LEGO Star Wars: Die Skywalker Saga – Mitarbeiter äußern sich zu Crunch-Zuständen während der Entwicklung

  • 19:00 - 22.01.2022
  • Industrie
  • Nintendo Switch
LEGO Star Wars: Die Skywalker Saga © Warner Bros. Interactive Entertainment, Lucasfilm, LEGO

Nicht gerade wenige Titel der vergangenen Jahre verursachten Schlagzeilen bezüglich schlechter Arbeitsatmosphäre während der Entwicklung von Videospielen. Das Schlagwort „Crunch“ verbreitete sich wie ein Lauffeuer durch die Industrie und wurde zum Namen des Missstandes. Als Crunch – zu Deutsch „knirschen“ – werden unter anderem die Überstunden während der Entwicklungszeit genannt, um das Spiel unter Zeitdruck zum bestimmten Datum fertigzustellen. Teilweise führen die Crunch-Phasen bis zu 80 Arbeitsstunden die Woche, von denen unzählige unbezahlt daherkommen.


Nun äußern sich die Entwicklerinnen und Entwickler von TT Games zur Crunch-Kultur, die gerade die Industrie heimsucht. Kürzlich gab das Studio Erscheinungsdatum und Einblicke in ihren aktuellen Titel LEGO Star Wars: Die Skywalker Saga bekannt (wir berichteten). Einem Bericht des Magazins Polygon zufolge, haben mehr als 20 Angestellte des Studios das Magazin kontaktiert, um auf das langanhaltende Crunchen aufmerksam zu machen.


Eine Aussage geht zwar nicht tief ins Detail, hinterlässt aber einen deutlichen ersten Eindruck: „Es war eine sehr sanftmütige Erpressung. Wenn die Leute nicht anfangen, Überstunden zu machen, wird es Probleme geben.“ Mit Die Skywalker Saga sollten die Mitarbeitenden zwar mehr Zeit zum Entwickeln bekommen, müssten dabei aber mit der neuen Engine des Spiels namens NTT umgehen können. Die bisher genutzte Unreal Engine wurde aber stets bevorzugt. Einige Entwicklerinnen und Entwickler warnten daraufhin die Verwaltung, dass sie sich die neue Engine nicht schnell genug aneignen könnten und das zwangsläufig im Crunchen enden würde. Diese Warnungen wurden nicht beachtet und es ist das eingetreten, was vermutet wurde. Und das, obwohl LEGO Star Wars: Die Skywalker Saga bereits drei Mal verschoben wurde.


Zwischen Gleitzeit und Überstunden

Laut dem Polygon-Bericht aber schienen die Arbeitsbedingungen nicht ausschließlich dem Crunchen zu unterliegen. So war es beispielsweise möglich, seit 2010 zwischen zwei Überstunden-Typen zu wählen. Einer von ihnen wurde „Flexitime“ bzw. Gleitzeitarbeit genannt, der andere Typ waren klassische Überstunden. Die Beschäftigten konnten so Überstunden gegen Zuschläge oder freie Tage eintauschen. Arbeitende in Gleitzeit jedoch konnten Überstunden nur zwischen verspäteten Arbeitsbeginn oder zusätzlichen Urlaub wählen und es gab eine Obergrenze von 40 Stunden. Wurde diese überschritten, weil beispielsweise Arbeit noch nicht fertiggestellt werden konnte, waren alle darüber hinaus geleisteten Stunden vergütungsfrei. Was sich jetzt nach recht viel Freiheit anhört, war für viele Mitarbeitende des Entwicklerstudios erdrückend. So sei es schwierig gewesen, zusätzliche Arbeitsstunden überhaupt abzulehnen, da die Mitarbeitenden vor Konsequenzen gewarnt wurden. Beispielsweise hätten andere Kolleginnen und Kollegen aufgrund des Fehlens eines Mitarbeiters zusätzliche Überstunden machen müssen – man würde sein Team im Stich lassen.


Es sei keine Seltenheit gewesen, dass 80-100 Stunden in einer Sechs-Tage-Woche geleistet werden mussten. Tom Stone, geschäftsführender Director von TT Games, wurde vom Team über die Missstände aufmerksam gemacht und ihm läge die Moral im Studio sehr am Herzen. Daraufhin bot TT Games seinen Mitarbeitern neue Verträge an, welche mehr Urlaubstage und einen höheren Bonus am Geschäftsjahresende versprachen. Mehr als 10 aktuelle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter klärten jedoch auf, es hatte sich wenig bis nichts an den Missständen verändert. Die Probleme mit der neuen Engine und die angespannte Beziehung zwischen Chefetage und Mitarbeitern bestünden weiterhin.

Zitat

"Die Leute waren erschöpft und geistig sowie körperlich krank wegen des Drucks. TT sagte immer: 'Wir werden uns ändern', aber wir wussten alle, dass das nie passieren würde. Es hieß immer: Nur noch ein Spiel und dann machen wir es anders."


Besser als der Vorgänger

Hinzu kommt der immense Druck, ältere Titel wie LEGO Marvel Super Heroes zu übertrumpfen – ein besseres LEGO zu kreieren. Dass Die Skywalker Saga mit ihren insgesamt neun Filmen ein großes LEGO-Spiel werden würde, bleibt zweifelsfrei. Um also ältere Titel zu übertrumpfen, müssen neue Features her und Fehler ausgemerzt werden. Laut ehemaligen Entwicklern sei es also normal, dass Design-Entscheidungen während der Entwicklung noch einmal besprochen und angepasst werden. Das hat jedoch zu Folge, dass teils monatelange Arbeit verlorengeht.

Zitat

„Der Director forderte aus dem Nichts neue Spielmechaniken und bat dann darum, sie zu ändern. Dabei verbesserte er nie etwas, was wirklich wichtig war", sagt ein ehemaliger Mitarbeiter. "'Lesen Sie jede Review zu einem LEGO-Spiel.' Sie sagen immer das Gleiche: 'Das Platforming ist mies, die Kamera ist schrecklich, kein Online-Koop. Also fügen wir einen Kampfbaum im Stil von God of War hinzu! 5-Jährige werden es lieben.‘“

TT Games äußerte sich in einem Statement zu den ständigen Verschiebungen und zur Entwicklung des Spiels:

Zitat

„LEGO Star Wars: Die Skywalker Saga" ist der ehrgeizigste Titel, den das Studio je in Angriff genommen hat. Das Team ist fest entschlossen, unseren Spielerinnen und Spielern ein wunderbares LEGO-Erlebnis zu bieten, und wir geben dem Spiel die Zeit, die es braucht, um diesen Anspruch zu erfüllen. Wir wissen die Unterstützung und das Verständnis unserer Fans sehr zu schätzen.“

Durch das Großwerden des Crunch-Problems in der Industrie scheint es aber nun Schritte in die richtige Richtung zu geben – so auch bei TT Games. Die neue Engine werde demnach vorerst auf Seite gelegt und wieder mit der Unreal Engine gearbeitet. Zusätzlich sprechen aktuelle Angestellte über eine Verbesserung des Arbeitsklimas im Studio. Es werde mehr auf die Bedürfnisse der einzelnen geachtet und Überstunden besser behandelt.


Habt ihr das Crunchen bei LEGO Star Wars: Die Skywalker Saga erwartet?

Quellenangabe: Polygon

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