Unser Test zum Spiel: Inazuma Eleven

Anfang 2011 kamen auch endlich wir Europäer in den Genuss von Inazuma Eleven, einer damals einzigartigen Mischung aus RPG- und Fußball-Spiel. Mittlerweile ist bei uns die erste Trilogie der Reihe abgeschlossen. Die japanische Entwicklerschmiede Level-5 nahm dies zum Anlass, den ersten Teil nun noch einmal als eShop-Version für den Nintendo 3DS zu veröffentlichen. Solltet ihr hier zugreifen? Das soll euch der folgende Test verraten.


Wenn ihr herumlauft, müsst ihr wie in RPGs mit Zufallsbegegnungen rechnen.

In Inazuma Eleven verfolgt ihr die Geschichte des jungen Mark Evans, seines Zeichens Torhüter und Kapitän des Fußballclubs der Raimon Jr. High. Die anderen Mitglieder sind aber leider alles andere als sportbegeistert und spielen lieber mit ihrem Handheld oder lesen Manga. Selbst der Rektor der Schule sieht in dem Club keine Chance mehr und ist kurz davor ihn aufzulösen. Über das Schicksal des Clubs soll nun ein Freundschaftsspiel entscheiden, welches zu allem Überfluss gegen die Royal Academy, derzeit stärkste Mannschaft und Sieger des letzten Football Frontier-Turniers, laufen wird. Verständlich, dass sich Mark riesig darauf freut, während sich die anderen schon von vorneherein als Verlierer sehen. Damit es aber überhaupt zum Freundschaftsspiel kommen kann, müsst ihr zunächst vier neue Mitglieder finden, da euer Club derzeit aus nur sieben Sportlern besteht.

Und hier zeigt sich auch schon die erste Besonderheit von Inazuma Eleven, denn ihr könnt während des Spielverkaufs bis zu 1.000 verschiedene Personen finden, die ihr in euren Club aufnehmen könnt. Gleichzeitig kann er aber nur aus 100 verschiedenen Mitgliedern bestehen. Dabei verfügen alle über ihr eigenes mal mehr, mal weniger individuelles Aussehen und persönliche Stärken. So ist der eine besonders schnell, während jemand anderes eine besonders gute Ballbeherrschung vorweisen kann. Klar, dass da nicht jeder sofort eurem kleinen Fußballclub beitritt.

Um neue Spieler zu finden, habt ihr daher verschiedene Möglichkeiten. In eurem kleinen Clubhaus könnt ihr mit eurer Managerin Celia sprechen, die sich nach potenziellen Mitgliedern umschauen wird. Dabei könnt ihr einen Spieler suchen, dessen Namen ihr bereits kennt oder bestimmte Eigenschaften festlegen. Ihr könnt genau bestimmen, ob ihr einen Torhüter, Stürmer, Mittelfeldspieler oder Verteidiger haben wollt und worin er besonders gut sein soll. Braucht ihr gerade einen starken Verteidiger? Oder doch lieber einen schnellen Stürmer? Habt ihr die Spezifikationen festgelegt, macht sich Celia sofort auf die Suche und ruft euch an, sobald sie jemanden ausfindig gemacht hat.

Eine weitere Möglichkeit besteht über eine Art soziales Netzwerk, aus dem ihr Spieler auswählen könnt. Dieses wird im Laufe des Spiels immer weitläufiger, sodass ihr immer mehr Menschen kennenlernt, die sich euch anschließen könnten. Doch das soll noch nicht alles gewesen sein. Denn Nelly, die Tochter des Schuldirektors, kann für euch Spieler aus anderen Mannschaften abwerben, gegen die ihr bereits gespielt habt. Habt ihr euch euer Team zusammengesucht, geht es auch schon direkt los. Euer Ziel ist nicht nur der Fortbestand eures Fußballclubs, ihr wollt die Champions der Football Frontier werden!

In der Spielwelt von Inazuma Eleven bewegt ihr euch mittels Stylus oder der herkömmlichen Tasten-Steuerung. Beide Varianten funktionieren sehr gut. Es gilt nun, eure Mannschaft ausreichend zu trainieren, damit ihr für die vielen weiteren Matches gewappnet seid. Hierzu dienen vor allem die häufig auftretenden Zufallskämpfe, in denen ihr euch in einem 4 vs. 4-Match mit verschiedenen Clubs eurer Schule messt. So müsst ihr zumeist als Erster ein Tor erzielen, dem Gegner den Ball abnehmen oder ein gegnerisches Tor verhindern. Die Zufallskämpfe dauern nur wenige Sekunden und sind daher sehr kurzweilig. Anders sieht es da schon bei den 11 vs. 11-Spielen aus, in denen ihr gegen die verschiedensten Mannschaften wie zum Beispiel die animalische Wild Junior High oder die mystische Occult Junior High antretet. Diese laufen schon einige Minuten lang, eingeteilt in zwei Halbzeiten.

Die Fußballmatches bestreitet ihr übrigens nur mit dem Stylus. Mithilfe des Steuerkreuzes steuert ihr aber die Kamera, damit ihr das Spielfeld jederzeit im Blick habt. Vor Spielanpfiff könnt ihr die Startaufstellung euer Spieler festlegen und während des laufenden Spiels in Echtzeit bestimmen, was euer Team tun soll. Hierfür zeichnet ihr den Spielern Wege vor, die sie dann auch ablaufen. Tippt ihr eine Stelle oder einen Mitspieler an, passt der Spieler den Ball weiter. Kommt es zu einem Zweikampf zwischen zwei Spielern, wird pausiert und ihr könnt aus verschiedenen Aktionen wählen. Je nachdem, ob ihr im Ballbesitz seid, könnt ihr eure Spieler Finten, Grätschen und weitere Aktionen ausführen lassen. Bisher verläuft alles noch recht normal, aber jetzt kommen die Spezialattacken ins Spiel.


Die Matches steuert ihr mittels Stylus auf dem Touchscreen.

Jeder Spieler kann bis zu sechs verschiedene Spezialangriffe erlernen, die in eindrucksvollen 3D-Sequenzen dargestellt werden. So überwindet ihr den Gegner mit Hilfe von „Illusionsball“, indem ihr so schnell dribbelt, dass der Gegner den richtigen Ball nicht mehr orten kann. Oder ihr drescht ihn mit Hilfe von „Feuertornado“ mit einer gewaltigen Feuerattacke in das gegnerische Tor. Aber ihr solltet diese Angriffe mit Bedacht einsetzen, denn jeder Einsatz verbraucht eine bestimmte Anzahl an Technikpunkten, die während eines Matches nicht wieder aufgefrischt werden können. Da kann es euch schon einmal passieren, dass ihr kurz vor Ende eines Spiels noch einen Treffer einstecken müsst, da euch die Technikpunkte für eine starke Abwehrattacke fehlen.

Wird es brenzlig, könnt ihr einmal pro Spiel die sogenannte „Heiße Phase“ aktivieren. In dieser kosten euch die Spezialangriffe nur noch die Hälfte an Technikpunkten, außerdem steigt die Erfolgschance eurer Spieler. Ihr solltet aber darauf achten, dass sie nur eine begrenzte Zeit anhält und euer Gegner natürlich dieselbe Möglichkeit hat. Ob eure Attacken bzw. eure Verteidigungsmanöver letztendlich gelingen, hängt auch von den Elementen der Spieler ab. Jeder Spieler ist einem von vier Elementen (Feuer, Erde, Wind oder Holz) zugeordnet. Wind ist stärker als Erde, Erde stärker als Feuer, Feuer stärker als Holz und Holz ist stärker als Wind. Wem es am Anfang besonders in den 11 gegen 11-Partien noch zu hektisch zur Sache geht, kann das Match durch die Auszeit-Funktion pausieren und seine weiteren taktischen Züge in Ruhe planen.

Nach ein wenig Eingewöhnungszeit geht die Steuerung von Inazuma Eleven vollkommen in Fleisch und Blut über und ihr wollt den 3DS gar nicht mehr aus der Hand legen, um gleich den nächsten Gegner herauszufordern. Nach jedem erfolgreichen Spiel bekommt eure Mannschaft wie in einem Rollenspiel Erfahrungspunkte, mit denen jedes Mitglied im Level steigt und seine Fähigkeiten verbessert. Um eure Spieler zusätzlich zu stärken, könnt ihr ihnen neue Schuhe, Handschuhe oder weitere Accessoires anlegen, die zum Beispiel ihre Motivation oder ihren Kampfgeist steigern.

Während die Spielfiguren in einfacher 2D-Grafik dargestellt werden, wissen insbesondere die liebevoll gestalteten 3D-Areale zu überzeugen. So besucht ihr im Laufe des Spiels die verschiedensten Orte wie die Einkaufspassage, welche zum Beispiel mit Nudelbar und Anime-Café aufwartet, das Flussufer, an dem ihr einen weiteren Trainingsplatz findet, oder den Bahnhof, von dem aus ihr euch auf den Weg zu den vielzähligen Gegnern macht. Auch in den Fußballspielen selbst werden eure Augen verwöhnt, denn jedes Mal, wenn ihr einen Zweikampf bestreitet, eine Ballannahme verhindert oder aufs Tor schießt, werden diese Aktionen in kurzen 3D-Sequenzen dargestellt. Besonders die vielen verschiedenen und sehr ausgeklügelten Spezialangriffe sind ein Augenschmaus und wissen immer wieder zu überzeugen.

Setzt ihr zum Beispiel das „Blitztrampolin“ ein, springt einer eurer Spieler vom Bauch eines etwas fülligeren Mitspielers ab, um dann von hoch oben aus der Luft anzugreifen. Durch die Anpassung an den Nintendo 3DS sehen die Sequenzen nun auch nicht mehr so pixelig aus wie im Original und können auch mit aktiviertem 3D-Effekt angeschaut werden. Dies ist übrigens auch die einzige Möglichkeit, Nutzen von diesem zu machen, da das gesamte Spielgeschehen fast ausschließlich auf dem Touchscreen stattfindet. Die Musik im Spiel reißt zwar keine Bäume aus und ist auch nicht wirklich vielfältig, hält aber dennoch einige Ohrwürmer bereit. Zumindest beim Opening werdet ihr euch beim Mitsingen erwischen, versprochen.

Ganz wie in den Professor Layton-Titeln hat es sich Level-5 nicht nehmen lassen, auch in Inazuma Eleven einige Zwischensequenzen im Anime-Stil unterzubringen. Leider tauchen diese nur am Anfang häufiger auf, erst gegen Ende des Spiels gibt es dann mal wieder die eine oder andere Sequenz zu sehen. Die Videos als auch wichtige Textpassagen wurden dabei vollständig synchronisiert. Deutsche Fans bzw. Kenner der Nintendo DS-Version bekommen mit der eShop-Variante aber einen erheblichen Dämpfer versetzt, denn diese beinhaltet weder die deutsche Synchronisation noch deutsche Texte.

Ein offizieller Grund für das Fehlen der deutschen Version ist nicht bekannt. Es könnte allerdings damit zusammenhängen, dass Nintendo of Europe das Spiel für den Nintendo DS hierzulande lokalisiert und vertrieben hatte, während die eShop-Version direkt von Level-5 veröffentlicht wurde. Da die Sprachen Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch aber verfügbar sind, wäre dies ein eher merkwürdiger Grund. Auf jeden Fall ist es sehr schade, denn gerade bei einem Spiel, in dem die Geschichte durch viel Text und vertonte Zwischensequenzen vorangetrieben wird, ist das Fehlen der (bereits vorhandenen) deutschen Fassung eigentlich ein No-Go.


Auch die richtige Aufstellung ist ein wichtiger Faktor für euren Sieg.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von Benjamin Böttcher

Lohnt sich die neue Version für den Nintendo 3DS? Jein. Der relativ günstige Preis würde zunächst klar dafür sprechen, wenn man sich nicht unbedingt die DS-Fassung zulegen möchte. Auf der anderen Seite ist das unerklärliche Fehlen der guten deutschen Lokalisation eher der Grund, sich das Spiel in dieser Version nicht (noch einmal) zu holen. Inazuma Eleven selbst hat sich bis auf die Anpassung an den Nintendo 3DS und dem zuschaltbaren 3D-Effekt bei Ausführung der Spezialtechniken nicht verändert. Wen dies nicht stört, kann sich die eShop-Variante auf jeden Fall zulegen, alle anderen sollten sich dann doch lieber nach dem Original umschauen.

Awards

Spiele-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

3 User haben bereits bewertet

Kommentare 4

  • thehunter

    Turmfürst

    keine Deutsche tonausgabe und nichtmal deutsche texte wie der ds teil
    meine meinung defentiv keine 8 punkte wert


    holt euch lieber die ds version für unter 10€

  • Nan

    Typ der hier mal aktiv war

    Frechheit von Nintendo, muss ich leider so sagen. Wenn eine deutsche Lokalisation verfügbar ist - und das ist sie - sollte man diese auch anbieten. Dazu kostet die DS-Version ungefähr die Hälfte. Wollte das ja alles evtl. mal nachholen, aber da ich auf eine 3DS-Fassung gehofft hatte, die auch wirkliuch etwas bringt, ist das hier enttäuschend.

  • bluezealand

    Turmbaron

    Frechheit von Nintendo, muss ich leider so sagen.


    Und inwiefern ist das Nintendos Schuld, wenn das Spiel von Level 5 selbst veröffentlicht wurde?

  • Orromov

    Turmknappe

    Ich würde ja gerne mal wissen, ob die Auflösung besser ist, als wenn man es mit DS Cartridge spielt. Ich erinnere mich daran Professor Layton in meinen 3DS XL getan zu haben und das sah furchtbar aus!
    Ist das in diesem Fall besser? Kann jemand den direkten Vergleich machen?