Test zu Mario + Rabbids Kingdom Battle - Nintendo Switch
Im Pilzkönigreich sind die Hasen los!
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28. August 2017 um 14:00 - Max Kluge
Erste Gerüchte um Mario + Rabbids Kingdom Battle kamen uns schon vor dem großen Nintendo Switch-Event im Januar 2017 zu Ohren, doch zunächst war man sich nicht sicher, ob die ans Licht getragenen Informationen der Wahrheit entsprachen. Spätestens auf der diesjährigen E3 hatten wir dann Gewissheit: Das Spiel existiert wirklich und stellt eine sehr wichtige Kollaboration zwischen Ubisoft und Nintendo dar. Umso interessanter ist es da natürlich, wie sich das Spiel als Gesamtpaket präsentiert.
Der Titel startet mit einer Videosequenz, die euch ins Geschehen einleitet. Was bereits ab der ersten Sekunde auffällt, ist, dass die Qualität der Animationen wirklich wunderbar ist. So hat man das Gefühl der Prolog könnte glatt aus einem Animationsfilm stammen, der uns die Geschichte von Mario und den Rabbids zeigt, welche durch einen blöden Zufall im gleichen Universum landen. Aufgrund von Spoilergründen, werde ich nicht genauer auf die Handlung eingehen, sondern ausschließlich auf die Prämisse.
Die tollwütigen Rabbids finden sich also im Pilzkönigreich wieder und haben teilweise allerhand seltsame Formen angenommen. Einige wurden durch diese Verwandlung sogar noch aggressiver und müssen aufgehalten werden. Mit ein paar Rabbids zieht Mario schließlich aus, um den Urheber der Katastrophe ausfindig zu machen und einen Weg zu finden, um die pelzigen Invasoren in ihre Heimat zurückzuschicken. Die Handlung beginnt dabei recht interessant, verläuft sich allerdings nach einigen Spielstunden ein wenig im Sand und bietet leider eher wenig Überraschungsmomente oder Spannung. Durch den Charme der Charaktere und der Präsentation des Spiels, möchte man trotzdem stets wissen, wie es weitergeht.
Im Kern ist Mario + Rabbids Kingdom Battle ein taktisches Rollenspiel, welches auf ähnlichen Prinzipien basiert, wie XCOM oder Fire Emblem. Euer Team besteht dabei aus drei verschiedenen Charakteren, die ihr zusammenstellen könnt, wie ihr möchtet. Jeder Charakter weißt dabei eigene Eigenschaften auf und bezieht eine ganz eigene Rolle im Team. So ist Luigi, den man bereits relativ früh im Spiel findet, ein Fernkämpfer mit hoher Reichweite, der wiederum im Nahkampf nicht viel reißen kann. Rabbid-Peach hingegen ist eine Art Brawler, der sich gerne mal mit den Gegner im Nahkampf prügelt und einen Heilzauber parat hat, um seine Teamkollegen zu heilen.
Die Kämpfe spielen sich, je nach Abschnitt, immer etwas anders. Das liegt daran, dass bestimmte Umgebungen Besonderheiten mit sich bringen, aber auch das Ziel einer jeden Mission wechselt. Meistens müsst ihr schlicht und einfach alle Gegner besiegen, manchmal reicht bereits eine bestimmte Anzahl an erledigten Feinden. Dann wiederum gibt es Kämpfe, in denen ihr nur einen markierten Bereich erreichen müsst oder ihr bekommt den Auftrag, jemanden zu eskortieren. Die Auswahl ist hierbei ganz gut ausgefallen, man hätte allerdings noch mit verschiedenen Prinzipien spielen können.
Das Gameplay ist im Kampf in Runden unterteilt, sodass ihr zuerst euren Zug mit all euren Charakteren macht und schließlich der Gegner an die Reihe kommt. Hierbei gilt es durch besonders geschicktes Positionieren der Einheiten und das Verketten von Aktionen möglichst viel Schaden anzurichten, ohne dabei seine Deckung zu verlieren. Grundsätzlich stehen euch immer drei verschiedene Aktionen zur Verfügung: Laufen, Angreifen, Spezialfähigkeit einsetzen, wobei man während des Laufens auch noch einen Gegner rammen, oder eine Röhre zur Fortbewegung nutzen kann.
So kann es in einem einzigen Zug sein, dass ihr eine Röhre benutzt, einen Gegner rammt, in Deckung geht und einen Schuss auf einen beliebigen Feind abgebt. Anschließend dürft ihr meist noch aus zwei verschiedenen Sonderfähigkeiten wählen, die je nach Charakter anders ausfallen. Rabbid-Peach kann zum Beispiel ein Schild generieren, mit dem sie weniger Schaden abbekommt, wohingegen Mario durch eine seiner Sonderfähigkeiten den Schaden jedes Verbündeten im Umkreis um eine gewisse Prozentzahl anhebt. Durch die hohe Kombinationsrate der verschiedenen Elemente, macht das Kampfsystem sehr viel Spaß und fühlt sich unheimlich dynamisch an.
Die Möglichkeiten sind im Kampf also sehr zahlreich und ein Team will je nach Missionsziel oder Terrain sorgfältig ausgewählt werden, vor allem ab der zweiten Hälfte des Spiels. Da zieht der Schwierigkeitsgrad nämlich ganz schön an und fordert euer taktisches Denken heraus. Um das Ganze noch ein wenig tiefgründiger zu machen, hat jeder Charakter noch einen Fähigkeitenbaum, in dem ihr Punkte aufwenden könnt, um weitere passive und aktive Eigenschaften für die jeweilige Figur freizuschalten. Hierbei unterscheiden sich die erlernbaren Fähigkeiten allerdings nur bedingt, da viele der Figuren ähnliche oder gleiche in ihrem Repertoire aufweisen. Ein bisschen mehr Individualität hätte hier vielleicht noch gut getan.
Wer seine Charaktere weiter verbessern möchte, muss also wohl oder übel auf neue Waffen zurückgreifen, die man mithilfe von Münzen, die man in der Umgebung findet oder durch das Abschließen bestimmter Missionen bekommt, kaufen kann. Hier entfaltet sich eine weitere interessante Komponente des Spiels. Neben normalem Schaden haben eure Schießeisen nämlich auch verschiedene Effekte. Kleistert ihr eure Gegner mit Honig ein, so kann er für eine Runde nicht laufen, überzieht ihr ihn mit Tinte, kann er nicht angreifen, Eis lähmt alle Spezialattacken und so weiter. Durch dieses System bieten sich allerhand Kombinationsmöglichkeiten mit seinen sonstigen Fähigkeiten.
Die Areale, in denen man kämpft, kommen über große Teile des Spiels leider doch recht ähnlich daher. Natürlich ändert sich das Farbschema, die Vegetation und die Musik, jedoch findet man überall die gleichen Blöcke und die gleichen Röhren. Das führt dazu, dass sich manche Maps ziemlich gleich anfühlen und einzelne Abschnitte eher weniger in Erinnerung bleiben. Hier ist für eine potenzielle Fortsetzung noch Luft nach oben.
Abseits des Kämpfens gibt es für euch verschiedene Umgebungen zu entdecken, die mit allerhand Rätseln gefüllt sind. Diese bestehen meistens aus Logikaufgaben in guter alter Mario- oder Zelda-Manier. Viel zum Knobeln gibt es vor allem in der ersten Hälfte zwar nicht, dafür winken hinter jedem optionalen Geheimnis verschiedene Collectables oder Waffen auf euch. Einige Passagen könnt ihr zudem erst begehen, wenn ihr eine bestimmte Fähigkeit freigeschaltet habt. Somit lohnt sich ein Abstecher in frühere Gebiete auch nach dem ersten Durchspielen, wenn man denn alles einsammeln möchte.
Die verschiedenen Areale, es gibt insgesamt vier, sind dabei etwas gradlinig ausgefallen. Es gibt zwar ab und zu Abzweigungen, diese führen aber eigentlich nur zu weiteren Rätseln, bei denen man oben erwähnte kleine Schätze finden kann. Wirkliche Nebenquests gibt es nicht, die Kämpfe werden quasi in Reihe hintereinandergeschaltet. Hier hätte man sich noch ein bisschen mehr austoben können, um dem Spieler den Drang zum Erforschen zu entlocken, vor allem durch optionale Kämpfe oder Nebenquests.
Seid ihr weder am Kämpfen noch am Erforschen, könnt ihr euch im Pilz-Palast ausruhen und diverse Rabbid-Bauten besuchen. Im Museum könnt ihr so zum Beispiel eure gesammelten Collectables, die aus 3D-Modellen, Konzeptzeichnungen, Tarot-Karten und Musikstücken bestehen, begutachten. Beim amiibo-Labor hingegen könnt ihr vom Spiel unterstützte Sammelfiguren scannen und exklusive Waffen für den jeweiligen Charakter freischalten. Besonders interessant ist jedoch die Freunde-WG, in der ihr mit einem Freund eurer Wahl im lokalen Multiplayer vor der Konsole verschiedene Herausforderungen bewältigen könnt.
Hierzu nimmt jeder von euch einen Joy-Con in die Hand und wählt zwei Charaktere aus, die ihr bereits freigeschaltet habt. Schließlich entscheidet ihr euch für eine Umgebung und wählt einen Schwierigkeitsgrad aus, den ihr für angemessen haltet. Dieser Modus spielt sich sehr ähnlich wie der Einzelspielermodus und macht vor allem durch die Teamwork-Komponente viel Spaß. Auch die Auswahl der spielbaren Level ist nicht grade klein und kann euch für ein paar Stunden mehr vor der Konsolen fesseln. Zudem funktioniert die Steuerung mit einem Joy-Con erstaunlich gut. Zwar wurden ein paar Änderungen vorgenommen, man kommt aber schnell rein und kann die Befehle ausführen, die man geben möchte.
Auch die Gegnerauswahl kommt ein ganz klein wenig schmal daher. In den ersten Leveln begegnet ihr bereits einigen Prototypen, die euch das ganze Spiel hindurch verfolgen werden. Natürlich gibt es wiederum aber auch Feinde, die je nach Abschnitt einzigartig sind. Manche davon können ganz schön nerven, andere wiederum bieten eine runde Herausforderung und zwingen euch dazu umzudenken. Ein bisschen mehr Varianz hätte bestimmt auch hier gut getan, wobei der Grat zwischen Abwechslung und Unübersichtlichkeit eine schmale Angelegenheit ist.
Worüber man hingegen überhaupt nicht meckern kann, ist das Design aller Charaktere, also auch der Gegner, von Mario + Rabbids Kingdom Battle. Jede der erdachten Rabbid-Kreuzungen ist dermaßen kreativ gestaltet und bringt äußerst detaillierte Animationen mit sich, sodass man merkt, wie viel Herzblut in den Titel geflossen sein muss. Besonders bei einigen Bosskämpfen oder in den Zwischensequenzen zaubert euch der Titel ein Dauergrinsen ins Gesicht und fühlt sich einfach nur unfassbar „schön“ an.
Was damit einhergeht, ist der quirlige und teils etwas derbe Humor der kleinen weißen Pelzknubbel, der in der Videospielszene nicht überall auf offene Arme und Enthusiasmus stößt. Machen wir es kurz: Wer mit den Rabbids nichts anfangen kann, wird vermutlich auch an Ubisofts neuem Rabbids-Mashup nicht viel Freude haben. Obwohl man auch hier erwähnen muss, dass der Humor gut eingesetzt ist und mit allerhand abgedrehten Ideen daherkommt, die allein schon aufgrund ihrer Ausgefallenheit und Kreativität gefeiert werden können. Aber Humor ist nun mal Geschmackssache.
Kommen wir als nächstes zu den audiovisuellen Komponenten des Titels: Die Grafik von Mario + Rabbids Kingdom Battle ist wirklich ausgesprochen hübsch ausgefallen. Die Farben sind knallig, Mario und Co. authentisch umgesetzt und die Licht- und Umwelteffekte hauchen den verschiedenen Umgebungen Leben ein. Besonders faszinierend ist das, da Nintendo selbst nicht viel an der Produktion des Spiels beteiligt war und sämtliche Designs aus der Feder des Teams von Ubisoft Mailand stammen. Hier dürfte jeder eingefleischte Nintendo-Fan seinen Hut ziehen.
Schrägen Humor und Anspielungen auf andere Videospiele und Filme findet man in Mario + Rabbids Kingdom Battle an jeder Ecke.
Der Soundtrack des Spiels ist ein weiteres Highlight. Grant Kirkhope, Komponist von Banjo-Kazooie oder Donkey Kong 64, ist definitiv nicht ohne Grund als ein Meister seiner Zunft bekannt und stellt seine Expertise in Mario + Rabbids Kingdom Battle erneut unter Beweis. Besonders die hektischen Xylophon-Parts dürften Zocker älterer Semester an die goldene Ära der Rare-Spiele erinnern, während das Hauptthema im Kampf jeden mit seinem besonderen Gespür für Epik in den Bann ziehen dürfte. Zwar sind vielleicht keine absoluten Ohrwürmer dabei, allerdings kann ich mich nicht entsinnen, wann ich das letzte Mal eine derartig in sich geschlossene musikalische Untermalung genießen durfte.
Von einem technischen Standpunkt weiß das Spiel über weite Strecken ebenfalls zu überzeugen. Die Bildrate wird relativ stabil gehalten, es kommt allerdings in Gefechten manchmal dazu, dass die FPS-Anzahl absinkt. Da das vor allem in actionreichen Kamerafahrten passiert, welche die Dynamik der Szene eigentlich unterstreichen sollten, fällt es leider doch etwas negativ auf. Auch gehen manche Schüsse gerne mal durch einen Block hindurch, weil die Sichtlinie es nicht anders zulässt. Da sind kleine Schönheitsfehler, über die man allerdings wegen der ansonsten grandiosen Präsentation hinwegsehen kann.
Zu guter Letzt noch ein paar Angaben zum Umfang des Spiels: Mit der Haupthandlung von Mario + Rabbids Kingdom Battle habt ihr rund 10-15 Stunden euren Spaß, je nach dem, wie vielen Geheimnissen ihr nachgeht und wie genau ihr die Umgebungen erkundet. Anschließend lädt euch das Spiel allerdings noch dazu ein, diverse Items zu sammeln und in der Freunde-WG mit einem Mitspieler bestimmte Herausforderungen zu bestehen. Auf die Spielzeit könnt ihr also ruhig noch ein paar Stunden draufrechnen, weswegen das Spiel einen grundsoliden Umfang aufweisen kann.
Unser Fazit
8
Ein Spiele-Hit