Bundesjustizministerium drängt auf stärkere Regulierung von Spieleplattformen zum Schutz von Kindern

  • 19:20 - 26.08.2021
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Nintendo Switch - Lifestyle © Nintendo

Aktuell findet wieder die gamescom statt, welche aufgrund der Corona-Pandemie dieses Jahr nur digital ausgetragen werden kann. Wie bereits seit vielen Jahren wird die Veranstaltung auch als politische Bühne benutzt. Auch das Bundesjustizministerium hat zum Start der gamescom eine neue Forderung publik gemacht. So wird eine umfassende Regulierung von Spieleplattformen in Europa gefordert. Konkret sagt der Justizstaatssekretär Christian Kastrop gegenüber dem Handelsblatt, dass es bei Millionen vor allem jungen Menschen keine blinden Flecken beim Schutz vor Straftaten geben dürfe. Daher seien auch für Spieleplattformen verpflichtende Regeln und Verbraucherrechte notwendig.


Die Begründung des Justizminsteriums für mehr Regulierungen


Im Rahmen der Verhandlungen zum Digital Services Act (DSA) der EU, durch das die Europäische Union diverse Praktiken von Onlineplattformen einschränken möchte, will sich das Bundesjustizminsterium für strengere Vorgaben einsetzen. Kastrop begründet dies damit, dass strafbare und jugendgefährdende Inhalte sehr schnell gelöscht werden können. Durch die Corona-Zeit seien Online-Spielwelten ein noch attraktiveres Geschäftsmodell geworden. Als Gefahren nannte der Staatssekretär außerdem Cybergrooming, – das Ansprechen von Kindern im Internet, mit dem Ziel des sexuellen Kontakts – sowie Cybermobbing.


Eine Studie, welche im Auftrag des Justizministeriums ausgeführt wurde, hat sich mit diesen Gefahren bei Videospielen näher beschäftigt. So findet Cybergrooming besonders häufig auf Online-Gaming-Plattformen oder in entsprechenden Chats statt. Diese Angriffe seien besonders auf minderjährige Personen gerichtet. Das Bundeskriminalamt beziffert die Fälle des „strafbaren Einwirkens auf Kinder mit technologischen Mitteln“ im Jahr 2019 auf 3.000, was ein Anstieg von etwa 30 Prozent im Vergleich zu 2018 darstellt. Experten vermuten aber, dass die Dunkelziffer deutlich höher sei. Beim Cybermobbing liegen für Deutschland zwar keine konkreten Zahlen vor, allerdings gaben bei einer internationalen Befragung 57 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen an, dass sie in Onlinespielen bereits schikaniert wurden und 47 Prozent, Drohungen erhalten zu haben.


Kritik kommt von der Digitalwirtschaft


Der Vorstoß wird seitens der Digitalwirtschaft unterschiedlich bewertet. Hauptgeschäftsführer des IT-Verbands Bitkom, Bernhard Rohleder, betont, dass gesetzliche Vorgaben nötig seien, wo Plattformen ihrer Verantwortung nicht gerecht werden würden. Nationale Alleingänge sollen laut ihm allerdings vermieden und stattdessen eine europäische Lösung angestrebt werden.


Oliver Süme, der Vorstandschef des Verbands der Internetwirtschaft, sieht das Vorgehen kritischer. Gegenüber dem Handelsblatt äußerte er: „Statt immer neuer Regularien muss die Bundesregierung jetzt ihre ureigenen Hausaufgaben machen und Strafverfolgungsbehörden in die Lage versetzen, auch im Internet aktiv das geltende Recht durchzusetzen. Es gibt im Internet keine rechtsfreien Räume, aber sehr wohl mangelnde Präsenz und Aktivität der Strafverfolgungsbehörden.“ Auch der Bundesverband Digitale Wirtschaft lehnt weitergehende Regeln im Vergleich zu dem, was die EU-Kommission bislang für den Digital Services Act plant, ab.


Felix Falk, Geschäftsführer des deutschen game-Verbands, betont, dass strafbare Inhalte wie Hatespeech in Videospielen sehr selten seien. Sowas fände eher in sozialen Medien statt, wofür es bereits verpflichtende Regeln sowie starke und nochmals erweiterte Verbraucherrechte gebe. Laut Falk gehen verantwortliche Unternehmen in Spielen schon freiwillig gegen beleidigende oder diskriminierende Inhalte vor.


Wie ist eure Meinung zum Thema? Wurdet ihr in Online-Spielen bereits selbst mit strafbaren und hasserfüllten Nachrichten konfrontiert? Denkt ihr, dass mehr Regulierungen helfen könnten?

Quellenangabe: Handelsblatt

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