Ted Woolsey: Übersetzer von Final Fantasy VI über die Lokalisierung des Spiels und die damaligen Richtlinien von Nintendo

SNES

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Zur Zeit des Super Nintendo Entertainment Systems (kurz: SNES) gab es eine Reihe an vielfach ausgezeichneten JRPGs, darunter auch der damals als Final Fantasy III in Nordamerika veröffentlichte sechste Teil der Final Fantasy-Reihe. Als die Lokalisierung des Spiels für den amerikanischen Markt begann, musste Squaresoft (heute: Square Enix) eine Reihe an Richtlinien beachten, die von Nintendo of America aufgestellt wurden. So durften unter anderem keine religiösen Symbole oder Worte wie "Tod" oder "stirb" enthalten sein. Die Seite USGamer führte mit dem Übersetzer Ted Woolsey ein Interview über seine damalige Arbeiten an Final Fantasy VI.

Woolsey stieß im Jahr 1991 zur amerikanischen Squaresoft-Niederlassung hinzu, als gerade Final Fantasy IV als Final Fantasy II erschienen war. An diesem Projekt arbeiteten auch etliche Mitarbeiter aus anderen Abteilungen, die eigentlich nichts mit der Lokalisierung von Spielen zu tun hatten, wodurch die Lokalisierung etwas holprig und mit einigen Fehlern endete. Aufgrund der Vorgaben seitens Nintendo of America musste die Übersetzung mehrmals umgeschrieben werden.

Ted Woolsey selbst hatte sich, wie auch Squaresoft, damals das Ziel gesetzt, die Übersetzungen der nächsten Spiele zu verbessern. Sein erstes Projekt war Final Fantasy Legend III für den Game Boy. Das Skript war sehr komplex, was Woolsey nicht erwartet hatte, dennoch begann er mit der Übersetzung und arbeitete sich sorgfältig in das Spiel ein und schrieb viele Witze um, damit Nintendo das Spiel zulassen würde.

Bei Final Fantasy VI war die Lokalisation ebenfalls keine leichte Aufgabe. Woolsey versuchte so viel wie möglich vom Spiel zu spielen, um ein Gefühl für dessen Größe zu erhalten. Als er dann mit der Übersetzung des Spiels begann, konnte er sich so leichter mit den Charakteren identifizieren und die Handlung besser ausarbeiten, auch wenn er nicht jede Spielszene erlebt hatte und so manchen Dialog nicht kannte.

Des Weiteren konnte er recht schnell verschiedene Handlungsabschnitte erkennen, die Nintendo vermutlich ablehnen würde. Er versuchte, die Passagen so umzuschreiben, dass die Alternativen ebenfalls einen Großteil an Drama boten. Doch dieses Unterfangen gestaltete sich schwierig, da es, wie erwähnt, Einschränkungen bezüglich der Wortwahl gab. Dennoch konnte zum Beispiel das Thema einer Teenager-Schwangerschaft mit 16 Jahren im Spiel bleiben, wenn beide Partner verheiratet wären. Auch der Selbstmord verschiedener NPCs musste umgeschrieben werden.

Gelegentlich hatte Nintendo einige, eigentlich als unerlaubt eingestufte Wörter oder Szenen übersehen, die letzten Endes im Spiel enthalten waren. Dies könnte an der schieren Größe des Spiels gelegen haben oder daran, dass manche Dialoge nicht zu den zu prüfenden Materialen gehörten, die Nintendo erhielt, schilderte Woolsey. Doch auch die technische Seite der Lokalisierung musste beachtet werden, denn die englische Sprache bedurfte einer höheren Speicherkapazität. Deswegen musste Woolsey einige Textstellen kürzen, beziehungsweise neu schreiben, damit sie auf das 32-Megabit-Modul passten. Dadurch verlor die Übersetzung laut Woolsey jedoch auch etwas von ihrem Charme.

Woolsey erntete auch kritische Stimmen, die die Veränderungen des Skripts sowie die Kürzungen aufgrund der technischen Limitierung nicht mochten. Es sei oft schwierig, eine passende Übersetzung zu finden, schilderte er. Auch erhielt er gerade in den Neunzigern Kritik wegen den Zensuren im Spiel, beispielsweise an verschiedenen Grafiken, die zu viel Haut enthielten. Doch diese Änderungen erfolgten aufgrund der Auflagen von Nintendo, damit das Spiel auf dem SNES erscheinen konnte und nicht, weil er dies als richtig erachtet hatte.

Manche seiner, im Zuge der Übersetzung entstandenen, Fehler sind der Final Fantasy-Reihe bis heute erhalten geblieben, wie das Oktopusmonster Ultros, welches eigentlich Orthros heißen sollte. Doch er verstehe sowohl die Kritik als auch die Leidenschaft der Fans, denn schließlich bleibt eine Übersetzung lange Zeit bestehen und er stünde zwischen den Fans und dem, was sie sich erhoffen.

Wie steht ihr zum Thema Lokalisierung und dem Ergebnis bei Final Fantasy VI?

Quelle: USGamer – Newsbild: © Square Enix, Bildmontage: © ntower


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