Retro Studios: Ehemaliger Producer und Director spricht über Wii-Skepsis, Shigeru Miyamoto und die Rückkehr von Donkey Kong Country

  • Wenn sich (ehemalige) Mitarbeiter von Retro Studios auf ein Interview einlassen, ist das für eingefleischte Nintendo-Fans gleich in mehrerlei Hinsicht interessant. Zum einen hörten wir von der Spieleschmiede aus Texas in den letzten Jahren auffällig wenig und wir wollen gerne mehr Entwicklungshintergründe erfahren. Zum anderen ist es aber auch Nintendo, das sich in letzter Zeit ziemlich bedeckt darüber hält, was intern bei sich und seinen Partnern geschieht oder geschah.


    So konnten wir euch vor wenigen Wochen ein Interview mit Mike Wikan nahelegen, der als einer der führenden Game Designer bei Retro Studios tätig war und an der Metroid Prime-Reihe mitwirkte. Heute soll sich eure Aufmerksamkeit jedoch auf Bryan Walker richten, der nach dem Erfolg von Metroid Prime zum Studio hinzustieß und fortan als Senior Producer der restlichen Metroid Prime Trilogy sowie als Senior Director von Donkey Kong Country Returns fungierte. Wie Wikan zuvor wurde Walker von Kiwi Talkz zum Interview eingeladen, bei dem einige spannende Details ans Licht gekommen sind.


    Vorab sei gesagt, dass die vollständige Konversation äußerst aufschlussreich über die Arbeit bei Retro Studios und für Nintendo ist und Interessierte sich deshalb durchaus die Zeit zum Anhören nehmen sollten. Wir werden in diesem Artikel nur einige Punkte aus dem Gespräch aufgreifen, welche wir als besonders nennenswert erachten.



    Mehr Metroid, bitte!


    Wie kam Retro Studios dazu, an einem neuen Donkey Kong Country zu arbeiten? Walker erklärt, das Team habe sich nach zwei Metroid Prime-Spiele von der Marke ermüdet gefühlt und etwas anderes entwickeln wollen. Donkey Kong kam als eine mögliche Option in den Sinn. Der Wunsch habe schließlich die Chefetage in Japan erreicht, bis hin zum damaligen Nintendo-Präsidenten Satoru Iwata. Dieser habe das Team jedoch vorerst vertrösten müssen.


    Mit der Wii in den Startlöchern habe Nintendo einen Titel gebraucht, welcher die Möglichkeiten der Wii-Fernbedienung demonstriere. Aus diesem Grund habe sich das Unternehmen für einen dritten Metroid Prime-Teil entschieden, der auf die neue Steuerung setzt. Walker sagt, man habe sich verständnisvoll gegenüber Nintendos unternehmerischer Entscheidung gezeigt.


    Mit Metroid Prime 3: Corruption habe Retro Studios die Spielformel erweitern wollen. Offene Areale und eine nicht-lineare Spielstruktur seien vorgesehen gewesen. Samus' Raumschiff sollte eine größere Rolle spielen und sogar Bestandteil des Gameplays werden. Das Team sei von dem Pitch begeistert gewesen, habe die Vision aber schon in der Prototyp-Phase nicht umsetzen können. Für die Zeit sei es wohl zu ambitioniert gewesen, schätzt Walker. Auch wenn man stolz auf die Arbeit an Metroid Prime 3: Corruption sei, fühle es sich so an, als hätte man seine Ziele verfehlt und die Formel nicht wie erhofft ausbauen können.


    Ein affenstarkes Comeback


    Nach der Metroid Prime-Trilogie habe Retro Studios einige Rückschläge verkraften müssen. Zu dieser Zeit habe man einige Schlüsselpersonen und weiteres Personal verloren, sei also ein anderes Team gewesen als zuvor. Es hätte sich nicht richtig angefühlt, mit Metroid Prime weiterzumachen. Und so habe man sich nach einem neuen Projekt umgesehen und von Nintendo ein neues Donkey Kong Country vorgeschlagen bekommen. Nintendo und Shigeru Miyamoto hätten auf eine Rückkehr der Marke gepocht und die Texaner als geeignet empfunden.


    Walker erklärt, dass dieses Angebot das Ergebnis aus jahrelanger Umstrukturierung und Arbeit gewesen sei. Man sei effizienter geworden, habe seine Tools verbessert, die Kommunikation untereinander und zu Nintendo. Es sei der Höhepunkt seiner Zeit bei Retro Studios gewesen. Der Anfang sei noch schwierig gewesen. Palmen hätten mehr nach Metroid Prime als nach Donkey Kong ausgesehen. Also habe man den Kontrast erhöht, die Modelle in Richtung niedlich verformt.


    Das Wichtigste beim Schaffungsprozess sei jedoch das Gespräch mit Shigeru Miyamoto gewesen – zu verstehen, was der Schöpfer sich vorstellt. Walker betont, dass Miyamoto nie konkrete Vorgaben gemacht habe, sondern einzig beraten und als Mentor für das Team fungiert habe. Man habe ihm anmerken können, dass er Donkey Kong Country zurück haben wollte. Walker erinnere sich gut an den Abschluss der Besprechungen in Kyoto, als Miyamoto in Englisch zu ihnen gesprochen habe: „Please take care of DK. He is my friend.“ („Bitte kümmert euch gut um DK. Er ist mein Freund.“)


    Wii jetzt?


    An einer anderen Stelle im Gespräch wird auf die Wii-Konsole eingegangen. Walker erzählt, man sei im Team skeptisch gewesen, was die Wii-Hardware anbelangt. Man sei mit Genyo Takeda, einem der führenden Hardware-Entwickler bei Nintendo zu der Zeit, im Gespräch gewesen und zeigte sich beim Vergleich zur Technik von Konkurrenzkonsolen besorgt.


    Dann jedoch sei die Wii-Fernbedienung vorgestellt worden und das ganze Team habe ein „Ooooh. Aaaah. Okay.“ von sich gegeben. Nachdem man gesehen hätte, wie die Masse auf der E3-Messe zum Nintendo-Stand eilte, um die Wii auszuprobieren, habe man verstanden und die Skepsis schließlich beiseitegeschoben.


    Tatsächlich sei Retro Studios wohl das erste westliche Studio gewesen, welches die Wii-Fernbedienung zu sehen bekam. Der Prototyp des Controllers sei unter strengster Geheimhaltung in einem Safe aufbewahrt und nur wenigen Personen zugänglich gemacht worden, um UI und Steuerung an die neue Hardware anzupassen.


    Das Interview hält noch weitere spannende Nintendo-Themen parat wie verschiedene Anekdoten rund um den ehemaligen Nintendo-Präsidenten Satoru Iwata; die Co-Entwicklung von Mario Kart 7; Nintendos Neid auf das Organisationstalent von Retro Studios und mehr. Hört euch oben einmal durch das volle Interview, wenn ihr mehr wissen wollt.


    Findet ihr solche Hintergrundinformationen zur Entstehung eurer liebsten Spiele interessant oder können euch einzig die Spiele selbst begeistern?

    Quellenangabe: YouTube (KIWI TALKZ)
  • Hm, nach zwei Spielen ermüdet von Prime? Hatte den Eindruck die Reihe war immer auf drei Teile ausgelegt gewesen.

    "Angesichts der strukturellen Krise des postmodernen Milieus sieht sich mein Qi kathartisch eliminiert." - Animal Crossing

  • Ich hoffe soooo sehr das noch ein dritter Returns Teil von dem Team kommt ich will einfach sehen wie sie Tropical Freeze überbieten wollen. DKR TP ist mittlerweile mein absolut liebster Teil der ganzen Serie. Was da an kreativität und Anspruch ins Leveldesign eingeflossen ist dagegen ist jedes 2D Mario ne lahme krücke. Deswegen machen mir die Gerüchte so Bauchweh das angeblich ein Nintendo Team an nem neuen 2D DK arbeitet.

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