Keine Freude mehr am Zocken. Werde ich zu alt?

  • Wir sind die digitalen Kinder der späten 80'er und 90'er. Viele von uns erlebten mehrere Grafik- und Generationssprünge. Wir waren und sind Teil dieser Computer- und Videospielgeschichte.


    Einst entdeckten wir wie toll es ist durch bockschwere Arcade - Welten zu kommen. Das war die spannende digitale Welt, welche die Erwachsenen so fürchteten, weil sie ihnen fremd war, aber wir waren dort zuhause. Da gab es kein "zu schwer", sondern nur den Spaß.


    Mein erstes Spiel war "Schmetterlinge" auf dem Poly-Play, dem einzigen Arcade - Automaten in der DDR. Wenig später brachte mein Vater, der Programmierer bei Siemens war, den ersten IBM Computer nachhause. Dort durfte ich dann die ganzen DOS - Klassiker wie "Prince of Persia" (den Urvater von Assassins Creed), "Lemminge", "Formel 1" usw. zocken. Nebenbei waren da noch die ersten Handhelds der Telespiele. Da erinnere ich mich noch, wie ich als Kind hinten im Auto saß und "Himmel und Hölle" versuchte zu spielen, währenddessen ich heute davon wohl Tinitus bekommen würde.


    Der GameBoy von Nintendo war die Offenbahrung, und ein hungriger Batteriefresser. "Links Awakening" ... wie habe ich es geliebt und mir vorgestellt, ich wäre Link! :awesome: Danach schenkten mir meine Mutter (Ruhe in Frieden, Mutti) und mein Vater ein SNES. Darauf suchtete ich dann "Rise of the Robots" und "Illusion of Time".


    Die PlayStation damals war jedoch der absolute Hammer, welcher mich an der Grenze zwischen Kind und Teenager traf. Gaming wurde erwachsen, und diese Videosequenzen! Ich konnte meine Musik CDs darauf abspielen! Und zu Weihnachten zockte ich die ganze Nacht "Final Fahtasy 8", und gruselte mich einst mitten in der Nacht mit "Silent Hill" (die Szene mit dem Spint vergesse ich mein Lebtag nie! :fu:), ich hatte Spaß mit Spyro, Sir Daniel Fortesque, Crash Team Racing und und und. Eine geile Zeit, und nebenbei noch die RTL2 Animes.


    Die PlayStation 2 konnte dann Raketen steuern. Raketen! :bowser_cry: Ich verschlang jeden Artikel, und kaufte Spiele, bevor ich überhaupt die Konsole besaß. Später nahm ich dann alles an Perlen mit: "Kingdom Hearts", "ICO", "Shadow if the Colossus", "FF10" usw. usf. Zu dieser Zeit liebte ich aber auch den von vielen verhassten Gamecube, und zockte u.a."MK Double Dash" und "Animal Crossing". Die Xbox war auch irre cool, vor allem "Unreal Championship 2: The Liandri Conflict".


    Ich zockte damals sehr viel, schaute Animes, Giga Games am Abend, fuhr mit meiner älteren Schwester zur Games Convention in Leipzig, hatte dutzende Games Magazine... Es war herrlich. (Fun Fact: Das Herz meiner besseren Häfte, mit welcher ich noch immer glücklich zusammen bin, konnte ich damals nur mit der PlayStation erobern, die ich ihr schenkte. Sie wuchs mit PC und Mega Drive auf, liebte aber Final Fantasy. :*)


    Der Grafiksprung von PS2/Gamecube/Xbox zur Next Gen ist für mich noch heute unvergessen. "Kameo - Elements of Power" und diese Lichtreflexionen im Palast!!!1elf Die X360 war ne Wucht! "Gears of War"... geil. Dieses Spiel musste ich jedoch aus Österreich importieren, denn damals herrschte der Kampg Gamer versus Politiker. Gaming is not a crime...

    Meine bessere Hälfte und ich unterschrieben sogar damals die Pedition von GamePro und GameStar. Die Jugend und junge Erwachsene sahen zum ersten Mal, dass Politiker offen im TV lügten und von Dingen sprachen, und über sie urteilten, ohne sich überhaupt richtig mit der Materie befasst zu haben. Jeder Amoklauf, obwohl ernsthaftere Hintergründe, wurde den Spielen in die Schuhe geschoben. Es war eine schreckliche Zeit, die zum Glück damit verpuffte, als die Politik kapitulierte und Videospiele als Kulturgut anerkannte. Noch heute gibt es den peinlichen Deutschen Videospielpreis, aber kaum Gelder die in diese Branche fließen, obwohl andere Länder damit derzeit Milliarden scheffeln.


    Die Wii trug mMn viel dazu bei, dass sich das Bild bezüglich der Videospiele und der Gamer in Deutschland änderte.


    In der PS4 - Ära hatte ich zum ersten Mal Gamingpausen. Die Xbox One kaufte ich nicht mehr, und einzig Nintendo Konsolen mussten immer her. Meine Interessen verschoben sich ein wenig, und gingen u.a. in Richtung Natur und heidnischer Glaube. Ich musste nicht mehr Day One dabei sein, und die Gamescom in Köln gefiel mir nicht mehr ganz so, währenddessen die E3 auch immer mehr abbaute. Vieles wurde vercasualisiert und die Massenware an Games wurde produziert, sowohl mobil, als auch im Indie - Bereich. Aber ohne hätte es keine Konsole geschafft, weil die Entwicklungszeiten immer länger wurden.


    Später spielte ich wieder mehr, und fand Gefallen an "Bloodborne", "Horizon Zero Dawn", "Ghost of Tsushima", "Xenoblade Chronicles X", "MK 8" usw. usf. Doch all das Aufregende verschwand für mich langsam. Nichts war mehr wirklich toll, neu oder spannend. Die Animes auf RTL2 gab es nicht mehr, und heute gucken die Kinder und Teens eher "Berlin Tag und Nacht" und "Köln haumichtot", sie zocken "Minecraft", "Fortnite" usw... Uff, ich wollte immer mit der Zeit gehen, sonst gehe ich mit der Zeit, aber wenn Zeiten sich ändern, und man selbst älter wird, ist das nicht so leicht.


    Die Switch hilft mir jedoch jung zu bleiben. Ich zocke wieder mehr, zwar nicht so viel wie früher, aber heutzutage hat man auch weitaus weniger Zeit. Was ich vermisse, sind diese aufregenden Momente. Sind sie wirklich schon vorbei?


    Die neue Gen von PS5 und Xbox Series irgendwas habe ich eher nebenbei verfolgt. Mal davon abgesehen, dass ich noch nie eine PS5 in freier Wildbahn gesehen habe... :link_woot:


    Wäre die Switch nicht, ehrlich gesagt, würde ich kaum zocken. Aber sie ist praktisch und Nintendo hat sich unseren Lebensbedingungen angepasst. Jetzt noch mit besserer Grafik und Technik (Switch Pro oder Switch 2), und es wäre wieder ein Kribbeln da, so wie einst . . . vor so vielen Jahren.

    Systeme: Switch Lite (türkis), PS4, PS2, PS Vita

    Zuletzt im eShop gekauft: Bulletstorm, Crysis, Doom 3

    Spielt zur Zeit auf der Switch: Doom 3 und Pkm Schild

    (... Alter, die Grafik von "Bulletstorm" ist ja geil, selbst im Handheldmodus. 8|)

  • Ich halte es für völlig normal, das man irgendwann halt mal "kein Bock" mehr auf Videospiele hat. Das geht doch jedem mal so und kann auch schon mal 1/2 oder gar 1 Jahr anhalten. Ging mir schon öfters so (bin Mitte 40 ) irgendwann findet man doch wieder den Zugang zurück.

    Generell sollten Videospiele nicht den Großteil der Freizeitaktivitäten ausmachen. Es sollte auch genügend Platz für andere Aktivitäten da sein (z.B. lesen, Freunde treffen, Familie etc, ausgehen, etc.)

    Es liegt auch nicht an den Spielen oder Systeme. (Soviele hochwertige Games wie heute gabs ja noch nie) . Irgendwie ist halt die Luft mal raus, wie bei anderen Sachen auch.

  • Ich glaube schon, dass das indirekt was mit dem Alter zu tun hat. Das hat meines Erachtens schon verschiedene Auswirkungen bzw. hat es das bei mir.


    Äußere Umtände: Multiplayer und Service-Games

    Viele der größten Spiele heutzutage sind Multiplayer und/oder Service-Games. Mit Seasons etc. genießt man sie am besten zu bestimmten Zeitpunkten. Das ist wenn man älter ist nicht so möglich, als wenn man mehr Zeit zum Zocken hat.

    Mir fehlt für solche Spiele nicht nur die Gesamtzeit, sondern vor allem die Möglichkeit zu einem festen Zeitpunkt X an der Konsole zu sein. Alles was mit Clans, Gilden... und kooperativen Multiplayer zu tun hat, profitiert enorm, wenn man zu festen Zeitpunkten mit festen Leuten spielt. Auch gibt es oft bei Spielen Inhalte, die an Zeitpunkte gebunden sind. Ich finde zwar immer noch zwischendurch genügend Zeit zum zocken, jedoch habe ich nicht die Möglichkeit regelmäßig einen festen Zeitpunkt fest einzuplanen. Ist das nicht möglich verlieren viele Spiele sehr viel an Reiz.


    Auch ist Online-Multiplayer gegen Fremde nicht mehr so spaßig. Zu Zeiten als es noch keine zentralen Server gab und das alles über dezentrale Privatserver lief, spielt man auf einem Server seiner Wahl mit Leute, die den passenden Skill hatten. Das ist heute kaum möglich. Spiele mit extrem vielen Spielern, sorgen durch intelligentes Matchmaking dafür, dass man mit Spielern spielt, die den gleichen Skilllevel haben. Das ist jedoch nur in der Theorie der Fall.

    Gerade bei mittelpopulären Spielen funktioniert das schnell nicht mehr. Obwohl man relativ gut in einem Spiel ist, bekommt man online nur noch auf die Fresse. Denn da gibt es die Gelegenheitsspieler und die regelmäßigen Spieler. Für das Mittelfeld ist oft kein Platz.


    Wenn die eigenen Freunde dann auch selbst keine festen Zeiten zum Zocken einplanen können, ist der spontante Online-Multiplayer mit Freunden kaum möglich. Von daher reduziert sich Multiplayer bei mir auf wenige Spiele, ganz ganz selten online und ansonsten lokal.


    Das resultiert darin, dass mit der größte Batzen an Spielen nicht unbeding schlechter ist, das volle Potential kann sich aber nicht ausfalten, da es mit meinen Lebensverhältnissen nicht vereinbar ist.


    Man kennt schon zu viel

    Spiele werden immer teurer in der Produktion und müssen daher im AAA und eigentlich auch im AA-Bereich die Masse ansprechen um sich finanziell zu lohnen. Das Resultat ist, dass bewährte Spielkonzepte immer wieder kommen. Das ist nicht schlimm und nicht vorzuwerfen, aber meines Erachtens einfach Fakt. Wer schon seit Jahren oder gar Jahrzehnten querbeet durch alle Genres hinweg zockt, der hat vieles schon gesehen. Der erste Shooter oder die erste Rennsimulation ist eben beeindruckender als die zehnte, auch wenn die zehnte der ersten, zweiten, dritten... um Welten überlegen ist.


    Man hat keine Zeit

    Da ich viel auf dem Handheld spiele und auch noch Pendler bin habe ich theoretisch genug Zeit zum zocken. Auch habe ich über 1000 Stunden Binding of Isaac auf dem 3DS und nochmal über 1500 Stunden Binding of Isaac auf der Switch gespielt. Genauso schaue ich gerne Dokus und spiele dabei sowas wie Solitaire. Daher habe ich eigentlich genügend Zeit zum zocken, immer so nebenbei.

    Ich habe jedoch keine Zeit mich wirklich auf ein Spiel einzulassen, bzw. oft habe ich keine Lust mir die Zeit zu nehmen.


    Überangebot

    Früher hatte man mehr Zeit als Spiele und sich daher mehr darauf eingelassen. Vor allem vor der Verbreitung von DSL. Es gab nicht wirklich Online-Multiplayer und selbst als Raubkopierer konnte man nicht einfach so Spiele aus dem Netz laden. Das Angebot war extrem begrenzt, daher hat man sich sehr viel auf die Spiele eingelassen. Auch gab es sonst viel weniger zu tun.

    Heutzutage hat man als Erwachsener weitaus weniger Zeit. In der Freizeit, welche man für Medien einräumt gibt es auch neben Videospielen auch bei den anderen Medien weitaus mehr Angebot als früher. Und bei den Videospielen hat man auch mehr Angebot. Weil man Geld verdient kann man mehr Spiele kaufen aber auch so gibt es durch Sales, Free2Play... sehr viele Spiele und durch Online-Multiplayer etc. hat man theoretisch mehr Zeit, die man in ein Spiel stecken kann. Das sorgt auch dafür, dass man sich oft nicht einlässt, weil man alles kurz spielt, statt etwas lange genug um sich fesseln zu lassen.


    Schlechte Story

    Machen wir uns nichts vor, Videospiele haben fast immer schlechte Stories. Selbst Spiele die oft als Positivbeispiele gelten, stinken im Vergleich zu besonders guten Film- und vor allem Buchstories total ab. Was sie wirklich gut macht ist die Immersion. Videospiele können einen durch die Interaktivität anders involvieren.

    Trotz dieser Fähigkeit, bin ich aber mit dem alter immer weniger Bereit mich auf Stories einzulassen. Mir geht die Zelda Story am Arsch vorbei. Im Endeffekt ist es eine 0815-Fantasy-Story, welche mir den Grund geben soll eine Schnitzeljagd zu machen. Ich liebe das Zelda Gameplay, würde die Story aber am liebsten skippen. Als Kind war das nicht so, da habe ich mich von sowas mehr mitnehmen lassen.


    Bei mir ist es inzwischen so, dass mein Pile of Shame dauernd wächst. Auch beschäftige ich mich inzwsichen weitaus mehr über Videospiele, als das ich tatsächlich zocke. Wenn mir das aber mehr Spaß macht sehe ich darin kein Problem. Ich zocke immer mal wieder das was mir Spaß macht und das immer noch regelmäßig.

    Richtig weggeblasen, dass ich sage ein Spiel haut mich um, das habe ich extrem selten. Den Anspruch habe ich aber auch nicht mehr, weil es auch extrem gute Spiele wegen der Umstände nicht schaffen können. Immer mal wieder kommt es dennoch vor.

    „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!“ – Bob der Baumeister

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  • Ich habs jetzt auch wieder..


    Nioh Mega begeistert gewesen, dann ein paar Tage nicht mehr angefasst und jetzt packt es mich nicht mehr.


    Hades habe ich echt viel auf der switch gespielt und noch einmal für die ps5 gekauft.

    Auch hier, 2-3 runs gemacht - keine Lust mehr drauf.


    Scarlet nexus installiert, 20 minuten gespielt. Keine Lust mehr.


    Junge junge junge ist das nervig.

  • Auch beschäftige ich mich inzwsichen weitaus mehr über Videospiele, als das ich tatsächlich zocke.

    Das geht mir aber auch so, allerdings eigentlich schon immer, nur hat das in den letzten 5-10 Jahren erheblich zugenommen. Ich lese Fachbücher, schaue Dokus, will die Technik hinter einer Konsole verstehen und beschäftige mich auch mit Themen wie Sozio-Kulturelle Wirkung des Mediums Videospiele. Es gibt halt erstaunlich viel, was mit und über Videospielen gemacht wird.

    Life is a Game.
    To be this good takes AGES.

  • Ich habe den Thread in den letzten Tagen gelesen. Ich fühle mich verstanden. Endlich verstanden! Aber zum Anfang:


    Hallo, mein Name ist BlastMe und ich habe ein Problem.


    In meiner Jugend war zocken ein Hobby von vielen. Aber ich habe es geliebt. Die gleiche Zeit, die ich auf Bolzplätzen, Bars und Diskotheken oder sonst mit Freunden verbracht habe, habe ich in DAoC, WoW, W3, CS und 100 anderen Games verlebt. Die Zeit der gefühlt 1.000 ersten Male und Wunder. Was habe ich ein Gothic bestaunt, mich in einem Morrowind verlieren können, Rekorde in Need for Speed gejagt, wochenlange Fehden wegen einer Partie Age of Wonders ausgetragen...

    Was habe ich aber auch den ersten Kuss, den ersten Rausch, den ersten Urlaub alleine, die ganzen Freiheiten geliebt.


    Heute bin ich 35. Ich habe Job, Frau, Haus und Kind. Die Organisation eines Lebens im Mittelstand ist wie eine Art Hinrichtung. Nicht falsch verstehen: ich bin glücklich, habe aber - wie ihr alle - viel individuellen Freiraum an das System verloren. Sitze nun im Leben "in der Spur".

    Vielleicht hat unser Empfinden auch damit zu tun. Vielfach liest man bei Euch raus, dass es weniger um den Wunsch geht, das gleiche (belohnende) Gefühl beim Spielen zu erleben, sondern die gleiche Situation wie "damals" zu fühlen (weniger Alltagsstress, mehr Freizeit, mehr Zeit sich mit dem Hobby auseinander zu setzen, mehr Raum für Gespräche im Freundeskreis über Games). Nachdem ich alle Beiträge gelesen hatte, habe ich zumindest den Erkenntnisgewinn:

    Vielleicht ist beim Zocken das Drumherum genau so wichtig, wie das Medium/Game selbst. Auffällig ist doch, wie häufig betont wird (und das erlebe ich auch), dass es sich am schönsten spielt, wenn der Rest des Umfelds (Kind schläft, Frau sitzt zufrieden auf der Couch, Jobstress ist okay) auch stimmt.


    Ich persönlich zocke noch immer. Vielleicht zwei Abende die Woche. Dabei erlebe ich das gleiche Sättigungsgefühl wie ihr. Aus den Socken haut mich selten was. Alles schon einmal gesehen, alles schon einmal gemacht, alles schon einmal erledigt.

    Manchen Abend hocke ich vor der Bibliothek in Steam oder der Switch, hab Bock auf Spielen, aber keinen Plan welches Game. Dann schau ich ein paar Trailer, lese Patchnotes, bearbeite Wunschlisten und gehe mit diesem Gefühl der Melancholie ins Bett. Als hätte ich von einem alten Freund zu lange nichts gehört.


    Vielleicht geht es uns, wenn wir deprimiert vor der Switch/PC hocken, gar nicht um Content, sondern es drückt die Einsicht, etwas im Leben verloren/abgeschlossen zu haben? Keine Ahnung, wie ich das in Worte kleiden soll. Ich hoffe, man kann den Gedanken nachvollziehen.


    Sehr selten passiert es aber noch: Vor einem Jahr fiel mir mit Xenoblade mein erstes JRPG in die Hände. Vorher das Segment immer ausgeschlossen; und es hat boom gemacht. Da waren neue Elemente/Ansätze/Erzählweisen:

    Vielleicht sind wir "im Alter" auch ein wenig festgefahren und schauen nicht mehr über den Tellerrand des eigenen Lieblingsgenres.


    Zum Abschluss, ich bin sehr froh zu lesen, dass ich mit diesem Gefühl nicht alleine bin. Wenn ich wieder planlos vor meinen Bibliotheken sitze, denke ich an Euch. Da draußen sind Menschen, den geht es genau wie mir! Ein großer Dank deshalb an den Threadersteller und alle, die sich hier offen zu Wort gemeldet haben. Schön ist doch, wir schauen mit Bedauern auf ein Damals zurück, das kann also nicht so schlecht gewesen sein!


    Du bist nicht allein.

  • Auffällig ist doch, wie häufig betont wird (und das erlebe ich auch), dass es sich am schönsten spielt, wenn der Rest des Umfelds (Kind schläft, Frau sitzt zufrieden auf der Couch, Jobstress ist okay) auch stimmt.

    Das merke ich auch, wenn ich mich zuvor mal mit meiner Frau gestritten habe.

    Eigentlich war geplant, dass ich noch ein wenig zocke und dann auch ins Bett gehe - aaaaber meine Laune ist dann so mies, und ich habe dann gar kein Verlangen mehr zum zocken. Wirklich unabhängig von meiner Laune an sich, bin aber wirklich dann nicht in der Lage mich ins Spiel zu versetzen, bzw. möchte mich dann in dem Moment gar nicht hineinversetzen.



    Ansonsten sehr sehr schön geschrieben von dir!

  • Dazu habe ich auch einen passenden Gedanken:


    Egal ob es zocken, lesen, Sport, Filme schauen oder was auch immer ist, es macht immer einen Unterschied was sonst so los ist. Ich nenne es mal sturmfrei: Man ist für sich alleine, der Haushalt ist gemacht, man hat keine sonstigen Verpflichtungen mit Kindern, Haustieren, Partnern, Lernen oder irgendwelche anderen organisatorischen Dinge und Erledigungen, die einem im Hinterkopf rumschweben. Man hat einen Abend, einen kompletten Tag oder sogar ein Wochenende nur für sich.


    So oft stand genau solch ein Abend/Tag/Wochenende an, bei dem ich mir so viel vorgenommen habe an, worauf ich mich so sehr gefreut habe. Wenn es so weit ist, komme ich meist noch nicht einmal dazu die Hälfte von dem zu machen, was ich mir vorgenommen habe. Nicht weil das was ich machen wollte, gar nicht in der Zeit machbar gewesen wäre, nein oft habe ich dann doch nicht abschalten können und gar nicht erst mit den spaßigen Aktivitäten angefangen. Man hat dann doch irgendwas anderes gemacht. Egal ob Haushalt oder dann doch nur im Internet gesurft, bei Youtube abgehangen oder sonst etwas gemacht, was man eigentlich auch in der "Zwischendurch-Freizeit" hätte machen können. Und im Nachhinein ärgert man sich dann über sich selbst.

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  • Dazu habe ich auch einen passenden Gedanken:

    Boh, wie die Faust aufs Auge! Kenne ich auch nur zu gut. Man ist wohl doch gar nicht so individuell, wie man denkt. Ich habe hier seit 6 Monaten die definitive Edition von Xenoblade liegen. Gab bestimmt 50 Gelegenheiten die Mal anzuwerfen. Getan habe ich das nie.


    Warum ist auch nicht erklärbar. Vielleicht aus der Sorge, es doch nicht so toll zu finden, wie erhofft? Vielleicht liegt die hier nur, damit ich an ganz schlimmen Tagen draufschauen kann und sage: "Das Game ist das Versprechen, dass es wieder besser wird." Mitunter ist sich auf etwas freuen ja besser, als es zu tun...


    Ich hoffe, hier liest ein Psychologe mit :)

  • Also tote Zeit ist für mich Zeit, die nicht wirkliche Freizeit ist, in der ich aber sonst auch nicht viel anderes machen kann, weil ich irgendwie gebunden bin (Zugfahrt, 5 - 15 Minuten zwischendurch bevor ich irgendwas anderes mache oder los muss, auf der Toilette, Abends kurz vorm Schlafen gehen...). Da habe ich heute und damals auch schon Videospiele gespielt, um die zu füllen.


    Das Problem ist halte eher, dass die richtige Freizeit so extrem gering ist. Vor allem richtige Freizeit, wo man nichts anderes im Hinterkopf hat. Mir geht es da halt so, dass diese richtige Freizeit so rar ist, dass ich unbedingt das meiste rausholen möchte. Das lähmt mich fast schon so sehr, dass ich gar nichts mache. Hinzu kommt, dass andere Aktivität eben auch noch um die Freizeit kämpfen. Als Kind hatte man halt keine anderen Kinder und keinen Partner, welche ebenfalls Zeit in Anspruch nehmen. Die Freunde haben auch alle gezockt und man hat die Zeit mit Freunden ebenfalls mit Zocken verbracht. Auch gab es halt nur begrenzte Inhalte im Fernsehen und kein Internet, die sonst Zeit gefressen hätten.

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  • Antiheld Und genau weil diese "richtige" Freizeit so gering ist, finde ich den Trend zu immer längeren und aufgeblähten Spielen, mit gefühlten 1000 Möglichkeiten und Dingen die zu tun sind, kritisch...
    Und genau deshalb gehen auch die meisten AAA-Titel an mir vorbei.

    Für solch größere Spiele braucht man einfach Zeit, man muss dran bleiben und kann das nicht über einen längeren Zeitraum gestreckt immer mal wieder für ein paar Stunden spielen ... dann kann man es gleich sein lassen. Und in der Regel lass ich es dann auch einfach :)

    Kleine kompakte Spiele die auch "für sich" stehen können gibt es nur noch sehr selten (und wenn dann eher bei den Indies oder Nintendo :P). Für mich funktionieren z.B. auch RoqueLites recht gut (Dead Cells z.B.). Man ist sehr schnell drin, die Runs dauern nicht sehr lang und man entdeckt doch bei jeder Runde irgendwas Neues :thumbup:

  • BSnake


    Kann ich zu 1000% unterschreiben. Mich stört es extrem, wenn Spielzeit mit unnötigem Content künstlich aufgebläht wird. Auch Spiele ich deswegen nur Online-Spiele, welche ich für einzelne Sessions Spielen kann. Spiele mit Termingebundenen Inhalten oder Progress-Elementen, die mich an andere binden, sind für mich damit auch komplett uninteressant.

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  • Irgendwie werden die Spiele vom Spielprinzip auch schlechter. Gestern wieder einige Spiele angespielt und schon nach wenigen Minuten ausgemacht. Bei vielen Spielen wundert man sich das die überhaupt Käufer finden.


    Letzte Woche hab ich auf Netflix die Highscore Dokumentation gesehen mit den alten Spielen und den Entwicklern und dabei erinnerte ich mich an die ersten Spielezeitschriften in Deutschland mit Diskette. Ich habe da absolut jedes Spiel darauf probiert. Nicht jedes davon wollte man kaufen, einige Genres lagen einen nicht so oder ähnliches, keine Frage.


    Aber ich würde sagen, das Gefühl, das da so viel "Schrott" produziert wird, gab es damals in der Intensität nicht. Und Grafik hin oder her, ich würde einige alte Spiele definitiv sehr vielen neuen vorziehen, weil einfach das Spielprinzip Spass gemacht hat.

  • Früher hat sich alles ein wenig frischer angefühlt. Heute hat man (fast) alles schon mal gesehen, und viele Spiele sind lediglich darauf ausgelegt, möglichst viel Geld nach dem Kauf zu generieren.


    Trotzdem gibt es heute wie früher gute und schlechte Spiele, wobei heute alles sehr viel professioneller ist, und jedes Detail genau analysiert wird um das "perfekte" Spiel zu entwickeln - was nicht unbedingt zu einem besseren Spiel führt.

  • Irgendwie werden die Spiele vom Spielprinzip auch schlechter. Gestern wieder einige Spiele angespielt und schon nach wenigen Minuten ausgemacht. Bei vielen Spielen wundert man sich das die überhaupt Käufer finden.

    Puh also da würde ich vehement wiedersprechen :)
    Es gab noch nie so viele gute Spiele wie jetzt (wenn man mal den Shovelware/Handymarkt aussen vor lässt). Geh mal in den Elektro Markt in die Spiele Ecke, greif dir ein beliebiges Spiel - die Chance dort etwas Gutes (laut Tests) zu erwischen, ist sicherlich deutlich höher, als es vor 10-20 Jahren der Fall war.


    Genres sind ausdefiniert und es gibt endlos etablierte Gameplay Mechaniken. Im Grunde haben die Entwickler doch eine große volle Kiste voll von etablierten Bausteinen, die sie dann beliebig für ihr Game zusammenstecken können. Ein bisschen Crafting hier, ein bisschen Survival Gameplay da, dazu Permadeath und Roque Lite Elemente, das Ganze im Pixel Look und schon ist "Hippes Indispiel #1241" fertig.


    Spiele kosten heute doch eine unmenge an Zeit und Geld in der Entwicklung, da wagt der Entwickler doch nichts mehr und konzentriert sich auf die Dinge die funktionieren.


    Früher hat man noch ausprobiert und viele Dinge die gemacht wurden, haben Gameplaytechnisch gar nicht richtig funktioniert und waren nur rudimentär. Spaß hatten wir trotzdem. Es war alles Neu, wir waren Vorreiter eine ganzen Generation Spieler und es gab auch einfach nicht so viel Auswahl auf dem Markt. Was man hatte, das hat man auch gespielt und geliebt. Egal ob das Rennspiel nur 3 Strecken hatte und in 15 fps lief. Es war trotzdem eine ganze Menge Schrott dabei, den man sich heute nicht mehr antun würde.


    Das Problem ist eher (und darum geht es ja auch hier :) ) das selbst diese guten - sehr guten Spiele einen nicht mehr Erreichen. Die Gründe wurden hier im Thread ja schon deutlich herausgearbeitet. Man kennt halt alles. Die Zeit ist Knapp. Der Kopf kommt zum Teil gar nicht mehr in den Zustand des "nun setzt ich mich mal gemütlich zum Zocken hin".
    Zudem ist der Geschmack mittlerweile auch so gefestigt dass man vieleicht Spiele, die einen überraschen könnten und die nicht innerhalb der Komfortzone liegen gar nicht mehr anfasst. Der MArkt es einfach zu groß und die Auswahl an Spielen riesig.

    3 Mal editiert, zuletzt von BSnake ()

  • Ich teile deine Meinung zu 100%, hast quasi meine Gedanken dazu in Text umgeformt 😅 ich behaupte ab einem gewissen Alter ist man einfach etwas müde, nicht falsch verstehen ich zocke nach wie vor sehr gerne und probiere auch vieles aus, leider kann mich das wenigste vollends begeistern, muss es auch nicht immer, man kann auch Spaß mit einem Spiel haben was einen jetzt nicht so „flasht“.

    Aber das „alte Feuer“ ist nicht mehr so da.

  • BSnake Dem würde ich zum Großteil auch genauso zustimmen. Es gab und gibt schon immer einen Gewissen Anteil an schlechten Spielen, Cash Grabs... Dieser Anteil an Spielen ist heutzutage zum Großteil bei Mobile-Games zu finden. Auch noch bei digitalen Spielen und da wiederum mehr auf PC als auf Konsole. Die relevanten digitalen Spiele und die meisten Retail-Spiele haben eine gewisse Grundqualität.


    Was jedoch störend ist, ist dass Spiele heutzutage durch Patches und Updates öfters unfertig sind. Es fängt damit an, dass Spiele unfertig und voller Bugs auf dem Markt kommen und dann mit Patches im Nachhinein gefixed werden. Auch stört mich jedoch der Early Access-Markt. Klar zwingt einen ja keiner es zu spielen, aber im Endeffekt lässt mich dort das Spiel schon während der Entwicklung finanzieren und holt sich Beta-Tester, welche einem somit noch Geld geben, anstatt dass man diese bezahlen muss.

    Die Idee war doch, dass einzelne Entwickler die Community an der Entwicklung beteiligen. Heutzutage ist das aber meines Erachtens total ausgeufert. Vor allem betrifft es auch mich als jemanden, der es nicht nutzt. Würde es das nicht geben, hätten die Entwickler auch mal den Druck ein Spiel fertig zu entwickeln. Heutzutage verweilen aber viele Spiele Ewigkeiten im Early Access-Status, weil man das Geld ja auch so bekommt und man so keinen Druck hat, wirklich viel an der Qualität zu feilen.

    „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!“ – Bob der Baumeister

  • @Topic

    Das Alter spielt meines Erachtens nur eine untergeordnete Rolle, wenn es darum geht Spaß am zocken zu haben.

    Natürlich verändern sich im Laufe des Lebens die Prioritäten.

    Zum einen müssen die meisten Menschen mehr Verantwortung übernehmen, sei es nun im Job oder in der Familie und dadurch verringert sich gewöhnlich auch die freie Zeit die man, egal in welches Hobby, investieren kann.

    Dadurch ist man oftmals schon gezwungen zu entscheiden, wie man seine Zeit am sinnvollsten verbringt.


    Da kommt ImhO aber dann auch das Unterbewusstsein ins Spiel.

    Heutzutage ist man glücklicherweise keine Freak mehr, wenn man dem Computergaming frönt, es ist aber längst nicht so sehr akzeptiert wie z.B. Lesen, Handwerken oder sich in irgendwelchen Vereinen zu engagieren. Das hat wiederum zur Folge, dass man sich als Gamer schon immer mal wieder den einen oder anderen abwertenden Kommentar anhören muss, wenn es um's Lieblingshobby geht.

    Obwohl diese Äußerungen oberflächlich vom gestählten Zocker abprallen, hinterlassen sie im Unterbewusstsein doch ihre Spuren und der eigene Verstand beginnt sich unbemerkt mit der geäußerten Kritik auseinander zu setzten.

    Die Folge davon ist, dass man sich Anfangs nur gelegentlich aber trotzdem immer Öfters, insgeheim die Frage stellt, ob man seine Zeit nicht besser nutzen könnte. Man hat ja schließlich Familie, einen Job, ein Haus und alle diese Dinge sind auf jeden Fall viel wichtiger im Leben und fordern ebenfalls meine Aufmerksamkeit.

    Also reagiert der verantwortungsbewusste Mensch wie es von ihm verlangt wird und widmet sich den wichtigen Dingen.

    Wenn man dann die Dachrinne repariert, das Kind bespaßt, den Partner verwöhnt und in seinem Job einen guten Abschluss gemacht hat, dann setzt das die selben Endorphine frei, wie das Besiegen von Lord Gwyn im 10. Anlauf.

    Jetzt hast du das Problem, dass es bei den wichtigen Dingen nicht nur die Befriedigung gibt, sondern auch die erstrebenswerte Anerkennung deiner Mitmenschen, die dir bei der Rettung Lordran's leider immer versagt wurde.

    Wenn du also überlegts, welche virtuelle Welt du als nächstes retten sollst, erinnert dich dein Unterbewusstsein dezent daran, wie toll es für alle Beteiligten das letzte Mal war als du, statt deine Zeit mit zocken zu verschwenden, deinen Mitmenschen, und somit auch dir, einen Dienst erwiesen hast. ;)


    Antiheld

    Das mit den unfertigen Games, bzw. Game as a Service haben wir uns ja leider selbst und den professionellen Bewertungsmedien zu verdanken.

    Ich persönlich kaufe Games, in den meisten Fällen erst Monate, manchmal sogar Jahre nach Release.

    Zum einen sind sie dann fertig gepatcht und zum anderen bekommt man das komplette Paket, mit allen Inhalten für einen besseren Preis.

    Mit zunehmendem Alter steigt unweigerlich die Anzahl der Leute die mich am A.. gern haben können. ;)

  • TheSchlonz


    Ja leider. Aber genau deswegen glaube ich auch nicht an die Macht des Konsumenten. Denn das Individuum kann machen was es will, seine Einzelentscheidung am Markt ist egal. So mache ich auch einen Bogen um Early Access und kaufe auch meist erst viel später nach dem Release. Bringt mir aber nichts, dass die meisten Spiele dennoch unfertig auf den Markt kommen. Meine Entscheidung ändert daran nichts.


    Zum Rest muss ich sagen, dass es wohl daran liegt, dass du wohl nach eigener Aussage "deutlich über 40" bist. Ich bin 32 und habe nicht das Gefühl, dass ich abwertende Kommentare oder gar Blicke aufgrund meines Hobbies habe. In meiner frühen Jugend/späten Kindheit, da gab es schon eine Zeit, wo "die coolen Kids" jetzt nicht gesagt haben, dass sie zocken, aber im Endeffekt hat es doch jeder gemacht. Noch während meines Teenager-Alters war es überall normal zu sagen, dass man Videospiele spielt. Klar ist es heute wieder anders, wo es teilweise trendy und edgy ist und man überall mit Merchandise, Klamotten... zugeschmissen wird, aber dennoch war es überall akzeptiert.


    Egal ob im privaten, familiären oder beruflichen Umfeld, es kommt eigentlich nicht vor, dass ich da irgendwie solche Äußerungen erfahre. Vielleicht mal vereinzelt aber nicht mehr als jemand der irgend ein anderes Hobby ausübt.

    Meine Frau arbeitet im sozialen Bereich, da ist das wirklich noch sehr stigmatisiert. Aber da ist auch jedes Medium an einem Bildschirm total stigmatisiert, das liegt nicht an Videospielen an sich. Ansonsten kann ich davon gar nicht mehr berichten. In meiner Welt ist das seit 20 Jahren kein Thema mehr.

    „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!“ – Bob der Baumeister

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