Mario-Vater kritisiert den Überfluss an Shooter-Spielen auf dem Videospielmarkt

  • 14:50 - 21.12.2020
  • Software
  • Nintendo Switch
Mario + Rabbids Kingdom Battle - Mario © Nintendo / Ubisoft Entertainment, Bildmontage: © ntower

Das amerikanische Magazin The New Yorker erhielt zuletzt die Gelegenheit, ausführlich mit Entwicklerlegende und Mario-Vater Shigeru Miyamoto zu sprechen. Der 68-jährige Japaner gilt längst als Gesicht von Nintendo und hat für sein Lebenswerk bereits mehrere Auszeichnungen erhalten. Im Interview spricht das Mastermind aber nicht nur über seine Arbeit bei Nintendo, sondern zeigt auch seine ganz persönliche, private Seite. Während wir die im Gespräch behandelten Themen für euch in mehrere News gebündelt haben, wollen wir in diesem Artikel Miyamotos Haltung zu Shooter-Spielen beleuchten. Wir haben den entsprechenden Abschnitt für euch ins Deutsche übersetzt.


Zitat

The New Yorker: Es gibt da eine Geschichte über Sie, die zuletzt weit verbreitet wurde. Es geht um das Nintendo 64-Spiel GoldenEye, welches auf dem James Bond-Film basierte. Der Director des Spiels, Martin Hollis, erzählte mir, dass Sie sich betrübt darüber zeigten, wie viele Menschen Bond erschießt, als sie das Spiel zuerst getestet hatten, und dass sie ihm geraten hätten, den Spieler während des Abspanns jedes Opfer in seinem Krankenhausbett besuchen zu lassen. Es ist eine schöne Geschichte, die etwas darüber aussagt, wer Sie sind und woran Sie glauben, was Videospiele sein sollen. Was denken Sie darüber, dass das Medium nun von Waffen und Schießereien dominiert wird?


Shigeru Miyamoto: Ich denke, Menschen sind dafür programmiert, Freude zu empfinden, wenn sie zum Beispiel einen Ball werfen und damit ein Ziel treffen. Das ist die menschliche Natur. Wenn es aber um Videospiele geht, zeige ich Hemmungen in Bezug dazu, sich lediglich auf diese eine Quelle des Vergnügens zu konzentrieren. Als Menschen haben wir viele Wege, Spaß zu erleben. Idealerweise sollten Game Designer [auch] diese anderen Wege erforschen. Ich finde nicht, dass es unbedingt schlecht ist, dass es manche Studios gibt, die sich dieser simplen Mechanik völlig hingeben, aber es ist nicht ideal, wenn es jeder tut, nur weil sich diese Art von Spiel gut verkauft. Es wäre toll, wenn Entwickler neue Wege finden würden, ihren Spielern Freude zu entlocken.


Darüber hinaus bin ich auch nicht mit der Idee einverstanden, dass es okay ist, einfach alle Monster zu erledigen. Selbst Monster haben ein Motiv und einen Grund dafür so zu sein, wie sie sind. Das ist etwas, worüber ich viel nachgedacht habe. Sagen wir, man hat eine Szene, in der ein Schlachtschiff untergeht. Von außen betrachtet mag es ein Symbol des Sieges sein. Ein Regisseur oder Autor könnte die Perspektive [nun jedoch] auf die Besatzung des Schiffes lenken und so, hautnah, den Zuschauer sehen lassen, welche menschlichen Konsequenzen das Ereignis mit sich bringt. Es wäre toll, wenn Videospielmacher sich mehr bemühen würden, die Perspektive zu verschieben, anstatt eine Szene immer aus dem offensichtlichsten Winkel zu betrachten.


Eine weitere Frage beschäftigt sich damit, wie Herr Miyamoto unsere Welt verändern würde, wenn er als Game Designer die Macht darüber hätte. Dazu hat er Folgendes zu sagen:


Zitat

Shigeru Miyamoto: Ich wünschte, ich könnte es so gestalten, dass Leute aufmerksamer und netter zueinander wären. Es ist etwas, worüber ich in meinem Leben viel nachdenke. In Japan beispielsweise haben wir Zugplätze, welche für ältere Personen oder Menschen mit einer Behinderung reserviert sind. Wenn der Zug relativ leer ist, sieht man manchmal junge Leute, die auf diesen Plätzen sitzen. Wenn ich etwas anmerkte, würden sie mir wahrscheinlich sagen: „Aber der Zug ist doch leer. Wo ist das Problem?“ Wäre ich jedoch eine Person mit einer Behinderung und würde die Leute dort sitzen sehen, dann würde ich sie wohl nicht darum bitten wollen, aufzustehen. Ich würde nicht stören wollen.


Ich wünschte, wir alle wären auf den kleinen Weisen etwas mitfühlender. Gäbe es einen Weg, die Welt so zu gestalten, dass Egoismus abschrecken würde, dann wäre das eine Änderung, die ich vornehmen würde.


Für weitere Informationen aus dem umfangreichen Interview mit Shigeru Miyamoto empfehlen wir unsere weiteren Artikel zum Thema:


Wie beurteilt ihr die hohe Dichte an Shooter-Spielen auf dem Videospielmarkt? Sollten sich Entwickler eine Scheibe von Herrn Miyamoto abschneiden?

Quellenangabe: The New Yorker

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