Gründer von Rockstar San Diego über die Zusammenarbeit mit Nintendo und Shigeru Miyamoto

  • Das Magazin Polygon hat sich mit Diego Angel, Gründer von Angel Studios (heute: Rockstar San Diego), getroffen, um über seine Zeit in dem Unternehmen zu sprechen. Angel Studios war zunächst als 3D-Animationsstudio für Filmproduktion gegründet worden, da Angel ein hohes Interesse an der damals noch recht jungen Technologie der 3D-Computergrafik und -Animation zeigte. Erste Schritte in die Videospielentwicklung wagte das Unternehmen in den frühen Jahren der Neunziger, obwohl Angel selbst nur wenig Interesse an Videospielen hatte.


    Zusammen mit Silicon Graphics hat das Team an einer Grafikdemo für den 3D-Computer von Silicon Graphics gearbeitet, welcher einigen Industrievertretern gezeigt wurde. Einer der Vertreter war Genyo Takeda, ehemaliger Leiter von Nintendos Hardware-Entwicklung sowie für einige Jahre Representative Director des japanischen Unternehmens. Beeindruckt von der Demo, hegte er ein großes Interesse an Angel Studios und suchte das Gespräch mit Diego Angel. Das Gespräch war laut Angel ein Erfolg und Takeda bat um etwas Zeit, um intern über eine Kooperation mit dem Unternehmen nachzudenken. Allerdings bluffte Angel mit der Aussage, dass er derzeit mit Sony über eine Zusammenarbeit sprechen würde. Zu dieser Zeit hatte Angel Studios bereits mit Microsoft und SEGA kooperiert.


    Im Februar 1995 kündigte Nintendo an, dass zehn Dritthersteller Exklusivspiele für das Nintendo 64 entwickeln werden. Neben Angel Studios gehörte auch DMA Design, welches später zu Rockstar North wurde, zu den zehn Entwicklern. Die Arbeit mit Nintendo hat für Angel einiges verändert und letztendlich wohl den größten Einfluss auf sein Leben. Denn er hatte nicht nur die Gelegenheit, andere erstklassige Entwickler näher kennenzulernen, sondern auch mit Shigeru Miyamoto in Kontakt zu treten. Miyamoto hatte Angel schließlich eine komplett neue Design-Philosophie vermittelt, als sie zusammen am eingestellten Rennspiel Buggy Boogie arbeiteten.


    Miyamoto kam nach San Diego um den Projektstand zu besprechen und Angel hatte sich 45 Tage lang auf dieses Treffen vorbereitet. Doch nach nicht mal 15 Minuten schob Miyamoto das Desgin-Dokument zu Angel zurück und wollte es nicht mehr weiterlesen. Angel war darüber schockiert, doch Miyamoto sagte laut Angel:

    Zitat

    Ich möchte nicht irgendwelche Spieleideen. Die nächsten drei Monate arbeiten wir an der Technologie und sorgen dafür, dass diese sich gut anfühlt. Du wirst das meiste von diesem Mist wegschmeißen.


    Clinton Keith, welcher zu dieser Zeit Software Director bei den Angel Studios war, konnte sich das Verhalten Myamotos gut erklären. Wenn jemand versagen sollte, müsse damit schnell umgegangen werden, ohne viel Geld fehlinvestiert zu haben. So ging Nintendo nun einmal vor -sie vergaben Verträge mit einer Laufzeit von drei Monaten. Miyamotos Auftrag an die Vertragspartner war einfach: Sie sollten keine Dokumente schreiben, sondern den Spaß in ihren Ideen finden und diese Miyamoto nach drei Monaten präsentieren.


    Nach einem Jahr und einer Zahl an kleinen Verträgen mit Nintendo wurde das Spiel Buggy Boogie, in dem Rennautos andere Rennautos essen sollten, um deren Fähigkeiten zu erhalten, eingestellt. Es gelang Angel Studios nicht, den Spaß in dieser Idee zu finden. Doch das Gute an der ganzen Geschichte war, dass so nicht viel Geld verbrannt wurde und die Beziehung zwischen den beiden Unternehmen weiterhin bestehen blieb.


    Andere Spiele, die von Angel Studios für das Nintendo 64 erschienen, waren Major League Baseball featuring Ken Griffey Jr. von 1998, Ken Griffey Jr.'s Slugfest von 1999 und die Portierung von Resident Evil 2, für die das Unternehmen auch seitens Capcoms viel Lob erhielt. Auf der damaligen PlayStation waren zwei CDs von Nöten, während Angel Studios das Spiel so gut portieren konnte, dass es auf ein Modul mitsamt neuer Funktionen passte, welches eine kleinere Datenmenge als eine CD speichern konnte.


    Von der technischen Leistung beeindruckt, wandte sich Capcom an Angel Studios, die nun eine neue Marke entwickeln sollten. Diese gestaltete sich mit der Zeit zu Red Dead Revolver. Nach einigen Jahren der Entwicklungshölle (eine Phase, die eine Entwicklungszeit beschreibt, in der kaum Fortschritte an einem Projekt erzielt werden), ließ Capcom die Entwicklung abbrechen. Doch Diego Angel war nicht mehr Inhaber des Studios, denn Rockstar Games, vorheriger Partner von Angel Studios, hatte mit Grand Theft Auto 3 genug Umsatz erzielt, um Angel Studios und die 125 Angestellten zu übernehmen. Die Angel Game Engine wurde dann zur Rockstar Advanced Game Engine (RAGE) und wird seitdem für viele Spiele von Rockstar genutzt. Angel Studios selbst wurde zu Rockstar San Diego umfirmiert.


    Diego Angel verließ Rockstar 2005 und arbeitet nun in der Restaurant-Branche. Was haltet ihr von seinen Aussagen?


    Quelle: Polygon – Newsbild: © Nintendo

    Xbox Series X | Nintendo Switch

  • Diese Insidergeschichten interessieren mich immer brennend. Ich war damals noch sehr jung und das Internet tuckerte und trällerte noch über laute Modems. Die einzige Informationsquellen waren Zeitschriften. Kaum vorstellbar heute.
    Wenn ich den Artikel so lese bedauere ich es, dass die beiden Firmen nicht in Gamecube, Wii etc -Zeiten intensiver miteinander zusammengearbeitet haben. Ein rdr als Kooperationsprojekt von Rockstar und Nintendo wäre ein Traum.
    Ich erinnere mich auch an einen anderen Artikel auf nintendolife, in der beschrieben wurde, wie angsterfüllt Firmen auf die Besuche von Miyamoto hingearbeitet haben. Er ist wohl bekannt dafür, Projekte in Sekunden auseinanderzunehmen, bei denen er kein spaßiges Konzept erkennen kann. :D Irgendwie aber auch beeindruckend, was für einen guten Instinkt Miyamoto bezüglich Spielspaß hat.

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