Sind Videospiele Kunst?

  • Sind Videospiele Kunst? Diese Frage beschäftigt die Szene schon deutlich länger als man meinen möchte. Seit Jahrzehnten kommt diese Thematik immer wieder auf und in Zeiten von Indie-Titeln, die immer häufiger das Prädikat "künstlerisch" erhalten, wollen wir dem Ganzen einmal auf den Grund gehen. Doch seid gewarnt, ganz so einfach ist die Sache naturgemäß natürlich nicht.


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    Newsbild: © Nintendo

  • Sehr komlexes Thema, aber die Frage hat mich persöhnlich nie gejuckt. Ich bin nur froh das die Videospiele so langsam aber sicher einen festen Stand in unserer Kultur bekommen und nicht immer als Zeitverschwendung oder Faulheit :rolleyes: abgehakt wird.
    Aber ja, einigen Spielen kann man wirklich einen Kunststempel aufdrucken, während andere eher nicht geeignet sind.
    Wie gesagt, ich denke da nicht so drübet nach, ich spiele sie lieber und genieße :love:

  • Ich würde das so formulieren:
    Ein fertiges Videospiel ist das Produkt künstlerischer Begabung. Die Vorarbeit besteht meistens aus Skizzen/Zeichnungen (Artworks). Diese, noch nicht, steuerbaren Elemente stellen demnach die eigentliche Kunst dar, die rein passiv betrachtet und interpretiert werden kann. Die Verantwortlichen im Artdesign sind also die Künstler. Diejenigen, die mit diesen einzelnen Kunstwerken arbeiten, um ihnen „steuerbares Leben“ einzuhauchen sehe ich als die Designer an. Erst zum Schluss ist diese Kunst zu einem Produkt zusammengefügt worden.
    Ob dieses Endprodukt vom Konsumenten als Kunst angesehen wird oder nicht bleibt eine individuelle Angelegenheit.


    Ein sehr gutes Spezial; gerne mehr in der Art.

  • Videospiele sind Kunst und ein Produkt.
    So wie Filme, Musik und Gemälde es im Endeffekt ja auch sind. Klar manche haben mehr Anspruch an die künstlerische Seite als andere aber irgendwo steckt immer eine künstlerische Seite drinnen. Deshalb finde ich beide Begriffe treffen zu, mal mehr und mal weniger.

  • es ist immer leicht alles mögliche als kunst abzutun aber wo zieht man die grenze? sind nur bestimmte spiele kunst oder gar alle vielleicht aber auch keines? am ende liegt es im auge des betrachters wenn ich mir aber angucke was alles in den letzten 2 dekaden als kunst betitelt wurde(viedeospiele mal ausgenommen) kann ich nur resigniert den kopf schütteln aber um die frage zu beantworten in meinen augen sind nur bestimmte spiele kunst vor allem jene bei denen optik gameplay und soundtrack zugleich überzeugen konnten immerhin sollte kunst ein wohlwollendes gefühl beim betrachtenden sorgen ||

  • Viele Gemälde die wir heutzutage ausstellen in Museen und Ausstellungen waren Aufträge oder sollten/wurden verkauft.


    Also ist Kunst auch ein Produkt und schließt sich nicht gegenseitig aus, Künstler erschaffen künstliche Dinge also Dinge die so nicht in der Natur, natürlich, entstehen.
    Zwar auch aus Expressionismus aber davon kann ein Künstler nichts zum Essen kaufen.


    Kurzum, ja Spiele sind Kunst... aber wie immer schwankt deren Einfluss und deren Qualität.

  • Natürlich sind Spiele Kunst, aber es ist auch eine Kunst gute Spiele wie The Last of Us Part 2 zu erschaffen (welches auch schafft die Spielerschaft zu spalten), ebenso wie es Kunst ist ein schlechtes Spiel wie Babsy oder die CDi Zeldas zu kreieren. Wobei auch sicher diese Werke Fans haben, da Kunst nunmal sehr subjektiv ist und im Auge des Betrachters liegt, so verquer die auch zu sein mag.
    Was für den einen Kunst ist, ist für den Anderen vielleicht so eine eine Perversion des Lebens. ;)

  • @Solaris


    Ich würde da schon unterscheiden. Es gibt Entwickler die Leidenschaft, Kreativität und Herzblut in ihre Spiele legen. Ein Death Stranding ist, unabhängig davon ob man es mag oder nicht, Kunst.


    FIFA XX von EA ist ein Produkt aber keine Kunst. Und die Massenware nach Prinzip 08/15 das irgendwann mal funktioniert hat von Ubisoft sind imho auch keine Kunst.


    Allerdings heißt das auch das Videospiele in der Gesellschaft angekommen sind. Sie bewegen sich wie alle Unterhaltungswerke im Spannungsfeld zwischen Kunst und Produkt.

    "Wie beim Kartenspiel kommt es auch im wirklichen Leben darauf an, das Beste aus dem zu machen, was einem gegeben wurde, anstatt sich über ein ungünstiges Blatt zu beschweren und mit dem Schicksal zu hadern. "


    Astor-Pokemon

  • Ich finde den Vergleich zum Musikstück ganz spannend und aufschlussreich. Als jemand, der Instrumente spielt, ist ein Musikstück nicht unbedingt etwas zum Anhören, sondern auch etwas zum selbst Spielen. Dabei ist die Kunst, die existiert, die Vorgabe, die der Komponist geschrieben hat. Es ist aber noch mal eine ganz andere Kunst, das Stück selbst umzusetzen. Der Faktor der Interaktivität macht also eindeutig nicht aus, ob ein Videospiel nun Kunst ist. Alleine die Vorgabe, die vom Entwickler gegeben ist, ist Kunst, da sie kreativ ist und von jedem anders wahrgenommen und erlebt werden kann.

  • Videospiele sind Kunst an Fliesband. Die Künstler müssen Tag für Tag hart abliefern und das in einer sehr hohen Qualität. Teilweise muss vieles auch nach Schema F ablaufen, damit auch jeder in der breiten Zielgruppe das Thema versteht.


    Ich würde sagen, es ist von Spiel zu spiel abhängig. Ori & the will of the wisps ist für mich definitiv Kunst. Zelda ist eher Kunst aber sowas wie FIFA ist einfach nur Fliessbandarbeit.

  • Ich sehe es auch so, dass Videospiele Kunst sind, außer diese sich jedes Jahr wiederholenden Sport- und Rennspiele.
    Die meisten Spiele besitzen ja eine eigens kreierte Welt, die aus einer künstlerischen Fede entstanden ist, vielleicht einem echten Ort nachempfunden, aber nicht kopiert - und somit finde ich, dass es Kunst ist.
    Es ist in der Tat ein sehr weitläufiges Thema und jeder mag seine eigenen Ansichten dazu haben, aber das ist so das erste, was mir dazu persönlich einfällt.

  • Super Artikel. Ich würde ihm auch 100 Yeahs geben, wenn das möglich wäre. Ein sehr interessantes Thema, welches sehr gut von allen Seiten beleuchtet und dann auch noch in einem sehr gut leserlichen Text verpackt wurde. Wirklich meine höchste Anerkennung :thumbup::thumbup::thumbup:


    Ich wollte auch mal einen Artikel zu dem Thema machen, ist aber eigentlich unnötig weil dieser hier fast alles umfasst. Um die Debatte sinnvoll zu führen ist es meines Erachtens wichtig das Kriterium der passiven Beobachtung zu erwähnen, was Videospiele per Definition oft eben nicht zu Kunst macht. Der zweite wichtige Punkte ist zu erwähnen, warum die Einordnung eben wichtig sein kann, sprich Zensur und Fördermittel. Von daher habe ich eigentlich nur Kleinigkeiten hinzuzufügen:

    • Ich denke auch, dass der Grund warum Videospiele inzwischen mehr gefördert werden eher wirtschaftliche Hintergründe hat. Dies ist wiederum bei einem so umstrittenen Thema wie Videospiele einfacher zu vertreten, wenn man eben der wirtschaftlichen Bedeutung eben auch eine kulturelle Relevanz attestiert und das ist mit dem Label "Kunst" einfacher zu machen.
    • Auch wenn Videospiele nicht mehr nur das Label des Spielzeugs haben wie in den 90ern, oder das der gefährlichen Killerspiele und Süchtig-Macher der 00er Jahre, fühlt man sich als Videospieler womöglich oft noch mit seinem Hobby nicht ernst genommen. Von daher ist man auch als Spieler womöglich dazu verleitet das Label Kunst zu verwenden um seinem Hobby mehr Relevanz zuzuschreiben. Kunst ist in diesem Fall meines Erachtens nach ein Platzhalter und Stellvertreter für die Ästhetik und Visualisierung der Spielewelten, für die Möglichkeit der Entfaltung der eigenen Kreativität und für die gesellschaftliche Relevanz, die das Medium durch die Thematisierung und Verhandlung von gesellschaftlich und politisch relevanten Themen erhalten hat. Kurzum: Man möchte als Spieler damit ausdrücken, dass Videospiele eben weitaus mehr sind als nur reine Software und/oder nur Spielzeug.

    Da Kunst eben kein einheitlich definierter Begriff ist, kann man nicht abschließend sagen, ob Videospiele Kunst sind oder nicht. Es gibt verschiedene Kriterien. Nach einer Definition sind sie objektiv Kunst, weil Videospiele die Definitionskriterien erfüllen und nach einer anderen Definition sind sie es objektiv nicht, da sie die Kriterien nicht erfüllen.


    Ich bin da auch persönlich hin und her gerissen. Persönlich würde ich eigentlich nicht sagen, dass sie Kunst sind, weil sie kein "Gegenstand passiver Beobachtung" sind und sie daher eine sehr weit verbreitete Definition schlichtweg nicht erfüllen. Von daher spreche ich eher von Kulturgut bzw. einem kulturell relevantem Medium. Das Medium entspricht zwar nicht dem Begriff vieler Experten ist aber dennoch ein Raum für Ästhetik, Kreativität, Entfaltung... mit einer gesellschaftlichen Relevanz.
    Andererseits hat es eben wirtschaftliche und juristische Auswirkungen, wenn etwas Kunst ist oder nicht. Für diesen Aspekt würde ich Videospiele dann doch innerhalb des Kunstbegriffs sehen wollen, einfach damit das Medium die gleichen Freiheiten und Fördermittel erhält, wie andere Medien auch.

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