt auch in dieser Zeit solch nicht essentielle Services brauchen würde. Generell seien laut Sakurai alle Jobs wichtig und es gäbe soetwas wie weniger erforderlichen Jobs nicht, denn wenn ein Job existiert und Leute Geld für diese Arbeit bezahlen, dann sei es automatisch ein notwendiger Job. Generell sollte es in dieser Hinsicht keine Unterschiede zwischen Job-Kategorien geben. Doch während der Krise sei es laut Sakurai notwendig, anders zu denken und genau deshalb sind schon einige Alternativen für nicht essentielle Jobs etabliert worden. Generell verstehe Sakurai zwar, dass es für Leute notwendig ist, weiterhin Geld zu machen und für notwendige Services zu zahlen, doch antisoziale Praktiken wie Käufer zu täuschen oder Sachen in großen Mengen wegzukaufen, nur um diese dann zu einem extrem hohen Preis zu verkaufen findet er verabscheuungswürdig.


    Zwar fokussierte sich laut Sakurai die Regierung stark auf das Funktionieren der essentiellen Jobs, auch das Abhalten von Zusammenkünften mehrere Menschen sei eine wichtige Maßnahme, doch generell haben viele Japaner eine strenge Disziplin in Bezug auf ihre Arbeit und würden immer zur Büro-Arbeit gehen wollen, egal was gerade passiert. Zudem sagte Sakurai, dass Alternativen nicht ausreichend vorhanden gewesen seien, doch dies sei ein gänzliche separates Problem in Japan.


    Sakurai sprach in seiner Kolumne auch über die Videospielentwicklung – so gehören Videospiele sicherlich nicht zu einer täglichen Notwendigkeit und er verstehe, dass Entertainment-Jobs zu den ersten Arbeiten gehören, die in solch einer Krise zurückgefahren werden müssen. Jedoch betonte Sakurai, dass es recht effektiv sei, mit Videospielen daheim die Zeit zu verbringen, denn besonders in Zeiten der Krise sei Entertainment wichtig für uns alle. So verriet Masahiro Sakurai, dass er zurzeit Animal Crossing: New Horizons und den Side-Scrolling-Platformer J.J. & Jeff in der Freizeit spielt und Videospieltitel wie diese uns trotz der Krise Freude bereiten können.


    Als wichtigste Maßnahmen, die jeder einzelne von uns beherzigen sollte, nannte Sakurai abschließend das Vermeiden von Kontakt mit anderen Personen und besondere Vorsichtsmaßnahmen wie regelmäßiges Händewaschen zu beherzigen.


    Was sagt ihr zu den sehr detaillierten Einblicken in die Gedanken von Masahiro Sakurai in Zeiten der Coronakrise?


    Quelle: Twitter (Sephazon), Go Nintendo, Worldometers – Newsbild: © Nintendo

  • Übrigens scheint J.J. & Jeff (die japanische Originalversion) auf einer Comedy-Show mit dem am Coronavirus verstorbenen Komiker Ken Shimura, den Masahiro Sakurai erwähnt hat, zu basieren. Das dürfte der Grund sein, wieso Sakurai dieses Spiel aktuell spielt. Ich habe davon zuvor noch nie gehört, kennt jemand von euch das Spiel?

  • Recht hat er. Die Handhabung der Krise seitens der japanischen Regierung ist eine Katastrophe.
    Wohne in Japan und sehe es jeden Tag erneut. Viel zu spät hat die Regierung begonnen Maßnahmen zu treffen, und selbst jetzt bittet(!) sie die Menschen lediglich zu Hause zu bleiben. Von einem Lockdown kann keine Rede sein. Folglich halten sich die wenigsten dran. Nach wie vor sind Pendlerzüge prall gefüllt (da Büros Angestellte nach wie vor zum Kommen zwingen - Telearbeit ist extrem selten) und Menschen gehen normal Shoppen, Spazieren oder in Parks abhängen.
    Und falls jemand Symptome hat, werden Tests und Behandlung bis aufs Blut verweigert oder hinausgezögert - alles um die offiziellen Zahlen gering zuhalten und international nicht "das Gesicht zu verlieren".

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