Deutschland: Jugendschutzreform nimmt Kostenfallen wie Lootboxen ins Visier

  • 20:00 - 09.03.2021
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Lootbox (Overwatch) © Blizzard Entertainment, Inc.

Ganz nach dem Motto „Videospiele kommen selten allein“ werden heutzutage viele Produktionen auf dem Videospielmarkt mit Zusatzinhalten versehen, welche gegen ein weiteres Taschengeld erworben werden müssen. Was mit Expansions begonnen hat, entwickelte sich über die Jahre zu DLCs, Mikrotransaktionen und schließlich auch Lootboxen. Publisher sind immer auf der Suche nach neuen Möglichkeiten, mit möglichst geringem Aufwand den größtmöglichen Profit zu erzielen und setzen dabei verstärkt auf glücksspielähnliche Mechaniken und eine Aufspaltung von Inhalten – häufig ohne Rücksicht auf die junge Spielergruppe der jeweiligen Titel. Die Bundesregierung sieht nun vor, Kinder und Jugendliche besser im Internet zu schützen.


Letzte Woche stimmte der Bundestag für eine Reform des Jugendschutzgesetzes, welche „massive neuartige Risikodimensionen für Kinder und Jugendliche“ durch digitale Medien in Betracht zieht. Konkret werden Anbieter von Online-Plattformen dazu aufgefordert, Voreinstellungen zu bieten, welche Kinder und Jugendliche vor „Interaktionsrisiken wie Mobbing, sexualisierter Ansprache (Cybergrooming), Hassrede, Tracking und Kostenfallen“ schützen. So sollen Kinder und Jugendliche in Spielen und sozialen Netzwerken nicht mehr einfach gefunden und angesprochen werden können.


Des Weiteren ist es vorgesehen, „Alterskennzeichnungen um sogenannte Deskriptoren zu erweitern, welche auf Interaktionsrisiken hinweisen, wenn diese bei der Alterseinstufung nicht berücksichtigt wurden.“ Der Punkt „Kostenfallen“ beinhaltet auch „glücksspielähnliche Mechaniken“ in Videospielen wie etwa Lootboxen. Bei einem solchen Monetarisierungsmodell bezahlen Konsumenten Echtgeld gegen Zufallsinhalte wie virtuelle Waffen, Ausrüstung oder Spielfiguren. Bereits im Sommer 2020 aktualisierte die USK ihre Leitkriterien, um die Wirkungsmacht von Glücksspiel mit in die Alterseinstufung einfließen zu lassen.


Die Jugendschutzreform könnte dafür sorgen, dass Videospiele mit Glücksspielelementen allgemein erst ab 18 Jahren freigegeben werden. Es bleibt abzuwarten, für welche Umsetzung sich die beteiligten Seiten wie die Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz (bislang Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien) und die USK schlussendlich entscheiden werden. Auch darf man gespannt sein, wie Publisher mit der Entscheidung umgehen werden.


In Belgien etwa wurden Produkte und Services mit Glücksspielmechaniken entweder gänzlich vom Markt genommen oder beschnitten. In Deutschland würden nicht nur populäre Spielereihen wie FIFA und Overwatch betroffen sein, sondern auch Nintendo-Titel für Smart-Geräte wie Fire Emblem Heroes, Mario Kart Tour oder Animal Crossing: Pocket Camp. Aufgrund der anhaltenden Kritik gegen derartige Spielsysteme haben sich manche Publisher bereits von Lootboxen verabschiedet und setzen nun auf ein Battle-Pass-Format.


Was meint ihr? Ein guter und nötiger Schritt für mehr Jugendschutz im Internet? Wie würdet ihr das moderne Glücksspielproblem von Videospielen lösen?

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