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Test zu League of Evil - Nintendo Switch

  • Deutschland Deutschland: League of Evil
  • USA USA: League of Evil
  • Japan Japan: League of Evil
Plattform
Nintendo Switch
Erscheinungsdatum
31.08.2017
Vertrieb
Ratalaika Games
Entwickler
Ratalaika Games, Woblyware
Genre
Action, Platformer, 2D
Spieleranzahl
Lokal: 1 - Online: 0
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Die Liga der außergewöhnlich zahlreichen Fehlversuche

Von Roman Dichter ()
50 digitale Beförderungen ins Jenseits in 5 Minuten? Da kann manch skrupelloser Gamer ein schelmisches Grinsen nicht zurückhalten. Allerdings ist es bei League of Evil keine brutale Gewaltorgie, die die Aufmerksamkeit der Spieler auf sich zieht. Vielmehr besticht das Jump ‘n‘ Run durch eine unwiderstehliche Mischung aus hohem Schwierigkeitsgrad und zugleich hohem Grad an Motivation. Die erwähnten 50 Todesfälle – innerhalb eines einzigen Levels – kommen dabei tatsächlich schnell zusammen. Nur sind davon nicht eure bedauernswerten Gegner betroffen, sondern der Held des Spiels! Warum ihr euch trotzdem nicht zitternd hinterm Sofa verstecken, sondern die beachtliche Herausforderung wagemutig annehmen solltet, verrate ich euch hier im Test.

Tödliche Stacheln, rotierende Hämmer – Die Umgebung lässt euch selten durchschnaufen.

League of Evil ist in fast jeder Beziehung recht einfach gestrickt, nur auf den Schwierigkeitsgrad trifft diese Aussage nicht zu. Grafik, Sound, Story, Levelstrukturen, Aufgaben, Hindernisse oder Gegner – alles sehr überschaubar und auf den Kern reduziert, ohne Schnickschnack und besondere Tiefe. Insofern ist das Abenteuer auch nicht kompliziert zu beschreiben: Ihr durchquert recht kurze Level, die im Erfolgsfall meist in weniger als einer Minute zu meistern sind. Dabei gibt es drei Ziele: Hauptaufgabe ist es, das Levelende zu erreichen, wodurch ihr auch das nächste Level freischaltet. Wer sich zusätzlich fordern möchte, sammelt unterwegs noch einen Koffer ein (in jedem Level gibt es genau einen) oder versucht, das Level in möglichst kurzer Zeit zu durchqueren und damit eine Bewertung von bis zu drei Sternen zu erreichen.

Das Ganze klingt unspektakulär, und das ist es im Grunde auch. Aber es ist noch etwas: ziemlich packend! Denn selten werdet ihr ein Level im ersten Versuch bezwingen! Tödliche Hindernisse wie Stacheln, Geschosse oder feindlich gesonnene und bewaffnete Gegner setzen eurem Fortschritt mit nur einem Treffer ein jähes Ende. Dies könnt ihr durch eure Sprungkünste verhindern und mit Doppelsprüngen und Wandsprüngen auf artistische Weise fast beliebig lange den Bodenkontakt vermeiden. Euren Gegnern dürft ihr mit einfachen Schlägen im Nahkampf Benehmen beibringen, Schusswaffen oder andere Items, die euch Vorteile bringen würden, sucht ihr allerdings vergeblich. Was der eine Spieler als fehlende Tiefe und Abwechslung bemängeln könnte, feiert der andere Spieler als einzig wahres Gameplay, das auf den Kern reduziert wurde und somit voll auf die Skills des Zockers fokussiert ist.

Ein Spiel für echte Männer – und natürlich auch echte Frauen

Das Leveldesign stellt euch häufig Fallen im Sekundentakt, sodass ihr nach einer überstandenen, schwierigen Passage keine Zeit zum Durchschnaufen habt, sondern euch direkt wieder in digitaler Lebensgefahr befindet. Dass sowas nicht immer gut geht, ist klar. Somit steigt der Todeszähler an, der tatsächlich eure Fehlversuche innerhalb eines einzigen Levels anzeigt. Derweil meistert ihr ein Hindernis nach dem anderen mal erfolgreich, mal auch nicht und prägt euch dabei die Levelstruktur ein, passt eure Taktik an und versucht immer wieder aufs Neue, ein Stückchen weiter voranzukommen. Irgendwann, nachdem ihr die Hoffnung fast aufgegeben hattet, schafft ihr es dann doch plötzlich, unbeschadet bis zum Ziel vorzudringen. Erfahrene Spieler werden sicher auch viele Level mit nur wenigen Fehlversuchen meistern, aber unterm Strich ist League of Evil schlicht und einfach schwer.

Eine kleine, lustige Geschichte wird ebenfalls erzählt.

Also sollten sich weniger begabte Zocker lieber nicht ins Abenteuer stürzen? Jein. Sicherlich solltet ihr mit dem Scheitern zurechtkommen und den Ehrgeiz besitzen, auch mehrere Versuche anzustrengen, um erfolgreich zu sein. Allerdings liefert euch dieses Spiel überraschenderweise relativ wenig Frust. Anstelle eines Gefühls der Resignation taucht immer wieder der „Einmal versuche ich es noch“-Gedanke auf. Und wenn man dafür schließlich belohnt wird, folgt auch gerne die spontane „Ein Level spiele ich noch“-Entscheidung. Woran liegt das? Der Schlüssel liegt in den knackig-kurzen Leveln. Viele andere Spiele lassen die Spieler nach einer missglückten Passage erst einmal fünf Minuten lang Aufgaben wiederholen, die zuvor bereits erfolgreich absolviert wurden. Diese werden dann langweilig, wenn sie sowieso nicht besonders schwierig sind. Sind sie dagegen selbst herausfordernd, wird es ziemlich schwer, das ganze Level zu bestehen, weil es einfach viel zu viele harte Stellen gibt. Und spätestens, wenn man mehrfach an einer Stelle scheitert, die man erst in minutenlanger Fließbandarbeit erreichen muss, wird es frustrierend und demotivierend. All dies umgeht League of Evil durch seine kurzen Level. Vielleicht scheitert man oft an bestimmten Stellen, dafür kann man es aber auch in kürzester Zeit erneut versuchen und sich dann ganz auf den eigentlichen Knackpunkt konzentrieren. Somit wachsen auch weniger erfahrene Spieler an den gestellten Aufgaben – sie dürfen beliebig oft scheitern, müssen es aber nur einmal schaffen.

Mit Level-Editor zum Spiele-Hit

Zur technischen Präsentation gibt es nicht sonderlich viel zu sagen. League of Evil reiht sich ein in die Armee der zahllosen Indie-Spiele, deren eingeschränktes Budget nichts Besonderes zulässt und die deshalb auf den Retro-Zug aufspringen. Pixel-Look und ein Soundtrack, der an die Konsolen meiner Kindheit erinnert, als schlicht und einfach noch nicht mehr möglich war, reißen sicher niemanden vom Hocker. Während manche Spiele mit Retro-Look noch durch liebevolle Details und Einfallsreichtum glänzen, ist League of Evil in höchstem Maße monoton. Ein paar unterschiedliche Settings bringen zumindest ein klein wenig Abwechslung ins Spiel, aber sicher ist, dass Grafik und Sound für die breite Masse der Spieler einfach keine Verkaufsargumente sind. Hier überzeugt zum Glück das Gameplay, sodass wir die Technik als für dieses Spiel unbedeutend abtun können.

Besteigt den ntower! Diese Stage habe ich mit dem Level-Editor erstellt. Missions-ID: XWHGNYTR

Die extrem einfach gestrickte Präsentation bringt aber auch einen großen Vorteil mit sich: League of Evil besitzt einen guten Level-Editor, mit dem ihr problemlos tolle Stages basteln könnt. Das Spiel ist nicht komplex, darum ist es der Editor auch nicht. Eine überschaubare Anzahl an Optionen überfordert euch nicht, sondern ist sehr leicht zugänglich und lädt somit zum spontanen Basteln ein, ohne dass man gefühlt ein ausgebildeter Level-Designer sein müsste. Ähnlich wie im Spiel Super Mario Maker könnt ihr die eigenen Stages nach erfolgreichem Austesten hochladen und somit anderen Spielern zur Verfügung stellen. Leider könnt ihr dem Kind keinen Namen geben, dafür gibt es aber eine Level-ID, mit der ihr Freunden euer Level zugänglich machen könnt. Umgekehrt bedeutet der Editor für euch auch Zugriff auf praktisch unbegrenzten Nachschub neuer Herausforderungen in Form von herunterladbaren Leveln und Level-Paketen, was dem Spiel in Sachen Umfang und Langzeitspaß ein dickes Plus beschert. Beim Spielen vermisst man auch nicht wirklich die Geschichte des Story-Modus, denn diese ist zwar witzig gemacht, aber doch sehr kurz und im Vergleich zum Gameplay völlig unbedeutend, darum auch hier im Test nur eine kleine Randnotiz.

Redaktionswertung

8

Spiele-Hit

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Unser Fazit zu League of Evil

Meinung von Roman Dichter
Man könnte League of Evil viele Kritikpunkte um die Ohren pfeffern: die belanglose Story, die langweilige Grafik oder den Minimalismus, der das Spiel bis in die letzte Code-Zeile durchdringt. Trotzdem kann ich euch dieses Spiel wirklich ans Herz legen! Hier merkt man mal wieder, dass es nicht möglich ist, aus der Einschätzung von Teilaspekten wie Grafik, Sound, Story etc. eine Gesamtwertung abzuleiten, denn jedes Spiel hat einen eigenen Fokus und will etwas Eigenes sein und schaffen. League of Evil möchte durch ein Gameplay überzeugen, das sehr knackige und kurze Level auf die Spieler loslässt, welche dann vielleicht eine zwei- bis dreistellige Anzahl an Fehlversuchen erleiden, aber doch immer wieder motiviert sind, es weiter zu versuchen, um es schließlich mit großem Glücksgefühl zu schaffen. Dies gelingt dem Spiel meisterhaft. Der Level-Editor füttert zudem eure Kreativität und sorgt für grenzenlosen Level-Nachschub, sodass Jump ‘n‘ Run-Fans, die Herausforderungen lieben, diesem unscheinbar wirkenden Download-Titel unbedingt eine Chance geben sollten!
Mein persönliches Highlight: Als ich ein eigenes Level erstellt und es tatsächlich erst nach mehr als 100 Versuchen selbst gemeistert habe

Kommentare 3

  • Splatterwolf In der Anstalt seit 1889 - 04.09.2017 - 17:49

    Das Spiel ist witzig, kommt für mich nicht ganz an sowas wie Super Meat Boy ran, aber um die drei Sterne im Level zu ergattern, muss man sich schon ordentlich anstrengen. :D
  • Juggi83 Werder! - 04.09.2017 - 19:49

    Hab diese Art von Genre (hardcore jump n runs?) bis zum Test von Slim-San nie gespielt. Das finde ich nach wie vor richtig gut und bin jetzt kurz davor auch diesen Titel auszuprobieren. Aber bei slim san hab ich noch viele viele lvl vor mir, so dass ich wohl auf super meat boy warte.

    Danke für den Test. Sehr geiler Prolog. Musste schon schmunzeln.
  • Cyd Turmbaron - 04.09.2017 - 20:30

    Finde das Spiel ganz ok, aber auch nicht wirklich pralle. Da ist ein Super Meat Boy für mich doch um einiges sehr viel besser.