Indie-Entwickler kritisieren Kampf um Sichtbarkeit im Nintendo eShop

  • 11:40 - 07.08.2020
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Nintendo eShop © Nintendo

Seit der Einführung der Nintendo Switch im Jahre 2017 ist die Konsole zu einem Anlaufpunkt für viele Indie-Entwickler geworden. Es ist einfach, Spiele für die Konsole zu entwickeln und selbst bereits auf anderen Plattformen veröffentlichte Titel lassen sich mit wenig Aufwand auf Nintendos Hybriden portieren. Zudem ist die aktuelle Nutzerbasis riesig und aufgrund der Portabilität und Zugänglichkeit ist die Nintendo Switch ideal für Indie-Spiele geeignet.


Im Laufe der Jahre hat allerdings der intensive Wettbewerb im Nintendo eShop wohl dazu geführt, dass viele der Indie-Titel ignoriert werden oder nicht die gewünschten Einnahmen erzielen. Ein aktuelles Interview mit einigen Indie-Entwicklern und Publishern, dass auf der britischen MCV/Develop-Seite erschienen ist, untermauert diese Annahme.


Joseph Humfrey, Mitbegründer von inkle Studios und den Machern des Spiels 80 DAYS, beklagt, dass aufgrund des Designs des Nintendo eShops für sehr viele Entwickler und Publisher der entsprechende Erfolg ausbleibt und dass viele Unternehmen das System durch Preisdumping, also das massive Runtersetzen des Preises, ausspielen, um mehr Aufmerksamkeit zu erhalten. Dies geschieht auch regelmäßig bei der Markteinführung, wobei viele Publisher sich entscheiden, bei der Veröffentlichung des Spiels einen Rabatt zu gewähren, um die Chancen zu erhöhen, in den Charts des Shops weit oben zu stehen. Er sagt:


In Bezug auf die systematische Auffindbarkeit von Spielen ist das Hauptproblem des [Nintendo] eShops, dass dieser einfach zu simpel aufgebaut ist. Es gibt zu wenig Seiten, auf denen [ein Spiel] ansprechend präsentiert werden kann, sodass die Reichweite dadurch massiv eingeschränkt wird.


Ja, es gibt eine Seite zum Entdecken von Titeln, aber es ist nur eine einzige Seite, auf der Spiele aller Genres um Sichtbarkeit kämpfen müssen. Darüber hinaus hat man Neuerscheinungen (auf denen man garantiert vertreten ist, wenn auch nur für einen sehr begrenzten Zeitraum), Aktuelle Angebote (die voller Spiele zu sein scheinen, die sich das Preisdumping zunutze machen) und die Charts (die nicht einmal in Genres unterteilt sind, wie es andere Shops tun).


Mike Rose vom Publisher No More Robots, welcher bereits Titel wie Not Tonight und Yes, Your Grace veröffentlicht hat, ist derselben Meinung und geht noch etwas ausführlicher auf die Situation ein:


Ich meine, sie [die Publisher] manipulieren das System nicht einfach, sie nutzen es einfach so gut sie können. Massive Preisnachlässe sind jetzt die Hauptmethode für den Verkauf auf der Nintendo Switch. Wenn Sie sich jemals gefragt haben, warum es bei der [Nintendo] Switch unzählige und massive Rabatte von 80 bis 90 Prozent auf Titel gibt – auch bereits bei Markteinführung –, dann liegt das daran, dass der [Nintendo] eShop nach Anzahl von Einheiten und nicht nach Einnahmen sortiert ist. An der Spitze der Rangliste stehen die Spiele mit den meisten Downloads in den letzten zwei Wochen. Mit anderen Worten: Wenn das eigene Spiel um 90 Prozent heruntergesetzt wurde und infolgedessen zwangsläufig eine Menge an Downloads generiert hat, schießt der Titel in den Charts nach oben. Wenn die Spiele dann an der Spitze der Charts stehen, erhalten sie automatisch eine schiere Menge an zusätzlichen Verkäufen, eben weil ihr Spiel an der Spitze der Charts steht.


Ich hasse das wirklich. Ich versuche die ganze Zeit, die Spieleentwickler anzuschreien: "Entwertet eure Arbeit nicht! Gebt keine so hohen Preisnachlässe!" Bei No More Robots haben wir auf keines unserer Spiele mehr als 40 Prozent Rabatt gewährt, selbst auf Titel, die seit mehr als zwei Jahren auf dem Markt sind.


Infolgedessen sehen wir jeden Tag unglaubliche Verkaufszahlen bei Steam, denn die Verbraucher haben gelernt, dass wir niemals einen hohen Rabatt gewähren werden. Jetzt stecke ich in einer Situation, in der ich gezwungen sein könnte, bei der [Nintendo] Switch hohe Rabatte zu gewähren, da unser Studio sonst buchstäblich keine Einheiten verkaufen kann. Es ist erschütternd und ich finde es sehr schade für den [Nintendo] eShop.


Der Publisher scheint sich aber bereits der aktuellen Situation angepasst zu haben, denn bei Veröffentlichung dieser News wird aktuell eines ihrer Spiele – Not Tonight – um 90 % rabattiert im Nintendo eShop angeboten. Mike Rose rechnet damit, dass es im Nintendo eShop bald wie in Apples App Store aussehen wird – massig an billig aussehenden Titeln, die innerhalb weniger Monate erscheinen und alle für einen Dollar bzw. Euro verkauft werden. Alle, die versuchen, mit hochwertigen Indie-Titeln dann noch Geld zu verdienen, haben das Nachsehen.


Joseph Humphrey fügt hinzu, dass Nintendo sehr aktiv ist, wenn es darum geht, Indie-Entwickler zu unterstützen. Problematisch sei nur, dass die Unterstützung letztendlich wenig hilft, so wie der Nintendo eShop aktuell aufgebaut ist:


Das Merkwürdige ist, dass Nintendo bisher viel in die Kuration investiert hat. Sie haben mehrere Seiten auf ihren verschiedenen internationalen Websites wie zum Beispiel die #Nindies, Indie World und ihre Indie Spiele-Seite. Indie World produziert sogar redaktionelle Inhalte – Interviews mit Entwicklern und vieles mehr. Das Problem besteht darin, dass dieser Inhalt nicht dort repliziert wird, wo die Spieler ihn brauchen – auf dem Gerät selbst.


Meine Meinung als Entwickler ist, dass dies ein einfaches, organisatorisches Problem ist. Die Webseiten-, Redaktions- und Inhaltsteams arbeiten wahrscheinlich völlig getrennt von denen, die für die Entwicklung von Funktionen für die auf dem Gerät laufende Software verantwortlich sind.


Er erhofft sich, dass in Zukunft ein größeres Software-Update erscheint, bei dem die Nachrichten-Seite und der Nintendo eShop miteinander zusammengeführt werden. Joseph Humphrey empfindet den Übergang zwischen dem Lesen einer Nachricht und dem Aufrufen der entsprechenden Nintendo eShop-Seite als ziemlich mühselig. Zudem würde er es sich wünschen, dass Nintendo sich mehr um die Kuration von Inhalten und dessen Kategorisierung im Nintendo eShop bemüht, um ein aufgeräumtes Gesamtbild zu erhalten.


Seid ihr mit den Entwicklern und Publishern einer Meinung und sollte Nintendo den Nintendo eShop überarbeiten? Oder liegt das Problem vielleicht auch in der schieren Anzahl der Spiele begründet, welche wöchentlich für die Nintendo Switch erscheinen?

Quellenangabe: Nintendo Life

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