Shigeru Miyamoto über seine Rolle als Vorgesetzter und Nintendos Zukunft ohne ihn

  • 20:00 - 21.12.2020
  • Industrie
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Shigeru Miyamoto Super Nintendo World © Nintendo

Das Magazin The New Yorker hatte die Gelegenheit, ein ausführliches Interview mit Nintendos Urgestein Shigeru Miyamoto zu führen. In vorherigen Newsmeldungen berichteten wir über Ausschnitte des Gesprächs, in dem sich Miyamoto unter anderem zu seinem Familienleben, seinen Motivationen bei neuen Projekten und seiner Entwicklungsphilosophie äußerte. Zum Abschluss des ausführlichen Gesprächs mit dem New Yorker geht Miyamoto auf die Fragen ein, wie er als Vorgesetzter Projekte begleitet und wie Nintendos Zukunft ohne ihn aussehen könnte.


Miyamoto über seine Rolle als Vorgesetzter


Zum Einstieg dieses Gesprächsabschnitts wurde Miyamoto gefragt, r welche Art von Boss er sich selbst halte. Darauf antwortet er zunächst mit der Rückfrage, ob damit ein Boss in einem Videospiel gemeint sei. Auf die Präzisierung des Fragestellers, dass es um Miyamotos Rolle im Konzern gehen soll, gesteht Nintendos Kreativchef ein, dass er als Vorgesetzter manchmal dazu neige, Leute zu wenig für gute Arbeit zu loben. Viele hielten ihn für einen sehr freundlichen Menschen, aber er selbst denkt, dass viele Menschen, mit denen er zusammengearbeitet hat, ihn für einen kritischen Vorgesetzten halten. Konkret auf seine Stärken und Schwächen angesprochen, gibt Miyamoto eine recht ausführliche Antwort:


Zitat

In diesem Job müssen wir ein Produkt erschaffen, was ein gewisses Maß an Planung erfordert. Aber es ist auch wichtig, über diese Pläne in einem anderen Licht zu sprechen, nicht nur als Produkt, sondern als ob es ein Traum oder eine Vision wäre. Ich denke, meine Stärke ist, dass ich in der Lage bin, ein überzeugendes Bild davon zu malen, was ein Projekt sein kann, während ich mich gleichzeitig mit den Details der tatsächlichen Realisierung dieses Traums beschäftige. Daher erlebe ich die etwas verwirrende Erfahrung, dass die Leute mich als negativ wahrnehmen, wenn ich mich mit den Details befasse, und als eine sehr positive Person, wenn ich von einer größeren Vision spreche.


Ich glaube auch, dass ein gemeinsames Erfolgserlebnis erst dann eintreten sollte, wenn die Spieler tatsächlich ein Spiel genossen haben. Davor sehen mich die Leute vielleicht als fiesen Chef, der versucht, uns durch die rauen Zeiten zu treiben. Aber ich denke, das ist es, was darüber entscheidet, ob jemand ein guter Vorgesetzter ist oder nicht.


Der Interviewer sprach Miyamoto auch auf das konkrete Problem an, dass es gerade in der Kreativ-Industrie oft ein Machtgefälle zwischen etablierten Führungspersönlichkeiten und neuen Talenten gebe, die am Beginn ihrer Karriere stehen. Der New Yorker wollte wissen, wie Miyamoto mit dieser Verantwortung umgehe.


Nintendos kreativer Kopf zeigte großes Verständnis für die vorgebrachten Punkte und bestätigte, dass junge Entwickler und Designer auch nach seiner Einschätzung oft Unsicherheit mit Blick auf ihre Ideen zeigen. Er bemühe sich immer, Ideen nicht sofort abzuwiegeln, sondern auch bei Konzepten, die ihn nicht überzeugen, positive Aspekte hervorzuheben. Das einzige, das ihm wirklich wichtig sei, ist, dass Angestellte überhaupt neue Ideen und Ansätze entwickeln und diese verfolgen. Er hoffe, dass dieses Bekenntnis zur Kreativität auch einen Beitrag dazu leistet, dass man ihn als guten Chef wahrnehme.


Miyamotos nächste Ziele und Nintendos Zukunft nach seinem Abgang


Den Abschluss des Gesprächs mit Miyamoto im New Yorker bildete ein Themenkomplex, in dem es um seine weiteren Ziele und Nintendos Zukunft nach seinem Abgang ging. Dazu wollte der New Yorker wissen, welche Ziele sich Miyamoto für seine weitere Zeit als aktiver Angestellter von Nintendo gesetzt hat. Seine Antwort ging dabei über seine persönlichen Ambitionen hinaus und zeigt, was ihm für die weitere Entwicklung des japanischen Traditionsunternehmens wichtig ist. Wörtlich sagte er:


Zitat

Mit Blick auf Nintendos Geschäft ist die Kernidee, eine Harmonie zwischen Hardware und Software zu schaffen. Es hat etwa zehn Jahre gedauert, aber ich habe das Gefühl, dass die jüngere Generation jetzt voll und ganz in der Lage ist, dieses Grundprinzip aufrechtzuerhalten. Ich für meinen Teil möchte weiterhin meinen Interessen nachgehen. Nintendo hat sich neue Geschäftsfelder erschlossen, wie zum Beispiel den Themenpark, an dem ich gearbeitet habe. Wenn man darüber nachdenkt, ist das Design von Themenparks dem Design von Videospielen sehr ähnlich, auch wenn es sich voll und ganz auf die Hardware fokussiert. In gewisser Weise bin ich wieder ein Amateur. Aber da diese Fahrgeschäfte immer interaktiver werden, ist das der Punkt, an dem unser Fachwissen zum Tragen kommen wird. Diese Vermischung unserer Erfahrung mit neuen Umständen könnte eine der interessantesten Aufgaben für meine verbleibenden Jahre sein.


Der New Yorker scheute sich zum Abschluss nicht, die Frage zu stellen, wie sich Nintendo nach Miyamotos Abgang weiterentwickeln werde. Konkret wollte man wissen, was Nintendo nach seiner Einschätzung zu dem mache, was es ist, und welche Grundprinzipien sich das Unternehmen erhalten sollte. Miyamoto zeigte sich zuversichtlich, dass Nintendo auf einem guten Weg ist und auch zukünftig erfolgreich sein wird:


Zitat

Da das Unternehmen im Laufe der Jahre neue Konkurrz bekommen hat, hat uns das die Gelegenheit gegeben, gründlich darüber nachzudenken, was Nintendo ausmacht. [Präsident] Shuntaro Furukawa ist jetzt in seinen Vierzigern, und [General Manager] Shinya Takahashi ist in seinen Fünfzigern; wir sind jetzt in einer Situation, in der sichergestellt ist, dass der Geist von Nintendo erfolgreich weitergegeben wird. Darüber mache ich mir keine Sorgen mehr. Jetzt konzentriere ich mich auf die Notwendigkeit, weiterhin neue Erfahrungen zu machen. Das war schon immer das, was mich an dem Medium interessiert und begeistert hat: nicht das Bekannte zu perfektionieren, sondern das Neue zu entdecken.


Wir haben das komplette Interview des New Yorkers mit Shigeru Miyamoto für euch zusammengefasst. Nachstehend findet ihr die Newsmeldungen zu allen behandelten Themen des Gesprächs:

Shigeru Miyamoto ist eine Ikone der Videospielgeschichte und hat wesentlich dazu beigetragen, Nintendo zu dem zu machen, was es heute ist: ein Unternehmen, das Videospieler auf der ganzen Welt begeistert. Wie wird sich das Traditionsunternehmen eurer Einschätzung nach nach seinem Abgang entwickeln?

Quellenangabe: The New Yorker

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