Mike Rose von No More Robots berichtet aus Sicht eines Publishers über Erfahrungen mit dem Nintendo eShop

  • 15:40 - 29.09.2020
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Nintendo eShop © Nintendo

Die Aufmachung und das Konzept des Nintendo eShop sind seit längerem ein immer wieder heiß diskutiertes Thema und der digitale Shop stand bereits häufiger in der Kritik – insbesondere auch von Seiten der Publisher. Bereits im August hatten wir über drei Entwickler und Publisher berichtet, welche die Sichtbarkeit ihrer Spiele und das generelle Konzept des Nintendo eShop kritisiert hatten. Der Co-Founder von No More Robots, Mike Rose, hat über Twitter nun sehr ausführlich über die Erfahrungen, welche die Firma mit ihren bisher für die Nintendo Switch veröffentlichten Titeln gemacht hat, berichtet.


Über die letzten neun Monate hat No More Robots insgesamt vier Titel veröffentlicht. Angefangen von Not Tonight: Take Back Control Edition, über Yes, Your Grace und Nowhere Prophet, bis hin zum kürzlich veröffentlichten Hypnospace Outlaw. Mit jeder Veröffentlichung hat der Publisher neue Strategien ausprobiert, Erfahrungen gesammelt und auch mit den Verkäufen auf anderen Plattformen, wie zum Beispiel Steam, verglichen. Genaue Verkaufszahlen gibt Mike Rose in seinem Tweet nicht preis, auch möchte er weder positiv noch negativ, über den Nintendo eShop urteilen, dass solle jeder für sich selbst machen. Er möchte nur seine Erfahrungen der vergangen Monate teilen.


Mit ihrem Ersten und im mittleren Preissegment angesiedelten Titel Not Tonight: Take Back Control Edition haben sie im ersten Monat der Veröffentlichung nur 10 % der Verkäufe erreicht, die sie damals auf Steam im selben Zeitraum erzielt haben – sehr enttäuschend, wie er selbst sagt.


Mit Yes, Your Grace haben sie dann eine konkretere Verkaufsstrategie verfolgt. Vorbesteller haben einen Rabatt bekommen, ihr Spiel wurde von Nintendo auf dessen Neuigkeiten-Seite präsentiert und im Nintendo eShop recht präsent angepriesen. Zudem gab es einen Trailer und der Zeitraum der Veröffentlichung lag näher an der Erstveröffentlichung auf dem PC. Sie erwarteten sich hohe Verkaufszahlen – so wie bereits auf dem PC – es ergaben sich allerdings nur sehr enttäuschende 8 % im ersten Verkaufsmonat, gegenüber denen auf Steam.


Bezüglich der Nowhere Prophet-Veröffentlichung – welche immerhin 20 % der Verkäufe im Veröffentlichungsmonat gegenüber der Steam-Version erzielt hat – geht Mike Rose auf die Erfahrung mit dem Umgang von Metacritic-Wertungen ein und wie wichtig diese seiner Ansicht nach sind. Wie er sagt, zieht Nintendo gelegentlich die Metacritic-Wertung eines Spiels heran, um anhand dessen abzuschätzen, ob es in den Nintendo eShop gelangt und welche werbetechnischen Maßnahmen ergriffen werden. Als weiteren Punkt gibt er an, dass wohl häufig gerade Nintendo Switch-Spieler die Metacritic-Wertungen heranziehen, um für sich selbst abschätzen zu können, ob sich ein Kauf lohnt. Das scheint auf keiner anderen Plattform so ausgeprägt zu sein. Daraufhin hat Mike Rose sich das Metacritic-System genauer angeschaut und das Ergebnis seiner Recherche: Es lässt sich unfassbar leicht manipulieren. Um eine bessere Wertung für die Spiele zu erhalten, löschte er diejenigen, welche sich unterhalb der im Mittelfeld angesiedelten Bewertungen befanden. Das nachvollziehbare Resultat war eine durchschnittlich positivere Bewertung.


Der größte Faktor im Nintendo eShop ist allerdings der Preis. Wie er bereits hier schon einmal erwähnt hat, hasst er die drastische Reduzierung von Spielen. Trotzdem sei es die gängigste Lösung, um im Nintendo eShop Verkäufe und Aufmerksamkeit sowie eine hohe Chart-Platzierung zu erlangen. Nach und nach haben sie ihre Spiele immer weiter reduziert, sagt Mike Rose, jedoch erst die Reduzierung um 90 % des ehemaligen Verkaufspreises hat zum durchschlagenden Erfolg geführt. We put Not Tonight landete innerhalb der ersten 24 Stunden in den Top 30 der Charts und befand sich bis zum Ende der Aktion innerhalb der Top-Ten. Das Spiel verkaufte sich innerhalb des vierwöchigen Aktionszeitraums annähernd so häufig wie die Steam-Version seit dessen Erscheinen und erzielten einen sechsstelligen Betrag.


Problematisch bleibt aber laut seiner Aussage die Sichtbarkeit im Nintendo eShop, denn die Chart-Platzierung richtet nach den verkauften Einheiten und nicht nach der Menge der Einnahmen. Um einen konkreten Vergleich zu schaffen, wie sich die Höhe der Reduzierungen und die Platzierungen auswirken, hat er einen Vergleich angestellt:


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© Mike Rose


Not Tonight hat mit seiner Rabattierung von 90 % gegenüber der 40 %igen Rabattierung von Yes, Your Grace anfangs ähnlich viele Einnahmen generiert. Allerdings erst durch die Sichtbarkeit in der Chart-Platzierung sind die Verkaufszahlen und damit die generierten Einnahmen von Not Tonight explodiert. Bei Verlassen der Charts, pendelten sich die Einnahmen der beiden Titel schlussendlich dann wieder auf ähnlichem Niveau zueinander ein.


Von den Verkaufszahlen ihres zuletzt veröffentlichten Titels, Hypnospace Outlaw, sind No More Robots leider auch eher enttäuscht. Hier hatten sie sich, gerade durch die Ankündigung des Spiels bei der Nintendo Indie World-Präsentation und den sehr guten Kritiken der PC-Version, mehr erhofft.


Zusammenfassend gibt Mike Rose sechs Punkte an, die sie für zukünftige Veröffentlichungen im Nintendo eShop beherzigen und auch anderen Publishern nahelegen wollen:

  1. Der Nintendo eShop ist übersät mit Spielen, die massiv reduziert sind. Das ist ein gut funktionierendes Konzept und das wird sich leider auch nie ändern.
  2. Publisher sollten sich darauf konzentrieren, eine gute Metacritic-Wertung für ihr Spiel zu erlangen, denn diese scheint tatsächlich [für die Spieler und den tatsächlichen Verkauf] wichtig zu sein.
  3. Die Werbemaßnahmen seitens Nintendo [z. B. die Präsentation des Spiels auf der Neuigkeiten-Seite oder bei der „Entdecken“-Sektion im Nintendo eShop] bringt weniger, als man vielleicht denken mag.
  4. Die Möglichkeit der Vorbestellung für ein Spiel sollte genutzt werden, denn in der ersten Woche wird ungefähr das Dreifache an Verkäufen der Vorbestellungen erzielt. Damit seien die Vorbestellungen ein guter erster Indikator für die Verkaufszahlen.
  5. Die Veröffentlichung einer Demo-Version ist sinnvoll, denn es ermöglicht dem Spiel, in einer zusätzlichen Sektion im Nintendo eShop aufzutauchen.
  6. Um im Nintendo eShop zum Verkaufsstart die maximale Aufmerksamkeit zu erhalten, sollte ein Vorbesteller-Rabatt gewährt werden.


Wie wertet ihr die Erfahrungen und Einschätzungen? Nur ein Einzelfall oder könnt ihr euch vorstellen, dass es auch anderen Publishern so ergeht?

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