Mike Rose von No More Robots berichtet aus Sicht eines Publishers über Erfahrungen mit dem Nintendo eShop

  • Die Aufmachung und das Konzept des Nintendo eShop sind seit längerem ein immer wieder heiß diskutiertes Thema und der digitale Shop stand bereits häufiger in der Kritik – insbesondere auch von Seiten der Publisher. Bereits im August hatten wir über drei Entwickler und Publisher berichtet, welche die Sichtbarkeit ihrer Spiele und das generelle Konzept des Nintendo eShop kritisiert hatten. Der Co-Founder von No More Robots, Mike Rose, hat über Twitter nun sehr ausführlich über die Erfahrungen, welche die Firma mit ihren bisher für die Nintendo Switch veröffentlichten Titeln gemacht hat, berichtet.


    Über die letzten neun Monate hat No More Robots insgesamt vier Titel veröffentlicht. Angefangen von Not Tonight: Take Back Control Edition, über Yes, Your Grace und Nowhere Prophet, bis hin zum kürzlich veröffentlichten Hypnospace Outlaw. Mit jeder Veröffentlichung hat der Publisher neue Strategien ausprobiert, Erfahrungen gesammelt und auch mit den Verkäufen auf anderen Plattformen, wie zum Beispiel Steam, verglichen. Genaue Verkaufszahlen gibt Mike Rose in seinem Tweet nicht preis, auch möchte er weder positiv noch negativ, über den Nintendo eShop urteilen, dass solle jeder für sich selbst machen. Er möchte nur seine Erfahrungen der vergangen Monate teilen.


    Mit ihrem Ersten und im mittleren Preissegment angesiedelten Titel Not Tonight: Take Back Control Edition haben sie im ersten Monat der Veröffentlichung nur 10 % der Verkäufe erreicht, die sie damals auf Steam im selben Zeitraum erzielt haben – sehr enttäuschend, wie er selbst sagt.


    Mit Yes, Your Grace haben sie dann eine konkretere Verkaufsstrategie verfolgt. Vorbesteller haben einen Rabatt bekommen, ihr Spiel wurde von Nintendo auf dessen Neuigkeiten-Seite präsentiert und im Nintendo eShop recht präsent angepriesen. Zudem gab es einen Trailer und der Zeitraum der Veröffentlichung lag näher an der Erstveröffentlichung auf dem PC. Sie erwarteten sich hohe Verkaufszahlen – so wie bereits auf dem PC – es ergaben sich allerdings nur sehr enttäuschende 8 % im ersten Verkaufsmonat, gegenüber denen auf Steam.


    Bezüglich der Nowhere Prophet-Veröffentlichung – welche immerhin 20 % der Verkäufe im Veröffentlichungsmonat gegenüber der Steam-Version erzielt hat – geht Mike Rose auf die Erfahrung mit dem Umgang von Metacritic-Wertungen ein und wie wichtig diese seiner Ansicht nach sind. Wie er sagt, zieht Nintendo gelegentlich die Metacritic-Wertung eines Spiels heran, um anhand dessen abzuschätzen, ob es in den Nintendo eShop gelangt und welche werbetechnischen Maßnahmen ergriffen werden. Als weiteren Punkt gibt er an, dass wohl häufig gerade Nintendo Switch-Spieler die Metacritic-Wertungen heranziehen, um für sich selbst abschätzen zu können, ob sich ein Kauf lohnt. Das scheint auf keiner anderen Plattform so ausgeprägt zu sein. Daraufhin hat Mike Rose sich das Metacritic-System genauer angeschaut und das Ergebnis seiner Recherche: Es lässt sich unfassbar leicht manipulieren. Um eine bessere Wertung für die Spiele zu erhalten, löschte er diejenigen, welche sich unterhalb der im Mittelfeld angesiedelten Bewertungen befanden. Das nachvollziehbare Resultat war eine durchschnittlich positivere Bewertung.


    Der größte Faktor im Nintendo eShop ist allerdings der Preis. Wie er bereits hier schon einmal erwähnt hat, hasst er die drastische Reduzierung von Spielen. Trotzdem sei es die gängigste Lösung, um im Nintendo eShop Verkäufe und Aufmerksamkeit sowie eine hohe Chart-Platzierung zu erlangen. Nach und nach haben sie ihre Spiele immer weiter reduziert, sagt Mike Rose, jedoch erst die Reduzierung um 90 % des ehemaligen Verkaufspreises hat zum durchschlagenden Erfolg geführt. We put Not Tonight landete innerhalb der ersten 24 Stunden in den Top 30 der Charts und befand sich bis zum Ende der Aktion innerhalb der Top-Ten. Das Spiel verkaufte sich innerhalb des vierwöchigen Aktionszeitraums annähernd so häufig wie die Steam-Version seit dessen Erscheinen und erzielten einen sechsstelligen Betrag.


    Problematisch bleibt aber laut seiner Aussage die Sichtbarkeit im Nintendo eShop, denn die Chart-Platzierung richtet nach den verkauften Einheiten und nicht nach der Menge der Einnahmen. Um einen konkreten Vergleich zu schaffen, wie sich die Höhe der Reduzierungen und die Platzierungen auswirken, hat er einen Vergleich angestellt:


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    © Mike Rose


    Not Tonight hat mit seiner Rabattierung von 90 % gegenüber der 40 %igen Rabattierung von Yes, Your Grace anfangs ähnlich viele Einnahmen generiert. Allerdings erst durch die Sichtbarkeit in der Chart-Platzierung sind die Verkaufszahlen und damit die generierten Einnahmen von Not Tonight explodiert. Bei Verlassen der Charts, pendelten sich die Einnahmen der beiden Titel schlussendlich dann wieder auf ähnlichem Niveau zueinander ein.


    Von den Verkaufszahlen ihres zuletzt veröffentlichten Titels, Hypnospace Outlaw, sind No More Robots leider auch eher enttäuscht. Hier hatten sie sich, gerade durch die Ankündigung des Spiels bei der Nintendo Indie World-Präsentation und den sehr guten Kritiken der PC-Version, mehr erhofft.


    Zusammenfassend gibt Mike Rose sechs Punkte an, die sie für zukünftige Veröffentlichungen im Nintendo eShop beherzigen und auch anderen Publishern nahelegen wollen:

    1. Der Nintendo eShop ist übersät mit Spielen, die massiv reduziert sind. Das ist ein gut funktionierendes Konzept und das wird sich leider auch nie ändern.
    2. Publisher sollten sich darauf konzentrieren, eine gute Metacritic-Wertung für ihr Spiel zu erlangen, denn diese scheint tatsächlich [für die Spieler und den tatsächlichen Verkauf] wichtig zu sein.
    3. Die Werbemaßnahmen seitens Nintendo [z. B. die Präsentation des Spiels auf der Neuigkeiten-Seite oder bei der „Entdecken“-Sektion im Nintendo eShop] bringt weniger, als man vielleicht denken mag.
    4. Die Möglichkeit der Vorbestellung für ein Spiel sollte genutzt werden, denn in der ersten Woche wird ungefähr das Dreifache an Verkäufen der Vorbestellungen erzielt. Damit seien die Vorbestellungen ein guter erster Indikator für die Verkaufszahlen.
    5. Die Veröffentlichung einer Demo-Version ist sinnvoll, denn es ermöglicht dem Spiel, in einer zusätzlichen Sektion im Nintendo eShop aufzutauchen.
    6. Um im Nintendo eShop zum Verkaufsstart die maximale Aufmerksamkeit zu erhalten, sollte ein Vorbesteller-Rabatt gewährt werden.


    Wie wertet ihr die Erfahrungen und Einschätzungen? Nur ein Einzelfall oder könnt ihr euch vorstellen, dass es auch anderen Publishern so ergeht?

  • Das mit Metacritic ist schon blöde. Völlig unverständlich, dass es kein Bewertungssystem im eshop gibt. So muss man immer erst selber recherchieren ob das Spiel taugt. Ich gucke dann aber lieber auf Steam, als bei Metacritic nach.
    Mit der Sichtbarkeit ist so ne Sache. Andererseits ist der eshop dafür sehr aufgeräumt und man wird nicht überall mit Werbebanner und Trailer zugekeleistert. Ein paar andere Sektionen wären allerdings durchaus Wünschenswert. Ne "Featured" Sektion oder Sektionen für Genres, ohne dass man Filter Auswählen muss, ein "wenn dir das gefälllt, gefällt dir bestimmt auch" wäre auch nett.
    Nintendo halt .. die gehen halt immer beharrlich ihren eigenen Weg, selbst wenn er kacke ist.

  • für mich sind Preis/Leistung entscheidend für eine Kauf oder eben Nichtkauf!


    wenn der Entwickler die Spielbeschreibung nur auf Englisch im E-Shop veröffentlicht und zudem eine deutsche Lokalisierung nicht bewerkstelligt, ist das Spiel für mich uninteressant!

  • Und einen wichtigen Punkt hat er vergessen. Das Spiel selber muss auch einfach interessant sein. All die Werbemaßnahmen bringen halt nichts, wenn man kein interessantes Spiel zeigt. Aus meiner persönlichen Sicht ist Yes, my Grace das einzige Spiel von denen, welches auch nur halbwegs mein Interesse wecken konnte, doch leider auch nie so stark, dass ich es mir wirklich kaufen wollte. Die Demo, die es inzwischen gibt, hat das ein bisschen geändert, doch bin ich noch immer nicht komplett überzeugt^^
    Solch Analysen sind daher immer echt schwer, da verschiedene Spiele eben verschiedene Zielgruppen ansprechen. Allerdings stimmt es natürlich mit der Rabattierung. Aber das ist auch normal. Wenn irgendwas für 1-2 Euro im Angebot ist probieren viele es eben einfach mal aus, weil sie nicht viel zu verlieren haben. Das war aber auch schon immer so, egal in welchen Shop...^^

    Zumal die Übersicht im E-Shop eh fürn Arsch ist, man sich bei den Aktionssachen allerdings noch etwas besser durch navigieren kann, da die Anzahl an angezeigten Spielen dort noch machbar ist... Dass bei dem unübersichtlichem E-Shop viele aber einfach nur auf die Charts schauen, kann ich auch gut nachvollziehen...^^


    Das mit Metacritic ist aber definitiv etwas, was Nintendo schleunigst abstellen sollte. Gerade in Zeiten, wo sich gelangweilte pubertierende Deppen im Internet sammeln, nur um gezielt die Metacritic Score von Spielen, die sie nicht mal gespielt haben, runterzuziehen...

    Ein ganz schön riskantes System, was Nintendo da nutzt, wenn das wirklich so sein sollte... o_o

  • Vielleicht sind viele Spiele einfach zu teuer. Wären sie von Anfang an deutlich reduzierter im Preis, müssten zwar mehr Stückzahlen verkauft werden um das erwünschte Ergebnis zu erzielen, aber das wäre ja scheinbar auch der Fall.

    Zu Metacritic... Ich gucke da bei Switch Spielen auch häufiger drauf, was aber ganz einfach daran liegt, dass es zum Beispiel bei PC Spielen eine viel größere Auswahl gibt sich zu informieren. Gibt einfach viel weniger Nintendo Seiten im Netz als PC oder Playstation Seiten...

    "I can´t drown my demons, they know how to swim"

  • Wenn ich mir manche Trailer von Spielen anschaue, die zwischen 15 - 30 Euro kosten sollen, kann man von vornherein sagen, dass sich diese Spiele nicht verkaufen werden.


    Wer jede Woche im eShop aktiv ist, weiß schon länger, dass Spielereduzierungen von 15,99 Euro auf 0,99 Euro zum Erfolg der Spiele führen. Viel mehr gibt man für solche Spiele in der Regel allerdings nicht aus, da die Trailer einfach aufzeigen, dass manche Sachen ihr Geld nicht Wert sind.


    Dies soll auf keinen Fall die Arbeit der Entwickler schmälern und auch nicht den Mut mal etwas Neues auszuprobieren. Jedoch ist der Gaming-Markt mittlerweile so groß und jeder Mensch kann gefühlt von zu Hause aus ein Spiel entwickeln, sodass man sich auch am Preis mit anderen Entwicklern messen muss.


    Wie gesagt: Wertschätzung für die Entwicklung ist da, aber manche Spiele sehen einfach nicht gut aus und machen nach 5 Minuten keinen Spaß mehr.

  • Es ist halt so daß es ziemlich Viele gute bzw bessere Spiele gibt wie der oben genannte Publisher raus bringt. Oft nur ein paar Cent Teurer, außerdem habe ich auf der Wunschliste meine Favoriten und sobald sie im Angebot sind 80- 90% werden sie gekauft. Die meisten Publisher wollen für ihr Spiel das sie Mal eben aufm Klo programmiert haben deutlich zu viel.

    Und außerdem wissen wir, daß wir nur lange genug warten müssen bis ein Rabatt kommt. Besser die Publisher machen wenig Gewinn wie keinen. Ich finde Nintendo macht das schon gut, klar daß der Publisher nicht zufrieden ist wenn er wenig verkauft. Außerdem sind Nintendo Spieler nicht so Niveaulos wie Steam Spieler. Das einzige was Nintendo ändern muss sind die Lags und die Übersichtlichkeit sowie die Suchoption. Und ein durchdachtes Bewertungssystem wäre auch gut.

  • Weird

    Nicht Nintendo benutzt Metacritic, die Käufer benutzen Metacritic. Daran kann Nintendo nichts ändern.


    Und ganz nebenbei: IMHO sind auch die In-Shop Bewertungen bei Sony und MS nur dafür zu gebrauchen absoluten Müll rauszusammeln (= alles was unter 4 Sternen hat, da die In-Shop Bewertungen meist zu positiv sind......das gilt auch für Steam).

  • Der Hauptgrund, wieso ich im eShop nicht ein einziges Mal gestöbert habe, ist der, dass es kein Bewertungssystem gibt.


    Es ist mir einfach zu mühselig mich selbst durch den Müllberg zu wühlen, bis ich endlich ein tolles Spiel finde. Bei einer Wertungsskala kann ich aber direkt herausfiltern, bei welchen Spielen es sich überhaupt lohnt näher zu recherchieren.

    Zitat

    Publisher sollten sich darauf konzentrieren, eine gute Metacritic-Wertung für ihr Spiel zu erlangen, denn diese scheint tatsächlich wichtig zu sein.

    Ja ach ne, Sherlock...

    Wertungen sind IMMER ein guter Richtwert, um das Spiel erst einmal oberflächlich einschätzen zu können.


    Nervig ist nur, dass man heute die Versionsnummer berücksichtigen muss, zu welcher ein Test verfasst wurde. Im Nachhinein kann es immer zu positiven, aber auch negativen, Überraschungen kommen.

  • Waldwatz

    Stand das im Text nicht anders?^^ Da steht doch, dass Nintendo anhand der Metacritic Score entscheidet, was in den Shop kommt und was nicht bzw. wie präsent es angezeigt wird. Hier die entsprechende Zeile aus dem Text:

    Wie er sagt, zieht Nintendo gelegentlich die Metacritic-Wertung eines Spiels heran, um anhand dessen abzuschätzen, ob es in den Nintendo eShop gelangt und welche werbetechnischen Maßnahmen ergriffen werden.

    Kann natürlich sen, dass ich was missverstehe aber klingt für mich recht eindeutig, dass Nintendo selber die Metascore zur Rate ziehen würde :)

  • Weird Klar muss man eine Vorstellung haben wie groß die potentielle Zielgruppe ist und gerade Indiepublisher gehen da meist doch eher von weniger potentiellen Käufern aus als realistisch mögliche Werte. Worum es ihm mit seiner Erfahrung hier geht ist, dass der eshop es sehr schwer macht bei potentiellen Käufern überhaupt sichtbar zusein. Aktuell ist es eigentlich nur möglich wenn die Spiele massiv reduziert große Stückzahlen umsetzen.
    Und die Spiele sind ja nicht schlecht. Spiele, die ich mir zwar jetzt nicht unbedingt für die Switch holen würde, aber keine schlechten. Yes, Your Grace und Nowhere Prophet hatte ich die Beta auf dem PC gespielt und Hypnospace Outlaw über Game Pass, Not Tonight hab ich dann bei dem Rabatt für die Switch geholt, aber da ich halt eh ein großen Backlog an Spielen habe, ist auch das Bedürfnis nicht so groß immer neue Spiele zukaufen.

    Interessant wird jetzt der Release von Decenders am 6. November, dass ja auch physisch im Handel sein wird und auch teurer ist. Bin gespannt wie er sich dann zu dem Release äußern wird.

  • Weird

    Aber gelegentlich und auch nur dafür ob sich eine gute Platzierung im Shop lohnt.....weiter davor wird im Interview explizit erwähnt das Sich die Käufer von Nintendo Games stärker am Metascore orientieren als die von anderen Plattforen. Deshalb ist es auch logisch das sich Nintendo hier und da mal daran orientiert für Platzierungen im Shop. Es ist eine Reaktion auf das Käuferverhalten.


    Und dagegen kann Nintendo nichts machen, sie reagieren nur.

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